Zaisser, Wilhelm
- Lebensdaten
- 1893 – 1958
- Geburtsort
- Rotthausen bei Gelsenkirchen
- Sterbeort
- Berlin
- Beruf/Funktion
- kommunistischer Politiker ; Minister für Staatssicherheit der DDR ; Politiker ; Offizier ; Redakteur
- Konfession
- -
- Normdaten
- GND: 124095615 | OGND | VIAF: 50152217
- Namensvarianten
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- Zaisser, Robert Wilhelm
- Zaisser, Willi
- Zaisser, Wilhelm
- Zaisser, Robert Wilhelm
- Zaisser, Willi
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- NDB 28 (2024), S. 595* (Zaisser, Elisabeth Auguste Ignatia, geborene Knipp)
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Zaisser, Robert Wilhelm (Willi)
| Politiker, Minister für Staatssicherheit, * 20.6.1893 Rotthausen bei Gelsenkirchen, † 3.3.1958 Berlin, ⚰ Berlin-Friedrichshagen, Evangelischer Friedhof.
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Genealogie
V →Carl Friedrich (* 1858), aus Naumburg/Saale, Gendarmeriewachtmeister, 1904 Schuldiener am Städt. Gymn. in Essen-Rüttenscheid;
M Johanna N. N. (* 1860);
2 B (beide ⚔im 1. Weltkrieg), 2 Schw →Maria (1899–1983), 1937 Mitgl. d. NSDAP, Johanna (1894–1979, ⚭ N. N. Böttcher);
– ⚭ 1922 →Elisabeth Knipp (s. 2);
T →Renate Auguste Karola Elisabeth (1924–2002, ⚭ Kuno,* 1921, S d. N. N. Böttcher u. d. Johanna Zaisser, 1894–1979, beide s. o.). -
Biographie
Z., in einer dt.national gesinnten Familie aufgewachsen, besuchte 1899–1913 die Volksschule, 1907–10 die Präparandenanstalt und 1910–13 das Ev. Lehrerseminar in Essen.
Nach einjährigem Militärdienst war er Volksschullehrer in Essen, ehe er 1914 einberufen wurde (Lt. 1917). Z. war begeisterter Soldat und beteiligte sich als Mitglied in Militärgerichten an Todesurteilen. Im März 1919 aus dem Heeresdienst entlassen, arbeitete er wieder als Volksschullehrer. Im Sept. 1919 trat er der KPD bei; sein politischer Wandel war motiviert durch den Kontakt mit der Roten Armee an der Ostfront 1918, deren straffe und rigorose Organisation ihn beeindruckte, durch die Novemberrevolution sowie Publikationen über den Bolschewismus.
Während des Kapp-Putschs im März 1920 war Z. ein militärischer Leiter der Roten Ruhrarmee. 1921 wegen kommunistischer Umsturzabsichten zu vier Monaten Haft verurteilt, wurde er deshalb im März 1922 aus dem Schuldienst entlassen, arbeitete als Redakteur für KPD-Zeitungen, war bis 1926 Mitglied der KPD-Bezirksleitung im Ruhrgebiet und im gescheiterten kommunistischen Aufstandsversuch im Okt. 1923 militärischer Leiter. März–Juni 1924 hielt er sich als Teilnehmer des ersten militärpolitischen Lehrgangs der Komintern in Moskau auf und Dez. 1925–April 1926 als militärischer Berater in Syrien und Marokko, wahrscheinlich im Auftrag des Generalstabs der Roten Armee. Anschließend war er beim ZK der KPD verantwortlich für die militärpolitische Schulung. 1927 verließ er Deutschland, war Mitarbeiter der Komintern in Moskau und ging 1927 in deren Auftrag nach China, um hier den kommunistischen Aufstand zu unterstützen. 1930 mit seiner Familie wieder in Moskau, arbeitete Z. im Auftrag der Komintern auch in Prag. 1932 wurde er aus der KPD in die KPdSU übernommen und leitete bis 1936 eine militärpolitische Schule bei Moskau; mit seiner Familie lebte er im „Hotel Lux“. 1936–38 nahm Z. am Span. Bürgerkrieg teil, zunächst als Berater, ab Nov. 1936 als Kommandeur („General Gómez“). 1940 erhielt er die sowjet. Staatsbürgerschaft, 1939–43 war er Chefredakteur der dt. Sektion im Verlag für fremdsprachige Literatur in Moskau und arbeitete 1943–46 als Lehrer an Antifa-Schulen im sowjet. Hinterland.
Im Febr. 1947 kehrte Z. nach Deutschland in die SBZ zurück und wurde von der KPdSU in die SED überführt. 1947/48 war er Chef der Landesbehörde der Polizei Sachsen-Anhalts in Halle/Saale, 1948/49 Innenminister und Vizeministerpräsident des Landes Sachsen, Ende 1949 Leiter der Verwaltung für Schulung und Vizepräsident der Dt. Verwaltung des Innern, nach der Gründung der DDR der Hauptverwaltung Ausbildung im Ministerium des Innern. Im Febr. 1950 wurde er Minister für Staatssicherheit. Maßgeblich hierfür war seine geheim- und militärpolitische Expertise sowie seine enge Verflechtung mit dem sowjet. Partei- und Sicherheitsapparat, da das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in den Anfangsjahren eine Hilfseinrichtung der sowjet. Besatzungsmacht darstellte. Z. legte in seiner Amtszeit die Grundlagen für den Aufbau des MfS als zentrales Instrument zur Macht- und Herrschaftssicherung der SED, wobei er sich entsprechend den sowjet. Vorgaben am Moskauer Vorbild orientierte.|1949 wurde Z. Mitglied der Provisorischen Volkskammer, 1950 o. Mitglied der Volkskammer und des SED-Parteivorstands bzw. des Politbüros des ZK der SED. Für den Volksaufstand vom 17. Juni 1953, der die SED-Regierung und die sowjet. Besatzungsmacht überraschte, wurde er mit →Rudolf Herrnstadt (1903–1966), Chefredakteur des „Neuen Deutschland“ und ebenfalls ein Mann Moskaus, verantwortlich gemacht, zumal beide als Gegenspieler →Walter Ulbrichts (1893–1973) galten.
Damit wurde eine Parteisäuberung eingeleitet: Z. und Herrnstadt wurden im Juli 1953 wegen „parteifeindlicher fraktioneller Tätigkeit“ aus dem Politbüro und im Jan. 1954 aus der SED ausgeschlossen. In der Folge arbeitete Z. formal für das Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED sowie für den SED-Dietz-Verlag. Als gebrochener und verzweifelter Mann erholte er sich von dem demütigenden Parteiausschluß nicht mehr. Im April 1993 rehabilitierte ihn die SED-Nachfolgepartei PDS.
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Quellen
Qu–Nachlaß: BA (SAPMO, hier umfangreiches Ms. z. dt. Gesch. als Vorlesungsgrundlage f. Z.s Tätigkeit als Lehrer in d. Sowjetunion 1943–46); Kaderakte im Komintern-Archiv, Moskau.
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Literatur
|A. Görldt, Rudolf Herrnstadt u. W. Z., Ihre Konflikte in d. SED-Führung im Kontext innerparteil. Machtsicherung u. sowjet. Dtld.pol., 2002;
H. Müller-Enbergs, in: D. Krüger u. A. Wagner (Hg.), Konspiration als Beruf, 2003, S. 32–60;
– Eine verläßl. Biogr. existiert nicht. -
Porträts
|Photogrr. (BA, Bilddatenbank).
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Autor/in
, Ilko-Sascha Kowalczuk -
Zitierweise
Kowalczuk, Ilko-Sascha, "Zaisser, Robert Wilhelm (Willi)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 594-595 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124095615.html#ndbcontent