Pilates, Joseph
- Lebensdaten
- 1883 – 1967
- Geburtsort
- München-Gladbach (heute Mönchengladbach)
- Sterbeort
- New York City
- Beruf/Funktion
- Entwickler der Pilates-Methode ; Fitness-Trainer ; Boxsportler ; Boxlehrer ; Trainer
- Konfession
- römisch-katholisch,seit 1905 evangelisch
- Normdaten
- GND: 1077608306 | OGND | VIAF: 93775924
- Namensvarianten
-
- Pilates, Joe
- Pilates, Hubertus Joseph
- Pilates, Josef
- Pilates, Joseph
- Pilates, Joe
- Pilates, Hubertus Joseph
- Pilates, Josef
- Pilates, Joseph Hubertus
- Pilates, Hubertus Josef
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Pilates, Hubertus Joseph (auch Joe Pilates, Josef Pilates)
1883 – 1967
Entwickler der Pilates-Methode, Fitness-Trainer, Boxsportler, Boxlehrer
Joseph Pilates entwickelte seit Ende der 1920er Jahre als Autodidakt die Pilates-Methode, ein Training zur Kräftigung und Dehnung des ganzen Körpers. In den 1920er Jahren meldete er als Betreiber einer Boxschule in Gelsenkirchen erste Patente für Trainingsgeräte an. 1926 wanderte er nach New York City aus, wo er in seinem Studio bis zu seinem Tod seine Methode unterrichtete. Ende der 1990er Jahre wurde Pilates’ Trainingsmethode weltbekannt.
Lebensdaten
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Autor/in
→Eva Rincke (Stuttgart)
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Zitierweise
Rincke, Eva, „Pilates, Joseph“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd1077608306.html#dbocontent
Frühe Jahre in Deutschland und England
Pilates entwickelte schon als Jugendlicher großes Interesse an der Körperkultur, v. a. an Turnen, Krafttraining und Boxen. Im Anschluss an den Besuch der Volksschule in München-Gladbach (heute Mönchengladbach) begann er 1900 eine Ausbildung zum Bierbrauer, wechselte danach häufig den Wohnort und arbeitete vermutlich in Brauereien. Zwischen 1912 und 1914 wanderte er – wohl illegal – nach England aus und lebte seit Juni 1914 in Blackpool, wo er im Herbst als „Enemy Alien“ verhaftet wurde. Nach knapp einem Jahr Haft in einem Internierungslager in Lancaster wurde er im September 1915 in das große Internierungslager Knockaloe auf der Isle of Man (Großbritannien) überstellt. Hier beteiligte er sich an der Boxszene und war u. a. als Schiedsrichter bei einem Boxkampf 1917 eingesetzt. Zudem bot er Kräftigungsübungen für Mithäftlinge an.
1919 wurde Pilates repatriiert und richtete in Gelsenkirchen eine Boxschule ein. Er war 1920 Gründungsmitglied des Westdeutschen Amateurboxverbands und wurde zu dessen Sportwart gewählt. Nachdem sein Bruder Fritz und andere Schüler der Boxschule entgegen der Verbandsstatuten als Profiboxer an Kämpfen teilgenommen hatten, wurde Pilates’ Boxschule 1922 aus dem Verband ausgeschlossen.
Pilates wechselte in den Bereich der Rehabilitation und meldete 1922 sein erstes Patent für eine „Vorrichtung zur Beseitigung oder Besserung von Bein- und Fußfehlern o. dgl.“ an. Er übersiedelte 1923 nach Hamburg, wo er bei der Ordnungspolizei Übungen zur Körperertüchtigung anleitete und eine Privatpraxis zur Rehabilitation einrichtete. Sein zweites Patent für das „Körperübungsgerät“ von 1924 beschreibt ein Trainingsgerät, das noch heute unter dem Namen „Reformer“ in Pilates-Studios eingesetzt wird.
Wirken in den USA
1926 wanderte Pilates, unterstützt durch den US-amerikanischen Boxjournalisten Nat Fleischer (1887–1972), der später auch für ihn bürgte, in die USA aus. Er eröffnete ein eigenes Studio in Manhattan (New York City) und entwickelte hier seine Trainingsmethode „Contrology“, deren Übungen sowohl an Geräten als auch auf der Matte ausgeführt wurden. Dabei achtete Pilates besonders auf einen Wechsel von Anspannung und Entspannung; eine Trainingseinheit im Studio sollte nicht länger als 45 Minuten dauern, drei Besuche in der Woche waren vorgesehen. Zentral war die Konzentration und die bewusste Atmung bei der Ausführung der Übungen, um einen maximalen Effekt zu erzielen. Die Klientinnen und Klienten wurden beim Training von Pilates oder seiner Lebensgefährtin Clara Zeuner (1883–1977) angeleitet und korrigiert. Zeuner, die sich in späteren Jahren Pilates nannte, ohne dass Belege für eine Eheschließung gefunden wurden, wurde zu Pilates’ wichtiger Geschäfts- und Lebenspartnerin, mit der er sein Studio betrieb.
Pilates trainierte viele Tänzerinnen und Tänzer, aber auch Boxer, Sängerinnen, Fotografen und Menschen aus anderen Berufszweigen. Die intensive Zusammenarbeit mit einflussreichen Persönlichkeiten aus dem Bereich des Tanzes und der Choreografie, wie Ruth Saint Denis (1879–1968), Ted Shawn (1891–1972), Hanya Holm (1893–1992) und George Balanchine (1904–1983), führte dazu, dass die Pilates-Methode sich im Tanzbereich schon zu Pilates’ Lebzeiten weit verbreitete. Shawn lud Pilates 1942 und 1943 sowie von 1947 bis Anfang der 1950er Jahre als Trainer für Körperübungen zu seiner Sommerschule „Jacob’s Pillow“ nach Lee (Massachusetts, USA) ein, aus der später das berühmte gleichnamige Tanzfestival hervorging.
Anlass für Pilates’ Arbeit mit Tänzerinnen waren oft Verletzungen. Im Bereich der Rehabilitation verzeichnete er viele Erfolge. Die deutsch-jüdische Tänzerin Carola Strauss Trier (1913–2000), die nach ihrer Emigration ihren Lebensunterhalt als Rollschuh-Künstlerin bestritt, absolvierte nach einer Knieverletzung Anfang der 1950er Jahre eine erfolgreiche Rehabilitation in Pilates’ Studio, ließ sich von ihm ausbilden und eröffnete 1957 ein eigenes Studio, in dem sie seine Methode unterrichtete. Der Tänzerin und Choreografin Eve Gentry (1910–1994) half Pilates 1955 erfolgreich beim Muskelaufbau nach einer Brustamputation, sodass sie wieder auf die Bühne zurückkehren konnte; später lehrte auch sie die Pilates-Methode.
Pilates versuchte, sein Konzept auch durch Publikationen bekannter zu machen. In „Your Health“ (1936) beschrieb er in Grundzügen seine Ideen und stellte selbst entworfene Möbel vor, die der Entspannung dienen sollten. Er war überzeugt, dass der Körper in seinem Sessel („Chair“, Patent von 1932) und seinem Bett („Bed or couch“, Patent von 1932), die über eine Art Faltmechanismus mit Sprungfedern verfügten, besser entspannen könne, als in gewöhnlichen Möbeln. Pilates’ Band „Return to Life Through Contrology“ (1945) enthielt konkrete Anleitungen für Mattenübungen. Auf Aufnahmen des Fotografen George Hoyningen-Huene (1900–1968) demonstrierte Pilates seine Übungen.
Zu Pilates’ Werbemaßnahmen gehörten auch zahlreiche Briefe an einflussreiche Persönlichkeiten wie US-Präsident John F. Kennedy (1917–1963), den er für die Verbreitung seiner Trainingsmethode „Contrology“ zu gewinnen versuchte. Allen Anstrengungen zum Trotz gelang es Pilates zu Lebzeiten nicht, seiner Methode weltweite Bekanntheit zu verschaffen. Allerdings legte er durch seine unermüdliche Lehrtätigkeit im Studio und die Ausbildung zahlreicher Assistentinnen und Assistenten – hervorzuheben sind u. a. Romana Kryzanowska (1923–2013) und Ron Fletcher (1921–2011) – den Grundstein dafür, dass dieser Erfolg seit Ende des 20. Jahrhunderts eintrat. Heute wird die Pilates-Methode weltweit praktiziert.
| 2026 | Pilates-Platz am Dicken Turm, Waldhausener Straße, Mönchengladbach |
| in Vorbereitung | Joseph Pilates Museum, Pilates-Platz, Mönchengladbach |
Nachlass:
Nachlasssplitter in Privatbesitz.
Weitere Archivmaterialien:
The Jacob’s Pillow Archives, Becket (Massachusetts, USA), Box 3,
New York Public Library, New York City, Fern Helscher Papers, Box 8, Folder 9.
National Archives and Record Administration, John F. Kennedy Presidential Library, Washington, DC, White House Name File, Box 2196, Folder Pilat.
Prisoners of the First World War ICRC Historical Archives. (Onlineressource)
Leo Baeck Institute, New York City. Carola S. Trier Collection. (Onlineressource)
Gedruckte Quelle:
Romana Kryzanowska/Sean Gallagher (Hg.), The Joseph Pilates Archive Collection, 2000.
Your Health. A Corrective System of Exercises that Revolutionizes the Entire Field of Physical Education, 1934, Neuausg. u. d. T. Presentation Dynamics, 1998.
Joseph Pilates/William John Miller, Return to Life Through Contrology, 1945, Nachdr. 1960, Neuausg. u. d. T. Pilates Method Alliance, 2003, dt. Return to Life Through Contrology. Die originalen Pilates-Übungen, Deutsche Erst- und Faksimileausg., 2009.
Patente:
Vorrichtung zur Beseitigung oder Besserung von Bein- und Fußfehlern o. dgl. DE000000375 001A, angemeldet 27.8.1922, veröffentlicht 4.5.1923.
Körperübungsgerät DE000000427 705A, angemeldet 28.8.1924, veröffentlicht 13.4.1926.
Chair US-1874 613-A, angemeldet 3.2.1930, veröffentlicht 30.8.1932.
Bed or couch US-1876 743-A, angemeldet 10.6.1930, veröffentlicht 13.9.1932.
Chair US-1969 901-A, angemeldet 29.8.1931, veröffentlicht 14.8.1934.
Verzeichnis der Patente:
FreePatentsOnline. (Onlineressource)
Javier Pérez Pont/Esperanza Aparicio Romero, Joseph Hubertus Pilates. The Biography, 2013.
Eva Rincke, Joseph Pilates. Der Mann, dessen Name Programm wurde, 2015.
John Howard Steel, Caged Lion. Joseph Pilates & His Legacy, 2020.
Cathy Strack, Get to Know Joe Pilates, 2022. (P)
Nachrufe:
N. N., Joseph Pilates Dead at 86, in: Dance Magazine v. November 1967.
N. N., Pilates Body Builder, in: New York Times v. 10.10.1967.
N. N., Pilates, Joseph, Obituary, in: Daily News v. 11.10.1967, S. 631.
Joseph H. Pilates, Körpertrainer (Todestag 09.10.1967), in: WDR ZeitZeichen, 9.10.2012.
140.·Geburtstag. Wie der Pilates-Erfinder vom Niederrhein die Welt eroberte, in: WDR, 9.12.2023. (P)
Anna-Maria Breil, Wer ist Joseph Pilates?, 26.8.2024. (P, private Homepage)
Mary Bowen (Hg.), Joe Pilates Historic Video/DVD. From Joe Pilates Private Film Collection 1932–1945. (zwei Filmaufnahmen)
Bruce Thomson, Biography of Joseph Hubertus Pilates (1883–1967). (P)
Bruce Thomson, Joseph Pilates Birth Certificate and House in Moenchengladbach. (Qu, P)
zwei Fotografien, Pilates im Lager Knockaloe, Isle of Man (Großbritannien), ca. 1917. (Onlineressource) (Onlineressource)
Fotografienserie v. I. C. Rapoport (geb. 1937), Pilates-Studio, New York City, 4.10.1961. (Onlineressource).
Basrelief v. John Terken (1912–1993), 1950er oder 1960er Jahre, Fotografie in: Peter A. Juley & Son Collection, Smithsonian American Art Museum, Washington, DC, Abbildung in: Cathy Strack, Get to Know Joe Pilates, 2022.
Gedenkplatte v. Jakub Vlček (geb. 1979), 2011, Dicker Turm, Waldhausener Straße, Mönchengladbach.