Lebensdaten
1883 – 1979
Geburtsort
Moskau
Sterbeort
Braunschweig
Beruf/Funktion
Nachrichtentechniker ; Radiopionier ; Elektrotechniker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 10703154X | OGND | VIAF: 54653581
Namensvarianten
  • Pungs, Leo Wilhelm Julius
  • Pungs, Leo
  • Pungs, Leo Wilhelm Julius

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Pungs, Leo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10703154X.html [25.02.2024].

CC0

  • Leo Pungs entwickelte 1913 ein Verfahren zur Amplitudenmodulation von Hochfrequenzschwingungen mithilfe gesteuerter Eisendrosseln (sog. Pungs-Drossel, auch Pungs-Gerth-Drossel) sowie mit Hans Harbich (1875–1949) und Felix Gerth (geb. 1885) die leistungssparende HAPUG-Modulation, die sich v. a. bei tragbaren Funkgeräten durchsetzte. Auf dem Gebiet der Telefonie realisierte er eine Funkverbindung zwischen den Ortsnetzen von Kopenhagen und der Insel Bornholm (Dänemark) und entwickelte mit Gerhard Preuner (1873–1928) ein Verfahren zur Messung kleinster Kapazitätsänderungen.

    Lebensdaten

    Geboren am 6. August 1883 in Moskau
    Gestorben am 16. Februar 1979 in Braunschweig
    Konfession evangelisch
    Leo Pungs, Deutsches Museum (InC)
    Leo Pungs, Deutsches Museum (InC)
  • Lebenslauf

    6. August 1883 - Moskau

    1901 - 1906 - Darmstadt

    Studium der Elektrotechnik (Abschluss: Diplom-Ingenieur)

    TH

    1906 - 1909 - Darmstadt

    1912 - Darmstadt

    Promotion (Dr.-Ing.)

    TH

    1912 - 1927 - Berlin

    Entwicklungsingenieur; Laborleiter; Prokurist

    C. Lorenz AG

    1927 - 1954 - Braunschweig

    ordentlicher Professor für Fernmelde- und Hochfrequenztechnik (1951 emeritiert)

    Institut für Fernmelde- und Hochfrequenztechnik der TH

    16. Februar 1979 - Braunschweig
  • Genealogie

    Vater Wilhelm Julius Pungs 14.1.1846–24.9.1899 aus Odenkrichen (Kreis Gladbach, preußische Rheinprovinz); Fabrikant; 1876 Besitzer einer Wollweberei in Moskau; zuletzt in Wiesbaden
    Großvater väterlicherseits Wilhelm Pungs geb. um 1811 Kaufmann in Odenkirchen
    Großmutter väterlicherseits Johanna Wilhelmina Pungs, geb. Trappen geb. 1818
    Mutter Johanna Wilhelmine Pungs, geb. Blomquist geb. um 1845, gest. nach 6.8.1893 zuletzt in Wiesbaden
    Heirat 12.12.1917 in Berlin-Wilmersdorf
    Ehefrau Anna Lucia Pungs, geb. Drewa 14.12.1882–1979 aus Neustadt (Westpreußen, heute Wejherowo, Polen); katholisch
    Schwiegervater Anton Drewa 27.4.1841–vor 6.8.1893 aus Salanczni ? bei Neustadt (Westpreußen); Postbeamter; Landwirt, zuletzt in Neustadt; katholisch
    Schwiegermutter Wilhelmine Julianna Drewa, geb. Maurer 20.10.1853–nach 6.8.1893 aus Dalanin ? bei Neustadt (Westpreußen); zuletzt in Neustadt; evangelisch
    Kinder ein Sohn
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Pungs, Leo (1883 – 1979)

    • Vater

      Wilhelm Pungs

      14.1.1846–24.9.1899

      aus Odenkrichen (Kreis Gladbach, preußische Rheinprovinz); Fabrikant; 1876 Besitzer einer Wollweberei in Moskau; zuletzt in Wiesbaden

      • Großvater väterlicherseits

        Wilhelm Pungs

        geb. um 1811

        Kaufmann in Odenkirchen

      • Großmutter väterlicherseits

        Wilhelmina Pungs

        geb.·1818

    • Mutter

      Wilhelmine Pungs

      geb. um 1845, gest. nach 6.8.1893

      zuletzt in Wiesbaden

    • Heirat

      in

      Berlin-Wilmersdorf

      • Ehefrau

        Anna Lucia Pungs

        14.12.1882–1979

        aus Neustadt (Westpreußen, heute Wejherowo, Polen); katholisch

  • Biografie

    Pungs, der als Sohn einer niederrheinischen Industriellenfamilie in Moskau geboren wurde, besuchte dort die deutsche Schule. Nach der Rückkehr der Familie nach Deutschland nahm er 1901 das Studium der Elektrotechnik an der TH Darmstadt auf, das er 1906 mit dem Diplom abschloss. Anschließend arbeitete er hier bis 1909 als Assistent bei Erasmus Kittler (1852–1929). Nach kurzer Industrietätigkeit bei Brown, Boveri & Cie. in Baden (Kanton Aargau) kehrte er an die TH Darmstadt zurück, wo er 1912 bei Waldemar Petersen (1880–1946) zum Dr.-Ing. promoviert wurde.

    Im selben Jahr begann Pungs bei der C. Lorenz AG in Berlin als Entwicklungsingenieur. Während des Ersten Weltkriegs beschäftigte er sich als Leiter des Funklaboratoriums der Marine mit Peil- und Navigationsfragen. Nach Kriegsende war er Laborleiter und Prokurist der C. Lorenz AG, ehe er 1927 als Ordinarius an das neu gegründete Institut für Fernmelde- und Hochfrequenztechnik der TH Braunschweig berufen wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Deutschland lediglich zwei weitere nachrichtentechnische Lehrstühle, einen in Dresden sowie eine Dozentur an der TH Berlin-Charlottenburg.

    Im Zweiten Weltkrieg befasste sich Pungs im Dienst der Kriegsmarine u. a. mit Antennentechnik sowie der Tarnung vor funkgestützten Erkennungs- und Ortungsverfahren (Radartechnik). Nach dem Krieg wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP durch die britische Militärregierung aus dem Hochschuldienst entlassen, aber rasch rehabilitiert. Seine Professur am Institut für Fernmelde- und Hochfrequenztechnik der TH Braunschweig hatte Pungs, der 1951 emeritiert wurde, bis 1954 inne. Zu seinen Schülern zählen Hermann Rieche (geb. 1904), Erich Schulze-Herringen, Klaus-Peter Schwelmer, Walter Lampe (geb. 1904), Ernst Brake und Hans Fricke (1913–2004).

    Pungs' Hauptarbeitsgebiet war die Funktechnik. 1913 ließ er ein Verfahren zur Amplitudenmodulation von Hochfrequenzschwingungen mithilfe gesteuerter Eisendrosseln patentieren. Die nach ihm benannte Pungs-Drossel ermöglichte u. a. 1920 und 1921 erste Versuchssendungen über die Sendeanlagen in Königs Wusterhausen (Brandenburg) und Eberswalde (Brandenburg). In der Telefonie vollbrachte Pungs 1923 mit der unter seiner Leitung realisierten drahtlosen Verbindung zwischen den Netzen von Kopenhagen und der Insel Bornholm (Dänemark) eine Pionierleistung. Das mit Gerhard Preuner (1873–1928) entwickelte Verfahren zur Messung kleiner Kapazitäten beruhte auf der Auswertung der hörbaren Schwebung, die bei der Überlagerung zweier Hochfrequenz-Schwingungen entsteht.

    Im Braunschweiger Institut setzte Pungs seine Arbeiten fort, in dem er mit Hans Harbich (1875–1949) und Felix Gerth (geb. 1885) ein leistungssparendes Modulationsverfahren entwickelte, das als HAPUG-Modulation – benannt nach den Anfangsbuchstaben der Namen ihrer Erfinder – sich hauptsächlich bei tragbaren Funkgeräten durchsetzte. Frühere Arbeiten zu Peil- und Navigationsgeräten aus dem Ersten Weltkrieg mündeten in der Entwicklung von Breitbandantennen im Meter- und Dezimeterwellengebiet. Die Arbeiten zur Amplitudenmodulation mit einer Steuerdrossel führten auf das Gebiet nichtlinearer Reaktanzen mit Untersuchungen zu magnetischen Demodulatoren und zu parametrischen Verstärkern. An Pungs‘ Institut entstanden messtechnische Arbeiten zur Spannungs-, Strom- und Leistungsmessung sowie zum Hochfrequenz-Kalorimeter. Als Emeritus arbeitete Pungs auf dem Gebiet der Hochfrequenz-Holzspanverleimung und des Hochfrequenz-Kunststoffschweißens.

  • Auszeichnungen

    1933 Gauß-Weber-Denkmünze der Universität Göttingen
    Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft (1949–1953 Vorsitzender der Klasse Ingenieurwissenschaften; 1954–1956 Präsident)
    1953 Dr.-Ing. e. h., TH Darmstadt
    1953 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1963 Philipp-Reis-Plakette der Deutschen Bundespost
    1969 Goldene Ehrennadel des Deutschen Amateur-Radio-Clubs
  • Quellen

    Nachlass:

    nicht bekannt.

  • Werke

    Monografien:

    Über das dielektrische Verhalten flüssiger Isolierstoffe bei hohen Wechselspannungen, 1913. (Diss. Ing.)

    Grundzüge der Hochfrequenztechnik, 2 T., 1947/49.

    Karl-Heinz Steiner/Leo Pungs, Parametrische Systeme, 1965.

    Hans Fricke/Leo Pungs, Meßtechnik der kontinuierlichen Modulationsverfahren, 1969.

    Patente:

    C. Lorenz AG, Verfahren für Telephonie und Tonsenden mittels elektrischer Wellen DRP281 440, angemeldet 15.7.1913, veröffentlicht 8.1.1915. (Onlineressource)

    Hans Harbich/Leo Pungs, Schaltung für die Richtungstelegraphie mit Vielfachantennen DRP328 279, angemeldet 1.3.1919, veröffentlicht 27.10.1920. (Onlineressource)

    Verfahren zur Modulation von Sendern mit in Abhängigkeit von der Modulationsstärke schwankender Trägerfrequenzamplitude DRP6 00403, angemeldet 3.5.1931, veröffentlicht 31.7.1934.

    Aufsätze:

    Die Steuerung von Hochfrequenzströmen durch Eisendrosseln mit überlagerter Magnetisierung, in: Elektrotechnische Zeitschrift 44 (1923) S. 78–81.

    Leo Pungs/Gerhard Preuner, Verfahren zur Messung sehr kleiner Kapazitäten und Induktivitäten, in: Physikalische Zeitschrift 20 (1919), S. 543–545.

    Der Eisenmodulator bei Telephonie-Röhrensendern, in: Elektrische Nachrichtentechnik 2 (1925), S. 93–96.

    W. Fischer/Leo Pungs, Schnelltelegraphie mit Steuerdrossel, in: Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 27 (1926), S. 51.

    Teil VI. Die Funkpeilung in: Fritz Banneitz (Hg.), Taschenbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie, 1927, S. 942–971.

    Holz als Dielektrikum im Hochfrequenzfeld, in: Elektrotechnische Zeitschrift 75 (1954), S. 433–438.

  • Literatur

    J. C. Poggendorffs biographisch-literarisches Handwörterbuch der exakten Naturwissenschaften, Bd. 6, 1938, S. 2093 f. u. Bd. 7a, 1959, S. 642 f.

    Ernst Prokott, Prof. Pungs 75 Jahre, in: Elektrotechnische Zeitschrift 79 (1958), S. 582.

    Helmut Schönfelder, Professor Leo Pungs 90 Jahre, in: Nachrichtentechnische Zeitschrift 26 (1973), S. 338. (P)

    Helmut Schönfelder, Ein Rundfunkpionier wird 90, in: Mitteilungen der TU Carola-Wilhelmina Braunschweig 9 (1974), S. 29–34.

    Helmut Schönfelder, Leo Pungs gestorben, in: NTZ. Fachzeitschrift für Informations- und Kommunikationstechnik 32 (1979), S. 278 f.

    Helmut Schönfelder, Professor Leo Pungst †, in: Fernseh- und Kino-Technik 33 (1979), S. 80. (P)

    Eugen Meinel, In Memoriam Leo Pungs. Pionier der Rundfunk-Sendertechnik, in: Funk-Technik 38 (1983), S. 358. (P)

    Werner Nestel, Art. „Pungs, Leo Wilhelm Julius“, in: Sigfrid von Weiher (Hg.), Männer der Funktechnik, 1983, S. 141–143. (P)

    Kurt Jäger, Art. „Pungs, Leo Wilhelm Julius“, in: ders., Lexikon der Elektrotechniker, 1996, S. 306.

    Daniel Weßelhöft/Oliver Matuschek, 70 Jahre Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft 1943–2013, 2013, S. 86. (P)

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Fotografie, 1935, Archiv des Deutschen Museums, München. (weiterführende Informationen)

  • Autor/in

    Frank Dittmann (München)

  • Zitierweise

    Dittmann, Frank, „Pungs, Leo“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/10703154X.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA