Lebensdaten
1823 – 1906
Geburtsort
Wangen an der Aare (Kanton Bern)
Sterbeort
St.·Thomas (Kärnten)
Beruf/Funktion
Naturheilpraktiker ; Lebensreformer ; Heilpraktiker ; Färber
Konfession
evangelisch-reformiert
Normdaten
GND: 1016911963 | OGND | VIAF: 122054528
Namensvarianten
  • Rikli, Arnold
  • Rikli, Arnold, Sonnendoktor

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Zitierweise

Rikli, Arnold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1016911963.html [27.02.2024].

CC0

  • Arnold Rikli gilt als Vordenker der Lebensreformbewegung. In seiner 1855 eröffneten Heilanstalt „Mallnerbrunn“ in Veldes (Oberkrain, heute Bled, Slowenien) führte er das Licht-, Luft- und Sonnenbaden als Naturheilbehandlung ein. Die Anhänger der Freikörperkultur würdigten Rikli als Pionier des Nacktbadens. Obwohl seine Behandlungsmethoden in der akademischen Medizin umstritten waren, wurde die sog. Heliotherapie bis in die 1940er Jahre zur Tuberkulosebehandlung eingesetzt.

    Lebensdaten

    Geboren am 23. Februar 1823 in Wangen an der Aare (Kanton Bern)
    Gestorben am 30. April 1906 in St. Thomas (Kärnten)
    Grabstätte evangelischer Friedhof in Wolfsberg (Kärnten)
    Konfession evangelisch-reformiert
    Arnold Rikli (InC)
    Arnold Rikli (InC)
  • Lebenslauf

    23. Februar 1823 - Wangen an der Aare (Kanton Bern)

    - Korntal bei Stuttgart; Ludwigsburg

    Schulbesuch

    private Erziehungsanstalten; Oberrealschule

    1839 - 1840 - Wangen an der Aare (Kanton Bern)

    Lehre zum Rotfärber

    Rotfarb Wangen

    1841 - Bern

    Militärdienst

    1842 - Deutsches Reich; Frankreich; Italien

    Europareise

    1845 - 1846 - Wangen an der Aare

    Betriebsassistent

    Rotfarb Wangen

    1846 - 1857/58 - Seebach (Kärnten)

    Mitgründer und Leiter

    Rotfarb Seebach

    1854 - 1906 - Veldes (heute: Bled, Slowenien)

    Gründer und Leiter

    Heilanstalt „Mallnerbrunn“

    30. April 1906 - St.·Thomas (Kärnten)
  • Genealogie

    Vater Abraham Friedrich Rikli 1795–1866 Kaufmann; Fabrikbesitzer; Politiker, Mitglied im Grossrat
    Großvater väterlicherseits Samuel Rikli-Senn 12.4.1753–5.6.1813 Salzfaktor
    Mutter Maria Verena Rikli, geb. Moser
    Bruder Samuel Friedrich Rikli 9.12.1829– 13.6.1885 Kaufmann; Politiker; Mitglied im Nationalrat
    Bruder Johann Rudolf Rikli Chemiker; Kaufmann
    Heirat 1844 in Basel
    Ehefrau Marie Rikli, geb. Landerer
    Sohn Paul Rikli 1845–1923
    Sohn Arthur Rikli 1847–1935
    Sohn Oskar Rikli 1855–1940
    Cousin Johann Rudolf Moser 13.12.1827– 12.5.1911 Kaufmann; Verwaltungsrat; Politiker; Mitglied im Nationalrat
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Rikli, Arnold (1823 – 1906)

    • Vater

      Abraham Friedrich Rikli

      1795–1866

      Kaufmann; Fabrikbesitzer; Politiker, Mitglied im Grossrat

      • Großvater väterlicherseits

        Samuel Rikli-Senn

        12.4.1753–5.6.1813

        Salzfaktor

    • Mutter

      Maria Verena Rikli

    • Bruder

      Samuel Friedrich Rikli

      9.12.1829– 13.6.1885

      Kaufmann; Politiker; Mitglied im Nationalrat

    • Bruder

      Johann Rudolf Rikli

      Chemiker; Kaufmann

    • Heirat

      in

      Basel

      • Ehefrau

        Marie Rikli

  • Biografie

    Rikli, der einer einflussreichen Familie aus Politikern und Kaufleuten entstammte, die seit dem 17. Jahrhundert der Burgergemeinde von Wangen an der Aare (Kanton Bern) angehörte, erhielt Privatunterricht und besuchte ab 1837 private Erziehungsanstalten in Korntal und Ludwigsburg. Seit 1839 absolvierte er eine Lehre im Färbereibetrieb des Vaters und eröffnete 1846 mit seinem Bruder Johann Rudolf in Seebach (Kärnten) eine Färberei, die nie rentabel betrieben und 1857/58 liquidiert wurde.

    Seit seiner Jugend beschäftigte sich Rikli mit den Behandlungsmethoden der Naturheilbewegung. Dabei interessierte er sich v. a. für die Wassertherapien, die seit den 1820er Jahren durch Vincenz Prießnitz (1799–1851), J. H. Rausse (eigentlich Heinrich Friedrich Francke, 1805–1848) und andere Naturheilpraktiker in Heilanstalten erprobt und in zahlreichen Schriften bekannt gemacht wurden. Die sog. Hydrotherapie umfasste verschiedene Arten von Bädern, Waschungen, Güssen, Brausen, feuchten Wickeln und Packungen. Das kalte Wasser sollte den Körper der Patienten durch einen Kältereiz zur Absonderung von Giften anregen, die mit Erkrankungen wie Gicht, Rheumatismus und Bluthochdruck in Verbindung gebracht wurden. Rikli kam durch eine Schrift des deutschen Philologen Carl Gottlieb Munde (1805–1887) mit der Wasserheilkunde in Kontakt.

    1855 eröffnete Rikli in dem seit dem 17. Jahrhundert für seine Mineralquellen bekannten Kurort Veldes (Oberkrain, heute Bled, Slowenien) die Heilanstalt Mallnerbrunn. Anfangs behandelte er seine Patienten hauptsächlich mittels Wasseranwendungen. Zu diesem Zweck ließ er 1859 ein einfaches Holzhaus im Schweizer Chalet-Stil mit großem Badebereich bauen. Im Verlauf der 1860er Jahre konzentrierte er sich zunehmend auf die Anwendung von Luft- und Lichtreizen, die er als atmosphärische Kur bezeichnete. In seiner 1869 veröffentlichten Schrift „Die Thermodiätetik“ grenzte er sich polemisch von der Hydrotherapie ab und verkündete ein eigenes Behandlungssystem, das sich aus Licht-, Luft- und Sonnenkuren, Bewegungstherapien und vegetarischer Diätkost zusammensetzte. Zur Umsetzung dieser atmosphärischen Kur ließ Rikli in Veldes für seine Gäste kleine Holzhütten mit offenen Türen errichten, die einen ständigen Aufenthalt im Freien ermöglichten. Auf Prospekten warb er mit dem Leitspruch „Wasser tut’s freilich, höher jedoch steht die Luft und am höchsten das Licht“ für seinen neuen Behandlungsansatz.

    Riklis atmosphärische Kur begann sich um 1900 in zahlreichen anderen Naturheilanstalten wie dem Sanatorium Monte Verità in Ascona (Kanton Tessin) und Heinrich Lahmanns (1860–1905) Sanatorium im Dresdner Vorort Weißer Hirsch auszubreiten. Auch in öffentlichen Badeanstalten der Naturheilvereine wurde leicht bekleidet in Licht und Luft gebadet. Die Anhänger der Freikörperkultur verzichteten später gänzlich auf Kleidung und würdigten Rikli als Pionier des Nacktbadens.

    In der akademischen Medizin stieß Rikli, der von seinen Anhängern auch „Sonnendoktor“ genannt wurde, wegen fehlender Evidenz seiner Naturheilanwendungen und seiner Impfkritik auf starke Ablehnung. Er musste sich mehrfach wegen mutmaßlicher Behandlungsfehler vor Gericht verteidigen. Einige Ärzte erforschten das Licht-, Luft- und Sonnenbaden mit naturwissenschaftlichen Methoden und setzten es beispielsweise zur Behandlung gegen Tuberkulose ein; u. a. würdigte der Schweizer Tuberkulosearzt Henri Auguste Rollier (1874–1954) Riklis Leistungen in seinem 1913 veröffentlichten Standardwerk „Die Heliotherapie der Tuberkulose“.

    Nach Riklis Tod 1906 übernahm dessen Sohn Oskar die Naturheilanstalt in Bled und führte sie bis 1918 weiter. Riklis Leben und Wirken wird seit den 1970er Jahren historisch-kritisch erforscht. In Bled wird Rikli seit einigen Jahren als Wellness- und Tourismuspionier gewürdigt.

  • Auszeichnungen

    1904 Arnold-Rikli-Denkmal, Bled (Slowenien)
    1989 Arnold-Rikli-Preis für photobiologische Forschung der Jörg-Wolff-Stiftung (jährlich) (weiterführende Informationen)
    2023 Arnold-Rikli-Platz, Wangen an der Aare (Kanton Bern)
  • Quellen

    Teilnachlass:

    Privatbesitz, Bled (Slowenien).

  • Werke

    Aufruf an die kranke Menschheit an Körper und Geist, nach den Gesetzen der Natur-Heillehre zu genesen, oder leichtfaßliche Darstellung der Natur, resp. Wasserheilkunde, nach ihrem heutigen Standpunkt, 1857.

    Wegweiser zu den Umgebungen des Kurortes Veldes in Oberkrain, 1862.

    Die Thermodiätetik. Oder das tägliche thermoelectrische Licht- und Luftbad […], 1869

    Süddeutsches Vegetarianer-Kochbuch mit Speisekarte für das ganze Jahr, 1872.

    Cur- und Hausordnung der Naturheilanstalt Mallnerbrunn am Veldeser See in Oberkrain, 1886.

    Die Grundlehren der Naturheilkunde, 1890.

    Die atmosphärische Cur oder das Lichtluftbad und das Sonnenbad und die Sonne der schärfste Diagnostiker und Prognostiker, 1894.

  • Literatur

    Auguste Rollier, Die Heliotherapie der Tuberkulose. Mit besonderer Berücksichtigung ihrer chirurgischen Formen, 1913.

    Zdenko Levental, Der „Sonnendoktor“ Arnold Rikli, in: Gesnerus 34 (1977), H. 3/4, S. 394–403.

    Karl Eduard Rothschuh, Naturheilbewegung, Reformbewegung, Alternativbewegung, 1983, S. 90–92.

    Robert Jütte, Geschichte der Alternativen Medizin. Von der Volksmedizin zu den unkonventionellen Therapien von heute, 1996, S. 135–138.

    Heinrich Rikli-Barth, Der Naturarzt Arnold Rikli-Landerer 1823–1906, in: Neujahrsblatt Wangen an der Aare 13 (1998), S. 21–28.

    Zvonka Zupanic-Slavec/Cirila Toplak, Water, Air and Light. Arnold Rikli (1823–1906), in: Gesnerus 55 (1998), H. 1/2, S. 58–69.

    Hubert Steinke, Art. „Arnold Rikli“, in: Historisches Lexikon der Schweiz, 2010. (Onlineressource)

    Niklaus Ingold, Lichtduschen. Geschichte einer Gesundheitstechnik. 1890–1975, 2015.

    Stefan Rindlisbacher, Lebensreform in der Schweiz (1850–1950). Vegetarisch essen, nackt baden und im Grünen wohnen, 2022.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Porträt auf Arnold-Rikli-Denkmal, Bled (Slowenien).

    Fotografie, Ende 19. Jahrhundert, Stadtarchiv Klagenfurt.

  • Autor/in

    Stefan Rindlisbacher (Bern)

  • Zitierweise

    Rindlisbacher, Stefan, „Rikli, Arnold“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/1016911963.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA