Grulich, Oscar

Lebensdaten
1844 – 1913
Geburtsort
Saathain (Niederlausitz)
Sterbeort
Halle an der Saale
Beruf/Funktion
Bibliothekar
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 102917508X | OGND | VIAF: 2853514
Namensvarianten

  • Grulich, Anton Oscar
  • Grulich, Anton Oskar
  • Grulich, Oscar
  • Grulich, Anton Oscar
  • Grulich, Anton Oskar
  • Grulich, O.
  • Grulich, Oskar

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Zitierweise

Grulich, Oscar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102917508X.html [20.01.2026].

CC0

  • Grulich, Anton Oscar ( Oskar )

    1844 – 1913

    Bibliothekar

    Oscar Grulich leitete seit 1879 im Nebenamt die vernachlässigte Bibliothek der Kaiserlichen Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher (Leopoldina) und sorgte für deren Überführung aus Dresden nach Halle an der Saale sowie ihrer sachlichen Erschließung nach dem sog. Hartwig-Schema. 1894 verfasste er eine bis heute als Standardwerk geltende Geschichte der Bibliothek und Naturaliensammlung. Mit dem von ihm initiierten Neubau (1904) trug Grulich dazu bei, dass die Leopoldina dauerhaft in der Saalestadt angesiedelt blieb.

    Lebensdaten

    Geboren am 1. März 1844 in Saathain (Niederlausitz)
    Gestorben am 20. Oktober 1913 in Halle an der Saale
    Grabstätte Nordfriedhof (seit 2024 Ehrengrab) in Halle an der Saale
    Konfession evangelisch-lutherisch
    Oscar Grulich, Leopoldina-Bibliothek (InC)
    Oscar Grulich, Leopoldina-Bibliothek (InC)
  • 1. März 1844 - Saathain (Niederlausitz)

    1856 - 1863 - Torgau; seit 1858 Naumburg an der Saale

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Gymnasium; seit 1858 Schulpforte (heute Landesschule Pforta)

    1863 - 1868 - Halle an der Saale

    Studium der Klassischen und Deutschen Philologie

    Universität

    1868 - 1869 - Halle an der Saale

    Probandus; Hilfslehrer

    Latina der Franckeschen Stiftungen (heute Latina August Hermann Francke)

    1869 - 1875 - Halle an der Saale

    Lehrer

    Stadtgymnasium

    1875 - 1913 - Halle an der Saale

    wissenschaftlicher Amanuensis, seit 1877 1. Kustos

    Universitätsbibliothek

    1876 - Leipzig

    Promotion (Dr. phil.)

    Universität

    1879 - 1904 - Halle an der Saale

    Bibliothekar im Nebenamt

    Bibliothek der Kaiserlichen Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher (heute Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina –Nationale Akademie der Wissenschaften)

    20. Oktober 1913 - Halle an der Saale

    Grulich wurde bis zum Eintritt in das Torgauer Gymnasium 1856 vom Vater unterrichtet und besuchte seit 1858 Schulpforte (heute Landesschule Pforta) bei Naumburg an der Saale. Nach dem Abitur 1863 studierte er bis 1868 Klassische und Deutsche Philologie an der Universität in Halle an der Saale. Anschließend war er als Hilfslehrer an der Latina der Franckeschen Stiftungen, seit 1869 als Lehrer am Stadtgymnasium Halle tätig. Aus gesundheitlichen Gründen wechselte er 1875 als wissenschaftlicher Assistent an die Universitätsbibliothek und erlangte nach der 1876 erfolgten Promotion zum Dr. phil. an der Universität Leipzig 1877 das Amt des 1. Kustos. Hier war er eingebunden in die grundlegenden Reformen im Preußischen Bibliothekswesen, v. a. in die Systematisierung des Bestands nach dem sog. Hartwig-Schema. Er bearbeitete die Fächer Mathematik, Physik, Meteorologie, Medizin und Tiermedizin.

    1879 übernahm Grulich zusätzlich die Leitung der Bibliothek der Kaiserlichen Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher (heute Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina –Nationale Akademie der Wissenschaften) und überführte deren Bestand von 40 000 Bänden vom vorangegangenen Sitz der Akademie nach Halle an der Saale. Akuter Platzmangel in dem Interimsquartier der Bibliothek veranlasste ihn, sich mit dem Akademiepräsidenten Karl Freiherr von Fritsch (1838–1906) für den Neubau eines Bibliotheksgebäudes einzusetzen. Das am 23. April 1904 eingeweihte Gebäude wird bis heute als Bibliothek der Leopoldina genutzt. Grulich aktivierte den Tauschverkehr mit Akademien, Gesellschaften und wissenschaftlichen Instituten, vermehrte die Porträtsammlung und vollendete die Arbeiten am alphabetischen Katalog des Gesamtbestands. Der erste Band eines gedruckten Systematischen Katalogs erschien 1891, der zweite Band folgte in weiteren Lieferungen 1893 bis 1898. Unter Grulichs Leitung wurde der Bestand um ca. 20 000 Bände erweitert.

    Der Bau eines geeigneten Bibliotheksgebäudes und Grulichs bibliothekarische Leistungen waren entscheidende Gründe für den dauerhaften Verbleib der ältesten naturwissenschaftlich-medizinischen Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum in Halle an der Saale; zuvor wurde der Akademiesitz meistens an den Wohnort des jeweiligen Präsidenten verlegt. Grulichs Geschichte der Bibliothek und Naturaliensammlung der Leopoldina (1894) gilt bis heute als Standardwerk, da sie auch als Akademiegeschichte gelesen werden kann. Mit dem Umzug in das neue Gebäude gab Grulich 1904 die Leitung der Leopoldinabibliothek auf und arbeitete bis 1913 als Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Halle.

    1900 höherer Provinzialbeamter 4. Klasse
    1905 Roter Adlerorden 4. Klasse
    1913 Königlicher Kronenorden 3. Klasse

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Evangelisches Pfarramt Würdenhain, Taufregister Jg. 1844, Nr. 3.

    Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen, Bd. 3, S. 404.

    Archiv der Landesschule Pforta.

    Universitätsarchiv Halle, PA Nr. 6981a. (Personalakte)

    Archiv der Leopoldina.

    Quaestiones de quodam hiatus genere in Homeri carminibus, 1876. (Diss. phil.)

    Katalog der Bibliothek der Kaiserlichen Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher, Bd. 1 u. 2, 1891–1898.

    Leiden und Freuden einer wandernden Bibliothek, in: Centralblatt für Bibliothekswesen 2 (1885), H. 4, S. 117–134. (Onlineressource)

    Geschichte der Bibliothek und Naturaliensammlung der Kaiserlichen Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher, 1894.

    Max Perlbach, Aus alten Büchern der Universitäts-Bibliothek. Herrn Ober-Bibliothekar Oscar Grulich zum 25jährigen Dienstjubiläum dargebracht, 1900. (Onlineressource)

    N. N., Art. „Grulich, Oskar“, in: Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog, Totenliste 1913, Sp. 93.

    Karl Bader, Art. „Grulich, Oskar“, in: ders, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Fürsten, Staaten und Städten, 1925, S. 85.

    Mechthild Hofmann, Oscar Grulich (1. März 1844–20. Oktober 1913). Erster Bibliothekar der Leopoldina in Halle, in: Jahrbuch der Leopoldina (R. 3) 40 (1995), S. 479–488.

  • Autor/in

    Mechthild Hofmann (Halle an der Saale)

  • Zitierweise

    Hofmann, Mechthild, „Grulich, Oscar“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd102917508X.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA