Lebensdaten
1566 bis 1639
Geburtsort
Adelsdorf bei Goldberg (Schlesien)
Sterbeort
Parchim (Mecklenburg)
Beruf/Funktion
landwirtschaftlicher Schriftsteller ; Kameralist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 10008723X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Colerus, Johann
  • Coler, Johann
  • Colerus, Johann

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Zitierweise

Coler, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10008723X.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jak. (1537–1612), Prediger in Schlesien, Berlin, Superintendent in Güstrow, Prof. der Philos. an der Univ. Frankfurt/Oder, bekannt durch seinen Streit mit Matthias Flacius, war Mitarbeiter des Elias Hutter an dessen hebr. Bibelausgabe (s. ADB IV), S des Superintendenten Jacobus in Greiz, Freund Luthers, u. der Magd. Ditmar;
    M Ursula ( 1600), T des Kaufm. u. Ratsverwandten Ant. Teichmann in Görlitz;
    1) 1601 Isabella ( 1614, Wwe seines Amtsvorgängers Seger in Doberan), T des Kaufmanns Anton Nettelbladt in Rostock, 2) Judith, T des Pastors Joh. Göde in Neustadt; Zahl der K unbek. 1 S aus 2) Elias, Pastor in Baden-Durlach.

  • Leben

    C. studierte Theologie, wurde in Rostock Magister und lebte als Prediger in Doberan und Parchim. Er hatte von seinem Vater dessen Manuskripte „De re rustica“ übernommen, deren Inhalt noch ganz auf der Rezeption der antiken landwirtschaftlichen Klassiker beruhte. Die große Bedeutung C.s für die deutsche landwirtschaftliche Literatur besteht darin, daß er zum ersten Male das aus der Antike übernommene Wissensgut ergänzte, in der Absicht, „eine Oeconomiam zu schreiben, welche ich nicht aus anderen Büchern zusammengeraspelt, sondern aus dem rechten Buch der Natur und täglichen Erfahrung dieser Lande“. Dementsprechend beruht sein Werk auf Erfahrungen aus der schlesischen, märkischen, sächsischen und mecklenburgischen Landwirtschaft. Um auf die praktische Landwirtschaft zu wirken, übernahm er zuerst die auch aus der Antike überlieferte Kalenderform, jedoch zum ersten Male in deutscher Sprache („Drumb bin ich nur ein Teutscher Schreiber und rede in diesen Büchern nur von Teutschen Aeckern. …“). Er verkörperte das deutsche landwirtschaftliche Wissen der Zeit vor dem 30jährigen Kriege, und mit ihm beginnt die eigentliche sogenannte „Hausväterliteratur“. C. blieb während des ganzen 17. Jahrhunderts der „alles beherrschende“ landwirtschaftliche Schriftsteller und wurde noch im 19. Jahrhundert als eine „Grundsäule des späteren landwirtschaftlichen Wissens Deutschlands“ betrachtet (nach K. Fraas). Zum Wesen des Werks C.s gehört die volle Einbeziehung der gesamten Hauswirtschaft, ferner die betonte Liebe und Achtung des Bauernstandes. Im Einzelnen ist eine klare Erkenntnis der Vorteile des Fruchtwechsels mit Ansätzen zu einer Systematik der Fruchtfolgen hervorzuheben, ebenso eine genaue Vorstellung vom Wesen der organischen Düngung zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. In der Zeit der Verwilderung der deutschen Sprache kam seinem Werk Bedeutung für deren Pflege und Erhaltung zu - eine Rolle, die in der nächsten Generation von W. H. Hohberg aufgenommen wurde.

  • Werke

    W Calendarium perpetuum oeconomicum, oder: Stets währender Kal. f. d. Hauswirthe, Ackersleute …, Wittenberg 1592 (weitere Aufl. 1599, 1600 u. ff.);
    Oeconomia ruralis et domestica, 6 T., Mainz 1593-1605 (zahlr. Aufl. v. 1609-90, auch u. d. T. Haushaltungsbuch, die späteren Ausg. z. T. v. seinem S bearb., u. d. T. Colerus redivivus, die letzte u. d. T. Neuverbesserter Colerus, 1711, die späteren Ausg. enthalten meist beide Werke, Kal. u. Haushaltungsb.);
    Oeconomia ecclesiastica, d. i. ein geistl. u. nützl. Hausbuch … vom Glauben, Wittenberg 1616.

  • Literatur

    K. Fraas, Gesch. d. Landbau- u. Forstwiss., 1865, S. 63 ff.;
    Th. v. d. Goltz, Gesch. d. dt. Landwschft. I, 1902, S. 295 ff.;
    H. Schmidlin, Arb. u. Stellung d. Frau in d. Landgutswschft. d. Hausväter, 1941;
    O. Brunner, Adeliges Landleben u. europ. Geist, 1949, S. 268 ff.

  • Portraits

    3 Stiche (Graph. Slg. München).

  • Autor/in

    Heinz Haushofer
  • Empfohlene Zitierweise

    Haushofer, Heinz, "Coler, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 319 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10008723X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Colerus: Johann C., der erste unter den deutschen Schriftstellern, welche der Landwirthschaft eine neue Richtung gaben; seine Schriften haben darum noch heute ein wenn auch nur historisches Interesse. Geboren gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Goldberg in Schlesien, wurde er in Rostock Magister, dann Prediger in der Mark und als solcher 23. Oct. 1639 in Parchim. Es sind von ihm drei Werke erschienen: „Calendarium perpetuum et sex libri oeconomici“ oder „Stets währender Kalender für die Hauswirthe, Ackerleute, Apotheker, Kaufleute, Wandersleute, Weinherren, Gärtner, gemeine Handwerksleute und alle diejenigen, welche mit Wirthschaft umgehen“. Dieses Buch erregte allgemeines Aufsehen. Wann es zuerst erschienen ist, läßt sich nicht sicher feststellen. Eine neue, nachgedruckte Auflage erschien 1599 in Constanz. Dieser Nachdruck hatte zur Folge, daß C. das Calendarium 1600 vermehrt und verbessert herausgab, wie solches in der Vorrede einer spätern Auflage, welche 1684 in 4 in Wittenberg erschien, zu ersehen ist. Ferner „Oeconomia ruralis et domestica, worin das Ampt aller braven Hausväter und Hausmütter begriffen“. Auch von diesem Werke ist es ungewiß, in welchem Jahre es zuerst erschienen. Man glaubt, daß es von 1591—1605 in 6 Theilen in 4 in Wittenberg gedruckt worden ist. Eine Ausgabe in Folio von 1609 (auch 1627) enthält beide Werke und führt den Titel „Haushaltungsbuch“, unter welchem auch die spätern Auflagen erschienen sind: Mainz 1638. 1645. 1656. 1665. 1668 fol., ferner Frankfurt a. M. 1680. 1691, ein „Neuverbesserter Colerus“, Leipzig 1711, 4 etc. Die Ausgabe von 1680 führt den Titel: „Oeconomia ruralis et domestica, darin das ganze Amt aller treuen Hausväter und Hausmütter; beständiges und allgemeines Hausbuch vom Haushalten, von Hecken-, Garten-, Blumen- und Feldbau begriffen, auch Wild- und Vogelfang, Waidwerk, Fischerei, Viehzucht, Holzfällung, und sonst allem, was zur Bestellung und Regierung eines wohlbestellten Meierhofs, Länderei, gemeines Feld- und Hauswesen nützlich und von nöthen sein möchte, sammt beigefügter einer experimentalischen Hausapotheke und Vieharzneiknnde, wie denn auch eines Calendarii perpetui, dadurch und darin man nicht allein Menschen, Vieh, Blumen, Gärten- und Feldgewächse mit Geringem unter Gottes Hülfe zu helfen und vor Ungewitter zu präserviren und zu säubern, auch wie man nach der Influenza des Gestirns, Sonne und Mondes zu rechter Zeit Düngen, Säen, Pflanzen, Aernten und Zubauen soll, zu finden. Für allerhand Kauf- und Handelsleute, auch Barbiere, Goldschmiede, Gärtner, Viehhändler, Jäger, Fischer, Vogler und alle, die mit Handel und Wandel umgehen und ihre Geschäfte, Nahrung und Gewerbe treiben.“ Dieses Werk ist das erste vollständige über die Oekonomie in Deutschland, encyklopädischer Natur und beruhend auf den Darstellungen dieser Gegenstände, welche sich unter dem Namen der ars oeconomica in den mittelalterlichen allgemeinen Encyklopädien finden. Er führt aus den alten, namentlich den griechischen Schriftstellern an was er für die Oekonomie in Deutschland brauchbar fand und fügte die bis zu seinen Zeiten gemachten neuen Erfahrungen hinzu. Von besonderem Werthe sind seine genauen Preisangaben. Durch Colerus' Buch bekam die deutsche Landwirthschaft neues Leben. Die erste Wirkung gab sich in der Litteratur dieses Faches kund, indem nun nicht mehr bloße Uebersetzungen griechischer und lateinischer Schriftsteller erschienen. Fast ein ganzes Jahrhundert hindurch diente das Werk von C. andern Schriftstellern zur Richtschnur. Endlich findet sich von ihm noch eine „Oeconomia ecclesiastica, Das ist ein geistlich und nützlich Haußbuch von Lutherischem, Bäpstischen, Calvinischen und Türkischen Glauben, darinnen ... Bericht geschicht den Einfeltigen unnd Layen, wie weit die drey letzten vom waren und allein seligmachenden Glauben, den man itziger Zeit den Lutherischen nennt, gewichen“ etc., 1616.

    • Literatur

      Ueber das 25jährige Wirken des landwirthschaftlichen Vereins in Baiern, eine Rede von v. Hazzi.

  • Autor/in

    Löbe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Löbe, William, "Coler, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 402-403 unter Colerus [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10008723X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA