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Adam von Bremen
Geschichtsschreiber,
† 12. 10. bald nach 1081.
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Leben ↑
Adam stammte aus Ostfranken, wohl aus der Nähe von Würzburg. Vielleicht besuchte er die Bamberger Domschule und kam als Abgesandter Bambergs mit Erzbischof Adalbert von Bremen (1043–72) zusammen. Jedenfalls wurde er, schon ein Freund Adalberts, zwischen Mai 1066 und April 1067 canonicus im Bremer Domstift. Nach einer Reise zu König Svend Estridsen von Dänemark (wohl 1067/68) ist Adam 1069 urkundlich als Domscholaster (magister scholarum) von Bremen, gelegentlich auch als Urkundenschreiber (und Diktator?) bezeugt. Nach dem Tode Erzbischof Adalberts begann Adam seine Hamburgische Kirchengeschichte. Seit 1075/76, nach der Überreichung eines Widmungsexemplars an Erzbischof Liemar (1072–1101), arbeitete Adam mit verschiedenen Helfern noch Nachträge und Ergänzungen (Scholien) in das jetzt verlorene Handexemplar ein; diese reichen bis etwa 1081, spätestens bis 1085, welches Jahr das späteste Todesdatum für Adam sein muß.
Adams Werk, in der Folgezeit viel benutzt und weit verbreitet, ist in vier Bücher eingeteilt. Die beiden ersten erzählen in unbewußter, naiver Tendenz die Geschichte Bremen-Hamburgs und seiner Oberhoheit im europäischen Norden bis 1043. Das 3. Buch enthält eine warme, aber nicht kritiklose Biographie des Erzbischofs Adalbert, der als historische Persönlichkeit aus Charakter und Schicksal psychologisch eindringlich verstanden und zugleich in den Rahmen einer Reichsgeschichte Norddeutschlands gestellt wird. Im 4. Buch gibt der „Tacitus des germanischen Nor
|dens“ (Hampe) eine
Descriptio insularum aquilonis, eine Völker- und Länderkunde Nordeuropas mit den ersten Berichten über Island, Grönland und die nordischen Winland-Fahrer, mit echten geographischen Erkenntnissen, wenn auch gelegentlich mit gutgläubig hingenommenen, aus der Antike überkommenen oder zeitgenössischen Seefahrermärchen. Fußend auf vielen erzählenden Quellen, unter Benutzung eines großen Urkundenschatzes, kanonistischer und patristischer Literatur, sammelte Adam die Berichte König Svends und vieler anderer Gewährsmänner und verarbeitete das ganze Material zu einem nach klassischen Stilmustern (Sallust!) - wenn auch von der Bamberger Schule abweichenden - durchgeformten Werk, das er doch wieder unfertig zurücklassen mußte. So erhebt sich trotz mancher falscher Einzelheit, trotz schwieriger Fragen der Handschriften-Verhältnisse und der Überlieferungsgeschichte, die Adams Bedeutung strittig machten und noch die neueste Forschung beschäftigen, sein Werk durch vorsichtiges reifes Urteil, durch psychologisches Verständnis für Menschen und Völker, durch nüchterne und forschungsgebundene Wahrheitsliebe hoch über die Reihe der Bistums- und Klostergeschichten des 11. Jahrhunderts.
Werke ↑
Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum (Hamburg.
Kirchengesch.),
hrsg. v. B. Schmeidler in SS rer. Germ.,
31917;
Übers. v. S. Steinberg in:
GDV 44,
31926; Faksimile-
Ausg.: Adami Bremensis Gesta Hammaburg. eccl. pont. Codex Havniensis,
hrsg. v. C.
A. Christensen, Kopenhagen 1948.
Literatur ↑
ADB I;
B. Schmeidler,
Einl. z. Ausg. (1917) u.
z. Übers. (1926);
ders., Neuere
Lit. üb. A. v. B., in:
Ztschr. d.
Ver. f. Lübische
Gesch. u.
Altertumskde. 16, 1914, S. 111-21;
ders., Hamburg-Bremen u. Nordosteuropa vom 9.-11.
Jh., 1918;
dazu
A. Brackmann, Die neuesten
F z. älteren Hamburger
Gesch., in:
Ztschr. d.
Ver. f. Hamburg.
Gesch. 24, 1921, S. 61-85;
P. Wieselgren,
A. of Bremen's Hiring, Studier tillagnade
A. Kock, 1930, S. 500-11;
S. Bolin, När avslutade mäster
A. Gesta Hammaburg. eccl. pont., Vetenskaps-Societeten i Lund, Arsbok 1931, S. 13 ff.;
A. Otto,
Btrr. z. Textgesch. d.
A. v. B., in:
NA 49, 1932, S. 10-55;
L. Weibull, Geo-ethnograph. Interpolationen d.
A. v. B., in: Hanseat.
Gesch. bll. 58, 1933;
dazu B. Schmeidler, in:
NA 50, 1933, S. 221-28;
C. Erdmann,
Stud. z. Brieflit. Dtld.s im 11.
Jh. (
Schrr. d. Reichsinst. I), 1938, S. 115;
M. Bünding, Das Imperium Christianum u. d.
dt. Ostkriege
v. 10.-12.
Jh., 1940, S. 17 ff.;
E. Wienecke,
Unterss. z. Religion d. Westslawen, 1940;
W. Roeßler, Von Snorri Sturlusons Heimskingla
z. A. v. B.s Hamburg.
Kirchengesch.,
Diss. Bonn 1942
(ungedr.);
Wattenbach-Holtzmann I, S. 566-72;
S. Bolin, Zum Codex Havniensis, Gamlev
Kgl. Samling 2296 quarto, Classica et mediaevalia 10, Kopenhagen 1948, S. 131-58.
Autor ↑
Joachim LeuschnerEmpfohlene Zitierweise ↑
Leuschner, Joachim, „Adam von Bremen“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
49-50
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11850052X.html
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Adam von Bremen
Leben
| Autor
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Leben ↑
Adam von Bremen: einer der bedeutendsten
Geschichtschreiber des Mittelalters, kam 1068 nach Bremen, wo
durch den Erzbischof Adalbert (1045—72) eine sehr rege Thätigkeit,
auch auf wissenschaftlichem Gebiet, ins Leben gerufen war, wurde
sogleich unter die Zahl der Domherren aufgenommen und erscheint
1069 als Scholasticus. Wie lange er als Vorsteher der Domschule
gewirkt hat, wissen wir nicht; nach 1075, 12. Oct. eines
unbekannten Jahres ist er gestorben. —
A.
scheint ein Obersachse gewesen zu sein und verdankt
seine Bildung vielleicht der Magdeburger Domschule. Mit einer
ansehnlichen Zahl alter Schriftsteller ist er vertraut, und der
Ehrenname eines Magisters zeigt, daß er den vollständigen Kreis
der damaligen höhern Schulbildung sich angeeignet hatte. In der
Schreibart ist vorzüglich Sallust sein Vorbild. Von lebhaftem
Streben nach geographischen und geschichtlichen Kenntnissen
erfüllt, hat
A.
einen Aufenthalt bei dem Dänenkönig Sven Estrithson
benutzt, um sich von diesem über Geschichte und Beschaffenheit der
Nordlande belehren zu lassen. Die weitreichende Missionsthätigkeit
der Bremer Kirche gewährte ihm außerdem reiche Gelegenheit,
Nachrichten von vielen Seiten einzuziehen, und die Bibliothek der
Kirche eine nur theilweise auch uns noch erhaltene, Fülle
geschichtlicher Werke, welche er mit Sorgfalt und Einsicht benutzt
hat, wie nicht minder auch die Urkunden des Archivs, unter welchen
sich aber schon damals Fälschungen befanden. Erst nach dem Tode
Adalberts begann
A.
die lange vorbereitete Ausarbeitung seines Werkes: "Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum".
Denn Hamburg war noch der eigentliche Sitz des Erzbisthums, obwol
wegen wiederholter feindlicher Zerstörungen die Residenz nach dem
frühzeitig damit verbundenen Bremen verlegt war. Je mehr
A.
sich seiner eigenen Zeit nähert, um so belebter und
reichhaltiger wird seine Darstellung, deren drittes Buch ganz der
Wirksamkeit des Erzbischofs Adalbert gewidmet ist, an welchem er
mit treuer Liebe hängt, ohne die Fehler und Schwächen des Mannes
zu verkennen oder zu verbergen. Die hohe Stellung Adalberts giebt
Adams Werk eine große Bedeutung auch für die Reichsgeschichte;
fast einzig in seiner Art aber steht das vierte Buch des Werkes
da, unter dem Titel: "Descriptio insularum
Aquilonis", eine förmliche Geographie der Nordlande und
baltischen Küsten, so weit man sie damals in Bremen kannte. Noch
bei Lebzeiten des Königs Sven, der 1076
starb, ist das Werk vollendet. Schon frühzeitig ist es mit
Randglossen versehen, von vielen Schriftstellern benutzt, und hat
immer seine Geltung als die zuverlässigste Grundlage für die
Geschichte jener Gegenden behauptet. — Die erste kritische Ausgabe
gab nach sorgfältiger Vorbereitung J. M. Lappenberg in den Mon. Germ. Scriptt. Vol. VII und bes. Abdruck
1846. Uebersetzung von Dr. Laurent mit
Vorwort von Lappenberg 1850.
Autor ↑
Wattenbach.
Empfohlene Zitierweise ↑
Wattenbach, Wilhelm, „Adam von Bremen“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
43
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11850052X.html?anchor=adb