Lebensdaten
1583 bis 1611
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Kurfürst von Sachsen
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100265901 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Christian II.

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Christian II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100265901.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian I. ( 1591 [s. NDB III]);
    B Joh. Gg. I. (1585–1656), Kf. v. Sachsen, Nachfolger;
    Dresden 1602 Hedwig (1581–1641), Schw Kg. Christians IV. v. Dänemark ( 1648 [s. NDB III]).

  • Leben

    Noch unmündig gelangte Christian zur Regierung. Für seine Erziehung war der Einfluß der verwitweten Kurfürstin Sophie ausschlaggebend, die den Sohn bewußt von den Aufgaben der Staatslenkung fernhielt, ihn verwöhnte und in den strengen Grundsätzen des orthodoxen Luthertums unterrichten ließ, während dem Ernestiner Friedrich Wilhelm die Vormundschaftsregierung oblag. Unter dessen Administratur setzte die politische Reaktion in Kursachsen ein, deren erstes Opfer Dr. Nikolaus Crell wurde. Als Christian selbständig die Lenkung der Staatsgeschäfte übernahm, folgte er den während der Interimsregierung angestrebten Tendenzen. Das bedeutete innenpolitisch die Rückkehr zum orthodoxen Luthertum und die erneute Festigung der Vormachtstellung der Landstände, außenpolitisch aber die Entfremdung von den großen Interessen der evangelischen Partei Deutschlands, bedingt durch die Eifersucht auf Kurpfalz und Brandenburg. Die kaisertreue Haltung Christians erwies sich als wenig förderlich für Kursachsen, das im jülisch-cleveschen Erbfolgekrieg vom Haus Habsburg lediglich eine wertlose Belehnung, einen leeren Titel erhielt. So löste unter dem Erben Christians I. nur Reaktion und Stagnation den vorübergehenden Aktivismus Crells ab. Äußerlich eine kräftige, herkulische Erscheinung, besaß Christian - im Widerspruch zu den mächtigen Proportionen seiner Gliedmaßen - einen schwachen, für die Aufgaben des Herrschers wenig geschickten Intellekt. Zwar galt der Kurfürst seiner Gutmütigkeit wegen bei den Untertanen als „das gute Herz“, aber Christian fühlte selbst, daß seinen staatsmännischen Fähigkeiten enge Grenzen gesetzt waren. In seiner freimütigen Art soll er mitunter geäußert haben, daß er oft mit „fremden Augen sehen, mit fremden Ohren hören und mit fremdem Mund reden“ müsse, ohne deshalb den Ehrgeiz zu besitzen, die mangelnden Geistesgaben durch Gewissenhaftigkeit und zähen Fleiß auszugleichen. Er hatte nur Sinn für die Angelegenheiten der Hofhaltung, für Turnier und Jagd, in erster Linie aber für die Freuden der Tafel. Durch schlechte Wirtschaftspolitik|half der Kurfürst die ohnehin schon stark angewachsenen Staatsschulden in einer Weise mehren, daß der offene Konflikt mit den Landständen drohte, als Christian plötzlich, nicht volle 28 Jahre alt, an den Folgen seiner Trunksucht starb.

  • Literatur

    ADB IV;
    C. W. Böttiger-L. Flathe, Gesch. d. Kurstaates u. Kgr. Sachsen II, 1870, S. 94-121;
    K. E. Reimann, Prinzenerziehung in Kursachsen am Ausgang d. 16. Jh., nach archiv. Qu., in: Progr. d. Realschule Reichenbach i. V., 1874;
    O. Kaemmel, Kursachsen gegenüber d. Rev. in Ungarn (1604–1606), in: Archiv f. d. sächs. Gesch., NF 6, 1880, S. 1-50;
    Dandera, Ein Attentat?, Erz. üb. d. Regierungsanfänge Ch.s II., in: Leipziger Tagebl., Nr. 182, 1903, S. 2637;
    G. Zeisler, Kursachsens Pol. in d. letzten Regierungsjahren Ch.s (1608-11), Diss. Leipzig 1910;
    R. Kötzschke-H. Kretzschmar, Sächs. Gesch. II, 1935, S. 37 ff.;
    K. Brandi, Dt. Gesch. im Za. d. Ref. u. Gegenref., 1941, S. 429 f.

  • Portraits

    Singer I, 1931, Nr. 14 766-805, darunter zahlr. Stiche (Kupf. Kab. Dresden);
    2 Gem. v. Z. Wehme (Hist. Mus. Dresden).

  • Autor/in

    Christa Schille
  • Empfohlene Zitierweise

    Schille, Christa, "Christian II." in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 231 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100265901.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Christian II., Kurfürst von Sachsen, 1591—1611. Des vorigen ältester Sohn, geb. 23. September 1583, 1615. Unter den Augen seiner verwittweten Mutter in den Grundsätzen des strengsten Lutherthums erzogen, von herculischem Körper aber geringen Geistesgaben, den Vergnügungen des Hoflebens, dem Turnier, der Jagd, besonders aber dem Trunke im Uebermaß ergeben, ohne Thatkraft und darum von oft bedenklichen Einflüssen abhängig, ließ er der unter der Administration seines Vormundes Friedrich Wilhelm von Sachsen-Altenburg ans Ruder gelangten lutherischen Reaction freien Lauf, die nicht nur den Antritt|einer eigenen Regierung, am 23. September 1601, mit der Hinrichtung des Kanzlers Crell feierte, sondern auch durch Einführung des Religionseides auf die Concordienformel, die Einrichtung des (1606 mit dem Meißner Consistorium zum Oberconsistorium verschmolzenen) Geistlichen Raths und die neue Schulordnung von 1602 ihre Herrschaft zu sichern eilte. Nothwendige Folgen dieser Richtung im Innern waren die Entfremdung Kursachsens von der evangelischen Partei, sein Fernbleiben von der Ahausener Union und trotz des Argwohnes gegen die Absichten der habsburgisch-jesuitischen Politik seine Hinneigung zum Kaiserhofe, die es selbst dem Beitritt zur Liga nahe brachte. Nicht ohne Erfolg suchte daher Ch. dem Kaiser Rudolf in seiner Bedrängniß zu Hülfe zu kommen, hemmte im Verein mit Brandenburg Matthias' Vordringen und rieth die evangelischen Böhmen durch den Majestätsbrief zu beschwichtigen, erntete aber dafür so wenig Dank, daß vielmehr der Kaiserhof seine Spannung mit den Evangelischen benutzte, um ihn im jülich-cleveschen Erbstreit durch eine werthlose, dem Gesammthause Sachsen zu Prag am 7. Mai 1610 ertheilte Belehnung mit den streitigen Ländern von nachdrücklicher Geltendmachung seiner Ansprüche zurückzuhalten. Nachdem er durch üble Wirthschaft die Schuldenlast derart vermehrt hatte, daß er nahe daran war, deshalb mit den Landständen in offenen Conflict zu gerathen, starb er am 23. Juli 1611 in Folge eines kalten Trunkes, ohne von seiner Gemahlin, Hedwig von Dänemark, Kinder zu hinterlassen. Einen wichtigen Fortschritt machte unter ihm das sächsische Justizwesen durch die Appellationsgerichtsordnung vom 7. October 1605.

  • Autor/in

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Christian II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 172-173 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100265901.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA