Lebensdaten
1772 bis 1846
Geburtsort
Genf
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Forschungsreisender ; preußischer Generalleutnant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100791549 | OGND | VIAF
Namensvarianten
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Zitierweise

Minutoli, Johann Heinrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100791549.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Daniel Menu (1732–1811), Uhrmacher, S d. Nicolaus (1701–79), Graveurmeister aus d. Champagne (nicht aus Italien), u. d. Marie Vasserot;
    M Isabelle (1739–1816), T d. Benoit Lucadou (1683–1772), sard. Oberst aus d. Languedoc, u. d. Madeleine Luise Charlotte v. Chauvet;
    Om Ludwig Moritz v. Lucadou (1741–1812), preuß. Gen.major (s. Priesdorff III, S. 285-89);
    1) Gnevikow Kr. Ruppin 1801 ( 1812) Charlotte (1781–1863), T d. Alexander Friedrich v. Woldeck (1720–95), preuß. Gen.-Lt. (s. Priesdorff II, S. 162), u. d. Luise Ernestine v. Weltzien (1766–1834), 2) Triest 1820 Wolfardine (1794–1868), verw. v. Watzdorff, Schriftst. (s. W), T d. Adolph Friedrich Werner Gf. v. d. Schulenburg (1759–1825) u. d. Wolfardine v. Kampen (1773–94); 3 Saus 1) Adolph (1802–48), Jurist, Zeichner, Kunstsammler, Kammerherr u. Hofmarschall d. Hzg. Bernhard II. v. Sachsen-Meiningen, Julius (s. 2), Alexander (preuß. Frhr. 1866, seit 1868 Frhr. v. M.-Woldeck, 1806–87), Dr. iur., Reg.rat in Liegnitz, Kunstsammler (s. L).

  • Leben

    M. verbrachte seine Jugend auf dem elterlichen Landgut „Petit Morillon“ am Genfer See und im bad. Offenburg. Nach anfänglichem Privatunterricht besuchte er 1782-84 das Gymnasium illustre in Karlsruhe. Bei seinem Onkel, Ludwig Moritz v. Lucadou, vollendete M. in Magdeburg eine Militärausbildung und trat im Juli 1786 als „Bombardier“ beim Feldartilleriecorps in preuß. Heeresdienste. Aufgrund einer schweren Armverletzung während des 1. Koalitionskrieges gegen Frankreich erfolgte 1794 seine Versetzung an das Adlige Cadettencorps nach Berlin, wo er bis 1810 den Dienst als Ausbilder versah. Maßgeblich beteiligt an der Gründung zweier Berliner Gesellschaften (Militärische und Gesetzlose) und qualifiziert durch militärwissenschaftliche Publikationen, wurde er im August 1810 von Kg. Friedrich Wilhelm III. zum „Gouverneur“ über dessen drittältesten Sohn, den Prinzen Carl von Preußen berufen, 1813 erhielt er zusätzlich die Erziehung des Prinzen Wilhelm übertragen.

    Nach zehnjähriger Gouverneurstätigkeit trat M., von der preuß. Regierung finanziell und personell unterstützt, am 23.5.1820 eine abenteuerliche antiquarische Forschungsreise nach Ägypten an. 1823 wurde seine Ägyptische Sammlung, die aus 55 Papyri, sowie aus Skulpturen und Mumien bestand, vom Staat angekauft. Im selben Jahr wurde er als Generalleutnant mit einer Jahrespension von 1500 Talern vorabschiedet; daraufhin begab er sich zu einem dreijährigen Aufenthalt in die Schweiz, wo er das Landgut „Bois de Vaud“ nahe Lausanne erwarb. Ende 1826 kehrte M. nach Berlin zurück und unternahm in der Folge mehrere Studienreisen nach Italien, Frankreich und Dänemark. Er widmete sich in seinen Schriften primär den Altertums-, Geschichts-, Wirtschafts- und Militärwissenschaften.

    Obwohl Autodidakt, gehört M. in die Reihe bedeutender Forschungsreisender und Altertumswissenschaftler. Bereits im letzten Jahrzehnt des 18. Jh. hatte er in den Rheinlanden erfolgreiche Ausgrabungen vorgenommen. In Berlin hörte er bei M. H. Klaproth und J. E. Bode Kollegien. 1810 und erneut 1814 rief er zur „Stiftung einer alterthumsforschenden Gesellschaft“ auf. Als Mitarbeiter der von den Hallenser Professoren Ersch und Gruber herausgegebenen „Allgemeinen Encyclopädie der Wissenschaften und Künste“ erwarb sich M. bleibende Verdienste. Seine größte archäologische Pioniertat war die Eröffnung der Stufenpyramide des Djoser in Sakkara im März 1821. Neben seiner Ägyptischen Sammlung bereicherte M. den Sammlungsbestand der verschiedensten Abteilungen der Berliner Museen durch den Verkauf mittelmeerischer, „vaterländischer“ und sogar mexikan. Altertümer. Ein bedeutender Teil seiner großangelegten Kunstsammlung wurde 1858 in Leipzig versteigert, anderes wiederum hatten zuvor seine Söhne geerbt. Einen Förderer fand M. in dem Fürsten Pückler-Muskau, mit dem er befreundet war.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. u. Künste, Berlin, d. Asiat. Ges., Paris, u. d. Istituto di Corrispondenza Archeologica, Rom.

  • Werke

    Btrr. z. vaterländ. dt. Alterthumskde., in: Jbb. d. preuß Monarchie III, Dez. 1801, S. 303-08;
    Reise durch e. Theil v. Teutschland, Helvetien u. Ober-Italien im Sommer 1803, 3 Bde., 1804-06;
    Betrachtungen üb. d. Kriegsbaukunst, 1808;
    Reise z. Tempel d. Jupiter Ammon in d. Libyschen Wüste u. nach Ober-Aegypten in d. J. 1820 u. 1821, hrsg. v. E. H. Toelken, 1824 (mit Atlas), Nachträge, 1827;
    Beschreibung e. in d. J. 1826 u. 1827 zu Stendal in d. Altmark aufgefundenen alten heidn. Grabstaette, 1827;
    Abhh. vermischten Inhalts, 1831;
    Über d. Anfertigung II. d. Nutzanwendung d farbigen Gläser b. d. Alten, 1836;
    Friedrich u. Napoleon, 1840;
    Topograph. Übersicht d. Ausgrabungen griech., röm., arab. u. anderer Münzen u. Kunstgegenstände, 1843;
    Btrr. zu e. künftigen Biogr. Friedrich Wilhelms III. so wie einiger Staatsdiener seiner nächsten Umgebung, 1843;
    Militair. Erinnerungen aus d. Tagehuche d. Generallieutenants v. M., 1845;
    Feldzug d. Verbündeten im J. 1792, 1847. – Zu Wolfardine: Souvenir d'Égypte, 1826 (dt. 1829).

  • Literatur

    ADB 21;
    W. Koner, Verz. im J. 1845 in Berlin lebender Schriftst. u. ihrer Werke, 1846;
    Zs. f. Kunst. Wiss. u. Gesch. d. Krieges, H. 7, 1847, S. 36-63;
    NND 24, 1846, T. 2, S. 610-15;
    W. Deneke v. Weltzien, Das altadelige ital. Geschl. M. in Dtld., 1931 (P);
    K. Gründer, Die dt. M., in: Laubaner Heimatkal. 14, 1936, S. 54-60 (P);
    J. Sievers, Bauten f. d. Prinzen Karl v. Preußen, 1942, S. 2-13;
    G.-H. Zuchold, Prinz Karl v. Preußen u. d. Goslarer Kaiserstuhl, 1986 (P);
    H. Nehls, Italien in d. Mark, 1987 (P);
    ders., J. H. M. v. M., in: Der Herold 12, 1988, S. 193-200 (P);
    ders., Ein neuentdecktes Porträt Wilhelm Dorows, 1790–1845, in: Das Rhein. Landesmus. Bonn, 1989, H. 4, S. 54-56 (P);
    ders., Gen-Lt. v. M. in d. Oase Siwah, in: Museums-Journal 1, 1990, S. 22-24 (P);
    ders., Die ehemalige Eltestersche Altertümerslg. in d. Großen Nat.-Mutterloge „Zu d. drei Weltkugeln“ in Berlin, in: Bundesbl. 1990, H.|1/2, S. 7-21 (P);
    ders., Der Altertumsforscher N. J. H. B. Frhr. Menu v. M. (1772-1846), in: Forschungen u. Berr. 31, 1991, S. 159-68 (P);
    ders., Die Antikenslg. d. J. H. M. v. M. u. seine Bedeutung f. d. Altertumswiss., Diss. Berlin, 1993 (W, L, P);
    Priesdorff IV, S. 177-79 (P). – Teilnachlaß: Geh. Staatsarchiv Preuß. Kulturbes., Abt. Merseburg. – Zu M. u. Alexander: B. Vogelsang, Beamteneinkauf, Die Slgg. d. Frhr. v. Minutoli in Liegnitz, 1986 (L, P).

  • Portraits

    Gem. v. P. E. Genauer, 1823 (ehem. Königsberg, Schloß, wahrsch. Kriegsverlust, Abb. b. Priesdorff);
    Gem. v. L. Faure, 1823 (Berlin, Ägypt. Mus.);
    Lith. v. A. v. M. (Wolfenbüttel, Hzg. August-Bibl., Porträtslg.), Abb. b. Weltzien, vor S. 13.

  • Autor/in

    Harry Nehls
  • Empfohlene Zitierweise

    Nehls, Harry, "Minutoli, Johann Heinrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 549-551 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100791549.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Minutoli: Johann Heinrich Freiherr v. M., preußischer Generallieutenant, stammte aus einer alten italienischen, zur Zeit der Kämpfe zwischen den Hohenstaufen und dem Hause Anjou nach der Schweiz geflüchteten Familie, welche sich bis zum Jahre 1820 Menu v. M. schrieb. Am 12. Mai 1772 als Sohn vermögender Eltern zu Genf geboren, trat er 14jährig bei einem in Magdeburg garnisonirenden Infanterieregiment in den preußischen Militärdienst und nahm mit diesem seit 1792 am Kriege gegen Frankreich Theil, bis eine im Mai 1793 erhaltene schwere Wunde ihn dazu für die nächste Zeit unfähig machte. Seine Kenntnisse und sein Fleiß hatten die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf ihn gelenkt; in Folge hiervon wurde er 21jährig als Stabscapitän in das Berliner Cadettencorps versetzt, welchem er 16 Jahre lang angehört hat, bis er 1810 zum Gouverneur des Prinzen Karl von Preußen ( 1883) ernannt wurde. In dieser Stellung blieb er bis zur Volljährigkeit des Prinzen. Während dieser ganzen Zeit nahm er an den militärwissenschaftlichen Bestrebungen der Hauptstadt den lebhaftesten Antheil, schrieb eine große Zahl von Abhandlungen, Journalartikeln und selbständigen Werken und betheiligte sich eifrigst an der Stiftung und Entwickelung der Berliner militärischen Gesellschaft. Daneben bereitete er sich auf eine Reise nach Aegypten vor, welche er, von der Regierung unterstützt, in Begleitung seiner zweiten Gemahlin, der Wittwe eines bei Waterloo gefallenen Obersten v. Watzdorf, geb. Gräfin v. d. Schulenburg, und mehrerer Gelehrten, unter denen die Naturforscher Ehrenberg und Hemprich, der Orientalist Scholz und der Architekt Liman sich befanden, am 20. Mai 1820 antrat. Die Expedition wurde von mancherlei Unglücksfällen und Widerwärtigkeiten betroffen, welche ihre Erfolge beeinträchtigten. Eine Anzahl der Theilnehmer starb unterwegs, darunter Liman und Hemprich, mancher Plan mußte aufgegeben werden und schließlich ging ein Theil von Minutoli's Erwerbungen durch Schiffbruch in der Nordsee zu Grunde. Einen bedeutenden Theil erwarb für 22 000 Thaler König Friedrich Wilhelm III.; dieser wird im Berliner Museum unter den ägyptischen Alterthümern aufbewahrt. M. veröffentlichte über seine Erlebnisse seine „Reise zum Tempel des Jupiter Ammon und nach Oberägypten“, Berlin 1824. und einen Nachtrag 1827; seine Gattin schrieb „Souvenir d'Égypte“, Paris 1826, deutsch Leipzig 1829. Nach seiner Rückkehr im August 1822 lebte er, mit litterarischen Studien beschäftigt, zunächst in der Schweiz, dann in Berlin, wo er am 16. September 1846 starb. Von seinen zahlreichen Schriften sind die nennenswerthesten: „Beiträge zu einer künftigen Biographie Friedrich Wilhelms III.“, Berlin 1843; „Militärische Erinnerungen“, Berlin 1845; „Der Feldzug der Verbündeten im Jahre 1792“, Berlin 1847; 1795 hatte er ein|"Taschenbuch für Offiziere der leichten Truppen“ drucken lassen. Zu seinen Lieblingsstudien gehörte die Beschäftigung mit der Glasmalerei der Alten, worüber er Mehreres geschrieben hat. Seine bedeutende Sammlung von Miniaturen, Gemälden, alten Gläsern etc. ist nach seinem Tode zerstreut.

    • Literatur

      Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges, Jahrgang 1847, 7. Heft, Berlin.

  • Autor/in

    Poten.
  • Empfohlene Zitierweise

    Poten, Bernhard von, "Minutoli, Johann Heinrich Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 771-772 unter Minutoli, Heinrich von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100791549.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA