Lebensdaten
1469 bis 1544
Geburtsort
Oberdorfbach Kreis Passau
Sterbeort
Aldersbach Kreis Passau
Beruf/Funktion
Zisterzienserabt von Aldersbach ; Humanist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100373682 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mair, Wolfgang
  • Mayr, Wolfgang
  • Mair, Lukas (Taufname)
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Zitierweise

Marius, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100373682.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Flickschuster.

  • Leben

    M. war neben dem Benediktinerabt Angelus Rumpler von Formbach der bedeutendste Vertreter des Humanismus im niederbayer.

    Ordensklerus. Er besuchte die Lateinschule in Passau und trat 1489 als Novize in das Zisterzienserkloster Aldersbach ein (Profeß 1490). Sein Abt schickte ihn 1493 nach Empfang der Subdiakonatsweihe auf die Univ. Heidelberg. Das Studium schloß M. nach drei Jahren mit dem Grad eines Magister artium liberalium ab. Aus der Studienzeit rührte seine Freundschaft mit mehreren später auch zur Abtswürde gekommenen Ordensbrüdern her (u. a. Konrad Reuter von Kaisheim, Ulrich Molzner von Raitenhaslach). Vor seiner Rückkehr nach Aldersbach empfing M. 1497 in Worms die Diakonatsweihe, der im selben Jahr die Priesterweihe in Passau folgte. Danach war er Pfarrvikar von St. Peter in Aldersbach, seit 1501 Prediger an der zum Kloster gehörigen Wallfahrtskirche Kößlarn und seit 1504 Pfarrvikar im nahen Markt Rotthalmünster. Aus dieser Zeit stammen die ersten lat. Hexameter, die nicht nur ein gemütvolles Herz, aufgeschlossen für die Schönheiten der Natur, offenbaren, sondern M. auch als schonungslosen Zeitkritiker ausweisen (Carmen de bello Norico – Landshuter Erbfolgekrieg 1504/05).

    Geschätzt als Prediger, erwies sich M. auch als fähiger Wirtschafter, der die bitteren Folgen des Krieges bald zu beseitigen wußte. So war es fast eine Selbstverständlichkeit, daß bei dem am 2.6.1514 anstehenden Wahlgang M. zum Abt des Klosters gewählt wurde. Dreißig Jahre lang führte er die moralisch und wirtschaftlich heruntergekommene Zisterze mit Energie und Tatkraft wieder einer besseren Zukunft entgegen, obwohl die Zeitströmung dem Vorhaben zuwiderlief. Der Konvent von Aldersbach blieb von den Auswirkungen der Reformation nicht verschont. Mit Martin Luthers Angriffen auf den Ordensstand und das Klosterwesen setzte er sich in zwei theologischen Kontroversschriften auseinander. Maßvoll in der Polemik, gekennzeichnet durch sicheres historisches Urteilsvermögen, erweisen sie M. als einen bedeutenden theologischen Gegner Luthers (S. Riezler). Der Verteidigung des Ordensstandes und seinem Bemühen um die Erhaltung der klösterlichen Disziplin galten 1534 eine Übersetzung der Regel des hl. Benedikt ins Deutsche sowie eine Einführung zu ihrem lat. Text.

    Von M., den Caspar Bruschius als „versificator insignis“ bezeichnete, sind etwa 80 Gedichte aus den Jahren 1501 – ca. 1526 erhalten. Seine größte rein geistliche Dichtung schrieb er 1514, kurz bevor er zum Abt gewählt wurde. Es ist das Lied vom Leiden und Sterben Christi (Christi Fasciculus florido … digestus). Ein Jahr später gelangte es als einzige Schrift noch zu seinen Lebzeiten zum Druck. Mehr als eine Klostergeschichte im herkömmlichen Annalenstil schuf M. mit den „Annales ecclesiae Alderspacensis“ (Clm 1012, 27115), die er in die große Welt- und Kirchengeschichte einbettete. Johann Aventin aus Abensberg wußte den Abt zu schätzen; er widmete ihm eine Ode (Clm 1851). Als Testament des Abtes sind seine „Protestationes coram aliquibus ad hoc vocatis … morienti utiles“ zu bezeichnen, Glaubens- und Schuldbekenntnisse eines dem Tode entgegensehenden Menschen (Bayer. Hauptstaatsarchiv, StAL Rep. 44 Fasc. 3 Aldersbach).

  • Werke

    Weitere W Sammelbd. mit e. v. M. selbst getroffenen Auswahl v. Gedichten, 1501-26, Bayer. Staatsbibl. München (Clm 1851);
    Votorum monasticorum Tutor, 1526 (Clm 2886);
    In aliquot Lutherana paradoxa dialogus, 1528 (Clm 2874);
    Sanct Benedicten-Regel, 1534 (Cgm 4616, Clm 2890);
    Pontificum et Archipraesulum Laureacensis et Pataviensis ecclesiarum Cathalogus, = Gesch. d. Passauer Bischöfe v. Thomas Ebendorfer, überarb. u. erg., 1541 (Clm 1012);
    Ann. ecclesiae Alderspacenses (Clm 1012), veröffentl. v. M. Hartig, in: Verhh. d. Hist. Ver. v. Niederbayern 42 f., 1906 f.

  • Literatur

    ADB 52;
    M. Gloning, Aus d. Gedichteslg. d. Abtes M. v. Aldersbach, in: StMBO NF 2, 1912;
    J. Oswald, in: Bayer. Kirchenfürsten, 1964, S. 149 ff.;
    ders., in: Ostbair. Grenzmarken 7, 1964/65, S. 310 ff.;
    ders., in: Festschr. Johs. Spörl, 1965, S. 354 ff.;
    ders., in: Festschr. Max Spindler z. 75. Geb.tag, 1969, S. 401 ff.;
    F. Lenhardt, in: Sammelbl. d. Hist. Ver. v. Ingolstadt 92, 1983, S. 145 ff.;
    W. Hauer, in: 1250 J. Aldersbach, 1985, S. 93 f.

  • Portraits

    Passionsaltar (Christus vor Herodes) (Münster Ingolstadt), Abb. b. Lenhardt, s. L;
    Rotmarmorgrabstein (Pfarrkirche Aldersbach), Abb. in: Kunstdenkmäler v. Bayern, Bez. Amt Vilshofen, 1926, S. 49.

  • Autor/in

    Edgar Krausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Krausen, Edgar, "Marius, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 218 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100373682.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mayer: Wolfgang M. (Marius), Cistercienser, Abt von Aldersbach, geboren am 18. October 1469 zu Oberdorfbach bei Vilshofen in Niederbaiern, am 14. October 1544. Er trat im J. 1490 zu Aldersbach in Niederbaiern in den Cistercienserorden. 1493 wurde er zu weiteren Studien an die Universität Heidelberg gesandt, von wo er nach drei Jahren als Magister der freien Künste in das Stift zurückkehrte. Am 22. September 1497 empfing er zu Passau die Priesterweihe und feierte am 30. October seine Primiz. Am 28. März 1498 wurde er Pfarrer an der St. Peterskirche im Dorfe Aldersbach, zugleich Kaplan des Abtes; 1501 Prediger in Köstlarn, 1504 Pfarrer in Rotthalmünster. Am 2. Juni 1514 wurde er zum Abte von Aldersbach gewählt. Die dreißigjährige Regierung des hervorragend tüchtigen Mannes, der nicht nur ein musterhafter Ordensmann und tüchtiger Gelehrter, sondern auch ein umsichtiger Verwalter war, gereichte unter den bald beginnenden schlimmen, verworrenen Zeitverhältnissen dem Stifte zum Segen. Es gelang ihm, die materiellen Verhältnisse desselben, die er in sehr mißlichem Stande übernahm, zu ordnen und zu bessern, die Ordenszucht und die Pflege der Wissenschaften aufrecht zu erhalten und das Stift über die schlimmsten Jahre, in denen der Mangel an Nachwuchs dessen Zukunft in Frage zu stellen drohte, hinüberzuretten.

    Die meist ungedruckt gebliebenen Schriften Mayer's bewahrt in seiner eigenhändigen Niederschrift die Münchener Hof- und Staatsbibliothek. In den früheren Jahren seiner seelsorgerischen Wirksamkeit hatte er seine Muße vorzugsweise der Poesie gewidmet. Seine größeren und kleineren lateinischen Dichtungen stellte er in Reinschrift in einem Bande zusammen (Cod. lat. Mon. 1851). Von zeitgeschichtlichem Interesse ist darunter die größere Dichtung in lateinischen Hexametern über den bairisch-pfälzischen Erbfolgekrieg, De bello norico, 1508 verfaßt. Kleinere Gedichte zeigen ihn in freundschaftlichem Verkehr mit angesehenen Gelehrten, wie dem Benedictinerabt Angelus Rumpler von Formbach, dem Cistercienserabt Konrad Reuter von Kaisersheim, dem Magister Johann Hirspeck von Pfarrkirchen. Gedruckt erschien von seinen poetischen Werken nur das religiöse Gedicht über das Leben und Leiden Christi: „Christi fasciculus florido heroici poematis charactere digestus“ (Landshut 1515; später erschien davon eine deutsche Uebersetzung: „Passio Jesu Christi aus den vier Evangelisten zusammengezogen und in Gesangsweis gestellt“, Tegernsee 1580). Als Abt wendete sich M. vorzugsweise historischen Forschungen zu. Sein historisches Hauptwerk sind die Aldersbacher Annalen: „Annales sive Chronicon domus Alderspacensis“ (in Cod. lat. Mon. 1012; davon eine spätere Abschrift in Cod. lat. Mon. 27 115); im Jahre 1518 geschrieben, dann von Jahr zu Jahr fortgesetzt; im ganzen von der Gründung, Anfang des 12. Jahrhunderts, bis Ende 1542 gehend. Eine in der Klosterbibliothek vorhandene Geschichte der Bischöfe von Passau bis 1479 von einem unbekannten Verfasser bearbeitete er neu und setzte sie selbständig bis 1542|fort: „Pontificum et Archipraesulum Laureacensis et Pataviensis ecclesiarum catalogus“ (Cod. lat. Mon. 1012). An den religiösen Kämpfen der Zeit betheiligte sich M. mit zwei Streitschriften gegen die lutherische Neuerung, die wie seine historischen Werke damals ungedruckt blieben. Gegen Luther's „Judicium de votis monasticis“ (Wittenberg 1522) verfaßte er die Schrift: „Votorum monasticorum tutor“ (1526; Cod. lat. Mon. 2886), ruhig und maßvoll in der Polemik, „sowohl hinsichtlich der Form als des Inhalts eine der besten Apologien, die durch Luther's Brandschrift in katholischen Kreisen hervorgerufen wurden“ (Paulus S. 585). Zwei Jahre später, 1528, schrieb M. den „Dialogus in aliquot Lutherana paradoxa“ (Cod. lat. Mon. 2874), in Form eines Dialoges zwischen einem Abt und einem Mönch über die wichtigsten der damals bestrittenen Lehrpunkte; von den 41 Capiteln dieser Schrift sind 14 gedruckt bei Wiest (Progr. III u. IV, Ingolstadt 1792). Ferner ist noch die Handschrift zu erwähnen: „Regula S. Benedicti cum prologo et appendice Wolfgangi Marii abbatis in Alderspach“ (Cod. lat. Mon. 2890, vom Jahre 1535).

    • Literatur

      P. Stephan Wiest (O. Cist.), De Wolfgango Mario Abbate Alderspacensi Ord. Cisterciensis inter eruditos Bavaros seculi XVI. scriptore haut incelebri Programma historico-theologicum I—IV (Ingolstadii 1788 bis 1792). — N. Paulus, Wolfgang Mayer. Ein bayerischer Cistercienserabt des 16. Jahrh.; Historisches Jahrbuch, 15. Bd. 1894, S. 575—588. — A. M. Kobolt, Baierisches Gelehrten-Lexikon (Landshut 1795), S. 431 f.

  • Autor/in

    Lauchert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lauchert, Jakob, "Marius, Wolfgang" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 279-280 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100373682.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA