<< Alber von Windberg
Alber, Matthäus >>
Alber (Alberus), Erasmus
evangelischer Theologe und Schriftsteller,
* um 1500 Bruchenbrücken (Wetterau),
† 5.5.1553 Neubrandenburg.
Genealogie
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| Werke
| Literatur
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Genealogie ↑
V Tilemann Alber, katholischer Priester, dann erster evangelischer Pfarrer in Engelrod (Oberhessen);
⚭ 1) um 1522, 2) 1542.
Leben ↑
Nach Vorbildung durch die Lateinschulen in Nidda und Weilburg und durch Mainzer Humanisten studierte Alber 1520 und in den folgenden Jahren in Wittenberg Theologie, wo er erst Karlstadts, dann aber Luthers Schüler wurde. Danach Lehrer, reformierte er (1528 bis 1539 Pfarrer von Sprendlingen) das Ländchen Dreieich und half 1537 bei der Reformierung des Herzogtums Küstrin. Mannigfaches Mißgeschick einerseits, seine lebendig-vielseitige, offen-gerade (nicht streitsüchtige) Art sowie seine scharfe Zunge andererseits führten zu einem ruhelosen Wanderleben seit 1539: Alber war Pfarrer in Brandenburg, Rothenburg ob der Tauber, in der Wetterau und in Neubrandenburg; er fand mehrfach Zuflucht in Wittenberg und war 1548 und in den folgenden Jahren in Magdeburg der schärfste Wortführer gegen das Interim. Er stritt in Gedichten und Schriften für die Reformation Luthers gegen Rom, die Reformierten und Osiander. Seine Fabeldichtung nimmt im 16. Jahrhundert den ersten Platz ein, geht von der äsopischen Fabel aus, wird aber reformatorisch und polemisch erweitert, durch die Schilderung eigener Erlebnisse und der heimatlichen Landschaft bereichert. Von seinen Kirchenliedern sind eine Reihe noch heute in Gebrauch (Christe, du bist der helle Tag; Wir danken Gott für seine Gaben). Sein Reimlexikon von 1540 sollte zugleich als deutsch-lateinisches Lexikon dienen.
Werke ↑
Weitere W Etliche Fabel Esopi, verdeutscht u. in Reime gebracht …, Hagenau 1534; Novum Dictionarii Genus, Frankfurt 1540; Der Barfüsser Mönche Eulenspiegel u. Alkoran, Wittenberg 1542; Das Buch
v. d. Tugend u. d. Weißheit, nämlich 49 Fabeln, Frankfurt a. Main 1550, neu
hrsg. v. W. Braune, 1892; E.
A.s geistl. Lieder,
hrsg. v. Ch. W. Stromberger, 1857;
Bibliogr. d. Werke, in: Gesamtkat. d.
Preuß. Bibl. 2, 1932,
Sp. 799-807.
Literatur ↑
ADB I;
Ph. Wackernagel, Das
dt. Kirchenlied III, 1870;
Goedeke II, 1886, S. 437-47;
Ph. Wolfrum, Die Entstehung d.
dt. ev. Kirchenliedes, 1890;
F. Schnorr
v. Carolsfeld, E.
A., 1893;
E. Körner, E.
A., 1910;
ders., Luther im Urteil seines Schülers E.
A., in: Neue Kirchl.
Ztschr. 29, 1918, S. 553 ff.;
G. Krüger,
Hdb. d.
Kirchengesch. III,
21931;
W. Kummer, Geschichtl.
Volkskde. d. Wetterau nach d.
Schrr. d. E.
A., in: Hess.
Bll. f.
Volkskde. 30/31, 1932, S. 1 ff.;
Frels, 1934;
L. Uhl, E.
A. u. d. Musik, 1937;
vgl. Weimarana 53, 1920, S. 406 ff. u. O. Tschirch, Das Buch d. Ähnlichkeiten d.
hl. Franziskus mit unserem Herren Jesu Christo im Grauen Kloster zu Brandenburg u. Luthers Antwort darauf, Eine Brandenburger Luthererinnerung, in:
Jb. f. Brandenburg.
Kirchengesch. 1927;
PRE;
LThK;
Schottenloher I, 1933;
Enc. Catt. I, 1949;
MGG Suppl.Autor ↑
Gustav HammannEmpfohlene Zitierweise ↑
Hammann, Gustav, „Alber, Erasmus“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
123
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118501550.html
<< Alberus
Albini, Franz Joseph >>
Alberus, Erasmus
Leben
| Autor
| Literatur
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Leben ↑
Alberus: Erasmus
A.
, geb. wol im Eingang des 16. Jahrhunderts, †
5. Mai 1553; ein begabter
Mitarbeiter der Reformatoren, vielfach eingreifend, aber niemals
zu einer stetigen und dauernden Wirksamkeit gelangt, war in der
Wetterau, nach anderer Nachricht in Sprendlingen bei Frankfurt a.
M. geboren, Sohn eines Predigers Tilemann
A.
; das Geburtsjahr ist unbekannt. Er wurde in Nidda,
dann in Mainz unterrichtet, bezog 1520 oder 21 die Universität
Wittenberg und wurde ganz für Luther und Melanchthon gewonnen, mit
dem letzteren blieb er in Briefwechsel. Sein öffentliches Leben
vertheilt sich unter viele Stationen. Wir finden ihn zunächst
1525—27 als Schullehrer in Ursel, dann in Heldenberg bei dem
Ritter Konrad von Hackstein, hierauf in dem Landstrich Drei-Eichen
in der Grafschaft Katzenelnbogen, wo er als Prediger von
Götzenhahn die neue Lehre einführte und 1528 als Pfarrer zu
Sprendlingen, wohin ihn Landgraf Philipp von Hessen berufen hatte.
Dort soll er bis 1538 geblieben sein. Der Kurfürst Joachim II. von Brandenburg erwählte ihn zum
Hofprediger, entließ ihn aber wieder, weil er gegen die
Besteuerung der Geistlichen starken Widerspruch erhoben hatte. Im
J. 1541 finden wir ihn als Prediger in Neubrandenburg, und 1542—45
in gleicher Eigenschaft zu Stade bei Friedberg; während dieser
Zeit war er am 24. Aug. 1543 von Luther zum Doctor der Theologie
ernannt worden. Gleich darauf begab er sich auf kurze Zeit nach
Rotenburg an der Tauber, wo er, wie Seckendorf berichtet, neben
Thomas Venatorius das reformatorische Werk durchführen half, und
nach Babenhausen bei Hanau auf Veranlassung des Grafen Philipp IV. von Hanau-Lichtenfels. Doch verließ er
nach 1545 auch diese Gegend, verweilte abermals bis 1548 oder 49
in Sprendlingen und ging als Prediger nach Magdeburg. Dort aber
hatte das Interim Anklang gefunden; als dessen entschiedener
Widersacher konnte er sich in Magdeburg nicht halten, er wanderte
nach Hamburg aus und lebte daselbst einige Jahre ohne Amt, bis ihn
1553 ein neuer Ruf als Superintendent nach Neubrandenburg in
Mecklenburg führte. Hier ist er jedoch gleich nach seinem
Amtsantritt gestorben. — So unstet sein Lebenslauf, so fest war
seine Ueberzeugung. Von heftiger Gemüthsart ist er in der
Bekämpfung der Agricolisten,
|Karlstadtianer,
Osiandristen, Interimsfreunde und Anderer, die an Luther's Lehre
ändern wollten, sich stets gleich geblieben. Daher ist ein Theil
seiner Schriften besonders der lateinischen, polemischen Zwecken
gewidmet, doch würden diese und andere philologische Arbeiten ("Dictionarium Latino — Germanicum"), ihm noch
keinen Namen gegeben haben, wenn nicht sein Talent zugleich eine
ihm besser zusagende, volkstümliche, poetische und satirische
Richtung genommen hätte. Neben Burkard Waldis, obwol weniger
fruchtbar als dieser, wurde er der deutsche Fabeldichter seiner
Zeit; das "Buch von der Tugend und Weisheit" 1550 umfaßt 49
Thierfabeln, in denen allerdings nur ältere Stoffe in
ansprechender Weise bearbeitet sind. Großes Aufsehen machte die
gegen den Katholicismus gerichtete Satire: "Der Barfüßer Mönche
Eulenspiegel und Alcoran", welche geschöpft aus einem Liber conformitatum s. Francisci ad vitam Jesu
Christi, Med. 1510 und aus anderen Legenden, von Luther
bevorwortet und 1542 edirt, dann aber auch in lateinischer,
französischer und holländischer Uebersetzung verbreitet wurde.
Andere Volksschriften behandeln z. Th. in dialogischer und
satirischer Form den Sündenfall, den Ehestand, die
Kindererziehung, die Kindertaufe, das Interim. Endlich hat
A.
auch zur kirchlichen Lyrik einen Beitrag geliefert.
(Wackernagel, D. Kirchenlied III. S.
886—889. 1263.) Er ist als Liederdichter von Herder sehr
ausgezeichnet worden; neuere wie Rambach haben dies Lob mit Recht
ermäßigt, indessen haben doch mehrere seiner "geistlichen Lieder"
in die älteren Gesangbücher und in neuere Liedersammlungen
Aufnahme gefunden.
Literatur ↑
Strieder, Hess. G.- und Schriftst.-Gesch. I. S. 24. — Hoffmann von Fallersleben,
Mecklenburgisches Volksbuch für 1846 S. 187.
Autor ↑
Gaß.
Empfohlene Zitierweise ↑
Gaß, Wilhelm, „Alberus, Erasmus“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
219-220 unter Alberus
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118501550.html?anchor=adb
Alber
Name: Alber
Namensvariante: Alberus, Erasmus
Lebensdaten: um 1500 bis 1553
Geburtsort: Bruchenbrücken (Wetterau)
Sterbeort: Neubrandenburg
Beruf/Lebensstellung: evangelischer Theologe; Schriftsteller; Fabeldichter; Satiriker
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Hammann, GustavAutor ADB:
Gaß, WilhelmPND: 118501550