Lebensdaten
1702 bis 1786
Geburtsort
Gut Freienwillen in Angeln
Sterbeort
Glücksburg
Beruf/Funktion
Landwirtschaftsreformer ; Pastor
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100805019 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lüders, Philipp Ernst

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Zitierweise

Lüders, Philipp Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100805019.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian (1665–1728), Oberförster im Dienste d. Glücksburger Herzogs;
    M Anna Dorothea Elisabeth Axen, Bauern-T aus Satrup;
    1729 Elsabe Margarethe (1704–81), T d. Eberhard Vette (1673–1739), Hauptpastor in Munkbrarup, u. d. Margaretha Valentiner.

  • Leben

    L. war einer der zahlreichen Pastoren der Aufklärungszeit, denen nicht nur das Seelenheil ihrer Pfarrkinder, sondern auch deren wirtschaftliche Situation am Herzen lag. – Er verbrachte seine Kindheit überwiegend auf dem großväterlichen Bauernhof in Satrup. 1721 ging er zum Theologiestudium nach Wittenberg und 1723 nach Jena. 1728 erhielt er die 2. Pfarrstelle in Munkbrarup b. Flensburg. Der junge Hzg. Friedrich von Schleswig-Holstein-Glücksburg wurde auf ihn aufmerksam und ernannte ihn 1730 zu seinem Hofprediger, 1755 wurde er schließlich Propst in Glücksburg. Bei seinen Inspektionsreisen zu Pferd und zu Fuß lernte er die Sorgen und Nöte der ländlichen Bevölkerung kennen; ihm wurde klar, daß nur eine intensivere Landwirtschaft Abhilfe schaffen könne. Damals wurde eine Reihe neuer Kulturpflanzen aus Holland und England in Deutschland eingeführt: Rotklee, Weißklee, Kartoffeln, Esparsette und Luzerne. Durch praktische Versuche, die L. auf einem eigens angekauftem Ackerland in einer benachbarten Gemeinde anstellte, erwies sich, daß Rotklee, Weißklee und Kartoffeln durchaus für den Anbau in Angeln geeignet waren. Nun bemühte er sich, die Bauern für diese Neuerungen zu gewinnen. L. ließ sich laufend Kleesamen und Pflanzkartoffeln aus den Niederlanden schicken und verteilte sie in kleinen Portionen, damit die Landwirte eigene Erfahrungen machen konnten. Als in Kopenhagen in einer neuen Zeitschrift, dem „Oeconomischen Magazin“, die Patrioten aufgerufen wurden, an der Hebung der Landwirtschaft mitzuwirken, sah L. die Möglichkeit, seine Reformerfahrungen einem größeren Kreise mitzuteilen. In mehreren Aufsätzen erläuterte er, wie man durch Anbau von Klee und Kartoffeln, Bienenzucht, bessere Bearbeitung des Flachses, Schälen des Ackers im Herbst und andere Maßnahmen die Erträge der Landwirtschaft anheben könne. Da diese Aufsätze jedoch nur die gebildete Oberschicht, nicht aber die Bauern erreichten, denen eigentlich seine Sorge galt, ging er dazu über, kleine Flugschriften in einfacher Sprache zu verfassen und unentgeltlich zu verteilen. Den Druck bezahlte er zunächst aus eigener Tasche. 1762 gründete er einen gemeinnützigen Verein mit dem klangvollen Namen „Kgl. Dän. Acker-Akademie“, der ihn finanziell unterstützte und dessen Mitglieder (unter ihnen viele Pastoren) für soziale Reformen eintraten. Die Gesellschaft bestand allerdings nur vier Jahre, da der Generalsuperintendent Adam Struensee in Kopenhagen Anstoß an solch' weltlichem Tun der Geistlichen nahm und den ihm unterstellten Pfarrern die Mitarbeit untersagte. L. ließ sich jedoch nicht von seiner reformerischen Arbeit abhalten. Er fuhr fort, durch Flugschriften und Kulturanweisungen für die neuen Pflanzen zu werben, neben den schon genannten auch für Hopfen, Gewürz- und Färbepflanzen, ja sogar für Maulbeerbäume, um die Seidenraupenzucht zu ermöglichen. Er legte selbst eine Obstbaumschule an, aus der er an Interessenten Pfropfreiser vergab. Die durch Klee-Einsaat und Hackfrüchte verbesserte „Holsteinische Koppelwirtschaft“ wurde in der Folge auch für die mecklenburgischen Landwirte zum Vorbild, so daß L.s Anregungen auch überregional wirksam wurden.

  • Werke

    u. a. Kurzes Gespräch zw. e. Landmanne u. e. Prediger, worin d. Materie vom Lein, Potatos, Hopfen u. Klewerbau abgehandelt wird, 1760;
    Nachr. vom Kleewerbau, 1761;
    Die Kgl. Dän. Acker-Ak., 1763;
    Anleitung, wie d. Landbau auf|d. Heide könne verbessert werden, 1764;
    Abhh. u. Bedenken üb. d. Acker-Wesen u. d. Anbau versch. Feldfrüchte. 1765;
    Kurze Anleitung z. Leinbau, 1770;
    Anleitung z. Kartoffelbau, 1772;
    Schleswig Glücksburg. Btrr.z. Aufnahme ökonom. Wiss., 1785. - W-Verz.
    in: Meusel.

  • Literatur

    Schleswig-holstein. Provinzialberr. VI, 1792;
    O. C. Nerong, Die Verdienste d. Probstes Ph. E. L. in Glücksburg um d. Landwirts., in: Landwirtsch. Wochenbl. f. Schleswig-Holstein 1907, S. 653 f.;
    G. E. Hoffmann, Ph. E. L., Ein landwirtsch. Reformer Schleswig-Holsteins im 18. Jh., in: Bll. f. dt. Landesgesch. 89, 1952, S. 134-52;
    G. Schröder-Lembke, Prot. Pastoren als Landwirtsch.-Reformer, in: Zs. f. Agrargesch. u. Agrarsoziol. 1979, S. 94 f.;
    E. Kuhlmann, Die Familien Lüders in Schleswig-Holstein, in: Fam.kundl. Jb. Schleswig-Holsteins, 1971, 10, S. 37-46.

  • Portraits

    Stich v. F. Carstens n. Gem. v. J. Ipsen, 1784.

  • Autor/in

    Gertrud Schröder-Lembke
  • Empfohlene Zitierweise

    Schröder-Lembke, Gertrud, "Lüders, Philipp Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 456 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100805019.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA