Lebensdaten
1778 bis 1841
Geburtsort
Lübeck
Sterbeort
Glogau (Schlesien)
Beruf/Funktion
Landschaftsarchitekt ; Agrarreformer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100219047 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nebbien, Christian Heinrich
  • Nebbien, Heinrich
  • Nebbien, Christian Heinrich
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Zitierweise

Nebbien, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100219047.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus alter Lübecker Schneiderfam.;
    V Christian David (1733–90), Schneider;
    M Anna Catharina Gläff (1756–93) aus L.;
    Vt Heinrich (1755–1836) aus L., Kaufm. u. Verleger in Frankfurt/M.

  • Leben

    N. erlernte autodidaktisch Theorie und Praxis der Gartenkunst und Landwirtschaft und arbeitete auf Gütern in Mecklenburg und Holstein. Es folgten Studienreisen innerhalb Deutschlands, nach Rußland, England, den|Niederlanden und Oberitalien. Seit 1806 hielt N. sich überwiegend in Ungarn auf, wo er bis 1821 im Auftrag von Adelsfamilien Guts- und Parkanlagen entwarf. Seine enge Zusammenarbeit mit Joseph Gf. Brunswick für dessen Gut in Alsó Korompa (heute Dolná Krupá, Slowakei) zwischen 1812 und 1818 ist durch eine fünfhundertseitige Briefsammlung dokumentiert. Seine Aufträge für die landwirtschaftliche Planung und den Betrieb von Gütern und Vorwerken in Posen, Ostpreußen, Schlesien und Bayern stellte N. 1834 in einem Verzeichnis zusammen.

    N.s wichtigstes Werk als Landschaftsarchitekt war die Anlage des „Stadtwäldchens“ (Városliget), des Stadtparks in Pest (heute Budapest) seit 1817, für den er 1813 den Wettbewerb gewonnen hatte. Sein hierzu mit Entwürfen versehener Traktat „Ungarns Folksgarten der Koeniglichen Frey-Stadt Pesth“ (1816) enthält auch wesentliche generelle Überlegungen zur Stadtparkidee und zur Ästhetik der Gartenkunst. Bei der Wahl der ästhetischen Mittel stand N. in der Tradition des klassischen engl. Landschaftsgartens. Ideelle Grundlage seiner Tätigkeit aber war die Überzeugung von der sozialen Bedeutung und der erzieherischen Funktion der neu zu gründenden öffentlichen Gärten in den dicht besiedelten Städten. N. wurde damit zu einem der Wegbereiter der Stadtparkidee im frühen 19. Jh. Den philantropisch-agrarischen Bestrebungen der gebildeten Schichten seiner Zeit entsprechend, leitete er aus seinen Überlegungen auch den Glauben an die Möglichkeit einer Menschheitsverbesserung ab. In „Freia oder Geist der Landschaft-Bildnerei“ (1821) entwickelte er eine Art Weltentwurf, in dem er Europa als Vereinigungsort aller Stile der okzidentalen und orientalischen Kulturentwicklung darstellte. Seine Pläne zur Herausgabe einer entsprechenden Schriftenreihe sowie der Gründung einer Akademie für Landesverschönerung gelangten indes nicht zur Ausführung.

    Als Wirtschaftsrat und Agrarreformer entwickelte N. neben seinen Zeitgenossen Peter Joseph Lenné (1789–1866) in Preußen und Gustav Vorherr (1778–1847) in Bayern neue Methoden zur Verbesserung der Boden- und Pflanzkultur, aber auch für eine rationelle Betriebswirtschaft. Hier setzte er sich in „Der schuldenfreie Staat“ (1834) besonders mit der Lehre Albrecht Thaers (1752–1828) auseinander. Während seiner letzten Lebensjahre veröffentlichte N. verschiedene weitere Schriften zur Landwirtschaft und Landeskultur, u. a. eine „Praktisch-naturgemäße Bodenverbesserungskunde für Land- und Gartenbau“ (1840).

  • Werke

    u. a. Briefslg. im StA Bratislava;
    Ungarns Folksgarten d. Kgl. Frey-Stadt Pesth, 1816, hg. u. bearb. v. D. Nehring, 1981 (mit Verz. d. Veröff. N.s);
    Die Einrichtungskunst d. Landgüter, auf fortwährendes Steigen d. Bodenrente, 3 Bde., 1831;
    Der schuldenfreie Staat, od. landwirtschaftl. Ansichten u. Erfahrungen, 1834 (mit e. Verz. d. Auftragsarbeiten 1808–33).

  • Literatur

    A. Zádor, The English Garden in Hungary, in: N. Pevsner (Hg.), The Picturesque Garden and its Influence outside the British Isles, 1974, S. 7-98;
    Z. Gombos, Régi kertek Pesten és Budán, 1974, S. 157-74;
    D. Nehring, Stadtparkanlagen in d. ersten Hälfte d. 19. Jh., Ein Btr. z. Kulturgesch. d. Landschaftsgartens, 1979;
    dies., The landscape architect C. H. N. and his design for the Municipal Park in Budapest, in: Journal of Garden Hist. 5, 1985, H. 3, S. 261-79;
    dies., in: Biogr. Lex. Schleswig-Holstein 8, 1987, S. 244-46 (erneut in: Lübecker Ll., hg. v. A. Bruhns, 1993, S. 267-69, Qu, W, L);
    ThB (unter Henrik N.);
    Biogr. Hdb. Pflanzenbau (W).

  • Autor/in

    Dorothee Nehring
  • Empfohlene Zitierweise

    Nehring, Dorothee, "Nebbien, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 11 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100219047.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA