<< Babo, Lambert Joseph Leopold Freiherr von
Babonen. >>
Babo, Joseph Marius (Franz) von (seit 1791)
Dramatiker und Theaterleiter,
* 14.1.1756 Ehrenbreitstein,
† 5.2.1822 München. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Der genealogische Zusammenhang mit der Familie der Freiherren von Babo ist nicht ganz klar erwiesen, doch nennt er sich einen Vetter von Johann Lambert Gregor von Babo (
V von Lambert Clemens Karl von Babo);
V Johann Carl Babo, kurtrierischer Hauptmann;
M Maria Anna Sittmann.
Leben ↑
Nach dem Besuch des Koblenzer Jesuitenkollegs wirkte Babo 1774 als Sekretär bei dem Mannheimer Theater. Seit 1781 wohnte er in München, wo er 1789-99 Studiendirektor der neuen Militärakademie war; daneben war er als Zensurrat tätig. 1792 wurde er „Theaterkommissär“ und in der Folge Intendant (bis 1810). Als erste Pflicht war ihm „Ersparung für die Staatskasse“ auferlegt (Brief an W. A. von Dalberg 6.7.1799). Zwar bedeutete seine Bühnenleitung gegenüber der geschäftlichen Unternehmung des Grafen Seeau einen Fortschritt, aber er blieb in der Hauptsache „Finanzier", der das Theater aus der Ferne vom grünen Tisch aus leitete und den Regisseur und Direktor Beck „subaltern“ behandelte. Sein größter Erfolg als Dramatiker war „Otto von Wittelsbach“ (München 1782), ein in der Nachfolge des Götz geschaffenes Ritterdrama von einem edlen Kaisermörder aus verletzter Ehre und Fürstenpflicht; das Drama hielt sich bis in die vierziger Jahre, ja wurde noch 1886 in München (in einer Bearbeitung von Buchholz) versucht.
Werke ↑
u. a. Die Römer in
Dtld., dramat. Heldengedicht, München 1780 ff.
(preisgekrönt in Hamburg); Bürgerglück, Lustspiel, Berlin 1792; Schauspiele I, Berlin 1793; Neue Schauspiele, 1804; Albrechts Radhe f. Agnes,
hist. Schauspiel, Wien 1808 (Forts. d. Agnes Bernauerin
v. I. A.
Gf. v. Törring-Cronsfeld);
Hrsg.: Der Dramat. Censor, München 1782 ff.
Literatur ↑
ADB I; O. Brahm, Das
dt. Ritterdrama d. 18.
Jh., Straßburg 1880, S. 109 ff.;
Goedeke V, 1893, S. 262
(W-Verz.); L. Pfeuffer, J. M.
B. als Leiter d. Münchener Nat.theaters 1799-1810 I, 1913, II,
Diss. München 1922
(ungedr.);
Kosch, Lit.-Lex. I
(W-Verz.).
Portraits ↑
Ölgem. v. J. J. Edlinger (Schwaighof am Tegernsee/Oberbayern,
Slg. K. Flink); 3
Kupf. v. F. John (nach Bildnis
v. J. J. Edlinger).
Autor ↑
Carl NiessenEmpfohlene Zitierweise ↑
Niessen, Carl, „Babo, Joseph Marius von“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
481
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118988107.html
<< Babenstuber, Ludwig
Babo, Lamprecht von >>
Babo, Joseph Marius
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Babo: Joseph
Marius
B.
(so schrieb er selbst sich), Dichter, geb. zu
Ehrenbreitenstein 14. Jan. 1756, † zu München 5. Febr. 1822 (nach den Acten der
Akademie). Sohn eines aus Baiern stammenden kurtrierschen
Hauptmanns. Auf dem Jesuitencolleg in Coblenz gebildet, trat er
schon 15jährig als dramatischer Dichter auf und ward bald nach
1774 als Secretär an die Mannheimer Bühne berufen. Seit 1784 lebte
er in München, zuerst nur als Schriftsteller, Vorlesungen haltend.
Bald ein geschätztes Mitglied des Rumford'schen Kreises, nahm er
an dessen mannigfaltigen Schöpfungen thätigen Antheil. 1789—99 war
er Studiendirector der neuerrichteten Militärakademie; daneben
Censurrath,
|Oberpolizeicommissär, kurfürstl. Raths-
und geh. Secretär und endlich seit 1792 erst als Theatercommissär,
dann als Intendant Leiter der Hofbühne, welche ihm nach
gründlichem Verfall eine Periode schöner Blüthe dankte. Als
Intendant folgte ihm 1810 (nicht erst 1819) de la Motte.
B.
, 1807 zum Mitglied der Akad. d. Wissenschaften
ernannt, scheint später ein öffentliches Amt nicht mehr bekleidet
zu haben (fast alle Acten über ihn sind bei dem Münchener
Theaterbrand von 1823 verloren gegangen). — Als dramatischer
Dichter vorzüglich den geschichtlichen Stoffen zugewandt, folgt
er, namentlich in "Otto von Wittelsbach" der von Goethe im "Götz"
angebahnten Richtung. Ohne auf die wilde Genialität eines Klinger
u. A. Anspruch machen zu können, zeigt er warme Empfindung, ja
selbst ergreifendes Pathos und verräth hie und da in der
Ausdrucksweise deutlich die Bekanntschaft mit Shakespeare. Jenes
schon genannte vaterländische Trauerspiel "Otto von Wittelsbach"
hat unter allen Stücken des Dichters des größten und dauerndsten
Beifalls sich zu erfreuen gehabt und sich bis in die 40er Jahre
auf der Bühne erhalten. Und in der That sind in ihm alle jene
Merkmale deutlich erkennbar, von denen Wieland in seinem dritten
"Sendschreiben an einen jungen Dichter" die große Anziehung der
vielfältigen Nachahmungen des "Götz" herleitet. Stark aufgetragene
Charaktere, mächtige Leidenschaften, ein großer scenischer Apparat
sind die Hebel, die von einer geschickten Hand angewendet werden,
ohne zu Uebertreibungen, rohen Effecten oder Derbheiten der
Sprache Anlaß zu geben. So auch nur war es möglich, daß der
freisinnige Verfasser der "Ideen zu einer Mimik", J. J. Engel im
"Otto von Wittelsbach" ein dramatisches Product vom "höchsten
Rang" erblickte und Tieck ist nicht im Unrecht, wenn er Babo's
Dramen zu denen zählt, die "den Stempel des deutschen Geistes
tragen und die Grundlage zu einem deutschen Nationaltheater"
hätten werden können. Unsere Zeit hat
B.
ebenso vergessen, wie die ihm litterarisch
nächststehenden Dramatiker: Jac. Mayer und Joh. A. v. Törring.
Außer "Otto von Wittelsbach", 1781 u. zuletzt 1869, hat
B.
verfaßt die Trauerspiele: "Oda", 1782; "Dagobert",
1787; "Genua und die Rache", 1804; das dramatische Heldengedicht:
"Die Römer in Deutschland", 1780; das heroische Schauspiel: "Die
Strelitzen", 1790 u. 93; das militärische Drama: "Arno", 1776; das
Melodrama: "Cora und Alonzo", 1780 und endlich die Lustspiele:
"Winterquartier in Amerika", 1778; "Die Mahler", 1783 u. ö.; "Das
Fräulein Wohlerzogen", 1783; "Bürgerglück", 1792 u. ö. und "Der
Puls", 1804 und 1869. Nicht unbedeutend sind die Erzählungen:
"Gemälde aus dem Leben der Menschen", 1783. Auch redigirte er die
Zeitschriften: "Der dramatische Censor", 1782 ff., und "Aurora"
Autor ↑
Joseph Kürschner.
Empfohlene Zitierweise ↑
Kürschner, Joseph, „Babo, Joseph Marius“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
726-727
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118988107.html?anchor=adb
Babo, Joseph Marius Freiherr von
Name: Babo, Joseph Marius Freiherr von
Namensvariante: Babo, Joseph Marius Franz Freiherr von
Lebensdaten: 1756 bis 1822
Geburtsort: Ehrenbreitstein
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Dramatiker; Theaterleiter
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Niessen, CarlAutor ADB:
Kürschner, JosephPND: 118988107