Erckrath-de Bary, Jakob
- Lebensdaten
- 1864 – 1938
- Geburtsort
- Offenbach am Main
- Sterbeort
- Seligenstadt bei Offenbach am Main
- Beruf/Funktion
- Fechtsportler ; Fechtsportfunktionär ; Sportfunktionär ; Säbelfechten
- Normdaten
- GND: 1116722267 | OGND | VIAF: 35461475
- Namensvarianten
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- Erckrath-de Bary, Jacob
- Erckrath-de Bary, Johann Jakob
- Erckrath-de Bary, Jakob
- Erckrath-de Bary, Jacob
- Erckrath-de Bary, Johann Jakob
- Erckrath, Jakob
- Erckrath-de Bary, Johann Jacob
- Erckrath, Jacob
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Erckrath-de Bary, Johann Jakob (Jacob) (geborener Jakob Erckrath)
1864 – 1938
Fechtsportler, Fechtsportfunktionär
Jakob Erckrath-de Bary nahm als Fechtsportler an den Olympischen Spielen 1906 in Athen, 1908 in London und 1912 in Stockholm teil und gewann 1906 mit der Mannschaft die Goldmedaille im Säbelfechten. Als Gründungsvorsitzender des Deutschen Fechter-Bunds von 1911 bis 1925, dessen Satzung er führend mitverfasste, und als Vizepräsident der 1913 gegründeten Fédération Internationale d’Escrime gehörte er zu den Gründerpersönlichkeiten des modernen Fechtsports in Deutschland.
Lebensdaten
Jakob Erckrath-de Bary, Imago Images (InC) -
Autor/in
→Stefan Jordan (München)
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Zitierweise
Jordan, Stefan, „Erckrath-de Bary, Jakob“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd1116722267.html#dbocontent
Erckrath wuchs in Offenbach am Main auf und absolvierte nach dem Schulbesuch eine Ausbildung zum Kaufmann. In seiner Kindheit und Jugend vielseitig sportlich aktiv, konzentrierte er sich bald auf den Fechtsport. Bei den sog. Olympischen Zwischenspielen in Athen 1906 trat Erckrath-de Bary, nun unter diesem Namen, im Einzel bei den Kämpfen mit Florett, Degen und Säbel an, ohne eine Medaille zu erringen. Mit Gustav Casmir (1872–1910), August Petri (1878–nach 1928) und Emil Schön (1872–1945) gewann er Mannschafts-Gold im Säbelfechten und belegte den fünften Platz in der Degendisziplin. Bei seinen Teilnahmen an den Einzel- und Mannschaftswettbewerben im Säbel- und Degenfechten der Olympischen Spiele 1908 in London sowie 1912 in Stockholm im Säbelfechten schied er vor der Finalrunde aus.
Bedeutender waren Erckrath-de Barys Leistungen als Sportfunktionär. Während einer Reise studierte er um 1890 die italienische Fechtschule an der Scuola Magistrale Militare di Scherma in Rom und kam dort in Kontakt mit Carlos Arturo Gazzera (1870–1945), mit dem er den Band „Trattato teorico-pratico della scherma di spada e sciabola, preceduto da un cenno storico sui duelli“ (1884) des italienischen Fechtmeisters Masaniello Parise (1850–1910) in das Deutsche übertrug. 1899 holte Erckrath-de Bary Gazzera aus Wien zum Fechtclub Offenbach von 1863 (dem zweiten deutschen Verein nach dem Fechtklub Hannover von 1862), wo dieser u. a. die spätere deutsche Meisterin Helene Mayer (1910–1953) trainierte. Als Vorsitzender des Fechtclubs Offenbach von 1863 verfolgte Erckrath-de Bary von 1893 bis 1921 erfolgreich das Ziel, das in Deutschland den traditionellen Regeln der Mensur verhaftete Fechten als modernen Sport nach italienischem Vorbild zu etablieren. 1880 gehörte er zu den Gründern des Gauverbands Mittelrheinischer Fechtklubs, in dem er leitende Funktionen übernahm, und 1888 zu den Organisatoren des in Offenbach veranstalteten ersten Deutschen Fechterkongresses.
Nachdem der 1897 gegründete Deutsche Fechterbund, der noch im selben Jahr unter dem Vorsitz von Willibald Gebhardt (1861–1921) zum Deutschen und Österreichischen Fechterbund umfirmiert wurde, im Januar 1902 wieder aufgelöst worden war, zählte Erckrath-de Bary neben Petri und Heinrich Mayer am 17. Dezember 1911 zu den Gründern des Deutschen Fechter-Bunds (DFB) in Frankfurt am Main, dessen Satzungen er führend mitformulierte und dem er als Gründungspräsident bis 1925 vorstand. Unter Erckrath-de Barys Präsidentschaft wuchs der DFB – der seit 1912 in Konkurrenz zum Fechterbund der Deutschen Turnerschaft stand – von 14 Vereinen, die ihm 1913 angehörten, auf 37 Vereine mit rund 1250 Mitgliedern 1925. Seit November 1913 gehörte der Bund der in Paris neu gegründeten Fédération Internationale d’Escrime an, für die Erckrath-de Bary als einer der Vizepräsidenten amtierte. 1936 organisierte er, der nicht der NSDAP oder einer ihrer Organisationen beitrat, mit dem vielfachen deutschen Meister und späteren Fechtsport-Funktionär Erwin Casmir (1895–1982) vom Fecht-Club Hermannia in Frankfurt am Main für den DFB die Wettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin, bei denen das italienische Team dominierte und das deutsche Herren-Team einen zweiten und zwei dritte Plätze belegte. Bei dem Turnier fungierte er ebenso wie bei den vorangegangenen Olympischen Spielen in Amsterdam 1928 und 1932 in Los Angeles in allen drei Disziplinen als Schiedsrichter.
| 1926 | Ehrenpräsident des Deutschen Fechter-Bunds |
| 1937 | Goldene Ehrennadel des Deutschen Fechter-Bunds |
Nachlass:
nicht bekannt.
Nachlasssplitter:
Archiv des Deutschen Fechter-Bunds, Bonn.
Übersetzung:
Masaniello Parise, Das Fechten mit Degen und Säbel, um 1890, 2. Aufl. o. J. (1941). (mit C. Arturo Gazzera) (darin: dies., Geschichtlicher Rückblick, S. XIII–XX)
Klaus Dieter Güse/Andreas Schirmer, Faszination Fechten. Vom wundersamen Aufstieg eines Sports in Deutschland, 1986, S. 37–39.
Andreas Schirmer (Red.), En Garde! Allez! Touché! 100 Jahre Fechten in Deutschland. Eine Erfolgsgeschichte, 2012, v. a. S. 21–36. (P)
Fotografie, 1912, Archiv des Deutschen Fechter-Bunds, Bonn, Abbildung in: Andreas Schirmer (Red.), En Garde! Allez! Touché! 100 Jahre Fechten in Deutschland. Eine Erfolgsgeschichte, 2012, S. 31.
Fotografie, um 1920/30, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt.