Lebensdaten
1889–1961
Geburtsort
Hadamar (Hessen)
Sterbeort
Heiligenberg (Bodensee)
Beruf/Funktion
Übersetzerin ; Lyrikerin ; Schriftstellerin ; Übersetzerin
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 117457515 | OGND | VIAF: 27849115
Namensvarianten
  • Mathi, Maria Caroline
  • Schmid, Maria Caroline
  • Mathi, Maria
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Zitierweise

Mathi, Maria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117457515.html [13.04.2024].

CC0

  • Maria Mathi betätigte sich schon als junge Frau als Lyrikerin und Verfasserin von Erzählungen und Romanen. International bekannt wurde sie mit dem Roman „Wenn nur der Sperber nicht kommt“ (1955), in dem sie die Ermordung der jüdischen Bevölkerung in ihrer Geburtsstadt Hadamar und die Tötung „lebensunwerten Lebens“ in der nahe gelegenen Landesheilanstalt thematisierte.

    Lebensdaten

    Geboren am 5. November 1889 in Hadamar (Hessen)
    Gestorben am 26. Juni 1961 in Heiligenberg (Bodensee)
    Grabstätte Friedhof in Karlsruhe; seit 2011 Hadamar (Grab des Vaters)
    Konfession römisch-katholisch
    Maria Mathi, Stadtmuseum Hadamar (InC)
    Maria Mathi, Stadtmuseum Hadamar (InC)
  • Lebenslauf

    5. November 1889 - Hadamar (Hessen)

    1905 - 1906 - Hadamar (Hessen)

    Schulbesuch

    Volksschule

    - Limburg an der Lahn (Hessen)

    Schulbesuch

    Marienschule

    1912 - 1919 - Saargemünd (Elsass-Lothringen, heute Sarreguemines/Grand Est, Frankreich)

    Übersiedlung

    1919 - 1920 - Hadamar

    Übersiedlung

    Januar 1920 - März 1920 - Neckarbischofsheim (Baden)

    Aufenthalt

    August 1920 - 1937 - Friedberg (Hessen)

    Übersiedlung

    1937 - 1950 - Überlingen (Bodensee)

    Entlassung des Ehemanns; Übersiedlung

    Herbst 1949 - Hadamar

    Reise

    Juni 1950 - 1961 - Heiligenberg (Bodensee)

    Übersiedlung

    26. Juni 1961 - Heiligenberg (Bodensee)
  • Genealogie

    Vater Adolf Mathi (Mathy) 20.1.1845–2.9.1899 Amtsanwalt und Bürgermeister in Hadamar
    Großvater väterlicherseits Georg Heinrich Wilhelm Mathy gest. vor 1874? Rechtsbeistand
    Großmutter väterlicherseits Anna Maria Mathi (Mathy), geb. Metzger ca. 1815–28.10.1885 aus Hadamar
    Mutter Katharina Mathi, geb. Giebeler geb. 20.1.1851 aus Hadamar
    Großvater mütterlicherseits Johann Giebeler ca. 1820–29.7.1899 Schreinermeister in Hadamar
    Großmutter mütterlicherseits Josefine Giebeler, geb. Borbonus (?) ca. 1822–21.9.1884
    Schwester Anna Josephine Mathi 4.8.1887–1920
    Schwester Johanna Katharina Mathi geb. 20.6.1892
    Heirat 18.8.1912 in Hadamar
    Ehemann Franz Ernst Schmid 29.1.1887–1978? aus Darmstadt; Dr. phil.; Lehrer
    Schwiegervater Franz Schmid gest. 1938 Ingenieur; Werkmeister; Privatier
    Schwiegermutter Bertha Auguste Louise Schmid, geb. Schmidt gest. 1929
    Kinder keine
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Mathi, Maria (1889–1961)

    • Vater

      Adolf Mathi

      20.1.1845–2.9.1899

      Amtsanwalt und Bürgermeister in Hadamar

      • Großvater väterlicherseits

        Georg Heinrich Wilhelm Mathy

        gest. vor 1874?

        Rechtsbeistand

      • Großmutter väterlicherseits

        Anna Maria Mathi

        ca. 1815–28.10.1885

        aus Hadamar

    • Mutter

      Katharina Mathi

      geb. 20.1.1851

      aus Hadamar

      • Großvater mütterlicherseits

        Johann Giebeler

        ca. 1820–29.7.1899

        Schreinermeister in Hadamar

      • Großmutter mütterlicherseits

        Josefine Giebeler

        ca. 1822–21.9.1884

    • Schwester

      Anna Josephine Mathi

      4.8.1887–1920

    • Schwester

      Johanna Katharina Mathi

      geb. 20.6.1892

    • Heirat

      in

      Hadamar

      • Ehemann

        Ernst Schmid

        29.1.1887–1978?

        aus Darmstadt; Dr. phil.; Lehrer

  • Biografie

    Nach der Volksschule in Hadamar besuchte Mathi die Marienschule in Limburg an der Lahn. Im Anschluss an ihre Heirat 1912 übersiedelte sie mit ihrem Ehemann nach Saargemünd (Elsass-Lothringen, heute Sarreguemines/Grand Est, Frankreich), wo dieser eine Anstellung als Lehrer erhalten hatte. Bis zur kriegsbedingt erzwungenen Aufgabe des Wohnsitzes 1919 publizierte Mathi über hundert Gedichte in regionalen Zeitungen sowie das Werk „Tagebuch einer Werdenden“ (1914). 1919 zog das Ehepaar – nach Aufenthalten in Hadamar und Neckarbischofsheim – nach Friedberg (Hessen), wo Mathi weitere Gedichte und Texte in regionalen Blättern veröffentlichte.

    1937 wurde Mathis Ehemann aus dem Schuldienst entlassen, weil er sich weigerte, jüdische Schüler zu diskriminieren und die Neuausrichtung der Lehrinhalte und Unterrichtsmaterialien gemäß den ideologischen Vorgaben des NS-Staats kritisierte. Das Ehepaar übersiedelte nach Überlingen (Bodensee), wo Mathi – die nicht der Reichsschrifttumskammer beitrat – weitgehend mit Publikationsverbot belegt war. Nachdem dieses 1945 von der französischen Militärregierung aufgehoben worden war, begann Mathi wieder zu veröffentlichen. Spätestens in den 1950er Jahren wurde sie auch als Übersetzerin für englische Lyrik tätig.

    Während ihr historischer Roman über die Hexenverfolgung „Im Schatten der Riesenfrau“ (1948) weitgehend erfolglos blieb, erreichte sie mit dem 1951 fertiggestellten, bis heute mehrfach wiederaufgelegten und übersetzten Roman „Wenn nur der Sperber nicht kommt“ (1955) ein über die Bundesrepublik hinausreichendes Publikum und erhielt literaturkritische Anerkennung. In dem Werk, das Fakten und Fiktion vermischt, arbeitete Mathi die Vergangenheit in ihrer Geburtsstadt Hadamar in der Zeit des Nationalsozialismus auf. Sie thematisierte das Verhältnis von Juden und Christen in der Zeit vom Ersten Weltkrieg bis 1933 sowie die Beteiligung der Bürger Hadamars an Diskriminierung, Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung danach, so etwa die Tötung der Kaufmannsfamilie Rosenthal (im Roman Morgenthal genannt). Dass die Verwüstung des jüdischen Friedhofs, den Mathi 1949 besuchte, auch Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus nicht behoben worden war, wertete sie als Zeichen dafür, dass sich die Einstellung der Hadamarer nicht gravierend geändert habe. In ihrem Roman schilderte Mathi auch die Verbrechen, die im Zeichen der „NS-Euthanasie“ in Hadamar geschehen waren. In der dort 1906 eingerichteten psychiatrischen Klinik waren zwischen Mitte Januar 1941 und Ende März 1945 im Rahmen der „Aktion T 4“ etwa 15.000 Menschen ermordet worden, deren Leben den Nationalsozialisten als „unwert“ galt. Im Roman reagieren die Bürger mit Verdrängung und Leugnung auf diese Verbrechen. „Wenn nur der Sperber nicht kommt“ gehört zu den frühesten Werken, die sich sowohl mit NS-Unrecht als auch explizit mit der Ermordung sog. lebensunwerten Lebens in der Tötungsanstalt Hadamar befasst haben.

  • Auszeichnungen

    Maria-Mathi-Straße, Hadamar-Niederhadamar (Hessen)
  • Quellen

    Nachlass:

    Stadtarchiv Hadamar. (literarischer Nachlass)

    Stadtarchiv Friedberg. (persönlicher u. literarischer Nachlass)

    Weitere Archivmaterialien:

    Stadtmuseum Hadamar, Sammlung Heinz Will. (sechs handgeschriebene Tagebücher 1917–1926)

  • Werke

    Aus dem Tagebuch einer Werdenden, 1914.

    Die Ruine/Altes Städtchen/Vorfrühling/Erkenntnis, in: Friedberger Geschichtsblätter 5 (1922), S. 8, 17, 28 u. 37. (P)

    Die alte Uhr, in: Friedberger Geschichtsblätter 6 (1924), S. 25.

    Schnitter Tod und Gärtner Gott, 1925.

    Im Schatten der Riesenfrau, 1948.

    Wenn nur der Sperber nicht kommt, 1955, zuletzt 2010, niederl. 1956, 21965

    Emily Dickinson. Eingel., ausgew. u. übertragen v. Maria Mathi, 1956.

  • Literatur

    F. Ernst Schmid, Maria Mathi. Ihr Leben und ihr Werk, 1963.

    Erika Jansen, Wider das Vergessen. Schritte zur Versöhnung in Hadamar von Maria Mathi bis Peter Paul Schweitzer, in: Kalender für das Bistum Limburg 1990, S. 35 f.

    Oswald Burger, Maria Mathi. Eine unzeitgemäße Frau und Schriftstellerin, in: Leben am See 29 (2001), S. 149–154.

    Martina Hartmann-Menz, Maria Caroline Mathi. Zur Einheit von Leben und Werk der Hadamarer Dichterin, 2011.

    N. N., Die Heimatlosigkeit in ihren Werken, in: Südkurier v. 10.1.2011. (P)

    Alfred Sehr, Literarisches Wirken der Maria Mathi nicht vergessen, in: Frankfurter Neue Presse v. 19.7.2011. (Onlineressource)

    Martina Hartmann-Menz, Maria Mathi. Eine Würdigung, in: Jahrbuch für den Kreis Limburg-Weilburg 2011, S. 239–244.

    Stephanie Zibell, Die Erzählerin. Maria Mathi, in: dies., Hessinnen. 50 Lebenswege, 2019, S. 30–36.

  • Porträts

    Fotografie, Abbildung in: Friedberger Geschichtsblätter 5 (1922).

  • Autor/in

    Stephanie Zibell (Wiesbaden)

  • Zitierweise

    Zibell, Stephanie, „Mathi, Maria“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/117457515.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA