<< Albich, Siegmund
Albini, Johann Georg >>
Albini, Franz Josef Martin Freiherr von
kurmainzischer Staatsminister,
* 14.5.1748
St. Goar/Rhein,
† 8.1.1816 Dieburg (Hessen). (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Kaspar Anton von Albini (1716–96), Jurist;
M Eleonore von Ludolf, aus Juristenfamilie in Erfurt;
Gvv Joseph Anton von Albini (seit 1763), Syndicus des Schwäbischen Reichsprälatencollegs, Geheimer Rat und Kanzler von Stift Salmansweiler;
⚭ Johanna Magdalene,
T des bambergischen Geheimen Rats Weitinger; 2
T.
Leben ↑
Albini war seit 1770 fürstbischöflich würzburgischer Hof- und Regierungsrat, seit 1775 am Reichskammergericht tätig und wurde 1787 von dem Mainzer Kurfürsten Karl Friedrich von Erthal als Geheimer Reichsreferendar nach Wien entsandt. Dort erwies er sich als einer der tätigsten Parteigänger einer Preußen und dem Fürstenbund feindlichen Mainzer Politik. Als es gelungen war, den Kurfürsten für diese Richtung zu gewinnen, wurde Albini 1790 mit dem Amt eines mainzischen Hofkanzlers und Ministers betraut und leitete als Direktorialwahlbotschafter 1792 die letzte Kaiserwahl. Die gelungene Reorganisation des Mainzer Finanzwesens war sein Werk. Nachdem er auf dem Rastatter Kongreß Frankreich gegenüber große Nachgiebigkeit gezeigt hatte, kämpfte er 1799 als Generalfeldzeugmeister mit Mainzer Truppen und dem von ihm organisierten Landsturm nicht ohne Erfolg gegen Marschall Augereau. Noch unter Erthal ging er als Direktorialgesandter an den Reichstag; am Reichsdeputationshauptschluß nahm er hervorragenden Anteil. 1806 wurde Albini, ein fähiger und energischer Staatsmann, über dessen Charakterbild allerdings keine Einhelligkeit besteht, Statthalter von Regensburg, 1810 leitender Minister des Großherzogtums Frankfurt. 1815 trat er in österreichische Dienste; von Kaiser Franz und Metternich begünstigt, sollte er als erster Gesandter Österreichs die Präsidialmacht am Bundestag vertreten, starb aber noch vor Eröffnung der Bundesversammlung.
Literatur ↑
ADB I;
F. J. K. Scheppler,
Biogr. d.
Frhr. F. J.
v. A. (
ca. 1814);
C. Th. Perthes, Polit. Zustände u. Personen in
Dtld. I, 1862;
H. Hüffer, Diplomat.
Verhh. aus d. Zeit d. französ. Revolution II u. III, 1878/79;
K.
v. Beaulieu-Marconnay, Karl
v. Dalberg u. seine Zeit, 1879;
P. Darmstädter, Das Großhzgt. Frankfurt, 1901;
Th. Bitterauf,
Gesch. d. Rheinbundes I, 1905;
Denkwürdigkeiten aus d. Dienstleben d. Hessen-Darmstädt. Staatsministers Frhrn. du Thil 1803-1848,
hrsg. v. H. Ulmann, 1923, S. 101-03;
H. Rössler, Österr.s Kampf um Dtld.s Befreiung, 1940;
s. a. G. Wolff,
Bücherkde. d.
fränk. Gesch., H. 1, 1937.
Autor ↑
Heinz GollwitzerEmpfohlene Zitierweise ↑
Gollwitzer, Heinz, „Albini, Franz Josef Martin Freiherr von“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
149
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118647709.html
<< Alberus, Erasmus
Albinus, Bernhard >>
Albini, Franz Joseph
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Albini: Franz
Joseph, Freih. v.
A.
, Staatsmann. Erst sein Großvater
Franz Anton
A.
war geadelt, sein Vater
Kasper Anton v.
A.
wurde als kurböhmischer Kammergerichtsassessor
1788 Freiherr. — Geb. 1748 zu St. Goar, wo sein Vater damals hessischer
Beamter war, wurde er zu Pont-à-Mousson,
Dillingen und Würzburg (hier promovirte er; Dissertation deutsch:
Franz Jos. v. Albini des h. R. R. Ritter, beider Rechte Doctor,
Akadem. Abhandlung von dem die Handwerksinnungen nicht
anbelangenden Entscheidungsjahre 1648, o. O. 1772, vertheidigt bei
einer damaligen praktischen Frage die katholische Meinung), dann
in der Reichshofrathspraris zu Wien gebildet, und trat 1770 als
Hof- und Regierungsrath in fürstbischöflich würzburgische Dienste.
Indeß schon 1775 kam er, als Präsentatus des fränkischen Kreises,
in das Reichskammergericht, und nachdem er hier, neben seinem
Vater, zwölf Jahre lang nicht ohne Auszeichnung gedient hatte,
1787 durch Ernennung des Kurfürsten Karl Friedrich v. Erthal,
Erzbischofs von Mainz, als geheimer Reichsreferendar nach Wien.—
Hier gewann er schnell das Vertrauen Kaiser Josephs II., wurde von ihm zu mehreren Missionen
gebraucht (bei Gelegenheit einer solchen erlangte er 1789 die
Aufnahme in die fränkische Reichsritterschaft), und zeigte sich
immer entschiedener als Vertreter der dem Fürstenbunde, zu welchem
Mainz damals gehörte, und Preußen feindlichen, zu Oesterreich
haltenden Politik, welche auch zu Mainz daran arbeitete, den
Kurfürsten von seiner, seit er dem Fürstenbunde beigetreten war,
beobachteten Haltung wieder zurückzubringen. Als dies im Verlaufe
der Lütticher Sache gelang, wurde
A.
, der schon in der Nähe war, kurfürstlicher Hofkanzler
und Minister (1790), vereinigte seit 1792, in welchem Jahre er als
Directorialwahlbotschafter die letzte deutsche Kaiserwahl leitete,
sämmtliche Mainzer Ministerien in seiner Person, und legitimirte
sich als tüchtiger Verwaltungsbeamter. Nach der Kaiserwahl war er
in dem zu Mainz versammelten Fürstenrathe, mit welchem der
französische Krieg anfing, theilte dann mit seinem Herrn, den er
auf der Flucht begleitete, die Wechselfälle der nächsten Jahre,
und hatte sich, wiederum als Directorialgesandter, eben auf dem
Rastatter Congresse
eingerichtet, als er erleben mußte (Ende 1797), daß Mainz definitiv
verloren ging. In seinem auf dem Congresse mit unermüdlichem
Pathos geführten Disputirkampfe gegen die französischen Ansprüche
und ihre deutschen Parteigänger hatte er keinen Erfolg.
Glücklicher versuchte er sich, als nach dem bekannten Ende der
Verhandlungen der Krieg von neuem ausbrach, mit den Waffen. Am 1.
Sept. 1799 zog er als mainzischer Generalfeldzeugmeister mit den
Truppen und dem von ihm organisirten Landsturm an den Rhein,
erlangte verschiedene Male gegen Augereau Vortheile, und kehrte
erst am Ende des Jahres, als der zu Steyer zwischen Erzherzog Karl
und Moreau abgeschlossene Waffenstillstand den Feindseligkeiten
ein Ende gemacht hatte, zu seinen Ministergeschäften nach
Aschaffenburg zurück. Hier empfahl er sich, als Kurfürst Karl
Friedrich starb (Jul. 1802), durch ungesäumtes Besitzergreifen für
den Coadjutor Dalberg diesem neuen Herrn, ging alsbald als dessen
Directorialgesandter am Reichstage und Statthalter nach
Regensburg, blieb letzteres, nachdem er auch den Reichstag
begraben hatte, bis 1810, mannigfach auch in anderen Geschäften,
z. B. 1806 zur Inbesitznahme von Frankfurt, verwendet. Bei
Gelegenheit der Truppendurchzüge von 1805 und 1809 gewann er sich
den Dank der Regensburger. Nachdem alsdann (1810) das Fürstenthum
an Baiern abgetreten war, siedelte
A.
nach Hanau über, und versah von da aus das Präsidium
des großherzoglich frankfurtischen Staatsrathes und die
Ministerien der Justiz, des Innern und eine Zeit lang auch das der
Polizei; einer der wenigen Deutschen in der aus Franzosen- und
Judenthum aufgerichteten, für einen Staat von zehn Millionen
genugsamen, von dem Fluche des Landes beladenen Beamtenpyramide,
an deren Spitze Graf Benzel-Sternau stand (Pertz, Leben Stein's,
III. 469). Sie hielt noch nach der
Schlacht von Hanau. Durch persönliche Einwirkung auf Kaiser Franz
erreichte
A.
die Errichtung eines Generalverwaltungsrathes für das
Großherzogthum unter seinem Vorsitze. Als aber der österreichische
Gouverneur durch Stein ersetzt ward, hörte das auf, und Albini's
Ministergehalt von 20000 Gulden wurde auf ein Zehntheil
verringert. Er zog sich zurück, schien indeß noch einmal
hervortreten zu sollen, als der deutsche Bund errichtet war; denn
Kaiser Franz ernannte diesen letzten Regensburger
Präsidialgesandten zum ersten Frankfurter. Den Sommer und Herbst
1815 bewegte sich
A.
demzufolge in eifriger vorbereitender Thätigkeit zu
Frankfurt, als er erkrankte, und bevor die Bundesversammlung
eröffnet war, auf seinen Gütern bei Hanau (8. Jan. 1816) starb:
eine der charakteristischcharakterlosen Gestalten unter den
Staatsmännern von damals. — (Zeitgenossen III. 2. S. 5 ff. Nicol. Vogt, Rheinische
Geschichten und Sagen IV. 213 ff.)
Autor ↑
Mejer.
Empfohlene Zitierweise ↑
Meyer, „Albini, Franz Joseph“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
220-221
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118647709.html?anchor=adb
Albini, Franz Joseph Freiherr von
Name: Albini, Franz Joseph Freiherr von
Namensvariante: Albini, Franz Joseph Martin Freiherr von
Lebensdaten: 1748 bis 1816
Geburtsort: St.Sankt Goar/Rhein
Sterbeort: Dieburg (Hessen)
Beruf/Lebensstellung: Mainzer Staatsminister; Staatsmann
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Gollwitzer, HeinzAutor ADB:
MeyerPND: 118647709