Lebensdaten
1541 bis 1613
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Montbéliard (Frankreich)
Beruf/Funktion
Arzt ; Botaniker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 100027385 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bauhin, Johannes
  • Bauhin, Johann (II)
  • Bauhin, Jean
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Zitierweise

Bauhin, Jean, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100027385.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jean Bauhin (1511–82), Leibarzt der Königin von Navarra, Arzt in Basel;
    M Jeanne Fontaine ( 1582);
    Gvv Arzt;
    B Caspar Bauhin (s. 2);
    1) Dionysia Bernard de Bernaud ( 1598), aus Lyon, 2) Anne Grégoire, Witwe des Procureur général Ferry Chambert; 3 T.

  • Leben

    Nach dem Medizinstudium in Basel und in Tübingen, wo Leonhard Fuchs (1501–66) entscheidenden Einfluß auf ihn gewann, und in Montpellier scheint B. in Valence promoviert worden zu sein. Nach vorwiegend floristischen Studien in Oberitalien und kurzdauernder ärztlicher Wirksamkeit in Lyon und Genf sowie als Professor der Rhetorik in Basel folgte er 1571 einer Berufung als Leibarzt des Herzogs Friedrich I. von Württemberg nach Montbéliard (Mömpelgard). Dort legte er einen der ersten botanischen Gärten nördlich der Alpen an und verfaßte mit späterer Unterstützung seines Schwiegersohnes Johann Heinrich Cherler sein großes, posthum von D. Chabrey herausgegebenes, botanisches Sammelwerk, das auf Grund der älteren Angaben von Ärzten, Naturforschern, Bauern, Dichtern und Historikern 5000 Pflanzenbeschreibungen, darunter von etwa 120 erstmals beschriebenen Arten enthält. Trotz gewisser Mängel der Systematik und der Anordnung der Abbildungen ist B.s dreibändige „Historia plantarum“ das auf breitester Grundlage errichtete botanische Lexikon, das gewisse Andeutungen familiärer Zusammengehörigkeit einzelner Pflanzen erkennen läßt und von dem Albrecht Haller noch 1771 sagte, es stehe bis auf seine Zeit einzig da. Als Mediziner verfaßte B. eine Geschichte des Bades Boll (Württemberg), die dank ihrer umfassenden Berücksichtigung des gesamten Naturreiches (Mineralien, Obstarten, Insekten) von allgemeiner Bedeutung ist.

  • Werke

    u. a. Historia novi et admirabilis fontis balneique Bollensis …, Montbéliard 1598;
    Historia plantarum universalis nova et absolutissima …, Yverdon 1650/51.

  • Literatur

    ADB II;
    J. Sachs, Gesch. d. Botanik …, 1875;
    L. Legré, Les deux B., Marseille 1904;
    C. Roth, Stammtafel einiger ausgestorbener Basler Gelehrtenfam., in: Basler Ztschr. f. Gesch. u. Altertumskde 15, 1916, S. 54 f.;
    Schweiz. Ärzte, Entdecker u. Erfinder, 1945 (L, P);
    Nouv. Biogr. III, Paris 21854 ff.

  • Autor/in

    Heinrich Buess
  • Empfohlene Zitierweise

    Buess, Heinrich, "Bauhin, Jean" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 649 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100027385.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bauhin: Johann B. II., der jüngere, Arzt und Botaniker, geb. 12. Febr. 1541 zu Basel, 26. Oct. 1613 zu Mümpelgard. Er, der älteste Sohn, studirte unter Leitung seines Vaters zu Basel und wandte sich schon vor seinem zwanzigsten Jahre der Naturgeschichte und besonders der Botanik mit solchem Eifer und solchem Scharfsinne zu, daß Konrad Gesner, damals der erste Botaniker der Schweiz, ihn seiner wärmsten Freundschaft und eines von 1560 bis an seinen Tod 1565 fortgeführten gelehrten Briefwechsels würdigte, der mit J. Bauhin's Erstlingsschrift „De plantis a divis sanctisve nomen habentibus. Basil. 1591“ gedruckt ist. Jeder Brief fast gibt Zeugniß von dem zärtlichen Verhältnisse, in dem sie standen, und den später durchaus gerechtfertigten hohen Erwartungen, welche Gesner von diesem jungen Botaniker hegte. Amico singulari ornatissimo oder egregio et singularis spei juveni und später medico pererudito et fideli, amico charissimo et observandissimo suo lauteten hier Gesner's Anreden. Mit Gesner's Empfehlungen begab sich B. zuerst im Herbst 1560 zu Fuchs nach Tübingen, von wo er indeß schon zu Neujahr wieder nach Basel zurückgekehrt war, dann im Sommer 1561 nach Mümpelgard, wo er unter dem berühmten Arzte und Kanzler der Universität Rondelet, ja anscheinend in dessen Hause (apud R. adressirt Gesner) seine Studien fortsetzte. Von hier kehrte er im August 1562 nach Basel zurück, um im Novemb. Padua zu besuchen und verweilte dann bis zum Herbste 1563 in Basel, mit der Botanik unter Gesner's Anregung und als sein Begleiter auf Alpenreisen, sowie mit dem Studium der Medicin unter seinem Vater eifrig beschäftigt. Auf längere Zeit begab er sich nun nach Lyon, wo ihm Dalechamps schon bekannt war. Dieser suchte auch seine Kräfte zum Ordnen der für seine ungeheure „Historia generalis plantarum. Lugduni 1587“ zusammengebrachten Notizen zu verwenden, indeß wie den Vater, so trieb 1566, nach Gesner's Tode, den Sohn religiöse|Verfolgung nach Basel zurück. Seine Rückreise benutzte er zu einer botanischen Durchforschung Südfrankreichs und einem Aufenthalte in Genf. Schon damals trug er sich mit dem Plane in einer Pflanzengeschichte alle Pflanzen kritisch gesichtet genau zu beschreiben. Er hat denselben unablässig bis an sein Lebensende verfolgt. Mit Unrecht wird er bisweilen als Schüler des Fuchs bezeichnet, wie sich aus obiger Darstellung ergibt, welche auf den Daten der Gesner'schen Briefe beruht. In der Botanik kann man nur Gesner als seinen Lehrer bezeichnen. Rührend aber sind die Briefe Gesner's an ihn, worin dieser ihm Vorwürfe macht, daß er ihm diesen Plan nicht direct mitgetheilt habe, denn von ihm habe er nicht Ehrsucht und Neid zu befürchten, sondern dürfe alle Förderung erwarten. Johann B. erhielt, nach Basel zurückgekehrt, 1566 eine Anstellung als Professor der Rhetorik, wie denn derzeit überhaupt die Professuren mehr mit Rücksicht auf die Höhe des jeder einmal durch Stiftungen beigelegten Gehaltes, als auf das Fach vertheilt wurden. B. fuhr also fort in seiner naturwissenschaftlich-medicinischen Laufbahn. Indeß schon 1570 folgte er einem Rufe des Herzogs Ulrich von Würtemberg zu Mümpelgard als dessen Leibarzt, Anatom und Botaniker, wie die Grabschrift (bei Niceron 13 p. 124) besagt, wie denn der Herzog den Wissenschaften zugeneigt war. Hier wurde seine große Arbeit durch mehrere treffliche medicinische Schriften unterbrochen. In der ersten „Memorabilis historia luporum aliquot rabidorum. Montisb. 1591“ beschrieb er nicht nur die vorgekommenen Fälle, sondern gab mit scharfer Kritik eine Würdigung der vielen gegen die Tollwuth angegebenen, aber leider unnützen Mittel. Ein zweites Werk „Traité des animaux ayant ailes qui nuisent par leurs piqures ou morsures avec les remedes. Montb. 1593“ widerlegt besonders auch den Aberglauben der Bauern, daß die Schmetterlinge mit langem Rüssel Menschen und Vieh tödteten. Es folgte ein drittes: „Kurzer Bericht, wie man sich vor der Pestilenz verhüten soll“, Mümpelgard 1597 und ein viertes Werk: „Historia novi et admirabilis fontis balneique Bollensis“, 1598 und öfter, auch deutsch von David Förter. „Ein new Badbuch“, 1598 u. ö., behandelt in 3 Büchern die chemisch-medicinischen Verhältnisse des neuen Bades, im 4. Buche aber die in demselben vorkommenden Naturkörper mit vielen Abbildungen von Mineralien, Insecten etc. und sorgfältigen Beschreibungen. Darunter finden sich die Beschreibungen und Abbildungen von 60 Apfel- und 40 Birnsorten, die erste derartige Publication in Deutschland. Außerdem wird ihm ein Werk mit dem Titel „Vivitur ingenio, caetera mortis erunt“, 1592, 4. oblong, zugeschrieben. Alle seine übrigen Schriften sind Auszüge oder Vorläufer der großen Pflanzengeschichte, so jene schon oben genannte Erstlingsschrift über Pflanzennamen, welche er in seinem funfzigsten Lebensjahre herausgab, dann „De plantis Absynthii nomen habentibus“, 1593, und der nach seinem Tode von seinem Schwiegersohne Cherler herausgegebene „Historiae plantarum generalis 50. annis elaboratae ... Prodromus. Ebroduni 1619“, welcher nur ein Inhaltsverzeichniß des beabsichtigten Werkes darstellt. Endlich erschien noch viel später in drei dicken Foliobänden die „Historia plantarum universalis, quam recensuit et auxit D. Chabraeus juris vero publici fecit Fr. L. a Graffenried. Ebroduni 1650—51“. Mit seltener Liberalität hatte der Berner Patricier Graffenried die sehr bedeutenden Druckkosten, angeblich 40000 Gulden, hergegeben. Das classische, an sorgfältiger kritischer Darstellung unübertroffene Werk war leider entstellt durch Beigabe der kleinen Holzschnitte, welche Fuchs hatte entwerfen lassen und welche nun nicht nur unansehnlich und abgenutzt geworden, sondern von dem solcher Arbeit nicht gewachsenen Herausgeber Chabräus oft an ganz verkehrte Stellen angebracht waren. Deshalb und wegen seines späten Erscheinens hat diese schöne Arbeit nicht die allgemeine Anerkennung gefunden, welche die kürzere gleich zu besprechende Pflanzenübersicht seines viel jüngeren aber auch weniger kritischen|Bruders fand. Johann B. war verheirathet mit Dionysia Bernaud, hatte viele Kinder, verlor jedoch seine Söhne alle im frühen Alter.

  • Autor/in

    Jessen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jessen, Carl, "Bauhin, Jean" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 149-151 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100027385.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA