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NDB-Artikel

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Skutsch, Franz

Klassischer Philologe, Sprachwissenschaftler, * 6. 1. 1865 Neiße (Schlesien), 29. 9. 1912 Breslau, Breslau, Salvatorfriedhof. (jüdisch, seit 1898 evangelisch)


Genealogie | Leben | Auszeichnungen | Werke | Literatur | Autor | Zitierweise

Genealogie  
V Louis († 1889), Dr. med., Stabsarzt; M Rosalie († 1900), T d. Jacobi Gradenwitz (1796–1852), aus Rawitsch (Rawicz, Polen), Kaufm., gründete d. Fa. „Jacobi Gradenwitz, Wollhandel u. Commissionsgeschäft“ in B., u. d. Henriette Braun (1806–79); Om Moritz Gradenwitz (1827–88), Louis Gradenwitz (1829–96), Mitgl. in d. Finanzkomm. d. Berliner Kaufm.schaft u. Verw.rat d. Berliner Handelsges., beide führten zunächst d. väterl. Geschäft weiter, Alfred Gradenwitz (1830–92), alle drei gründeten 1858 d. Bank „Gebr. Gradenwitz“ in Berlin, Leopold Gradenwitz (1832–1907), Makler, Teilh. ders. Bank (alle s. L); 2 B u. a. Rudolf (1870–1929), 1899–1903 b. d. Eisenbahndirektion Breslau, 1904–06 Reg.baumeister in Essen, 1904 ao. Prof. f. techn. Mechanik an d. TU Braunschweig, 1906–17 Vorstand e. Werkstätteninspektion in Dortmund, 1917–22 erneut b. d. Eisenbahndirektion Breslau, 1922–25 PD in B., Leiter d. psychotechn. Versuchsstelle d. Reichsbahn, Oberbaurat (s. Pogg. V–VI; Professoren TU Braunschweig), 1 Schw; – Selma Dorff; 2 S Karl Ludwig (1905–58), Kunsthist., Schriftst., 1928 Vf. e. Novelle „Papa ist tot“, 1946–58 Leiter d. „Waldhauses am See“ in Berlin (s. W, Schles. Mhh., 2. H. 1928, S. 76–80), Otto (1906–90), Klass. Philol. (s. W, L); Vt Otto Gradenwitz (1860–1935), Rechtshist., Papyrol. (s. NDB VI); Cousine Bertha Gradenwitz († 1947, Robert René Kuczynski, 1876–1947, Statistiker, s. NDB 13).

Leben  
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Neiße studierte S. ab 1882 in Breslau zunächst zwei Semester Rechtswissenschaften. Er ging dann nach Leipzig und wechselte unter dem Einfluß von Georg Curtius zur Klassischen Philologie und Sprachwissenschaft. 1884 wurde er in Breslau Mitglied des Philol. Seminars und fand Kontakt zu Georg Wissowa, C. F. W. Müller und Alfred Hillebrandt, bei dem er Sanskrit lernte. 1887 ging S. nach Bonn, das durch Franz Bücheler und Hermann Usener damals Zentrum der Klassischen Philologie war. Hier wurde er 1888 mit einer Arbeit über die lat. Nominalkomposition promoviert; 1890 habilitierte er sich in Breslau, wo er anschließend als Privatdozent, seit 1896 als o. Professor der Klassischen Philologie tätig war und mit Kollegen wie Richard Wünsch, Eduard Norden und Wilhelm Kroll zusammenarbeitete. Einen Ruf nach Straßburg lehnte er 1911 ab.
S.s wiss. Kompetenz reichte von der Etruskologie bis zu Shakespeare und Goethe, den Schwerpunkt bildeten jedoch seine bahnbrechenden Forschungen zur lat. Metrik und Grammatik. Seine Studien galten auch der röm. Literatur generell, besonders der Dichtung, u. a. Ennius, Terenz, Cornelius Gallus, Properz, Vergil und v. a. Plautus. Dabei ging es S. seit seiner Dissertation 1888, die die lat. Nominalkomposition behandelt, darum, einer in der Klassischen Philologie verbreiteten Trennung von literarischer und linguistischer Betrachtungsweise entgegenzuwirken. Sprache, Grammatik und Metrik sollten in gleichwertiger Berücksichtigung zur literarischen Interpretation stehen. Mit diesem Ziel gab S. zusammen mit Paul Kretschmer (1866–1956) seit 1909 die Zeitschrift „Glotta“ heraus. In seinem Buch „Plautinisches und Romanisches“ (1892, Nachdr. 1970) S. auf der Grundlage des Plautus neue Erkenntnisse zur lat. Prosodie, u. a. zum Iambenkürzungsgesetz. Seit 1900 übernahm S. für die „Realencyclopädie der Classischen Alterthumswissenschaft“ (RE) seines befreundeten Kollegen Wissowa und später W. Kroll v. a. Beiträge zur röm. Literatur, besonders zur Dichtung, und den Artikel „Etruskische Sprache“ (erweiterte Fassung in ital. Übers.). In dem RE-Artikel über Cornelius Gallus stellte S. die heute widerlegte Hypothese auf, die in der Appendix Vergiliana überlieferte Ciris stamme von Gallus. S.s Interesse für volkskundliche Betrachtungen führte zu Beschäftigung mit der Astrologie und zur Herausgabe der astrologischen Schrift „Mathesis“ des Firmicus Maternus (mit W. Kroll).
S.s Lehrveranstaltungen fanden wachsenden Zuspruch (1910: 187 Hörer); er betreute 45 Dissertationen; Bildungspolitisch suchte S. die Beziehungen von Universität und Schule zu fördern, indem er eine angemessene Berücksichtigung des sprachwiss. Unterricht an den preuß. Gymnasien durchsetzte. Durch eine mehrfach gesondert abgedruckte Einleitung zur Etymologie brachte S. seine sprachgeschichtlichen Vorstellungen in das lat. Schulwörterbuch von Josef Maria Stowasser (zuerst 31908, Neubearbb. 1979 u. 2006) ein.
S. gehörte wie E. Norden, G. Wissowa und W. Kroll zu den bedeutendsten dt. Latinisten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jh. Trotz seines frühen Todes hat er innerhalb der Klassischen Philologie eine bis in die Gegenwart reichende große Wirkung.

Auszeichnungen  
A Mitgl. d. Schles. Ges. f. vaterländ. Cultur (1907–12), d. Humboldt-Ver. f. Volksbildung u. d. Ver. f. d. Dt.tum im Ausland, Landesverband Schlesien (Vors. bis 1912); Ehrenmitgl. d. Ges. d. Wiss. in Athen (1908); korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1910).

Werke  
W u. a. De nominum latinorum compositione quaestiones selectae, Diss. Bonn 1888; De nominibus latinis suffixi -no- ope formatis observationes variae, Habil.schr. Breslau 1890; Plautinisches u. Romanisches, Stud. z. plautin. Prosodie, 1892, Nachdr. 1970; Gallus u. Vergil, 1906, Nachdr. 1980; Einl. in d. Problematik d. lat. Lautgesetzlichkeit, 1968, franz. Ausg. u. d. T. Éléments détymologie, 1912; La Lingua Etrusca, 1909; Firmicus Maternus, 2 Bde., 1897–1913, Nachdr. 1968 (mit W. Kroll); L. W. S. Teuffel, Gesch. d. röm. Lit., Bd. 3, bearb. v. W. Kroll u. S., 61913; – zahlr. Btrr. z. RE, u. a. Statius Caecilius, Consolatio ad Liviam, Corippus, Cornelius Gallus, Dicta Catonis, Ennius, Euphorion, Exodium, Fulgentius, Furius Alpinus, Furius Bibaculus u. Helvius Cinna; – Kl. Schrr., hg v. W. Kroll, 1914, Nachdr. 1967 (W-Verz., P); – zu Otto: Prosod. u. metr. Gesetze d. Iambenkürzung, 1934; Recollections of Scholars I have known , hg. v. A. Bierl u. W. M. Calder III, in: Harvard Studies in Classical Philology 94, 1992, S. 387–408; – Briefe: K. Ehling, „. . . aber ich denke viel u. gern an d. Thesaurus zurück u. hoffe ihn doch bald einmal wieder zu besuchen.“, O. S.s Weg v. Thesaurus linguae Latinae (München) n. St. Andrews in Schottland, in: Hermes 135, 2007, S. 238–45.

Literatur  
L W. Kroll, in: Chronik d. Schles. Friedrich-Wilhelms-Univ. zu Breslau 27, 1913, S. 193–210 (auch in: Kleine Schrr., s. W, S. VI–XXI); A. Gercke, in: Schles. Ztg. v. 2. 10. 1912; P. Hoppe, in: Neißer Ztg. v. 2. 10. 1912; W. M. Lindsay, in: Classical Review, 1912, S. 238; R. Wünsch, in: Das Humanist. Gymn. 24, 1913, S. 161–63; E. Mensching, Nugae z. Philol.-Gesch. 5, 1992, S. 66 f. u. ö.; Berufungspol. innerhalb d. Altertumswiss. im wilhelmin. Preußen, Die Briefe U. v. Wilamowitz-Moellendorffs an F. Althoff (1883–1908), hg. v. W. M. Calder III u. A. Košenina, 1989, S. 111 f.; H. Drexler, Einf. in d. röm. Metrik, 1974, S. 28–76; R.-M. R. Gerber, Die Schles. Ges. f. vaterländ. Cultur (1803–1945), 1988; P. L. Schmidt, Zw. Anpassungsdruck u. Autonomiebestreben, Die dt. Latinistik v. Beginn bis in d. 20er J. d. 20. Jh., in: Altertumswiss. in d. 20er J., hg. v. H. Flashar, 1995, S. 115–82; B. Kytzler, Aus d. Gesch. d. Altphilol. an d. Univ. Breslau, in: Jb. d. Schles. Friedrich-Wilhelms-Univ. 31, 1990, S. 270–73; U. Scholz, Die Breslauer Klass. Philol. u. d. Realenz. d. klass. Altertumswiss., ebd. 41–43, 2001–03, S. 310–26; Wi. 1909; BJ 18, Tl.; Bibliogr. Judaica; – zu Otto: Dict. of British Classicists, hg. v. R. B. Todd, 2004; N. Horsfall u. A. Tattersall, O. S., A Bibliography, in: Bull. of the Classical Inst. 27, 1980; H. D. Jocelyn, in: Liverpool Classical Monthly 63, 1991, S. 5–9; ders., in: Gnomon 63, 1991, S. 746–49; E. Mensching, in: Latein u. Griechisch in Berlin 35, 1991, S. 59–63; ders., in: Nugae z. Philol.-Gesch. 6. 1993, S. 126–30; W. Unte, in: Schles. Lb. X (in Vorbereitung); – z. Fam. Gradenwitz: H. H. Lembke, Die Schwarzen Schafe b. d. G. u. Kuczynski, Zwei Berliner Fam. im 19. u. 20. Jh., 2008.

Autor  
Wolfhart Unte
Empfohlene Zitierweise  

Unte, Wolfhart, „Skutsch, Franz“, in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 493-494 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117425842.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 24 (2010), S. 493-494

Erwähnungen: 
NDB 13 (1982), S. 164* (Kuczynski, Robert René)


GND: 117425842

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Index

Skutsch, Franz

Name: Skutsch, Franz
Lebensdaten: 1865 bis 1912
Geburtsort: Neiße (Schlesien)
Sterbeort: Breslau
Beruf/Lebensstellung: klassischer Philologe; Professor der Altphilologie in Breslau
Konfession: jüdisch; evangelisch
Autor NDB: Unte, Wolfhart
GND: 117425842

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