<< Kretschmer, Ernst
Kretz, Matthias >>
Kretschmer, Paul
Indogermanist,
* 2.5.1866 Berlin,
† 9.3.1956 Wien. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Albert (1825–91),
Prof., Maler, Vorstand am Hoftheater in
B., Kostümkundler (s.
ThB),
S d. Amtmanns Carl Gottfried in Niederarnsdorf/Schlesien;
M Minna (
* 1837),
T d.
Joh. Heinrich Obenauf, aus Andreasberg, Schlossermeister in
B.;
Ov Robert (1818–72), Maler u. Zeichner (s.
|ThB);
B Konrad (1864–1945),
Prof. d.
hist. Geogr. in
B. (s.
Kürschner, Gel.-Kal. 1931); -
⚭ 1900 Leona Gronay; 1
T .
Leben ↑
K. studierte seit 1884 in Berlin Indogermanistik bei
Johs. Schmidt, außerdem Archäologie bei Carl Robert und klassische Philologie bei H. Diels. 1889 wurde er zum
Dr. phil. promoviert mit der Arbeit „Beiträge zur
griech. Grammatik“. 1891 habilitierte sich
K. mit „Indogerman. Akzent- und Lautstudien“ (in: Kuhns
Zs. 31, S. 325-472). 1897 wurde er
ao. Professor für vergleichende
indogerman. Sprachwissenschaft in Marburg, 1899 wurde er als
o. Professor der allgemeinen vergleichenden Sprachwissenschaft nach Wien berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1937 wirkte. –
K. wurde durch seine „Einleitung in die Geschichte der
griech. Sprache“ (1896) berühmt. Es gibt heute wohl kein älteres Werk in der Indogermanistik, das man so oft zitieren muß wie dieses. Dabei sind es vor allem die allgemeinen Teile, die in vielem moderner anmuten als Werke neuesten Datums (Verhältnis der
indogerman. Einzelsprachen zur fiktiven Ursprache, Urverwandtschaft oder Entlehnung etc.). Das Griechische stand bei
K. im Vordergrund des Interesses, und mit seinem Werk hat er die Wissenschaft vom Vorgriechischen begründet, sowohl im Sinne eines nicht-indogermanischen, zum Kleinasiatischen stimmenden Substrates, wie auch hinsichtlich vorgriech., aber
indogerman. Sprachträger. Die Entzifferung des Hethitischen durch den damaligen Wiener Dozenten Hrozný brachte für
K. den Zwang zum Neuüberdenken der
griech.-
anatol. Beziehungen. Im hohen Alter versuchte er, auch die Erkenntnisse der Kaukasistik für diesen Fragenkreis nutzbar zu machen (Die Leleger und die ostmediterrane Urbevölkerung, in: Glotta 32, 1953, S. 161-204). Herzensanliegen waren für
K. aber auch die Beschäftigung mit der Muttersprache (Wortgeographie der hochdeutschen Umgangssprache, 1918) und der Brückenschlag zwischen Sprachwissenschaft und Philologie, dem er eine neugegründete Zeitschrift (Glotta, seit 1907) widmete. Die sprachwissenschaftliche Ausbildung der Philologen wurde auf sein Betreiben hin in der
österr. Lehramtsprüfungsordnung verankert.
K. besaß sowohl die Kunst der Analyse wie die der Synthese (
vgl. etwa „Sprache“ in: Gercke-Norden, Einleitung in die Altertumswissenschaft I,
31923, 6. H.) und einen klaren Stil. Er war ein vielseitiger, weitgereister, auch dem Künstlerischen gegenüber aufgeschlossener Gelehrter und gehörte außer der Österreichischen Akademie, in der er in vielen Kommissionen eine leitende Funktion ausübte, 7 weiteren Akademien als Mitglied an
|Auszeichnungen ↑
Dr.
E. h. (Athen).
Literatur ↑
W. Havers, in:
Alm. d.
Österr. Ak. d. Wiss. 106, 1956, S. 338-66
(Bibliogr., P);
R. Meister, P.
K.s Forscherwerk, in:
Gedenkschr. f. P.
K. II, 1957, S. VII-XL
(Bibliogr.);
P. Diels, in:
Jb. d.
Bayer. Ak. d. Wiss. 1956, S. 202-07
(P).
Autor ↑
Georg Renatus SoltaEmpfohlene Zitierweise ↑
Solta, Georg Renatus, „Kretschmer, Paul“,
in: Neue Deutsche Biographie
13
(1982), S.
15-16
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118888455.html