Lebensdaten
1892 – 1948
Geburtsort
Hechingen (Hohenzollern)
Sterbeort
Lager Sachsenhausen bei Oranienburg (Brandenburg)
Beruf/Funktion
Fußballtrainer ; Lehrer ; Arzt ; Fußballspieler
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 124842941 | OGND | VIAF: 4145376249783720244
Namensvarianten
  • Nerz, Otto

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB-online/NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Nerz, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124842941.html [25.02.2024].

CC0

  • Der Lehrer und Arzt Otto Nerz bereitete von 1926 bis 1936 als erster Reichstrainer den Aufstieg der deutschen Nationalmannschaft zu einem europäischen Spitzenteam vor. Er führte die Elf des Deutschen Fußball-Bunds zum Turnier bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam, bei dem diese jedoch erfolglos blieb. 1934 erreichte er bei der zweiten Fußball-Weltmeisterschaft in Italien mit der Mannschaft den dritten Platz, doch wurde er als Reichstrainer nach dem Ausscheiden im Viertelfinale der Olympischen Spiele in Berlin 1936 durch Sepp Herberger (1897–1977) ersetzt.

    Lebensdaten

    Geboren am 21. Oktober 1892 in Hechingen (Hohenzollern)
    Gestorben am 19. April 1949 in Lager Sachsenhausen bei Oranienburg (Brandenburg)
    Grabstätte Massengrab Lager Sachsenhausen
    Konfession römisch-katholisch
    Otto Nerz (im Hintergrund), Imago Images (InC)
    Otto Nerz (im Hintergrund), Imago Images (InC)
  • Lebenslauf

    21. Oktober 1892 - Hechingen (Hohenzollern)

    - 1901 - Hechingen (Hohenzollern)

    Schulbesuch

    Volksschule

    1901 - 1907 - Mannheim

    Übersiedlung der Familie; Schulbesuch (Abschluss: Mittlere Reife)

    Volksschule; seit 1901 Realgymnasium

    1907 - 1910 - Ettlingen bei Karlsruhe

    Ausbildung

    Lehrerseminar

    1910 - 1914 - Mannheim

    Lehrer

    1914 - 1917 - Ostfront

    freiwillige Kriegsteilnahme

    Deutsches Heer

    1918 - 1924 - Mannheim

    Hauptlehrer

    1919

    Mitglied (Austritt unbekannt)

    SPD

    1921 - 1922 - Karlsruhe

    Ausbildung zum Fachturnlehrer

    Landesturnanstalt

    1923 - Karlsruhe; Heidelberg

    Abitur; kurzzeitiges Studium der Medizin

    Universität

    1923 - 1925 - Berlin

    Sportstudium (Abschluss: Sportlehrerdiplom)

    Deutsche Hochschule für Leibesübungen

    1924 - 1926 - Berlin

    Lehrer für das Fach Fußball

    Deutsche Hochschule für Leibesübungen

    1926 - 1936 - Berlin

    Reichs-Fußballlehrer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

    Deutscher Fußball-Bund

    1927 - 1933 - Berlin

    Studium der Medizin

    Universität

    1932

    Mitglied

    SA

    1936 - Berlin

    Promotion (Dr. med.)

    Universität

    1936 - Berlin

    Direktor

    Sportpraktisches Institut der Reichsakademie für Leibesübungen

    1936 - 1938 - Berlin

    Referent für die Nationalmannschaft

    Fachamt 2 (Fußball)

    1937

    Mitglied

    NSDAP

    1938 - Berlin

    Professor für Pädagogik der Leibesübungen

    Universität

    1939 - 1945 - Döberitz (Brandenburg)

    Stabsarzt

    Reservelazarett der Wehrmacht

    1945 - 1949 - Speziallager Nr. 3 Hohenschönhausen; Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen bei Oranienburg (Brandenburg)

    Inhaftierung

    NKWD (sowjetischer Geheimdienst)

    19. April 1949 - Lager Sachsenhausen bei Oranienburg (Brandenburg)
  • Genealogie

    Vater Georg Nerz 1853–1930 Landwirt in Hechingen (Hohenzollern)
    Mutter Josefine Nerz, geb. Nerz 1863–1949 Hausfrau
    Geschwister neun Brüder, zwei Schwestern
    Heirat 1931 in Berlin
    Ehefrau Elli Nerz, geb. Böhme geb. 1906
    Kinder ein Sohn, eine Tochter
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Nerz, Otto (1892 – 1948)

    • Vater

      Georg Nerz

      1853–1930

      Landwirt in Hechingen (Hohenzollern)

    • Mutter

      Josefine Nerz

      1863–1949

      Hausfrau

    • Heirat

      in

      Berlin

      • Ehefrau

        Elli Nerz

        geb. 1906

  • Biografie

    Nerz zog mit seiner Familie 1901 nach Mannheim, wo er das Realgymnasium besuchte und nach der Untersekunda die Mittlere Reife erhielt. Von 1907 bis 1910 in Ettlingen bei Karlsruhe zum Lehrer ausgebildet und als solcher anschließend in Mannheim tätig, nahm Nerz von 1914 bis 1917 freiwillig am Ersten Weltkrieg teil und war anschließend wieder Hauptlehrer in Mannheim.

    Nerz spielte als junger Mann Fußball beim VfR Mannheim und trainierte dessen Mannschaft seit 1921. In dieser Zeit lernte er den Nationalspieler und späteren Konkurrenten um das Amt des Reichstrainers, Sepp Herberger (1897–1977), kennen. 1921/22 ließ sich Nerz an der Landesturnanstalt in Karlsruhe zum Turnlehrer ausbilden, legte 1923 sein Abitur ab, studierte danach kurzzeitig Medizin an der Universität Heidelberg und wechselte im selben Jahr zum Sportstudium an die Deutsche Hochschule für Leibesübungen in Berlin. Noch vor Erhalt seines Sportlehrerdiploms 1925 wurde er hier 1924 als Lehrer für das Fach Fußball angestellt. In dieser Zeit fungierte er auch als Trainer des Fußballvereins Tennis Borussia Berlin und reiste nach Großbritannien, um den Fußball dort zu studieren.

    Auf Betreiben Felix Linnemanns (1882–1948), seit 1925 Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), wurde Nerz 1926 zum Reichs-Fußballlehrer berufen, um die Nationalmannschaft auf das Fußballturnier bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam vorzubereiten, bei denen diese jedoch nach einer Niederlage gegen Uruguay im Viertelfinale ausschied. Erfolgreicher gestaltete sich die Teilnahme an der zweiten Weltmeisterschaft im Fußball 1934 in Italien, wo Nerz mit der Mannschaft den dritten Platz erreichte. Bei den mit hohen Erwartungen von Seiten der Politik und Öffentlichkeit verbundenen Olympischen Spielen in Berlin 1936 enttäuschte das deutsche Team mit einer 2:0-Niederlage gegen Außenseiter Norwegen im Viertelfinale. In den folgenden Monaten entspann sich daraufhin ein Kampf um die Position des Reichstrainers zwischen Nerz und Herberger, den Letzterer im November 1936 zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Doch wurde Nerz mit seiner gleichzeitig erfolgten Ernennung zum Referenten für die Nationalmannschaft im Fachamt 2 (Fußball) zu Herbergers Vorgesetztem.

    Neben seiner Tätigkeit als Fußballlehrer studierte Nerz von 1927 bis 1933 Medizin an der Universität Berlin, wo er 1936 mit einer Arbeit zur Orthopädie bei Ferdinand Sauerbruch (1875–1951) zum Dr. med. promoviert und an die er 1938 als Professor für die Pädagogik der Leibesübungen berufen wurde. Nach Kriegsbeginn diente er bis 1945 als Stabsarzt in der Wehrmacht. Anfang Juni 1943 veröffentlichte er eine dreiteilige antisemitische Artikelserie über Juden im Sportbetrieb in der „Berliner Zeitung“. Wegen seiner Äußerungen und vermutlich nach Denunziation wurde er im Frühjahr 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet und im Speziallager Nr. 3 Hohenschönhausen in Berlin sowie nach dessen Auflösung 1946 im Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen bei Oranienburg (Brandenburg) inhaftiert, wo er Berichten zufolge an Unterernährung starb.

    Nerz betreute die Reichsauswahl in 75 Partien als Trainer, von denen 44 gewonnen wurden und elf unentschieden endeten. Er galt als ausgewiesener Kenner des internationalen Fußballgeschehens und als pädagogisch geschickter Trainer. Nerz führte Sichtungslehrgänge zur Gewinnung neuer Nationalspieler und das Trainingslager zur Spielvorbereitung in die Arbeit des Deutschen Fußball-Bunds ein und bereitete damit den Aufstieg der deutschen Mannschaft zu einem europäischen Spitzenteam vor.

  • Auszeichnungen

  • Quellen

    Nachlass:

    Privatbesitz

    Weitere Archivmaterialien:

    Stadtarchiv Mannheim.

    Archiv der HU Berlin.

    Archiv des Lagers Sachsenhausen.

    Archiv des Deutschen Fußball-Bunds, Frankfurt am Main.

  • Werke

    Fußball. Wintertraining, 1925.

    Taktik, 1926, 1926.

    Der Torwächter, 1926.

    Der Verteidiger, 1926.

    Der Läufer, 1926.

    Der Stürmer, 1928.

    Technik I, 1928.

    Technik II, 1928.

    Training, 1928.

    Otto Nerz/Carl Koppehel, Der Kampf um den Ball. Das Buch vom Fußball, 1933.

    Unfallschäden des Kniegelenkes unter Belastung durch Arbeit und Sport, 1936. (Diss. med. Berlin)

    Fußball der Jugend, 1939.

    Die Juden im englischen Sportbetrieb, in: 12 Uhr Blatt der Berliner Zeitung v. 2.6.1943.

    Der Jude Weiß vermittelt Fußballspiele, in: 12 Uhr Blatt der Berliner Zeitung v. 3.6.1943.

    Europas Sport wird frei vom Judentum, in: 12 Uhr Blatt der Berliner Zeitung v. 4.6.1943.

  • Literatur

    Alfredo W. Poge, Prof. Dr. Nerz. Deutschlands erster Reichstrainer, in: Fußball-Weltzeitschrift Nr. 20 v. Januar 1993, S. 33–40.

    Karl-Heinz Schwarz-Pich, Der Ball ist rund. Eine Seppl Herberger Biographie, 1996.

    Uwe Wick, Fußball im Nationalsozialismus, in: Franz-Josef Brüggemeier/Ulrich Borsdorf/Jürg Steiner (Hg.), Der Ball ist rund. Katalog zur Fußballausstellung im Gasometer Oberhausen im CentrO. anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Deutschen Fußball-Bundes 12. Mai bis 15. Oktober 2000, 2000, S. 174–189.

    Gerhard Fischer/Ulrich Lindner, Stürmer für Hitler. Vom Zusammenspiel zwischen Fußball und Nationalsozialismus, 2002, S. 79–123 u. 285 f.

    Sepp Herberger und Otto Nerz. Die Chefdenker und ihre Theorien. Ihre Diplomarbeiten eingel., komm. u. hg. v. Jürgen Buschmann/Karl Lennartz/Hans Günter Steinkämper, 2003.

    Karl-Heinz Schwarz-Pich, Art. „Nerz, Otto“, in: Badische Biographien NF 5 (2005), S. 213–215. (Onlineressource)

    Sebastian Schwenke, Leben und Wirken des ersten deutschen Fußball-Nationaltrainers, Otto Nerz, zur Zeit des Nationalsozialismus, eingereicht als Bachelorarbeit, Hochschule Mittweida – University of Appleid Science (FH) Mittweida 2010.

    Bernd Sautter, Heimspiele Baden-Württemberg. Wahre Fußball-Geschichten, die unter die Grasnarbe gehen, 2015, S. 150–162.

  • Onlineressourcen

  • Autor/in

    Uwe Wick (Essen)

  • Zitierweise

    Wick, Uwe, „Nerz, Otto“ in: NDB-online, URL: https://www.deutsche-biographie.de/124842941.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA