Lebensdaten
1519 – 1600
Geburtsort
Schaffhausen
Sterbeort
Schaffhausen
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Reformator ; Schriftsteller ; Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 120341913 | OGND | VIAF: 22969882
Namensvarianten
  • Johann Konrad von Ulm
  • Ioannes Conradus ab Ulmis
  • Ioannes Conradus Ulmerus; Johannes Saur von Frammsberg; Thidarius Bethabarenus
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Zitierweise

Ulmer, Johann Conrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120341913.html [04.03.2024].

CC0

  • Johann Conrad Ulmer gilt als bedeutendster schweizerischer Schüler Philipp Melanchthons (1497–1560). In Rieneck hatte die durch ihn eingeführte Reformation wegen des Rückfalls dieser Grafschaft an Mainz nur kurzen Bestand. In Schaffhausen prägte Ulmer als Dekan das Kirchen- und Schulwesen dauerhaft. Er verfasste u. a. katechetische Arbeiten, Lieddichtungen und kontroverstheologische Schriften, wurde als Übersetzer in das Hochdeutsche geschätzt und hinterließ einen umfangreichen Briefwechsel.

    Lebensdaten

    Geboren am 31. März 1519 in Schaffhausen
    Gestorben am 7. August 1600 in Schaffhausen
    Konfession evangelisch
    Johann Conrad Ulmer (InC)
    Johann Conrad Ulmer (InC)
  • Lebenslauf

    31. März 1519 - Schaffhausen

    - Schaffhausen

    Schulbesuch

    Lateinschule

    1537 - 1538 - Basel

    Studium; Hauslehrer bei Simon Grynaeus (1493–1541)

    Basel

    1538 - 1541 - Straßburg

    Studium

    Gymnasium

    1541 - 1543 - Wittenberg

    Studium

    Universität

    1542 - Wittenberg

    Magister Artium

    Universität

    1543/44 - 1566 - Lohr am Main

    1566 - 1569 - Schaffhausen

    Pfarrer

    Münster

    1569 - 1596/1600 - Schaffhausen

    Pfarrer; Dekan

    St. Johann

    7. August 1600 - Schaffhausen
  • Genealogie

    Vater Hans Ulrich Ulmer (von Ulm) gest. 16.10.1549 Pfleger der Sondersiechen, seit 1535 als Zunftmeister zun Schneidern Mitglied des Kleinen Rats
    Mutter Margaretha Ulmer (von Ulm), geb. Tanner gest. 1550 oder später
    Schwester Elisabeth Ulmer (von Ulm)
    Schwester Anna Ulmer (von Ulm)
    Schwester Ursula Ulmer (von Ulm)
    Bruder Niklaus Ulmer (von Ulm) gest. um 1559
    Bruder Alexander Ulmer (von Ulm) gest. um 1582
    Bruder Hans Ulrich Ulmer (von Ulm) 16.10.1526–1590 oder später
    Schwester Margaretha Ulmer (von Ulm)
    Heirat 14.7.1545 in Lohr am Main
    Ehefrau Anna Ulmer (von Ulm), geb. Helferich um 1525–24.9.1608
    Tochter Barbara Ulmer (von Ulm) 28.7.1546–1553
    Sohn Philipp Ulmer (von Ulm) 1.8.1548–18.3.1588 Locat (Gehilfe), seit 1574 Provisor an der Lateinschule in Schaffhausen
    Tochter Gertrud Ulmer (von Ulm) geb. 16.4.1551
    Sohn Christoph Ulmer (von Ulm) 18.10.1553–8.1.1554
    Tochter Margaretha Ulmer (von Ulm) geb. 27./28.9.1556
    Sohn Johannes Ulmer (von Ulm) 31.12.1558–16. (10.?) 11.1625 1587 Provisor, 1591 Rektor der Lateinschule in Schaffhausen; 1597 Propst zu Wagenhausen; 1607 reformierter Pfarrer in Büsingen am Hochrhein; 1614 Pfarrer am Schaffhauser Münster
    Sohn Albert (Albrecht) Ulmer (von Ulm) 7.6.1561–9.5.1562
    Sohn (Hans) Ulrich Ulmer (von Ulm) 3.7.1563–6.4.1624 Goldschmied, Zunftmeister zun Schneidern in Schaffhausen
    Sohn Bernhardin Ulmer (von Ulm) 7.7.1566–9.2.1571
    entfernter Verwandter Johann Wilhelm Stucki 1542–1607 reformierter Theologe in Zürich
    entfernter Verwandter Michael Beuther 1522–1587 aus Karlstadt; Historiker
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Ulmer, Johann Conrad (1519 – 1600)

    • Vater

      Hans Ulrich Ulmer (von Ulm)

      gest. 16.10.1549

      Pfleger der Sondersiechen, seit 1535 als Zunftmeister zun Schneidern Mitglied des Kleinen Rats

    • Mutter

      Margaretha Ulmer (von Ulm), geb. Tanner

      gest. 1550 oder später

    • Schwester

      Elisabeth Ulmer

    • Schwester

      Anna Ulmer

    • Schwester

      Ursula Ulmer

    • Bruder

      Niklaus Ulmer

      gest. um 1559

    • Bruder

      Alexander Ulmer

      gest. um 1582

    • Bruder

      Hans Ulrich Ulmer

      16.10.1526–1590 oder später

    • Schwester

      Margaretha Ulmer

    • Heirat

      in

      Lohr am Main

      • Ehefrau

        Anna Ulmer

        um 1525–24.9.1608

  • Biografie

    Ulmer begann sein Studium 1537 in Basel, wo er Hauslehrer bei dem reformierten Theologen Simon Grynaeus (1493–1541) war, und setzte es an der Universität Straßburg fort, u. a. bei Martin Bucer (1491–1551) und Jean Calvin (1509–1564). In Wittenberg, wo Martin Luther (1483–1546) und Philipp Melanchthon (1497–1560) zu seinen Lehrern zählten, wurde er 1542 zum Magister Artium promoviert. Nach der 1543 erfolgten Ordination wurde er nach Lohr am Main entsandt. Von hier aus führte er im Auftrag Graf Philipps III. von Rieneck (1504–1559), den er 1557 auf dem Frankfurter Fürstentag vertrat, die Reformation der Grafschaft durch. Besonderen Wert legte er dabei auf die Katechese. Sein Buch über den Bau von Sonnenuhren (1556) und die 1557 erschienene Verdeutschung des Dramas „Lazarus redivivus“ (1539) von Johannes Sapidus (1490–1561) dienten der Jugendbildung, während sein „Enchiridion pastorale“ (1564), eine Bearbeitung der „Epitome in evangelia et epistolas“ (1537) von Caspar Hedio (1494–1552), als Arbeitshilfe für Pfarrer gedacht war.

    1566 trat Ulmer auf Drängen des Schaffhauser Rats als Pfarrer am Münster in den Dienst seiner Heimatstadt, nachdem er sich einer demütigenden Prüfung seiner Rechtgläubigkeit unterzogen hatte. Zwei Jahre später legte er in Schaffhausen den Entwurf für einen Katechismus vor, der auf Seiten zwinglisch gesinnter Landpfarrer harsche Kritik hervorrief, doch wurde dieser Streit durch einen von dem Zürcher Kirchenvorsteher Heinrich Bullinger (1504–1575) herbeigeführten Kompromiss beigelegt. Die 1569 erschienene Druckfassung des „Catechismus oder Kinderbricht, für die Kirchen in der Statt und Landtschafft Schaffhusen“ wurde bis in das 17. Jahrhundert mehrfach neu aufgelegt; der beigefügte Liedteil, der Dichtungen Ulmers enthält, erschien 1579 und 1596 neu bearbeitet als separates Gesangbuch.

    Seit 1569 war Ulmer Pfarrer zu St. Johann und amtierte auch als Dekan – bis 1574 als Vertreter seines Pfarramts-Vorgängers Sebastian Grübel (1494–1574). Mit Unterstützung des Rats sorgte er tatkräftig für die Konsolidierung der Reformation im Gebiet Schaffhausens. 1592 wurde die von ihm überarbeitete Kirchenordnung erstmals gedruckt, 1594 eine Visitation durchgeführt. Als Mitglied des Rats der Schulherren (Scholarchen) setzte er sich erfolgreich für die Verbesserung des Schul- und Stipendiatenwesens ein und betreute außerdem als Bibliothekar die „Liberey“.

    Als Schaffhauser Dekan stimmte sich Ulmer eng mit seinen Amtsbrüdern in Zürich, Basel und Genf ab. Die häufigen Kontakte mit Lehrern reformierter Hochschulen, v. a. in Straßburg und Heidelberg, dienten hauptsächlich der Aufsicht über die Stipendiaten, mit denen Ulmer oft persönlich korrespondierte. Dank seiner weitreichenden Vernetzung spielte er eine wichtige Rolle als Vermittler von Nachrichten. Mit seinen Freunden in Lohr blieb er noch lange in Verbindung. Insgesamt sind über 1100 Briefe von und an Ulmer erhalten.

    Theologisch verstand sich Ulmer zeitlebens als treuer Schüler Melanchthons. In mehreren Schriften wandte er sich schroff gegen die lutherische Orthodoxie, so etwa gegen Jakob Andreae (1528–1590) mit dem unter dem Pseudonym Johannes Saur von Frammsberg veröffentlichten Streitgedicht „Der schwäbische Uhu“ (1588). Im Zeichen der konfessionellen Polemik stand auch Ulmers rund dreißigjährige Arbeit an seinem „Chorus orthodoxus“, einer Sammlung von Zeugnissen zur Christologie und Abendmahlslehre, die ungedruckt blieb und nur fragmentarisch überliefert ist. Seine Abendmahlslehre fasste er in „Fünff Predigten von den heiligen Sacramenten“ (1598) abschließend zusammen. Trotz kritischer Distanz zu Luther hielt er in Schaffhausen an der Verwendung von dessen Bibelübersetzung fest. Als Übersetzer lateinischer Werke seiner Zürcher Kollegen sowie einzelner Kirchenväterschriften zeichnete er sich durch hohes Bewusstsein für die Differenz der oberdeutsch-schweizerischen und der hochdeutschen Schriftsprache aus. Sein „New Jesuitspiegel“ (1586), eine Übersetzung von drei antijesuitischen Traktaten, unterstützte in erster Linie den Kampf gegen die Rekatholisierungsbestrebungen in Franken. Neben weiteren kirchlich-theologischen Schriften wie der „Trostgeschrifft“ (1579) verfasste Ulmer die „Geodaisia“ (1580), eine Anleitung zur Landvermessung. 1596 wurde er wegen Altersschwäche vom Predigtdienst freigestellt.

    Obwohl Ulmer zu den profiliertesten Schweizer Reformatoren der zweiten Generation gehörte, wurde ihm nach seinem Tod nur wenig Aufmerksamkeit zuteil. Eine 1601 von seinem Sohn Johannes verfasste Gedenkschrift blieb ungedruckt, diente aber als Quelle für Melchior Adams (um 1575–1622) „Vitae Germanorum Theologorum“ (1620). In Franken widmete sich die regionale Geschichtsschreibung seit den 1950er Jahren Ulmers Wirken in Lohr; eine erste gründliche biografische Studie erschien 1981. Mit der Erschließung des umfangreichen Nachlasses wurde erst in jüngster Zeit begonnen.

  • Auszeichnungen

    1979 Ulmer-Haus, Evangelisches Gemeindezentrum, Lohr am Main
    2019 Gedenktafel an der Stadtkirche St. Johann, Schaffhausen
  • Quellen

    Nachlass:

    Stadtbibliothek Schaffhausen, Ministerialbibliothek, Min. 125-133 (Ulmeriana).

  • Werke

    De horologiis sciotericis, Nürnberg 1556. (Onlineressource)

    Enchiridii pastoralis, hoc est: Lectiones evangeliorum et epistolarum, quae leguntur in templis per circuitum anni, Graecè, Latinè, & Germanicè [...] pars [1-3], Basel 1564. (Enchiridion pastorale)

    (anonym), Rapsaces Hohnsprechen und Sennacheribs Schmachschrifft, [Basel] 1573. (Onlineressource)

    Catechismus oder Kinderbricht für die Kirchen in der Statt und Landtschafft Schaffhusen, mit angehenckten reinen Kirchengesangen, Zürich 1569, Neuausg. 1579, 1591, 1596, 1597, 1604, 1607, separate Ausg. des Liedteils 1579, 1596. (Onlineressource)

    Trostgeschrifft für angefochtne und betrübte hertzen, Zürich 1579, 1600, lat. Zürich 1602. (Onlineressource)

    Geodaisia, das ist: Von gewisser und bewährter Feldmessung eyn gründlicher bericht, Straßburg 1580 (Onlineressource), Nachdr. 1998, hg. u. erl. v. Arthur Dürst.

    Symbola, oder der alte Glaub, dt. u. lat. Zürich 1583. (Onlineressource)

    Johannes Saur von Frammsberg [Pseudonym], Der schwäbische Uhu, Eulenburg [i. e. Basel] 1588. (Onlineressource)

    Thidarius Bethabarenus [Pseudonym], Das Bergische Monstrum, Guntzenhausen [i. e. Basel?] 1591. (Onlineressource)

    Christliche Ordnung und breuch der Kirchen zu Schaffhausen in der Eydgnoßschafft, Schaffhausen 1592, Neuausg. [o. O.] 1596. (Onlineressource)

    Fünff Predigten von den heiligen Sacramenten, Zürich 1598, lat. Übers. v. Hartmann Sprüngli, Zürich 1601. (Onlineressource)

    Übersetzungen:

    Ein Euangelische und gantz tröstliche Comedia oder Spil vom Lazaro, Nürnberg 1557. (Johannes Sapidus, Anabion)

    Gottsäliger und grundtlicher Bericht von der Hochheit […] heiliger göttlicher Geschrifft […], Zürich 1572. (anonym [Heinrich Bullinger]) (Onlineressource)

    Theodoreti des […] Bischoffs der Statt Cyri Polymorphus, das ist: Drey schöne und tröstliche Gespreche, von der Person und Menschwerdung unsers Herren Jesu Christi, Basel 1575. (Onlineressource)

    Widerlegung der Bullen deß Papst Pij deß V. im Jar Christi 1568 wider [...] Elizabetham Königin in Engelland […], [Basel] 1578. (Heinrich Bullinger) (Onlineressource)

    Apologia, das ist, gründtlicher Bericht unnd bestendige Verantwortung […], [Zürich 1578]. (anonym [Rudolf Gwalther]) (Onlineressource)

    Eine Predig dess h. alten Bischoffs Cypriani, in Sterbens Leüfften gethan, Zürich 1585. (Onlineressource)

    New Jesuitspiegel, Basel 1586. (drei antijesuitische Traktate) (Onlineressource)

    Bibliografie und Quellenverzeichnisse:

    Michael Hanstein, Vorläufige Bibliographie zu Johann Conrad Ulmer, November 2017. (Onlineressource)

    Rainer Henrich, Chronologisches Verzeichnis von Ulmers Briefwechsel, Bibliotheken Schaffhausen. (Onlineressource)

    Rainer Henrich, Die Münchner Ulmeriana. Bayerische Staatsbibliothek, München, Clm. 11 470 a und b. (Inhaltsübersicht, P) (Onlineressource)

  • Literatur

    Monografien, Sammelbände und Beiträge:

    Johannes Ulmer, Exegesis, hoc est: brevis […] narratio de vita et obitu […] Johannis Conradi Ulmeri, 1601. (überliefert in zwei Abschriften: Stadtbibliothek Schaffhausen, Msc. Scaph. 47, fol. 1–18, u. Staatsarchiv Schaffhausen, Abschriften 4/8, S. 1–39)

    Endre Zsindely, Johann Conrad Ulmer, in: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte 58 (1981), S. 358–369. (P) (Onlineressource)

    Erich Bryner, „Den wahren Gott recht erkennen und anrufen“. Der älteste Schaffhauser Katechismus von Johann Konrad Ulmer 1568/69, 2019. (Qu)

    Rainer Henrich/René Specht (Hg.), Johann Conrad Ulmer (1519–1600). Vollender der Reformation in Schaffhausen, 2020. (Onlineressource)

    Theodor Ruf, Johann Conrad Ulmer in Lohr am Main 1544–1566, in: Beiträge zur Geschichte der Stadt und des Raumes Lohr 9, 2020/21, S. 22–58, Erstdr. in: Rainer Henrich/René Specht (Hg.), Johann Conrad Ulmer (1519–1600). Vollender der Reformation in Schaffhausen, 2020, S. 51–78. Onlineressource)

    Lexikonartikel:

    I. u., Art. „Ulmer, Johann Konrad“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 209 f. (Onlineressource)

    Günter Opp, Art. „Ulmer oder von Ulm, Johann Conrad“, in: Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon, hg. v. Traugott Bautz, Bd. 12, 1997, Sp. 883–887. (W, L) (zugangsbeschränkte Onlineressource)

    Reinhard Müller, Art. „Ulmer, Johann Conrad“, in: Deutsches Literatur-Lexikon, Bd. 24, hg. v. Hubert Herkommer/Konrad Feilchenfeldt, 2004, Sp. 419 f. (W, L)

    Christian Moser, Art. „Johann Konrad Ulmer“, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Bd. 12, 2012, S. 600. (P) (Onlineressource)

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Gemälde v. Tobias Stimmer (1539–1584), 1580, verschollen, möglicherweise danach Kupferstich v. Dominicus Custos (1560–1615), 1601, Zentralbibliothek Zürich (Onlineressource), und Gemälde (Öl/Leinwand) v. C[onrad] M[eyer], 1648, Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen (1944 zerstört), davon Fotografie v. Carl Koch, um 1900, Abbildung in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). (Onlineressource)

    Bleistift- und Tuschzeichnung, laviert, v. Hans Heinrich Ammann (1607–1669), nach 1659 (?), Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen.

    zu den Porträts siehe: René Specht, „Vera effigies“. Johann Conrad Ulmer im Porträt, in: Rainer Henrich/ders. (Hg.), Johann Conrad Ulmer (1519–1600). Vollender der Reformation in Schaffhausen, 2020, S. 275–297.(Onlineressource)

  • Autor/in

    Rainer Henrich (Zug)

  • Zitierweise

    Henrich, Rainer, „Ulmer, Johann Conrad“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/120341913.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Ulmer: Johann Konrad U. , von seinen Zeitgenossen gewöhnlich von Ulm (ab Ulma) genannt, ist am 31. März 1519 zu Schaffhausen geboren. Sein Vater war der Bürger und Rathsherr Johann Ulrich von Ulm, seine Mutter Margaretha, geb. Thanner. Seine Jugend fiel in die Zeit, in der Sebastian Wagner, genannt Hofmeister, die Reformation in Schaffhausen einführte. Nachdem er als heranwachsender Knabe seinem Vater bei allerlei häuslichen Verrichtungen und beim Weinbau hatte behülflich sein müssen, ward er in verhältnißmäßig späten Jahren auf die lateinische Schule seiner Vaterstadt geschickt. Seine weitern Studien begann er dann in Basel, wo Simon Grynäus (s. A. D. B. X, 72) ihn in sein Haus nahm und ihm den Unterricht seiner Kinder anvertraute. Er hörte die theologischen Vorlesungen von Grynäus, der seit 1536 die theologische Professur des Neuen Testamentes mit übernommen hatte, bei Erasmus, bei Oekolampad, Amerbach u. s. f. Nachdem er vom Senate seiner Vaterstadt ein jährliches Stipendium von dreißig Gulden erhalten hatte, ging er im J. 1538 nach Straßburg, wo er Butzer, Calvin und Capito in der Theologie, aber auch philosophische Vorlesungen hörte. Im J. 1541 reiste er von hier über Frankfurt a. M. und Erfurt nach Wittenberg, wo er am 7. October 1541 inscribirt wurde. Er hat hier noch die Häupter der deutschen Reformation kennen gelernt und zu ihren Füßen gesessen. Schon am 20. April 1542 ward er hier zum Magister promovirt; mit ihm an demselben Tage Johannes Stigel aus Gotha (s. A. D. B. XXXVI, 228), Johannes Crato aus Breslau (IV, 567), Johann Heinrich Meier aus Bern, Melchior Ayrer aus Nürnberg und noch fünf andere. Er begann nun selbst Vorlesungen zu halten. Als im folgenden Jahre der Graf Philipp von Steineck für seine Stadt Lohr am Main einen tüchtigen Prediger suchte, der dort die Reformation einführen könnte, hielten Luther und Melanchthon U. für diesen Dienst geeignet; nachdem er noch am 28. November 1543 zu Wittenberg von Bugenhagen ordinirt worden war, reiste er mit einem Empfehlungsschreiben zum Grafen und trat am Epiphaniasfest 1544 sein Amt als Hofprediger zu Lohr an. Er hat hier in großem Segen gewirkt. Als nach dem Tode des Grafen, der der letzte seines Geschlechtes war, im September 1559, mit einem großen Theil der Grafschaft auch Lohr an das Erzbisthum Mainz fiel, gestattete der Erzbischof freie Religionsübung unter der Bedingung, daß unnöthige Streitigkeiten vermieden würden, und U. konnte bei seiner Gemeinde bleiben. Als aber im J. 1566 (nach anderer Angabe 1569?) der Senat von Schaffhausen ihn bat, die erste Predigerstelle und das Decanat daselbst zu übernehmen, folgte er dem Rufe aus Liebe zur Vaterstadt; noch dreißig Jahre hat er hier umsichtig und eifrig zur Befestigung evangelischen Christenthums gewirkt und in großem Ansehen gestanden. Am 1. August 1596 wurde er vom Schlage gerührt und infolge davon legte er sein Amt nieder; vier Jahre später starb er wenige Tage nach einem zweiten Schlaganfall am 7. August 1600, einundachtzig Jahre alt.

    In der im J. 1599 zu Zürich bei Johann Wolff unter dem Titel|"Kirchengesang“ erschienenen Sammlung geistlicher Lieder werden fünf Lieder unserm U. zugeschrieben; u. a. ein Lied, das mit den Worten: „Wer unterm Schirm des höchsten sitzt“ beginnt, wie das bekannte Gerhardt’sche Lied. Ob diese Lieder sich auch schon in dem von U. selbst im J. 1569 zugleich mit einem Katechismus bei Froschauer in Zürich herausgegebenen Psalmbuch befinden, bedarf noch der Untersuchung.

    Adami vitae, Francof. 1706, pag. 330 seqq. — Jöcher IV, Sp. 1672. — Foerstemann, Album 191 a. — Köstlin, Baccalaurei u. magistri (1538 bis 1546), Halle 1890, S. 14. — Buchwald, Wittenberger Ordinirtenbuch, S. 35, Nr. 552. — Wackernagel, Bibliographie, S. 443 a. — Koch, Gesch. des Kirchenlieds u. s. f., 3. Aufl., II, 388 u. 390 f. — Herzog, Realencyklopädie, 2. Aufl., XIII, 10.

  • Autor/in

    l. u.
  • Zitierweise

    l. u., " Ulmer, Johann Konrad " in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 209-210 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120341913.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA