Lebensdaten
1636 bis 1716
Geburtsort
Sulzburg bei Freiburg (Breisgau)
Sterbeort
Rostock
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 100280560 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fecht, Johannes
  • Fecht, J.
  • Fecht, Jo.
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Zitierweise

Fecht, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100280560.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johs. (1597–1672), Sup. d. Mgfsch. Hochberg, S d. Michael, Bader u. Chirurg in Münsingen, seit ca. 1600 in Durlach;
    M Regina Barb. ( 1664), T d. Joh. Jak. Dahler ( 1670), bad. Gen.-Sup. in Emmendingen; 12 Geschw.;
    1667 Maria Magd. ( 1704), T d. Georg Obrecht (enthauptet 1673), Dr. iur., Advokat u. Prokurator d. Kl. Rats in Straßburg (s. ADB 24), u. d. Marie Magd. Marbach; Schwäger Elias Obrecht (1654–98), schwed. Min., Ulrich Marbach (1651–1720), Prof. d. Rechte in Straßburg;
    6 S, 1 T, u. a. Ernst Heinr., Hof- u. Leibmedikus in Schwerin, Gustav Frdr., Protonotar d. Konsistoriums zu R., Aug. Magnus, meckl. Hof- u. Legationsrat, Johs. Karl, Goldschmied.

  • Leben

    F. unternahm – nach philosophisch-philologischen, historischen und theologischen Studien (1655–61) in Straßburg – 1661-66 eine Bildungsreise (Heidelberg, Wittenberg, Gießen). Von dem Frömmigkeitstypus und der Reformprogrammatik des Straßburger Luthertums (J. C. Dannhauer) ist F. ebenso bestimmt wie von der Wittenberger Orthodoxie: durch den gemeinsamen Straßburger Hintergrund anfänglich mit Spener verbunden, vertrat er dem Pietismus gegenüber die Reinheit der Lehre und lehnte den „Indifferentismus“ (G. Arnold, Chr. Thomasius, J. K. Dippel) schärfstens ab, setzte sich aber für praxis pietatis ein. – F., der in Durlach 1669 Hofprediger und Theologieprofessor, 1688 Generalsuperintendent der Markgrafschaft Baden-Durlach geworden war, wurde 1690 – noch auf Empfehlung Speners – Professor und Superintendent in Rostock. In diesem Amt machte er sich – in Gemeinschaft mit Gesinnungsverwandten (Johann Peter Grünenberg, Alb. Joachim von Krakevitz) – um die mecklenburgische Kirche hochverdient: er förderte die Bibelverbreitung und das Schulwesen mit ausdrücklichem Bezug auf das gothaische Vorbild Ernsts des Frommen und trat für eine neue Form kirchlicher Eigenständigkeit (Synoden, Stärkung und Schutz der Pastoren gegen Übergriffe der Patrone) ein. F.s Rostocker Wirksamkeit, die die Frequenz der Theologischen Fakultät um ein beträchtliches hob, beeinflußte auch die pommerische Pfarrerschaft. Als führender Gutachter in den der Fakultät vorgelegten Streitfragen vertrat F. bei maßvoller Sachlichkeit und überzeugt von der besseren biblischen Begründung einen antipietistischen, insbesondere antichiliastischen Standpunkt: im terministischen Streit, im Streit um den Chiliasmus J. W. Petersens, im Kampf um die „Theologia irregenitorum“ (der die Objektivität der orthodoxen Inspirationslehre berührte) mit dem Hallenser J. J. Breithaupt, in der prinzipiellen Auseinandersetzung um den Pietismus im Gegensatz zur pietistenfreundlichen Haltung der Gießener. F.s antipietistische Stellungnahme erklärt sich zum Teil aus dem Bestreben, die von Radikalismus eingeleitete Entwicklung einzudämmen und eine Diskreditierung der Reformorthodoxie, deren Programm er praktisch akzeptierte, zu verhindern. Doch entzog das Übermaß der polemischen Theologie ihm die Möglichkeit eines Neubaues.

  • Werke

    W u. a. Historiae ecclesiasticae saeculi XVI supplementum…, Frankfurt, Speyer, Durlach 1684;
    Sylloge selectiorum ex univ. theol. controversiarura…, Rostock 1698;
    Philocalia sacra, ebd. 1707;
    Compendium univnrsam theologicam theticam et polemicam complexum, ed. J. Hoxa, Zerbst 1740, verb. Aufl. 1883.

  • Literatur

    ADB VI;
    Karl Gust. Fecht, Urkundl. Gesch. d. Fam. F., 1857;
    A. Tholuck, Das kirchl. Leben d. 17. Jh. II, 1862, S. 183 ff.;
    W. Gaß. Gesch. d. prot. Dogmatik III, 1862, S. 36, 148;
    G. Frank, Gesch. d. prot. Theol. II, 1865, S. 165, 286, 308;
    P. Grünberg, Ph. J. Spener III, 1906, S. 15 ff.;
    H. Leube, Die Reformideen in d. dt. luth. Kirche z. Z. d. Orthodoxie, 1924;
    K. Schmaltz, KG Mecklenburgs III, 1952 (s. Reg.);
    Jöcher II.

  • Portraits

    in: G. Kohfeldt, Rostocker Professoren u. Studenten im 18. Jh., 1919.

  • Autor/in

    Eberhard H. Pältz
  • Empfohlene Zitierweise

    Pältz, Eberhard H., "Fecht, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 38 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100280560.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fecht: Johannes F., geb. zu Sulzberg im Breisgau, wo sein Vater Johannes F. Pastor und baden-hochbergischer Superintendent war, am 25. Dec. (15. Dec. alten Stils) 1636, 1716 am 5. Mai zu Rostock, einer der bedeutendsten Theologen seiner Zeit, ist nachher weniger genannt, weil er, trotz mehrerer Streitschriften, friedfertig war. Als vir pacificus ist er 1690 vom Juristen Fechting rühmend in die Rostocker Matrikel eingetragen, damals ein seltenes Lob. Bis zum neunten Jahre lebte er mit der Mutter, einer Tochter des badischen Generalsuperintendenten Joh. Jak. Dahler in Emmendingen, vor den Ligisten und Franzosen flüchtig in Basel. 1653 bezog er das Gymnasium illustre zu Durlach (unter Joh. Spies) und 1655 die Universität Straßburg, wo er 6 Jahre im Hause seines spätern Schwiegervaters, des Juristen Georg Obrecht, blieb und namentlich den Hebraisten Scheidt, den Philologen Böcler und die Theologen Dannhauer, beide Schmidius und Balth. Bebel hörte. Mit Unterstützung seines Landesherrn, des spätern kaiserl. Feldmarschalls, Markgrafen Friedrich VI. von Baden, besuchte er 1662 Heidelberg, wo er Sam. v. Pufendorf's Colleg über Hugo Grotius' De jure belli et pacis hörte, Tübingen und Jena, 1663 Leipzig, dann immer weiter studirend bis 1665 Wittenberg und endlich Gießen, wo er 1666 Lic. theol. wurde. Im selben Jahre gab ihm der Markgraf die Pfarre zu Langendenzlingen und machte ihn zum Adjuncten seines Vaters im Präsidium der hochbergischen Synode. 1668 wurde er Hofprediger, Kirchen- und Consistorialrath, auch Prof. theol. zu Durlach, 1688 Generalsuperintendent der ganzen Markgrafschaft; einen Ruf nach Rostock, wohin sein Verwandter Spener ihn empfohlen, lehnte er ab. 1689 mußte er beim Einbruch der Franzosen nach Wildbad, dann nach Calve fliehen, seine Bibliothek|verbrannte in Durlach. Da folgte er dem wiederholten Rufe des letzten Herzogs von Mecklenburg-Güstrow Gustav Adolf nach Rostock, wo er Prof. theol. und Consistorialrath, 1690 auch Superintendent wurde. Die vorbehaltene Zurückforderung nach Durlach machte der Markgraf nach dem Frieden von Ryswik geltend, der an erblicher Arthritis leidende F. konnte aber nicht reisen. An demselben Leiden starb er. Durch seine 1667 heimgeführte, 1704 gestorbene Frau Maria Magdalena Obrecht, deren Mutter eine Marbach war, kam er in die genaueste Beziehung zu diesen altstraßburger Familien. Er stand in Briefwechsel mit fast allen Gelehrten seiner Zeit, war ein beliebter Lehrer, ein guter Verwalter für seine Facultät und die Rostocker Universitätsbibliothek. Er war streng orthodox, galt als bedeutender neutestamentlicher Exeget und Hebraist und hatte große philologische Kenntnisse. Bekannt machte er sich 1665 durch die Wittenberger Disputation „De Origine et Origenianis“, Aufsehen erregte die 1684 von ihm herausgegebene Briefsammlung der Theologen des Reformationszeitalters an Joh. Erasm. und Philipp Marbach. Eine Sammlung kleinerer Schriften „Noctes christianae“ gab er 1677 heraus, die 1688 und 1706 in der größeren Sammlung „Schediasmata sacra“ wieder erschien. 1686 griff er in den Streit wegen Vereinigung der römischen und der „protestirenden“ Kirchen ein, den Matthäus Prätorius durch seine Tuba pacis angeregt hatte. Aus dem Durlacher Archiv veröffentlichte er 1694 (wieder erschienen 1709) die „Historia Colloquii Emmendingensis"; Sammelwerke seiner kleineren und anderer theologischer Schriften führen den Titel „Selectiorum ex universa theologia controversiarum sylloge“ und „Philocalia sacra“, sie sind wiederholt aufgelegt. Noch 1715 erschien von ihm als Streitschrift gegen die Gießener Facultät: „Der theologischen Facultät zu Rostock Beantwortung der Frage: Ob die Pietisterey ein Fabel sey.“ Ein volles Verzeichniß seiner zahlreichen Schriften steht in der Einladung zur nachträglichen Leichenfeier Fecht's vom theologischen Decan Alb. Joach. v. Krakewitz (25. Juni 1716), der auch die Lebensdata in seiner Prorectoratseinladung gleicher Bestimmung vom gleichen Tage gibt. — Rector der Universität Rostock war F. 1691, 1697, 1703, 1709 und 1712.

    • Literatur

      Vgl. außer den 2 Programmen (Habichthorst) Rostochium litteratum de a. 1698 Rostocker Etwas I. S. 121 und Ungnaden, Amoenitates p. 1371.

    • Korrektur

      |Fecht's Vorlesungen finden sich insgesammt handschriftlich auf der Rostocker Universitäts-Bibliothek. Kr.

  • Autor/in

    Krause.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, "Fecht, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 592-593 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100280560.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA