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NDB-Artikel

<< Albertus, Laurentius     Albini, Franz Josef Martin Freiherr von >>

Albich (Albicus de Uničow), Siegmund

Arzt, Erzbischof von Prag. * 1347 Mährisch Neustadt, 23.7.1427 wahrscheinlich im Feldlager König Siegmunds in Ungarn.


LebenLiteraturAutorZitierweise

Leben  
|Albich widmete sich in Prag und Padua vielseitigen Studien. In der Artistenfakultät wurde er Baccalaureus (1382), in der juristischen und medizinischen Fakultät Magister. Seine theologischen Studien setzte er noch in höherem Alter fort. Er wurde Leibarzt König Wenzels, dessen Förderung und volles Vertrauen er bis zu seinem Tode genoß. Bei Ausbruch des hussitischen Aufstandes und der Austreibung der deutschen Professoren aus Prag gehörte er zu den wenigen Gelehrten, die sich behaupten konnten. Nach dem Tode seiner Frau und der Aussteuerung seiner Kinder empfing er in rascher Folge die kirchlichen Weihen und wurde auf Wunsch des Königs 1411 zum Erzbischof von Prag erhoben. Das Amt entsprach aber nicht seinen Neigungen und Fähigkeiten; durch seine zögernde und duldsame Haltung gegenüber den Hussiten erwarb er sich viele Gegner und mußte seine Würde nach wenigen Monaten wieder niederlegen. Er zog sich auf die Propstei auf dem Wyschehrad zurück. Nach Wenzels Tod wurde er Leibarzt König Siegmunds, den er auch außer Landes begleitete. Seine Leistungen als Arzt und Denker geben ihm eine überragende Bedeutung. Wie kaum ein zweiter Arzt des späten Mittelalters verdient Albich das Lob der Selbständigkeit gegenüber den antiken und arabischen Autoritäten. Eine ganze Anzahl paracelsischer Gedanken nahm er vorweg, ohne aber dabei solche Schärfe und persönliches Geltungsbedürfnis hervorzukehren wie Theophrast von Hohenheim. Er berücksichtigte geomedizinische und soziale Gesichtspunkte und wußte um die Bedeutung seelischer Zustände und Stimmungen auf Krankheit und Genesung. Albichs Schriften waren über ganz Europa verbreitet; mehrere wurden ins Deutsche, einige ins Tschechische übersetzt. Bedeutend sind: das „Buch der Arznei", in dem die Krankheiten der einzelnen Organe besprochen werden; das „Buch von den natürlichen Sachen"; sein Werk über die Lebensweise im Alter (Vetularius oder Tractatulus de regimine hominis); sein „Regimen contra rheuma" und das „Regimen tempore pestilentiae“, womit Albich an der ersten Stelle unter den zahlreichen Forschern des ältesten deutschen „Pestkonzerns“ steht. Sämtliche unter Albichs Namen überlieferten Schriften bedürfen noch der wissenschaftlichen Untersuchung.

Literatur  
K. Sudhoff, Pestschrr. aus d. ersten 150 J. nach d. Epidemie d. „schwarzen Todes“ 1348, in: Arch. f. Gesch. d. Medizin, 7, 1913, S. 89-99; ders., in: Vf.-Lex. d. MA I, 1933; G. Eis, Das Deutschtum d. Arztes A., in: ZDP 65, 1939, S. 174-209 (Hss.-Nachweise u. L); BLÄ I, 1929.

Autor  
Gerhard Eis
Empfohlene Zitierweise  

Eis, Gerhard, „Albich, Siegmund“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 148-149 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118644297.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 1 (1953), S. 148-149

PND: 118644297
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Index

Albich, Siegmund

Name: Albich, Siegmund
Namensvariante: Albicus de Unicovo
Lebensdaten: 1347 bis 1427
Geburtsort: Mährisch Neustadt
Sterbeort: wahrscheinlich im Feldlager König Siegmunds in Ungarn
Beruf/Lebensstellung: Arzt; Erzbischof von Prag
Konfession: katholisch
Autor NDB: Eis, Gerhard
PND: 118644297

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Albich, Siegmund

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118644297

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