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Adalbert I. >>
Adalbert I.
Erzbischof von Hamburg-Bremen (seit 1043),
† 16.3.1072 Goslar.
Genealogie
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Genealogie ↑
V Friedrich, Graf von Gosek;
M Agnes, Gräfin von Weimar-Orlamünde;
B Dedo, Friedrich.
Leben ↑
Auf Drängen der Mutter wurde Adalbert für die geistliche Laufbahn bestimmt (3. Sohn), besuchte die Domschule in Halberstadt, wurde dort Domherr und 1032 Dompropst. Anfang Mai 1043 ernannte ihn Heinrich III. zum Erzbischof von Hamburg-Bremen. Die nächsten Jahre finden wir ihn wiederholt in der Umgebung des Königs, so begleitete er ihn 1046 nach Italien. Schon bald wurde er päpstlicher Legat und später (1053) Vikar für den Norden. Vergeblich betrieb er den kühnen Plan eines nordischen Patriarchats für seine Kirche, hoffte er doch dadurch die Loslösung des Nordens und eine Aufspaltung in nationale Erzbistümer, die dann unmittelbar der Kurie unterstehen würden, zu verhindern. Diese Strömungen waren in Dänemark besonders stark, aber auch in Schweden machten sie sich bemerkbar, und Norwegen stand fast ganz unter englischem und nordfranzösischem Einfluß. Adalberts Plan scheiterte schließlich an dem Widerspruch Roms. Besonders seit dem Tode Leos IX. wünschte das Reformpapsttum keine Mittelinstanz zwischen sich und den sich allmählich bildenden nordischen Erzbistümern. Adalbert konnte nur für sich persönlich das päpstliche Missionsvikariat behaupten. Über 20 Bischöfe ordinierte er. Immer wieder aber bereisten auf sein Geheiß Missionare den Norden bis nach Finnland, den Orkneyinseln, ja bis nach Island und Grönland, brachten so diese Gebiete unter Bremer Einfluß und vermittelten gleichzeitig Kunde von damals fast unbekannten Gegenden für den deutschen Kaufmann. - Erfolgreicher waren seine Bemühungen, seinen Sprengel in slavisch besiedeltes Gebiet auszudehnen. So konnte er um
|1060 die beiden Bistümer Ratzeburg und Mecklenburg errichten und damit seinen Geltungsbereich bis zur Peene ausdehnen.
Seit 1062 finden wir Adalbert immer wieder am Hofe des jungen Heinrich IV. Es gelang ihm, seinen Gegenspieler Erzbischof Anno von Köln zu verdrängen und Heinrich und damit das Reich unter seinen Einfluß zu bringen. Er hintertrieb den Romzug Heinrichs IV., der vielleicht dem damals (1065) mündig gewordenen König die Kaiserkrone eingebracht hätte, und wußte rücksichtslos seine Machtstellung zum Vorteil seiner Kirche und oft auch zum Schaden des Reiches auszunutzen; zahlreiche Schenkungen zeugen davon. So erhielt er
u. a. die Grafschaft Stade, 1065 die beiden Reichsabteien Lorsch und Corvey sowie die Königshöfe Duisburg und Sinzig. Im Januar 1066 wurde deswegen Heinrich von den Fürsten in Tribur gezwungen, Adalbert aus seiner Umgebung zu entfernen. In den Auseinandersetzungen der folgenden Jahre mit den Billungern und dem sächsischen Laienadel wurden dann die Grundlagen für Adalberts Pläne eines Patriarchats Bremens über die Kirchen des Nordens zerstört, da er nun einen bedeutenden Teil seiner Erwerbungen verlor oder als Lehen ausgeben mußte. Seit 1069 versuchte er erneut, in engere Beziehungen zu Heinrich IV. zu treten; er weilte wieder öfter am Hofe, jedoch konnte sich sein Einfluß nicht mehr auswirken. Sein zeitgenössischer Biograph Adam von Bremen hebt besonders seine edle Geburt wie auch seine stattliche Erscheinung hervor, er lobt seinen scharfsichtigen Geist, seine Klugheit und sein gutes Gedächtnis. Demütig war er Armen gegenüber, aber herrisch und hochfahrend gegen Gleichgestellte, daher war er bei sehr vielen unbeliebt; er galt als so eitel, daß viele von ihm behaupteten, er handle in allem nur aus Ruhmsucht (so etwa auch bei dem Neubau des Doms in Bremen, angeblich nach dem Vorbild in Benevent, hatte doch gerade sein Vorgänger mit einem Neubau begonnen). Dem einen Ziel, der Erhöhung der hamburgisch-bremischen Kirche, opferte er alles - ihr schenkte er sein reiches Eigengut und verzichtete auf die Aussicht, von Heinrich III. zum Papst erhoben zu werden (1046). Unermüdlich war er für seine Kirche tätig, jedoch kannte er kein Maß, war zu sprunghaft und gewaltsam und erstrebte etwas, was sowohl seine Kräfte überstieg als auch im Zeitalter des Reformpapsttums unerreichbar war. Daher mußten seine Bemühungen schließlich mit einem Mißerfolg enden.
Literatur ↑
ADB I; G. Dehio,
Gesch. d. Erzbistums Hamburg-Bremen… I, 1877, S. 175-277; O. H. May,
Regg. d. Erzbischöfe
v. Bremen I, 1937, S. 53-79
(alle ältere L);
Wattenbach-Holtzmann I, 3, S. 563 ff.; E. Maschke,
A. v. B., in: Welt als
Gesch. 9, 1943, S. 25 ff.; T. E. Bergmann, Der Patriarchatsplan
EB A.s
v. Hamburg,
Diss. Hamburg 1946; K. Hampe-F. Baethgen,
Dt. Kaisergesch.,
101949; H. J. Freitag, Die Herrschaft d. Billunger in Sachsen, 1951, S. 35 ff.
Autor ↑
Otto Heinrich MayEmpfohlene Zitierweise ↑
May, Otto Heinrich, „Adalbert I.“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
42-43
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118500503.html
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Adelbert >>
Adelbert, Adalbert
Leben
| Autor
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Leben ↑
Adelbert: Adalbert,
Erzbischof von
Hamburg-Bremen (geb. um
1000?), gest. 16. oder 17. März 1072, einer von den drei Söhnen,
welche der sächsisch-thüringische Graf Friedrich Herr von Goseck
a. S. mit seiner wahrscheinlich dem Weimarischen Grafenhause
entstammenden Gemahlin Agnes erzeugte.
A.
selbst liebte es, seinen Stammbaum u.
A.
auf die Griechin Theophano, Gemahlin Kaiser Otto's II. zurückzuführen; ob mit Recht? Auch das
unläugbar vorhandene Verwandtschaftsverhältniß zwischen
A.
und den Wettinern ist dunkel. Für Adalberts ganzes
Leben wurde entscheidend, daß seine Mutter, eine Frau von höherer
Bildung, welche noch die Klosterschule von Quedlinburg
durchgemacht hatte, ihn zum Kirchendienst bestimmte und ihn zu
diesem Behuf an das
Domstift in Halberstadt brachte. Von hier aus begann er seine
Laufbahn als Subdiacon der genannten Kirche, um dann mit der Zeit
zur Würde eines Dompropstes emporzusteigen. Daß er dabei
zeitweilig, etwa 1044 und zu Anfang 1045 König Heinrich III. als Kanzler für Italien diente, ist
höchst wahrscheinlich, obwol nicht ausdrücklich bezeugt;
jedenfalls muß
A.
dem König spätestens damals persönlich bekannt und
werth geworden sein. Denn als am 15. April 1045 das hamburgische
Erzstift durch den Tod des Erzbischofs Alebrand — Becelin erledigt
wurde, da war es
A.
, der vom Könige investirt und von zwölf Bischöfen zu
Aachen, wie es scheint Mitte Juli 1045, besonders feierlich
ordinirt, an Becelins Stelle trat — eine in jeder Beziehung
ausgezeichnete und bedeutende Persönlichkeit von edler Gestalt,
regen Geistes, in seltenem Grade beredt; makellos in seinem
Lebenswandel, aber frei von mönchischer Askese; wohlwollend gegen
Niedere, aber stolz gegen seines Gleichen, und wie Magister Adam
von Bremen, sein Geschichtschreiber, versichert, während seiner
besten Tage nur tadelnswerth wegen eines Hanges zur Eitelkeit,
welche allerdings mit den Jahren immer stärker wurde und
schließlich in Verbindung mit anderen Untugenden und Schwächen
alle besseren Eigenschaften in dem Wesen des Mannes so sehr
zurückdrängte, daß selbst ein so warm mit ihm sympathisirender
Beobachter wie Adam nicht umhin kann, ihn einer wirklichen
Entartung zu zeihen. —
A.
begann seine Thätigkeit insofern unter günstigen
Auspicien, als damals in dem großen außerdeutschen Gebiet der
Erzdiöcese sehr christlich gesinnte Fürsten herrschten: in
Dänemark und Norwegen König Magnus, ein Sohn des als Märtyrer
verehrten Olafs d. H., in Schweden König Anund Jacob, dessen Vater
Olaf Skautkonung das westgothländische Bisthum Skara gegründet
hatte; unter den zur Diöcese Hamburg gehörigen Ostseewenden aber
war eben damals zur Alleinherrschaft gelangt Godschalk, ein Sohn
des christlichen Obodritenfürsten Uto und Eidam des späteren
Dänenkönigs Svend Estrithson, beseelt von einem wahren Feuereifer,
seine Unterthanen zum Christenthum zu bekehren. Ungünstig dagegen,
ja geradezu verhängnißvoll für Adalberts ganze Regierung und
weiteres Leben war der Umstand, daß er mit seinem nächsten
Nachbar, mit dem Sachsenherzog Bernhard II. aus dem billungischen Hause, mit dem er u.
A.
die Residenz in Hamburg theilen mußte, von Anfang an
auf gespanntem Fuße lebte und zwar hauptsächlich deshalb, weil
A.
sich entschlossen zeigte, das Recht seiner Kirche auf
vollständige Immunität dem Herzog gegenüber nachdrücklicher zu
wahren, als es seine letzten Vorgänger gethan hatten. Der Herzog
andrerseits wollte in dem neuen Erzbischof nichts Anderes sehen,
als einen ihm vom König gesetzten "Aufpasser", dem er das Leben
möglichst verbittern dürfe, und so kam es alsbald unter ihnen zu
Reibungen, welche
A.
veranlaßten, sich neben seinen geistlichen Pflichten
mit besonderem Eifer auch noch dem Dienste des Hofes und des
Königs zu widmen, eifriger vielleicht, als er unter anderen
Umständen gethan haben würde. Denn daß seine ursprüngliche
Hofpolitik in ihrem letzten Grunde aus einer aufrichtigen, von
persönlichem Ehrgeiz freien Hingebung an das Interesse seiner
Kirche hervorging, das bekundete er wol niemals deutlicher, als
auf jenem denkwürdigen Römerzuge Heinrichs III. (1046—47), wo man nach Absetzung von drei
simonistischen Päpsten
A.
auf den Stuhl Petri erheben wollte, wo dieser aber die
ihm zugedachte Ehre ablehnte und die Wahl auf einen seiner
Halberstädter Collegen, Bischof Suidger von Bamberg, als Papst
Clemens II. hinlenkte. — War nun aber
schon vor dem Römerzuge Adalberts Verhältniß zu den Billungern
schlecht gewesen, so wurde nach demselben durch allerlei
Zwischenfälle ihre Feindschaft noch ärger, und es bedurfte, allem
Anscheine nach, der persönlichen Einwirkung des Kaisers, um (1048
Ende des J.) ein Abkommen herbeizuführen, welches wenigstens von
Seiten des Erzbischofs als
|förmlicher Friedensvertrag
aufgefaßt wurde, während allerdings die Billunger in Wahrheit
nicht daran dachten, dauernd Frieden zu halten. Wesentlich
gestützt durch jenes Abkommen entwickelte dann
A.
in den nächsten Jahren auf dem rein kirchlichen Gebiet
nach allen Richtungen, namentlich als Metropolit der
skandinavischen Völker und der zwischen Eider und Peene wohnenden
Ostseewenden eine ganz außerordentliche und von entsprechenden
Erfolgen begleitete Thätigkeit, so daß um 1050, während innerhalb
des bisherigen Bereichs der Erzdiöcese die Zahl der Bisthümer,
Stiftskirchen und Klöster überall im Steigen begriffen war, nach
Norden hin sogar die ursprünglichen Grenzen überschritten und
Island, Grönland, sowie die Orkneyinseln in den Bereich der
hamburgischen Mission gezogen werden konnten. Kein Wunder daher,
wenn Papst Leo IX., der zweite Nachfolger Clemens' II. und, wie dieser, ein alter Freund
Adalberts ihn durch eine Bulle vom 6. Jan. 1053 unter Hinweisung
auf das Vorbild des Bonifacius zum päpstlichen Legaten und Vicar
des h. Stuhles ernannte, oder wenn das Bremen jener Tage,
zeitweilig Adalberts hochbegünstigter Lieblingssitz, in Adams
Geschichtswerk gepriesen wird als ein neues Rom, in welchem,
angezogen durch die seltenen Tugenden des Erzbischofs, fromme
Völker schaarenweise aus aller Welt, vorzüglich aber aus dem
Norden zusammenströmten. Ganz unbestritten freilich war Adalberts
oberhirtliche Autorität wol nur unter den Wenden im Bereiche
Godschalks, der nicht nur persönlich seinem Metropoliten Beweise
großer Ehrerbietung gab, sondern auch alle Bischöfe und Priester,
welche ihm von Hamburg aus zugesandt wurden, bereitwillig aufnahm.
Im Norden dagegen, wo inzwischen durch den Tod des kinderlosen
Königs Magnus (Ende 1047) bedeutende politische Veränderungen
eingetreten waren, zunächst vor Allem eine neue Trennung Dänemarks
und Norwegens stattgefunden hatte, regte sich mehr und mehr ein
Streben nach Unabhängigkeit von der deutschen Elbmetropole, am
stärksten bei dem neuen König von Norwegen, Harald dem
Hartwaltenden, und in Schweden, sobald hier nach dem Tode Anund
Jacobs (1051?) dessen Bruder Emund der Alte zur Regierung kam.
Aber auch Svend Estrithson, der neue König von Dänemark, der mit
A.
wegen einer uncanonischen Ehe ohnehin lange in Streit
lebte, hätte sich ihm gerne entzogen und aus den sieben Bisthümern
seines Landes eine eigene national-dänische Erzdiöcese gebildet.
In der That hatte der Papst schon zugestimmt,
A.
dagegen, gleichfalls um seine Einwilligung ersucht,
widerstrebte anfangs und wollte auch schließlich nur
bedingungsweise auf das dänische Project eingehen, für den Fall
nämlich, daß ihm der Papst gestatte, im Hamburg ein Patriarchat zu
errichten und diesem allein innerhalb des deutsch-wendischen
Gebietes unmittelbar zwölf Suffraganbisthümer zu unterwerfen,
darunter solche, die wie Stade und Lesum erst neu gegründet, oder
wie Verden erst von einem anderen deutschen Erzstift (Mainz)
abgelöst und für Hamburg erworben werden mußten. Die Verhandlungen
zogen sich indessen in die Länge und Leo's IX. († 19. April
1054) Nachfolger Victor II.
bestätigte
A.
die ihm von Leo ertheilten Vorrechte einfach (Bulle
vom 27. Oct. 1055), ohne des Patriarchats zu gedenken. Auch
A.
selbst ließ es lange Zeit auf sich beruhen, um erst
gegen Ende seines Lebens unter ganz veränderten Umständen darauf
zurückzukommen.
Zunächst mußte er erleben, daß Kaiser Heinrich III., der Urheber seines Glücks und der stets
bereite Förderer seiner Interessen, am 5.
Oct. 1056 starb und daß für dessen Sohn und Nachfolger,
den erst sechsjährigen König Heinrich IV.
unter der Leitung der Kaiserinmutter Agnes eine vormundschaftliche
Regierung eingerichtet wurde, welche bei allem guten Willen doch
nicht entfernt im Stande war, das Reich mit solcher Kraft zu
regieren, wie es der verstorbene Kaiser wenigstens in seinen
besseren Zeiten gethan hatte. Für
A.
machte sich der
Unterschied von sonst und jetzt besonders in seinen Beziehungen
zum billungischen Herzogshause fühlbar. Als Herzog Ordulf, Sohn
und Nachfolger des im J. 1059 verstorbenen Bernhard II. noch bei Lebzeiten seines Vaters einmal
die friesischen Besitzungen des Stiftes Bremen überfiel und
heillos verwüstete, ward des Erzbischofs Klage bei Hofe verlacht
und es blieb ihm nichts anderes übrig als sich in die Umstände zu
fügen, und wie er schon früher gethan hatte, auf dem Wege der
Güte, namentlich durch Verleihung von Beneficien den
unversöhnlichen Haß der Billunger wenigstens momentan zu
beschwichtigen. Andrerseits freilich fehlt es doch auch nicht an
Zeichen, daß die neue Regierung, insbesondere die Kaiserin Agnes,
wenn sie nur konnte, es sich angelegen sein ließ,
A.
zu begünstigen. So wurde ihm laut königlicher Urkunde
vom 25. April 1057 eine Grafschaft in Friesland überlassen, auf
die er schon unter Heinrich III. Ansprüche
erworben haben soll, und es ist daher wol kaum zufällig, wenn wir
A.
nicht unter den mißvergnügten Fürsten finden, welche,
Erzbischof Anno von Köln an ihrer Spitze (1062 April oder Mai),
den Hof in Kaiserswerth überraschten und den König mit List seiner
Mutter entrissen, um ihn unter die Vormundschaft der Bischöfe zu
bringen. Aber allerdings, nachdem diese Umwälzung einmal
stattgefunden hatte, da säumte
A.
nicht, mit den leitenden Männern des neuen Regiments
in die engste Verbindung zu treten, vorzüglich mit Anno von Köln,
dem bedeutendsten derselben, obwol ihm dieser barsche und streng
asketische, dabei aber doch keineswegs immer loyale Emporkömmling
innerlich eben so sehr zuwider war, wie Anno sich von ihm
abgestoßen fühlte. Nichts destoweniger aber gingen sie jetzt eine
Weile Hand in Hand mit einander und erreichten dadurch, daß sie
spätestens Mitte 1063 allgemein als die alleinigen Regenten des
Reichs anerkannt waren, Anno unter dem Titel eines "magister" des Königs, während
A.
urkundlich der "patronus"
desselben heißt, und beide zusammen von Adam als "consules" bezeichnet werden. Dem jungen,
unter so verschiedenartigen Einflüssen aufwachsenden König stand
persönlich
A.
unzweifelhaft viel näher als Anno, wie er ihn denn
auch im Herbste 1063 allein, ohne Anno, auf einem Feldzug gegen
Ungarn begleitete und bei dieser Gelegenheit wiederum eine sehr
erhebliche Erweiterung seines weltlichen Fürstenthums davon trug,
nämlich um zwei seither in Laienhänden befindliche Grafschaften,
von denen die eine, die sog. Grafschaft Stade, sich stückweise
durch die ganze Diöcese Bremen erstreckte, während die andere ein
friesisch-sächsisches Grenzcomitat war und als solches dazu
diente, eine bessere Verbindung zwischen Bremen und den andern
friesischen Besitzungen des Erzbischofs herzustellen. In den
großen Reichsgeschäften dagegen, namentlich in der Politik des
deutschen Hofes gegenüber den beiden Prätendenten, welche damals
um das Papstthum kämpften, Honorius II.
und Alexander II., überwog zunächst der
Einfluß Anno's, bis in dieser Beziehung mit dem Concil von Mantua
(Ende Mai 1064) ein für Anno ungünstiger Wendepunkt eintrat, der
es
A.
ermöglichte, seit Ostern 1065 (feierliche Schwertnahme
des Königs in Worms) das Reich etliche Monate hindurch fast allein
zu regieren und zwar anfangs mit solchem Ansehn, daß er einerseits
den König von dem schon weit gediehenen Plane eines Römerzuges
vollständig wieder zurückbrachte (Mai 1065), andrerseits einen
neuen Gewaltact der Billunger diesmal nicht widerstandslos
hinzunehmen brauchte, sondern Genugthuung bekam. Am höchsten stand
Adalberts Macht unverkennbar im Sommer und Herbst 1065, als
Heinrich IV. ihm, abgesehen von einigen
Schenkungen aus dem rheinischen Königsgut (die Pfalzen Duisburg
und Sinzig), auch noch die beiden großen Abteien Corvey und Lorsch
überließ. Um das Gehässige dieser Maßregel abzuschwächen, wurden
andere Fürsten in ähnlicher Weise bedacht. Höchst wahrscheinlich
geschah es denn auch ebendamals, jedenfalls nicht viel früher, daß
A.
, unterstützt von Papst Alexander II., in seiner
|skandinavischen
Kirchenpolitik einen neuen Anlauf nahm, den König Harald von
Norwegen ob seiner beharrlichen Absonderung von dem hamburgischen
Kirchenverband eindringlich zur Rede stellte, und alle nordischen
Bischöfe zu einer Synode berief, welche in Schleswig
zusammentreten sollte. Indessen, wenn schon der Erfolg dieser rein
kirchlichen Bestrebungen Adalberts weit hinter seinen Erwartungen
zurückblieb, so erwuchs
ihm geradezu Verderben aus dem großen
Angriff, welchen er, um sich für sein äußerst glänzendes, aber
auch sehr unordentliches und kostspieliges Hofleben immer neue
Mittel zu verschaffen, auf die altbegründete Freiheit und
Selbständigkeit deutscher Reichsabteien gemacht hatte. Denn
während man im Kloster Lorsch zu den Waffen griff, hatte sich auch
anderwärts, insbesondere in Sachsen, welches schon seit Monaten
ausschließlich die Lasten der Hofhaltung zu tragen hatte, ein
tiefer und allgemeiner Haß gegen den fast allmächtigen Rathgeber
des Königs gebildet, so daß mehrere der vornehmsten Reichsfürsten,
darunter fast sämmtliche Herzoge, dem Unwesen ein Ende zu machen
beschlossen und sich in der Stille zu einer Verschwörung gegen
A.
vereinigten. Auf einem Reichstage, den der König
Januar 1066 in Tribur hielt, kam sie zum Ausbruch und gelang
vollständig, obwol der König drauf und dran war, mit
A.
nach Sachsen zu entfliehen. Aber da dieser Fluchtplan
von den eigenen Leuten des Königs an die Verschwornen verrathen
wurde, so blieb nichts anderes übrig, als zu weichen:
A.
verließ Tribur und begab sich, geschützt durch
Bewaffnete, welche ihm der König auf den Weg gegeben, nach Bremen,
wo seiner jedoch nur neue Demüthigungen und Kränkungen harrten.
Seine rachedürstenden alten Widersacher, die Billunger, an ihrer
Spitze diesmal Magnus, der Sohn des regierenden Herzogs Ordulf,
griffen Bremen mit ganzer Macht an, um wo möglich
A.
selbst ein Leides anzuthun. So weit kam es nun
freilich nicht, weil Jener nächtlicher Weile entfloh und zunächst
in Goslar, sodann auf seinem Landgut Lochten (bei Vienenburg) vor
den wilden Drohungen des jungen Magnus Sicherheit fand; immerhin
aber konnte er, der vor Kurzem noch darnach gestrebt hatte,
sämmtliche in seinem Sprengel gelegene Grafschaften an sich zu
bringen, sich jetzt eine friedliche, für seine Person unbelästigte
Fortexistenz innerhalb des eigenen Bisthums nur dadurch erkaufen,
daß er Magnus zum Vasallen annahm und ihn lehnsweise mit tausend
Hufen Landes, einem Drittheil des gesammten Bremer Kirchengutes,
ausstattete. So kehrte denn
A.
nach halbjähriger Abwesenheit wieder zurück nach
Bremen und lebte hier, wo jetzt zu großer Bedrängniß der
Einwohnerschaft seinen Beamten noch herzogliche zur Seite traten,
fortan still für sich, nach Adams Ausdruck als Privatmann, ja als
Einsiedler. War es ihm doch nicht einmal vergönnt, für sein
Mißgeschick innerhalb seines metropolitanen Wirkungskreises Trost
und Ersatz zu finden. Denn gerade um dieselbe Zeit, wo einerseits
König Heinrich IV., von
A.
gewaltsam getrennt, wider "unter den Zwang der
Fürsten" gerieth, wo andrerseits im angelsächsisch-normannischen
Staatenbereich jene gewaltigen Kämpfe vorbereitet wurden, welche
im Herbste 1066 für immer über das Schicksal von England
entschieden, zunächst aber dem König Harald von Norwegen das Leben
kosten sollten, eben damals nahm noch einmal die heidnische Partei
unter den Wenden zwischen Elbe und Oder ihre ganze Kraft zusammen,
verbündete sich mit einem mißvergnügten Großen des christlichen
Obodritenstaates (Plusso, Godschalks Schwestermann) und setzte
eine Christenverfolgung ins Werk, welcher zunächst am 6. Juni 1066
Godschalk selbst, dann aber auch viele von den Geistlichen und
christlich gesinnten Laien seines Landes zum Opfer fielen, welche
überhaupt die ganze Schöpfung Godschalks und Adalberts so
gründlich vernichtete, daß hier später die Christianisirung
durchaus von neuem beginnen mußte.
A.
freilich sollte das nicht mehr erleben, da trotz der
wiederholten Versuche der
Sachsenherzoge, namentlich des am 28. März 1071 verstorbenen Ordulf,
die wendische Empörung einzudämmen, dieses so wenig gelang, daß
vielmehr auch noch das deutsche Nordalbingien unter die Herrschaft
von Cruto, dem heidnischen Nachfolger Godschalks kam, und daß
selbst Hamburg 1071—72 von kirchenschändenden Slaven dem Erdboden
gleich gemacht wurde. Waren nun in dieser Hinsicht Adalberts
letzte Zeiten so traurig wie möglich, so gestalteten sie sich
dagegen in allen anderen Beziehungen über Erwarten günstig, und
zwar hauptsächlich durch das Verdienst König Heinrichs IV., der sich schon 1069 wieder weit genug
freigemacht hatte, um
A.
zurückzurufen und ihm, der, durch die früheren
Erfahrungen gewitzigt, vorsichtig und versöhnlich auftrat, einen
Einfluß einzuräumen, wie er ihn zuvor kaum besessen hatte. Sodann
den Billungern gegenüber kam ihm zu Statten, daß Herzog Magnus
1070 Otto von Nordheim, den abgesetzten und in der Empörung
begriffenen Herzog von Baiern, mit den Waffen in der Hand
unterstützte und dadurch gegen den König einen Treubruch beging,
welcher es
A.
geradezu zur Pflicht machte, an seinem Theile die ihm
seither so drückende Gewalt des Herzogs und des billungischen
Hauses überhaupt aufs äußerste zu beschränken. Daher säumte er
denn auch nicht, sobald die Aufrührer sich durch seine Vermittlung
(12. Juni 1071) dem Könige wieder unterworfen hatten und dann zur
Strafe in Haft genommen waren, zunächst die dem Magnus als Lehen
überlassenen Kirchengüter wieder einzuziehen. Und weiter war allem
Anscheine nach auch dies noch sein Werk, daß König Heinrich IV. im J. 1071 in der den Billungern
gleichfalls entrissenen Feste Lüneburg eine Zusammenkunft mit dem
Dänenkönig Svend Estrithson hatte, um für die fernere Bekämpfung
der Aufständischen dessen Beistand zu gewinnen. Ob damals außerdem
wieder die Frage des Patriarchats zur Sprache kam, muß in
Ermangelung directen Zeugnisses dahingestellt bleiben; doch ist es
wahrscheinlich, weil
A.
, wie sein Geschichtschreiber versichert, nachgerade
für jene Idee so eingenommen war, daß Schmeichler ihn bereits als
Patriarchen titulirten und daß er jetzt selbst von sich aus
darnach trachtete, in Hamburg ein Patriarchat zu errichten. Ebenso
beschäftigte er sich wieder stark mit dem Plane, das Bisthum
Verden der Erzdiöcese Mainz zu entreißen, ja sogar auf seine
klosterfeindlichen Bestrebungen, auf die Unterwerfung von Corvey
und Lorsch soll er wieder zurückgekommen sein. Aber mitten unter
diesen Entwürfen, im Winter 1072, erkrankte er schwer an einer
Dysenterie und ist den 16. oder 17. März zu Goslar verschieden,
unter den Augen seines von ihm so sehr geliebten Königs und fast
bis zum letzten Athemzuge mit Staatsangelegenheiten beschäftigt.
Die Leiche wurde nach Bremen übergeführt, um in dem von
A.
selbst neugebauten Dome bestattet zu werden, und eben
hier in Bremen hat jener schon wenige Jahre nach seinem Tode ein
litterarisches Denkmal erhalten, wie es nur wenigen deutschen
Kirchenfürsten im Mittelalter zu Theil geworden ist, nämlich das
lediglich ihn betreffende dritte Buch in den Gesta Hammaburg. ecclesiae pontificum des
Magisters Adam, der, ungefähr seit 1068 Domherr in Bremen, seinem
Helden persönlich nahe stand (s. o. S. 43).
Literatur ↑
Vgl. Colmar Grünhagen, Adalbert, Erzbischof von Hamburg und die
Idee eines nordischen Patriarchats. Leipzig 1854.
Autor ↑
Steindorff.
Empfohlene Zitierweise ↑
Steindorff, „Adelbert, Adalbert“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
56-61 unter Adelbert
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118500503.html?anchor=adb