Lebensdaten
1758 bis 1813
Geburtsort
Itzehoe (Holstein)
Sterbeort
Gaarz (Holstein)
Beruf/Funktion
Kameralist ; dänisch-holsteinischer Beamter ; Oberpräsident der Stadt Kiel
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100120393 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eggers, Christian Ulrich Detlev von (bis 1806)
  • Eggers, Christian Ulrich Detlev Freiherr von
  • Eggers, Christian Freiherr von
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Zitierweise

Eggers, Christian Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100120393.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinr. Frdr. v. E. (seit 1790, 1722-98), Dr. phil., Vize- u. Landkanzler des Hzgt. Holstein, zuletzt Administrator der Gfsch. Rantzau, S des Justizrats Hans Heinr.;
    M Benedicta (1727–90), T des Dr. iur. Joachim Ulr. Schuemann u. der Arzttochter Anna Stemann 1) Kopenhagen 1790 Joh. Ernestine (1773–97), T des Dr. theol. Balth. Münter (1735–93, s. ADB 23), Pfarrer der dt. Gem. in Kopenhagen, Schw des Frdr. Christian Karl Heinr. Münter (1761–1830), Bischof v. Seeland (s. ADB 23), 2) Kopenhagen 1799 Antoinette Frieder. (1774-1851), T des Konferenzrats Ole de Bang, auf Sparresholm;
    3 T aus 1), 1 S, 2 T aus 2), u. a. Frdr. (1800–56), dänischer Polizeidirektor in Schleswig.

  • Leben

    E. studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Kiel, Leipzig, Halle und Göttingen. Seit 1783 Volontär im dänischen Kommerzkollegium, wurde er 1785 außerordentlicher Professor der Rechts- und Kameralwissenschaften, 1788 dazu noch Professor des Staatsrechts. Doch lag ihm die Verwertung seines Wissens in der praktischen Verwaltungsarbeit mehr als die Lehrtätigkeit. Schließlich wurde E. von der Verwaltungsarbeit so reichlich in Anspruch genommen, daß er sich 1789 von der Universitätstätigkeit beurlauben ließ. Doch nahm er sich noch die Zeit, um eine lateinische Abhandlung über die Frage der Bauernbefreiung abzuschließen, für die ihm die Universität Göttingen 1791 den Dr. iur. verlieh. – Der jüngere Bernstorff fand an dem in den Ideen der Aufklärung und des Physiokratismus lebenden Holsteiner Gefallen. Gemeinsame Interessen verbanden die beiden auf ihrem weiteren Weg. Ihre Zusammenarbeit sollte sich insbesondere bewähren, als Bernstorff die Bauernbefreiung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein vorbereitete. Mit mehreren Schriften warb E. damals im Sinne Bernstorffs für die Abschaffung der Leibeigenschaft. 1797 begleitete E. als Legationsrat die dänische Gesandtschaft, die am Rastatter Kongreß teilnahm. Diese Gelegenheit benützte er, um auf verschiedenen Reisen die Schweiz, Süddeutschland und das Elsaß kennenzulernen. Nach Kopenhagen zurückgekehrt, wurde er 1800 ins Finanzkollegium, bald darauf auch in die Deutsche Kanzlei deputiert und außerdem noch zum „Oberprocureur“ in den Herzogtümern ernannt, womit er Gelegenheit bekam, sich der Verbesserung der Gesetzgebung und Verwaltung in Schleswig und Holstein zu widmen. 1805 rief ihn die österreichische Regierung nach Wien, um bei der Reform des Kreditwesens und der Strafanstalten beratend mitzuwirken. Seit 1810 Konferenzrat, bildete die Ernennung zum Oberpräsidenten der Stadt Kiel 1813 die Krönung seiner Laufbahn als Staatsbeamter. – E. ist mit zahlreichen Schriften, insbesondere solchen kameralwissenschaftlichen Inhalts, hervorgetreten, die er zum Teil in von ihm selbst herausgegebenen Zeitschriften veröffentlichte. Das seit 1788 erscheinende „Deutsche gemeinnützige Magazin“ war eine der am meisten gelesenen aufklärerischen Vierteljahrschriften der Her- zogtümer. Von 1791 ab gab E. das „Deutsche Magazin“ und das „Neue deutsche Magazin“ heraus. Doch liegt die Bedeutung dieser schriftstellerischen Tätigkeit wohl mehr in der Vielfalt und Breite als in der Tiefe, und so stellt sie eine bezeichnende Ergänzung dar zur aufklärerischen Reformarbeit E., die insbesondere den Herzogtümern zugute gekommen ist.

  • Werke

    Weitere W Skizzen u. Fragmente e. Gesch. d. Menschheit in Rücksicht auf Aufklärung, Flensburg u. Leipzig 1786, mit Fortss. bis 1803; Physikal. u. statist. Beschreibung v. Island, 1. T., Kopenhagen 1786;
    Briefe an Frau v. B. üb. d. Aufhebung d. Leibeigenschaft u. d. Frohndienste, in: Dt. gemeinnütziges Mgz. 1-4, Halle 1788-90;
    Denckwürdigkeiten d. franz. Rev. in Hinsicht auf Staatsrecht u. Pol. I-VI, Kopenhagen 1794-1804;
    Raesonneret Plan til et Universitet i Norge, Christiania 1794 (Preisschr.);
    Schreiben e. holst. Edelmannes an s. Bruder üb. d. Aufhebung d. Leibeigenschaft in Holstein, Altona 1795;
    Lehrb. d. Natur- u. allg. Privat- u. gemeinen Preuß. Rechts, 3 T., Berlin 1797 (preisgekrönt v. d. preuß. Gesetzgebungskomm.);
    Denckwürdigkeiten a. d. Leben d. Gf. v. Bernstorff, Kopenhagen 1800;
    Memoiren üb. d. dän. Finanzen, 1801;
    Beschreibung d. Reisen E.s, 8 Bde., 1801-09;
    Über d. sichersten u. schnellsten Mittel, e. durch Krieg ruinierten Staat etc. aufzuhelfen, 1809 (Preisschr.); Über d. Erhaltung d. Kredits d. schlesw.-holst. adeligen Güter, 1811.

  • Literatur

    ADB V;
    H. K. Eggers, Ch. U. D. Frhr. v. E., in: Zs. d. Ges. f. Schlesw.-Holst. Gesch. 9, 1879;
    ders., Gesch. d. Geschl.E. I/II, 1879/87 (W-Verz.);
    L. Bobé, Efterladte Papirer fra den Reventlowske Familiekreds I-X, Kopenhagen 1895-1932;
    O. Brandt, Geistesleben u. Pol. in Schleswig-Holstein um. d. Wende d. 18. Jh., 1925;
    P. v. Hedemann-Heespen, Die Herzogtümer Schleswig-Holstein u. d. Neuzeit, 1926;
    Sønderjyllands Historie fremstillet for det danske Folk III u. IV, Kopenhagen o.J.;
    B. Kordes, Lex. d. jetztlebenden schleswig-holst. u. eutin. Schriftsteller, 1797;
    D. L. Lübker u. H. Schröder, Lex. d. Schleswig-Holstein-Lauenburg. u. Eutin. Schriftsteller v. 1796-1828, I, 1829;
    Dansk Leks. VI.

  • Portraits

    Zeichnung v. B. Thorvaldsen, Profilstich von S. Halle, 1796;
    Ölbild v. Lorenz, Berlin, 1882 (in Fam.bes.).

  • Autor/in

    Hermann Kellenbenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kellenbenz, Hermann, "Eggers, Christian Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 334 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100120393.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eggers: Christian Ulrich Detlev Freiherr v. E., Staatsmann, war geboren am 11. Mai 1758 zu Itzehoe, kam aber schon in den Jahren 1771 und 1772 nach Kopenhagen, und es scheint, nach seinen eigenen Aeußerungen, daß dieser Aufenthalt für seine spätere Laufbahn bestimmend wurde. Elf Jahre später trat E. in den königl. dänischen Dienst des deutschen und ostindischen Secretariats bei dem Generallandesökonomie- und Commerzcollegium zu Kopenhagen und wurde schon im folgenden Jahre durch den geh. Rath Carstens mit dem berühmten Staatsminister Grafen Andreas Petrus v. Bernstorff (s. d.) bekannt, dem er auch zeitlebens ein treues und dankbares Andenken, ja eine fast schwärmerische Verehrung bewahrte. Bernstorff fand an Eggers' staatsrechtlichen und staatswissenschaftlichen Studien Gefallen, besonders da sie von einem Geiste der Aufklärung und politischer Reform getragen waren, welcher mit den Ideen und Plänen vollkommen übereinstimmte, deren Verwirklichung er sich beim Antritte seines zweiten Ministeriums (1784) vorgesetzt hatte. So erhielt denn E. schon 1785 die Professur der politischen, ökonomischen und Cameralwissenschaften an der Universität zu Kopenhagen, wurde 1787 daneben auch Assessor der Rentenkammer daselbst und 1788 noch überdies mit der Professur für Staatsrecht betraut. Da sich aber eine solche Berufsüberhäufung für die Dauer als undurchführbar erwies, und Eggers' Neigung ihn immer entschiedener auf die Laufbahn des praktischen Staatsmannes hinwies, so wurde er 1789 von seinen akademischen Verpflichtungen dispensirt, jedoch so, daß er sie nach Belieben wieder übernehmen konnte. Gleichzeitig mit seiner Lehrthätigkeit begann auch Eggers' schriftstellerische Laufbahn, ganz im Geiste der Philanthropie und Aufklärung, wie er von den französischen Encyklopädisten nach der ganzen gebildeten Welt hin ausströmte. Einer „Gedächtnißrede auf Max. Jul. Leopold von Braunschweig, gehalten in der Versammlung der drei vereinigten Logen in Kopenhagen und Flensburg", 1785, folgten rasch: „Gemälde zu Ehren der Menschheit", 1. Heft und „Rousseau der Jüngling", 1785, „Skizze und Fragnente einer Geschichte der Menschheit in Rücksicht auf Aufklärung“, 1. Bd. 1786 (spätere Fortsetzungen bis 1803 in 3 Theilen), sowie zwei wesentlich für Lehrzwecke bestimmte Schriften über „Dänische Staatskunst und dänische politische Schriften“, 1786 und „Physische und statistische Beschreibung von Island aus authentischen Quellen und den neuesten Nachrichten“, 1. Thl. 1786. Mit dem Ausscheiden aus dem Lehramte begann für E. eine zweite Periode seines Wirkens als Hülfsarbeiter des Grafen Bernstorff in der Staatskanzlei, später als Legationsrath. An den großen Reformen, welche dieser hervorragende dänisch-deutsche Staatsmann in dieser Zeit ins Werk setzte, nahm E. einen ebenso werkthätigen wie warmen Antheil. Insbesondere war es die Angelegenheit der Bauernemancipation in den Herzogthümern, welche ihn lange Zeit hindurch auf das lebhafteste beschäftigte. Hatten schon seine früheren Schriften „Briefe an Frau v. B. über die Aufhebung der Leibeigenschaft und der Frohndienste“ (im Deutschen Magazin 1789), „Commentatio inauguralis de jure imperantis libertatem perfectam restituendi rusticis glebae adscriptis“, 1791 und seine „Bemerkungen über den Geist der neueren Landwirthschaftsgesetze in Dänemark“, 1792, sich des Beifalls von Graf Bernstorff zu erfreuen gehabt, so veröffentlichte E. nunmehr auf directe Veranlassung des Grafen das „Schreiben eines holsteinischen Edelmannes an seinen Bruder über die Aufhebung der Leibeigenschaft in Holstein“, 1795, in welchem er, als Dolmetsch der Reformideen des Grafen, zunächst für die persönliche Freiheit der leibeigenen Bauern eintrat, welche zu gewähren nicht blos der Gutsherr, sondern auch der Landesherr schuldig sei; die Gewährung des Eigenthumsrechts an den Ländereien dagegen, das nicht den Bauern, sondern nur den Gutsherren zustehe, könne vom Landesherrn zwar|nicht befohlen werden; wol aber werde es sich von selbst finden, wenn nur der Bauer seine persönliche Freiheit erst wieder erlangt habe. In einer weiteren Abhandlung „Bedarf es weit aussehender Vorbereitungen, um dem holsteinischen Bauern seine persönliche Freiheit wieder zu geben?“ (im Deutschen Magazin, 1796. Bd. II.) wies er dann, unter Bekämpfung aller gegen das Emancipationsproject erhobenen Bedenken, auf die Veranstaltungen hin, welche nothwendig wurden, um. den Bauern neben persönlicher Freiheit auch Eigenthum an ihren Stellen und Inventarien, mit Abschaffung der Frohndienste, zu geben, und berührte dabei zugleich, nach den Instructionen Bernstorff's, die Aussicht auf eine Unterstützung aus der staatlichen Creditcasse. Der Erfolg dieser Schriften entsprach den Erwartungen Bernstorff's, wie des Verfassers. Im selben Jahre noch erklärte die zur Untersuchung der Frage niedergesetzte wissenschaftliche Commission, daß sie die Aufhebung der Leibeigenschaft auf den adelichen Gütern nothwendig fände und daher wünsche, und schon 1797 ward mit der Ausführung dieses Beschlusses begonnen. In Würdigung seiner Verdienste um die Hebung der Landescultur in seinem engern Vaterlande wurde E. in der Folge zum Oberprocurator der Herzogthümer und endlich zum Oberpräsidenten in Kiel ernannt, wo er 1813 starb. Von seinen übrigen Schriften sind besonders bemerkenswerth die „Denkwürdigkeiten der französischen Revolution in Hinsicht auf Staatsrecht und Politik", 1794—1806, 6 Bände, seine „Memoiren über die dänischen Finanzen“, 1800, und das von ihm herausgegebene „Deutsche gemeinnützige Magazin“, 1788 ff., das aus seiner Feder zahlreiche Aufsätze ökonomischen und politischen Inhalts enthält.

    • Literatur

      Meusel, G. T. Viele biogr. Angaben enthält auch Eggers, Denkwürdigkeiten aus dem Leben des königl. dänischen Staatsministers A. P. Grafen v. Bernstorff, 1800.

  • Autor/in

    Inama.
  • Empfohlene Zitierweise

    Inama von Sternegg, Theodor, "Eggers, Christian Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 670-671 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100120393.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA