Lebensdaten
1788 bis 1871
Geburtsort
Kavelsdorf (Mecklenburg)
Sterbeort
Bad Harzburg
Beruf/Funktion
Eisenbahnpolitiker ; braunschweigischer Staatsmann
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 100010016 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Amsberg, August Philipp Christian Theodor von
  • Amsberg, Philipp August von
  • Amsberg, August Philipp von
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Zitierweise

Amsberg, August Philipp von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100010016.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August Theophil Amtsberg (seit 1795 als von Amsberg erscheinend), Pastor;
    M Sophie Friederike Fritze;
    8.6.1820 Marie Mahner;
    2 S, 5 T.

  • Leben

    A. kam 1801 zwecks Abschluß seiner Gymnasialbildung nach Braunschweig. Seit 1812, während der Periode des Königreichs Westfalen, war er Sekretär bei der Steuerdirektion des Okerdepartements. Ab 1816 stand er im braunschweigischen Staatsdienst. Bis 1832 führte er als Bevollmächtigter die Zollverhandlungen mit Hannover, Kurhessen, Lippe und Oldenburg. Als Finanz- und Baudirektor wurde er Leiter der 1836 errichteten Eisenbahnkommission, 1862 Generaldirektor des braunschweigischen Eisenbahn- und Postwesens. – Als Zeitgenosse von Friedrich List, aber unabhängig von ihm, forderte A. Handelsfreiheit durch Abschaffung der Binnenzölle, Verkehrsfreiheit durch Förderung des Eisenbahnbaus und durch beide Überwindung des Partikularismus zugunsten nationaler Einheit. Schon 1824 befürwortete er in einer Denkschrift den Bau von „Eisenpfaden“ von Braunschweig und Hannover nach Bremen und Hamburg. Hannover lehnte diesen Plan wie auch einen zweiten einer Nord-Südverbindung ab. Braunschweigs zerrissenes Wirtschaftsgebiet und die Zollverhandlungen mit den Nachbarstaaten, die nur zu Teillösungen führten, veranlaßten A. zu der zeitgemäßen Broschüre „Über die Einigung der Handelsinteressen Deutschlands“ (1831). Nachdem auch der Plan einer Ost-Westverbindung an den gegensätzlichen Wünschen Preußens und Hannovers gescheitert war, betrieb A. den Bau einer Eisenbahn von Braunschweig über Wolfenbüttel nach Harzburg. Zugleich machte er als erster in Deutschland den Staat zum Träger des Eisenbahnverkehrs. Am 1.12.1838 fuhr der erste Dampfwagen von Braunschweig nach Wolfenbüttel.

  • Literatur

    ADB I;
    E. Rosendahl, Gesch. Niedersachsens, 1927;
    A. Trapp, Ph. A. v. A., in: Braunschweig. Heimat, 1938;
    W. Siebenbrot, Die Braunschweig. Staatseisenbahn, 1938.

  • Portraits

    Lithogr. nach Zeichnung v. O. Kreyher, um 1865.

  • Autor/in

    Albert Trapp
  • Empfohlene Zitierweise

    Trapp, Albert, "Amsberg, August Philipp von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 260 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100010016.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Amsberg: Phil. August v. A., ein um den finanziellen Wohlstand des Herzogthums Braunschweig und die commercielle Entwicklung Deutschlands in hohem Grade verdienter Staatsmann, ist am 17. Juli 1789 zu Hildesheim geb., 1871. Er beabsichtigte sich dem Handelsstande zu widmen, trat aber in der Periode des Königreichs Westfalen bei dem Departement der directen Steuern ein, ging nach Herstellung der früheren Zustände in braunschweigische Militärdienste, wurde nach dem Friedensschlusse im J. 1816 als Secretair bei der herzoglichen Kammer in Braunschweig angestellt und avancirte im Laufe der Jahre zum Kammerrath, Legations-, Oberlegations-, geheimen Legationsrath, Finanzdirector und Vorstand der Baudirection. Im J. 1830 leitete er die Verhandlungen, welche zur Steuervereinigung zwischen Hannover, Kurhessen und Braunschweig führten, auch war er braunschweigischer Bevollmächtigter bei den Verhandlungen, welche den Anschluß Oldenburgs und Schaumburg-Lippes an den norddeutschen Steuerverein zur Folge hatten. Er schloß am 1. Nov. 1837 mit Preußen einen Vertrag wegen Beförderung des gegenseitigen Verkehrs zwischen Preußen und Braunschweig, welche den späteren Anschluß Braunschweigs an den deutschen allgemeinen Zollverein vorbereiteten. Durch eine Reihe besonderer Verträge verstand v. A. Handelsbegünstigungen für Braunschweig herbeizuführen. Eine von ihm herausgegebene Schrift: „Ueber die Einigung der Handelsinteressen Deutschlands“ hat viel zur gegenwärtigen Handelslage Deutschlands beigetragen. Im J. 1835 wurde v. A. zum Spruchmann des deutschen Bundesgerichts ernannt. Bedeutendes Verdienst hat sich v. A. durch seine enthusiastische Unterstützung des Eisenbahnwesens in Deutschland erworben. Schon im J. 1827 hatte sein Scharfblick die unermeßliche Tragweite der neuen Erfindung erkannt. Sein Project der Erbauung einer Eisenbahn von Hannover und Braunschweig nach Bremen und Hannover scheiterte an dem Widerstande, den König Ernst August von Hannover demselben entgegensetzte. Dagegen wußte v. A. mit consequenter Energie alle Hindernisse zur Seite zu schieben, welche ihm in Braunschweig entgegen geworfen wurden und die Regierung zum Bau einer Eisenbahn von Braunschweig nach Harzburg zu veranlassen. Die Bahn wurde im Dec. 1838 eröffnet und von dieser Zeit an datirt die gegenwärtige glückliche finanzielle Lage des Herzogthums Braunschweig. Man kann in der That behaupten, daß der Eisenpfad von Berlin nach Köln, nach Hamburg und der Nordsee über Harzburg gegangen ist, denn nach kurzer Zeit wurde die Bedeutung der Schienenwege überall anerkannt und die Entwicklung der Eisenbahnen ging von nun an mit raschen Schritten vorwärts und bald spann sich das Eisennetz über ganz Deutschland aus. Zollverein und Eisenbahn führten eine neue Zeit für Deutschland herbei, und dazu viel beigetragen zu haben, ist ein unbestrittenes Verdienst von Amsberg's. Er erhob die braunschweigische Eisenbahnverwaltung zu einer der angesehensten in Deutschland. Als Generaldirector der braunschweigischen Eisenbahn- und Postverwaltung feierte er am 17. Juli 1862 sein fünzigjähriges Dienstjubiläum. Erst im Anfange des J. 1871 nach dem Verkaufe der braunschweig. Staatseisenbahnen trat v. A. in den Ruhestand, starb aber schon am 9. Dec. desselben Jahres auf seiner Villa zu Harzburg, unzweifelhaft als der bedeutendste Staatsmann, den Braunschweig in den letzten Jahrzehnten besessen hat.

  • Autor/in

    Spehr.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spehr, Ludwig Ferdinand, "Amsberg, August Philipp von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 411-412 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100010016.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA