<< Maaßen, Carl Georg
Macco, Heinrich >>
Maaßen, Friedrich
Romanist, Kirchenrechtler,
* 24.3.1823 Wismar (Mecklenburg),
† 9.4.1900 Innsbruck. (evangelisch, seit 1851 katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Hans (1798–1825),
Dr. med.,
meckl. Bataillonsarzt,
S d.
Joh. Friedrich Hieronymus, Justitiar u. Komm.rat in Klütz, u. d. Christiane Margarethe Eleonore Petersen;
M Sophie (1796–1855),
T d. Dittmar
v. Ladiges, auf Barnekow, u. d. Catharina Agneta Trendelenburg;
Schw Charlotte (
⚭ Wilhelm
Frhr. v. Hammerstein-Gesmold,
† 1904, Politiker, s.
NDB VII), Mathilde (
⚭ August Drechsler, 1821–97,
WGR,
Senatspräs. am Reichsgericht, s.
Dt. Juristenztg. 1897, S. 338 f.); -
⚭ Julie Ambreit (1826–94); 8
K .
Leben ↑
Nach geschichtlichen und rechtswissenschaftlichen Studien in Jena (1841–43), Berlin (bis Ostern 1844), Kiel und Rostock promovierte
M. dort 1851 zum
Dr. iur. Seit 1847 war er als Advokat tätig, dann bis 1851 als Syndikus der
meckl. Ritterschaft. Durch den Übertritt zum Katholizismus entfremdete sich
M. seiner Heimat, ging nach Bonn und wurde Informator des Fürsten
v. Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (1852–54). Auf Grund seiner „Civilistischen Erörterungen“ (1. H., 1854) und des Buches „Der Primat des Bischofs von Rom und die alten Patriarchalkirchen“ (1853) wurde er, empfohlen von George Phillips, vom
österr. Kultusminister Leo
Gf. Thun-Hohenstein am 8.1.1855 als
ao. Professor des
Röm. Rechts an die
Univ. Pest (Budapest) berufen und bereits am 8.9.1855 nach Innsbruck versetzt. 1857 wurde
M. Ordinarius, 1860-71 war er
o. Professor des Römischen und Kirchen-Rechts in Graz, anschließend für beide Fächer in Wien. Seit 1894 lebte er im Ruhestand in Innsbruck-Wilten.
Bei einer größeren Arbeit auf zivilrechtlichem Gebiet, bei der die Verbindung beider Rechte wesentlich in Frage kam, wurde
M. auf die ältesten Glossen und Kommentare des Decretum Gratiani zurückgeführt. Da die
|kanonistische Quellen- und Literaturgeschichte damals noch weitgehend unerforscht war, wandte er sich dieser zu. Nach dem Vorbilde von Savignys „Geschichte des
Röm. Rechts im Mittelalter“ und von Savigny hierzu ermuntert, plante
M. eine auf 5 Bände berechnete „Geschichte der Quellen und Literatur des Canonischen Rechts im Abendland bis zum Ausgange des Mittelalters“, deren 1. und einziger Band 1870 (
Neudr. 1957) erschien. Dieses bahnbrechende Werk blieb leider ein Torso, während die als Fortsetzung gedachte „Geschichte der Quellen und Literatur des Canonischen Rechts“ (3
Bde., 1875–80) von
Joh. Friedrich
v. Schulte für die Zeit seit Gratian vollendet wurde. „Dennoch ist gar kein Zweifel, daß mit
M. und Schulte die Kanonistik in eine neue Phase trat“ (
St. Kuttner). Die Vollendung von
M.s Hauptwerk verhinderte die Überfülle des Stoffes, dessen Bewältigung die Kräfte eines einzelnen überstieg, dann auch sein zeitweilig starkes politisches Engagement für den Föderalismus der Konservativen der Steiermark sowie schließlich ein bei den Handschriftenforschungen zugezogenes Augenleiden.
Das für breitere Kreise berechnete Buch „Neun Capitel über Freie Kirche und Gewissensfreiheit“ (1876) ist
M.s Bekenntnisschrift, die
u. a. seine Bedenken gegen die Dogmatisierung der
päpstl. Unfehlbarkeit – er neigte zeitweilig zum Altkatholizismus – wie sein verdammendes Urteil über den
preuß. Kulturkampf enthält. Bei der Ausgabe der „Concilia aevi Merovingici“ (1893) für die Monumenta Germaniae Historica (MGH) wurde er von Berthold Bretholz unterstützt. Durch hingebungsvolle Lehrtätigkeit gewann er der historischen Kanonistik mehrere bedeutende Schüler: in Graz Rudolf R.
v. Scherer, in Wien Heinrich Singer, Ludwig Wahrmund und Alfred
v. Wretschko.
M. wurde so der Begründer einer österreichischen Kanonistenschule mit Schwerpunkt auf quellengeschichtlicher Forschung und Quellenedition, neben dem darstellende Werke nicht vernachlässigt wurden
|Auszeichnungen ↑
Mitgl. d.
Ak. d. Wiss. Wien (1872) u. München (1882);
k. k. Hofrat (1880); ständiges
Mitgl. d.
österr. Reichsgerichts (1881); lebenslängl.
Mitgl. d. Herrenhauses (1885); Dr.
h. c. (Bologna 1888);
Mitgl. d. Zentraldirektion d.
MGH.
Werke ↑
Weitere W
Btrr. z. Gesch. d.
jur. Lit. d.
MA,
insbes. d. Decretisten-
Lit. d. XII.
Jh., in:
SB d.
Ak. d. Wiss. (Wien),
phil.-
hist. Kl., 24, 1857;
Paucapalea, Ein
Btr. z. Lit.gesch. d. Canon. Rechts im
MA,
ebd. 31, 1859, S. 449-516;
Bibl. Latina juris canonici manuscripta, 3
Hh.,
ebd. 53, 1866, S. 373-427, 54, 1867, S. 157-288, 56, 1867, S. 157-212;
Glossen d. Canon. Rechts aus d. caroling.
Za.,
ebd. 84, 1876, S. 235-98;
Pseudoisidor-
Stud., 2 T.,
ebd. 108, 1885, S. 1061-1104 u. 109, 1885, S. 801-60;
Über d. Gründe d. Kampfes
zw. d. heidn.-
röm. Staat u. d. Christentum (Rektoratsrede), in: Die feierl. Inauguration d. Rectors d. Wiener Universität 1882/83, S. 17-52;
Gedächtnisrede …
z. Säcularfeier d. Geburt Friedrich Carl
v. Savigny's, 1879.
Literatur ↑
R.
v. Scherer, in:
HJb. 21, 1900, S. 640-43;
C. Groß, in:
Alm. d.
Ak. d. Wiss. Wien 50, 1900, S. 365-71
(P);
Revue Historique 73, 1900, S. 459 ff. -
Würdigungen: Joh. Fr.
v. Schulte,
Qu. u.
Lit. III/1, S. 427 f.;
N. Grass,
Österr. Kanonistenschulen, in:
ZSRGK 41, 1955, S. 290-411,
bes. S. 300-45;
ders., in: Studia Gratiana VIII, 1962, S. 228-33;
St. Kuttner, in:
ZSRGK 69, 1983, S. 4;
R. Puza,
ebd. 70, 1984, S. 238, 249-58;
LThK2;
Dict. d'archéologie chrêtienne et de liturgie 10, 1,
Sp. 415-22;
BJ V;
ÖBL.
Portraits ↑
Stich
v. A. Steininger,
Abb. in: Almanach, s.
L, u.
Veröff. d.
Mus. Ferdinandeum 31, 1951, Tafel XXVI.
Autor ↑
Nikolaus GrassEmpfohlene Zitierweise ↑
Grass, Nikolaus, „Maaßen, Friedrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
15
(1987), S.
603-604
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116620056.html