Widmer, Urs

Lebensdaten
1938 – 2014
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Dramatiker ; Übersetzer ; Literaturkritiker ; Regisseur ; Lektor <Verlag> ; Übersetzer
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 11904157X | OGND | VIAF: 73868039
Namensvarianten

  • Widmer, Urs
  • Wîdmer, Ûrs
  • Widmer, U.
  • Wu-Weidemo'er
  • Vidmeri, Urs
  • Vidmer, Urs
  • Pitŭmŏ, Uŏsŭ
  • Wīdmar, Urs
  • Bintmer, Urs
  • Weitemo'er, Wu'ersi
  • 비드머, 우어스
  • וידמר, אורס
  • Видмер, Урс
  • 威特摩尔, 乌尔斯

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Zitierweise

Widmer, Urs, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11904157X.html [08.02.2026].

CC0

  • Widmer, Urs

    | Schriftsteller, Publizist, * 21.5.1938 Basel, † 2.4.2014 Zürich, ⚰ Zürich, Friedhof Enzenbühl. (konfessionslos)

  • Genealogie

    V Walter (Ps. Urs Usenbenz, Aloysius Xavier Weintraub, A. X. Weintraub) (1903–65), Dr. phil., Übers. aus d. Franz., Gymn.lehrer, Lit.kritiker, Schriftst. in B. (s. Kosch, Lit.-Lex.³; HLS), S d. Otto (1876–1948), Primarlehrer in B., u. d. Maria Stiner (1874–1962);
    M Anita (1905–87), aus ital.sprach. Puschlaver Weinhändlerfam., T d. Beniamino Mascioni (1871–1933), aus Villa di Tirano (Italien), mit Heimatort Brusio (Graubünden), Dr. chem., Chemiker, Vizedir. d. Ciba in B., u. d. Wilhelmine Eckenstein (1874–1925);
    1 Schw Nora Kurts-Widmer (1942–2017), Psychoanalytikerin in Paris;
    Basel 1967 May (* 1939), franz.sprach. Psychoanalytikerin in Z., T d. Albert Perrenoud u. d. Marguerite Perrenoud-Rochat;
    1 T Juliana W.-Beckett (* 1978, Paul Beckett), Krankenpflegerin.

  • Biographie

    W. wuchs in Basel in einem weltoffenen Haus auf. Sein Vater vertrat kommunistische Positionen und war u. a. mit Heinrich Böll (1917–1985) und Klaus Nonnenmann (1922–1993) befreundet. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Basel studierte W. dort 1959–66 Germanistik, Romanistik und Geschichte mit Auslandsaufenthalten in Montpellier und Paris. Schon vor Abschluß der bei Heinz Rupp (1919–1994) angefertigten Dissertation „1945 oder Die ‚neue Sprache‘, Studien zur Prosa der ‚jungen Generation‘“ 1965 wurde er von dem Verleger und Schriftsteller Otto F. Walter (1928–94) als Lektor beim Walter-Verlag (Olten) für dessen innovatives Literaturprogramm engagiert. 1967 wechselte W. zu Suhrkamp nach Frankfurt/M., beendete diese Anstellung jedoch im Herbst 1968 als Be|teiligter am „Aufstand der Lektoren“ gegen Siegfried Unseld (1924–2002). Noch im selben Jahr zählte W. zu den Gründern des „Verlags der Autoren“, in dem sein gesamtes dramatisches Werk erschien, und gab sein Prosa-Debüt mit der Erzählung „Alois“ im Diogenes Verlag, dem er mit seinem erzählerischen Werk bis an sein Lebensende die Treue hielt.

    Sein dramatischer Erstling „Die lange Nacht der Detektive“ erschien 1973. Als freier Schriftsteller in Frankfurt/M. verfaßte W. auch Literaturkritiken, v. a. für die FAZ, und wirkte sporadisch als Dozent für Neuere Dt. Literatur an der dortigen Universität. 1984 zog W. nach Zürich, wo er zum festen Bestandteil des kulturellen Lebens wurde und durch Zeitungskolumnen und öffentliche Auftritte sehr präsent war. Aus seinem Prosawerk erhielten die Erzählung „Der blaue Siphon“ (1992), ein modernes Märchen, und der Familienroman „Der Geliebte der Mutter“ (2000) besondere Aufmerksamkeit bei Kritik und Publikum. W.s größter Erfolg auf der Bühne war das Stück „Top Dogs“ (UA 1996 am Zürcher Neumarkt Theater), seine letzte Veröffentlichung die Autobiographie „Reise an den Rand des Universums“ (2013).

    W. gilt als einer der führenden dt.sprachigen Erzähler der Jahrtausendwende. Seine Kennzeichen sind eine überströmende Erzähllust mit phantastischen, oft traumhaften oder surrealen Szenarien, im Frühwerk mit Versatzstücken von Populärkultur verbunden, in den späten Erzähltexten mehrheitlich in autofiktionalen Darstellungen seiner Familiengeschichte. Seine an der Oberfläche oft komischen Szenarien sind durch tragische Untergründe konterkariert. In seinen (teilweise in Basler Mundart verfaßten) Theaterstücken und Reden zeigte sich W. als dezidierter Kritiker an politischen und ökonomischen Systemmechanismen und deren vermeintlicher Unmenschlichkeit.

  • Auszeichnungen

    |Karl Sczuka-Preis (1974) u. Lit.preis d. Bestenliste d. Südwestfunks Baden-Baden (1992);
    Hörspielpreis d. Kriegsblinden (1976);
    Mss.-Preis d. Forum Stadtpark d. Landes Steiermark (1983);
    Preis d. Schweizer. Schillerstiftung (1985 u. 2004);
    Lit.preis Basel (1989);
    Lit.preis d. Stadt Zürich (1996);
    Mülheimer Dramatikerpreis (1997);
    Autor d. J. in d. Zs. „Theater heute“ (1997);
    Kunstpreis d. Gde. Zollikon (1997);
    Heimito v. Doderer-Lit.preis (1998);
    Kulturpreis d. Gde. Riehen (1999);
    Bertolt-Brecht-Lit.preis d. Stadt Augsburg (2001);
    Gr. Lit.preis d. Bayer. Ak. d. schönen Künste (2002);
    Stadtschreiber-Lit.preis d. ZDF, 3sat u. d. Stadt Mainz (2003);
    Stiftungsgastdozentur f. Poetik an d. Univ. Frankfurt/M. (2007);
    Friedrich-Hölderlin-Preis d. Stadt Bad Homburg (2007);
    Prix littéraire Lipp Suisse (2007);
    Auszeichnung d. Kt. Zürich (2010);
    Jakob-Wassermann-Lit.preis d. Stadt Fürth (2014);
    Schweizer Lit.preis d. Bundesamtes f. Kultur (2014);
    Mitgl. d. Schweizer. PEN-Zentrums, d. Autorinnen u. Autoren d. Schweiz (2002), d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt (1995), d. Dt. Ak. d. Darstellenden Künste, Bensheim (1976), u. d. Ak. d. Künste, Berlin-Brandenburg (1999).

  • Werke

    Weitere W Prosa: Das Normale u. d. Sehnsucht, Essays u. Geschichten, 1972;
    Die Forsch.reise, Abenteuerroman, 1974;
    Das enge Land, Roman, 1981;
    Der Kongreß der Paläolepidopterologen, Roman, 1989;
    Das Paradies d. Vergessens, Erz., 1990;
    Die sechste Puppe im Bauch d. fünften Puppe im Bauch d. vierten u. a. Überlegungen z. Lit., Grazer Poetikvorlesungen, 1991;
    Im Kongo, Roman, 1996;
    Das Buch d. Vaters, Roman, 2004;
    Vom Leben, vom Tod u. vom Übrigen auch dies u. das, Frankfurter Poetikvorlesungen, 2007;
    Herr Adamson, Roman, 2009;
    Theaterstücke: Nepal, UA Frankfurt/M. 1977;
    Züst oder Die Aufschneider, UA Frankfurt/M. 1981;
    Dr neu Noah, 1984;
    Frölicher, Ein Fest, 1991;
    Münchhausens Enkel, 2012 (alle UA Zürich);
    Das Ende vom Geld, UA Darmstadt 2012;
    Kg. der Bücher, UA Zürich, 2014;
    Jeanmaire, Ein Stück Schweiz, UA Bern 1992;
    Sommernachtswut, UA Graz 1993;
    Hörspiele: Wer nicht sehen kann, muss hören, WDR 1969;
    Aua 231, WDR 1971 (mit G. Rühm);
    Anna v. hinten wie v. vorne, WDR 1971;
    Die schreckl. Verwirrung d. Giuseppe Verdi, SWF 1974;
    Die Ballade v. d. Hoffnungen d. Väter, WDR/HR/SFB 1976;
    Der Gott u. das Mädchen, SWF 1988;
    Das gelöschte Band, SWF 1991;
    Aller Anfang ist schwer, SWF 1991;
    Die Frauen d. Sultans, SWF 1994;
    Shit im Kopf, DRS 1998;
    Albe, Träume, DRS 2001;
    Das Machthorn, SWR 2005;
    Nachlaß: Schweizer. Lit.archiv, Bern.

  • Literatur

    |U. Schachenmann (Hg.), „Top Dogs“, Entstehung, Hintergründe, Mat., 1997;
    H. L. Arnold (Hg.), U. W., Ed. text + kritik, 1998 (W, P);
    W. Giesen (Hg.), U. W., Vom Leben, vom Tod u. vom Übrigen auch dies u. das, Begleith. z. Ausst. 16. Jan.-2. März 2007, 2006 (P);
    W. Stephan u. D. Keel (Hg.), Das Schreiben ist d. Ziel, nicht d. Buch, U. W. z. 70. Geb.tag, 2008 (P);
    Ch. Bourquin, Schreiben über Reisen, Zur ars itineraria b. U. W., 2006 (L, S. 10–15, Anm. 8);
    R. Bucheli, Ein fröhl. Melancholiker, in: NZZ v. 21.5.2008 (P);
    P. Reinacher, Immer mit d. Nase am Grenzzaun d. Erkenntnis, in: FAZ v. 21.5.2008;
    P. Schweiger u. K. Eckert (Hg.), Das Theater v. U. W., 2008 (P);
    G. Vilas-Boas, Vater u. Mutter b. U. W., Privates u. Öffentl., in: B. Sandberg (Hg.), Fam.bilder als Zeitbilder, Erzählte Zeitgeschichte(n) b. Schweizer Autoren vom 18. Jh. bis z. Gegenwart, 2010, S. 197–211;
    I. M. Wirtz, Autobiogr. Rahmenwechsel, Thomas Bernhard u. U. W, in: U. Wirtz (Hg.), Rahmenbrüche, Rahmenwechsel, 2013, S. 125–36;
    K. Hoffer, Das Leben als schwebendes Provisorium, in: Mss. 53, 2013, H. 201, S. 139–45;
    M. Durzak, Westl. Zivilisation versus Afrika, Postkoloniale Motive in U. W.s Roman „Im Kongo“, in: ders., Lit. im interkulturellen Kontext, 2013, S. 319–31;
    J. Hieber, „Entscheidend war stets d. nächste Spiel“, in: FAZ v. 4.4.2014 (P);
    R. Kämmerlings, Auch d. allerletzte Reise führt n. innen, in: Die Welt v. 4.4.2014 (P);
    M. Krüger, Und jetzt|das! Die Welt d. Schweizer Schriftst. U. W. war voller absurder Komik u. bizarrer Weltuntergänge, in: Die Zeit v. 10.4.2014 (P);
    Theaterlex. Schweiz;
    KLG;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Killy;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Ulrich Weber
  • Zitierweise

    Weber, Ulrich, "Widmer, Urs" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 42-44 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11904157X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA