• Genealogie

    ⚭ Maria Catharina Parkensteiner ( 1615);
    K.

  • Leben

    Als Schüler Jacob Bidermanns besuchte M. bis 1609 das Gymnasium in München. Danach studierte er Philosophie in Dillingen, wo er 1612 den Magistergrad erwarb. Seit 1614 Präceptor der Kleriker (Fratrum Iuniorum) im Kloster Weihenstephan, wurde er im Juni 1621 Kanzlist bei der Hofkanzlei Hzg. Maximilians von Bayern, zwei Jahre später dessen Geheimschreiber. M. spielt als Schriftsteller, noch mehr als Übersetzer eine zentrale Rolle im regen Münchner Literaturbetrieb des frühen 17. Jh. Sein erstes Werk, der in Weihenstephan entstandene Zyklus „Templa Frisingensia“ (1614), verrät humanistische Gelehrsamkeit, zugleich pädagogisches Ethos und persönliche Frömmigkeit. Das Büchlein bringt eine kunstvoll komponierte Beschreibung der Freisinger Kirchen in lat. Versen. In München fand M. Anschluß beim „Dichterkreis“ um Jacob Bälde, zu dem auch Albrecht Gf. Curtz und Johann Kuen gehörten. M. übersetzte u. a. Jacob Kellers „Panegyricus“ (1621) auf Hzg. Maximilian, Baldes „Agathyrs“ (1638), vor allem aber zahlreiche Traktate des berühmten Jeremies Drexel ins Deutsche sowie mehrere ital. Werke ins Lateinische und Deutsche und förderte damit den Einfluß der Romania auf das süddeutsche Geistesleben. Schließlich hat er 1628 die „Geistliche Angelica Oder Seelen Wurtz“ herausgegeben, eine Sammlung gereimter Gebete mit eigenen Beiträgen. Seine bedeutendste und folgenreichste Leistung ist die Übersetzung von Bidermanns Drama „Cenodoxus“ (1635), mit der er auch bekannt wurde. Noch deutlicher als bei den Traktaten Drexels weist er sich hier als Meister einer anschaulichen, bilderreichen, leicht verständlichen Sprache, des sog. Schriftbayerisch, aus. Nicht nur das Versmaß, sondern auch die Stillage sind verändert, um dem neuen, weniger gebildeten Publikum, das nur die Volkssprache verstand, gerecht zu werden. Mit dieser Übersetzung eines Dramas, einer der wenigen zeitgenössischen, erleichterte M. vor allem den modernen Zugang zum Jesuitentheater. Seine Leistung als Übersetzer, aber auch als Lyriker, als der er sich u. a. durch die Übersetzungen von Drexels Traktaten präsentiert, hat noch keine Darstellung gefunden, ebensowenig wie sein Beitrag zur Literatursprache seiner Zeit.

  • Werke

    Weitere W Kurtze Erklerung Der siben Bueßpsalmen Gebettsweiß …, 1621;
    Himlische Bergstraß, aus d. Ital. v. P. F. Sixtus Bergomansis, 1624;
    J. Drexel. Christl. Trismegistus …, 1626;
    ders., Sonnenwend…, 1627;
    ders., Der Ewigkeit Vorlauffer …, 1628;
    J. Bidermann, Cenodoxus der Doctor v. Pariß …, 1635 (neu hrsg. v. R. Tarot, 1965);
    J. Balde, Agathyrsus Teutsch …, 1647;
    versch. Texte M.s, in: Bayer. Bibl. II, Die Lit. d. Barock, 1986.

  • Literatur

    ADB 21;
    B. Genz, Johannes Kuen, Diss. Köln 1957 (ungedr.);
    K. Pörnbacher, Jeremias Drexel, 1965;
    F. Stoks, J. M.s Büchlein „Templa Frisingensia“, in: Festgabe f. P. B. Wessels, 1974, S. 75-97;
    G. Dünnhaupt, J. M., in: Bibliograph. Hdb. d. Barocklit., T. 2, 1981, S. 1145-56 (kurze Vita, L, erste vollst. Bibliogr. d. zeitgenöss. Drucke);
    H. Pörnbacher, Lit. u. Theater, in: M. Spindler (Hrsg.), Hdb. d. bayer. Gesch. II/2, 21988, S. 989 f.

  • Autor/in

    Hans Pörnbacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Pörnbacher, Hans, "Meichel, Joachim" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 634 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100272568.html#ndbcontent

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  • Leben

    Meychel: Joachim M., Dichter und Uebersetzer, geboren zu Braunau am Inn um das Jahr 1590 als Sohn eines deutschen Schulmeisters, studirte zu München und Dillingen, fand 1614 eine Stelle als Präceptor der jüngern Klosterbrüder zu Weihenstephan und wurde um das Jahr 1623 als kurfürstlicher Geheimschreiber (Sermo Electori ab epistolis) an den Hof zu München berufen, in welcher Stellung er auch bis zu seinem am 14. August 1637 erfolgten Tode verblieb. Deutsche Verse von ihm sind enthalten in dem Werklein: Templa Brunoviensia 1614, neu aufgelegt München 1673, sowie in dem Gebetbuche „Geistliche Angelica oder Seelen Wurtz“, München 1628. Auch übertrug er, wetteifernd mit Johannes Kuen (vgl. Bd. 17 S. 375) Balde's Agathyrsus in deutsche Reime. Am meisten bekannt machte er sich als Uebersetzer der Schriften des Hofpredigers Jeremias Drexelius (Bd. 5 S. 386), welcher in einer An merkung zum deutschen „Trismegistus“ München 1626, erklärt, daß er Meychels-„Version vnd Dolmetschung alleinig für die seine vnd wahre erkennet“, also dieselbe, was damals noch selten vorkommen mochte, förmlich autorisirt.

    • Literatur

      Kobolt's Gelehrtenlexikon, Nachträge S. 204. 376.

  • Autor/in

    G. Westermayer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Westermayer, Georg, "Meichel, Joachim" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 548 unter Meychel [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100272568.html#adbcontent

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