<< Przywara, Erich
Pschyrembel, Willibald >>
Pschorr
Münchener Brauerei- und Großgrundbesitzerfamilie. (katholisch, seit 1870 altkatholisch, später wieder katholisch, teils evangelisch)
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Leben ↑
Seit Beginn des 17.
Jh. war die Bauernfamilie im Gebiet zwischen Isar und Ammersee ansässig.
Josef d. Ä. (1770-1841) verließ 1785 den elterlichen Hof in Kleinhadern, um in München das Brauhandwerk zu erlernen. 1793 heiratete er dort Maria Theresia Hacker und erwarb von seinem Schwiegervater Peter Paul Hacker die Hackerbrauerei in der Sendlingerstraße. 1820 kaufte er eine zweite Braustätte in der Neuhauserstraße, die zum
P.-Stammhaus wurde. Beide Unternehmen vergrößerte und modernisierte er umfassend und schuf damit die Grundlage für einen rationellen Großbetrieb. 1823 erzielte er einen Bierausstoß von 80 000 hl und nahm damit die Spitzenposition unter den Münchener Brauherren ein, was auch durch die Aufnahme seiner Marmorbüste in die Ruhmeshalle der Bavaria auf der Münchener Theresienhöhe 1898 gewürdigt wurde. Seine Söhne
Georg d. Ä. (1798-1867) und
Matthias d. Ä. (1800-79) traten 1834 die Nachfolge im Unternehmen an. Matthias übernahm die Hackerbrauerei und verlagerte den Betrieb in einen Neubau an der Bayerstraße. Sein Sohn
Matthias d. J. (1834-1900), seit 1865 im Besitz der Hackerbrauerei, blieb ohne Nachkommen. 1881 überführte er das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft, deren Aufsichtsrat er bis zu seinem Tod angehörte. Testamentarisch errichtete er eine Stiftung zur Kunstförderung. Georg
d. Ä. übernahm die Pschorrbrauerei, erweiterte sie durch den Kauf dreier weiterer Münchener Braustätten und knüpfte erste Geschäftsverbindungen ins Ausland. Mit seiner Frau
Juliana,
geb. Riegg, (1809-62) pflegte er ein offenes Haus, in dem sich die
|Spitzen der Münchener Gesellschaft trafen. Sein Sohn, Kommerzienrat
Georg d. J. (1830-94), erwarb 1864 die Kreuzbrauerei an der Bayerstraße und verlegte bis 1877 den gesamten Betrieb in den dort errichteten Neubau. Unter seiner Leitung entstand hier eine moderne Großbrauerei industriellen Zuschnitts mit einem weltweiten Netz von Vertriebs- und Absatzstellen. Aus der Ehe seiner Schwester Josephine mit dem Münchener Hofmusiker Professor Franz Strauss ging der Komponist Richard Strauss (1864–1949) hervor. Die
Geh. Kommerzienräte
August (1862–1935),
Georg Theodor (1865–1949) und
Josef d. J. (1867-1942) traten nach dem Tod ihres Vaters Georg
d. J. 1894 als Teilhaber in die Geschäftsleitung der Firma „G. Pschorr“ ein, die 1922 in die „Pschorrbräu
AG“ umgewandelt wurde. Mit einer jährlichen Bierproduktion von 400 000 hl war sie das drittgrößte Unternehmen ihrer Branche in München. Die Familie
P. zählte zu den reichsten und einflußreichsten Repräsentanten des
bayer. Wirtschaftsbürgertums. August heiratete 1893
Hedwig Bassermann (1874–1951) aus der
pfälz.-
bad. Unternehmer- und Politikerfamilie. 1896-1919 war er Mitglied des Münchener Gemeindekollegiums, 1899-1922 Vorsitzender des Vereins Münchener Brauereien und 1926-34 Präsident des Deutschen Brauer-Bundes. Georg Theodor gehörte dem Gesamtvorstand des
Bayer. Industriellen-Verbandes seit dessen Gründung 1902-34 als Schatzmeister an und betätigte sich im Vorstand des Künstlerhausvereins. 1909-14 saß er im Direktorium des Hansa-Bundes. Josef
d. J. gründete 1894 in New York und Chicago Importagenturen für Pschorr-Bier. 1897 heiratete er
Louise (1878–1960), die Tochter des Berliner Elektrizitätsindustriellen Sigmund Bergmann (1851–1927). Diese Verbindung öffnete ihm den Weg in zahlreiche Aufsichtsräte von Großunternehmen. Er unterhielt freundschaftliche Kontakte zu Prinzregent Luitpold und
Kg. Ludwig III. von Bayern. 1912-33 war er Präsident der
IHK München. Der vierte Sohn Georgs
d. J.,
Robert (1868–1930, s. Pogg. IV-VI), studierte Chemie in München, Zürich und Jena, habilitierte sich an der
Univ. Berlin und lehrte dort seit 1910 als
o. Professor und Abteilungsvorstand am Chemischen Institut. Die unternehmerische Tradition setzten
Walter (1895–1968) und
Franz Josef (1911–89), die Söhne von August und Josef
d. J., fort. Beide gehörten viele Jahre dem Vorstand der „Pschorrbräu
AG“ an, die 1972 mit der „Hackerbräu
AG“ fusionierte.
Literatur ↑
H. Roth, Ein
Jh. Pschorrbräu 1820-1920,
FS zu e. dreifachen Gedenkfeier d. Hauses G. Pschorr in München, 1921
(P);
150 J. Pschorrbräu 1820-1970, 1970
(P);
H. Hesselmann, Das Wirtsch.bürgertum in Bayern 1890-1914, 1985, S. 259-61;
D. Schumann, Bayerns Unternehmer in
Ges. u. Staat, 1834–1914, 1992;
G. Weinzierl, Die Bräus d. noblen Art, Die Dynastie d.
Fam. P., in: K. J. Wohlhüter u. K. Hogl, (
Hg.), Tradition verpflichtet, Gr. Familien in Bayern, 1999, S. 162-71;
C. Schäder, Münchner Brauind. 1871-1945, 1999, S. 66-69;
Wi. 1928;
Rhdb. (P);
Geschäftsberr. Pschorrbräu
AG, 1935, 1949, 1969.
Portraits ↑
Gem., Grafiken, Fotos in:
Stadtmus. München, Unternehmensarchiv Paulaner Brauerei u. Hacker-Pschorr Bräu, München.
Autor ↑
Richard WinklerEmpfohlene Zitierweise ↑
Winkler, Richard, „Pschorr“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
753 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd139800158.html