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Auerswald, Hans Jakob von
Leben
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Leben ↑
Auerswald: Hans Jakob v.
A.
, Landhofmeister und Oberpräsident, geb. 25. Juli 1757, † zu Königsberg den 3. April 1833; einziger Sohn von Hans Adolf
v.
A.
, Erbherr auf Plaut in Westpreußen († 1759), und Henriette Eleonore, geb. v. Schwandes.
Hans Jakob, mangelhaft durch einen Hauslehrer und in einer Pension
zu Marienwerder vorgebildet, trat im Jahre 1770 als Junker bei den
rothen Husaren des Generals von Belling ein. Im folgenden Jahr
beurlaubt, begab er sich nach Königsberg, um seine Ausbildung zu
vollenden, und wurde hier, nachdem er seinen Abschied erhalten, im
April 1773 als Student immatriculirt. Doch nahm
A.
schon im Jahr 1774 von neuem bei dem
Infanterie-Regiment Graf Anhalt Kriegsdienste. In ihm machte er
den
|bairischen Erbfolgekrieg als Officier mit; seit
1781 war er Regimentsadjutant. Der erwünschte Abschied wurde
A.
endlich, nach Ueberwindung mancher Schwierigkeit, im
Jahr 1783 ertheilt.
Nun begann eine ganz andere Laufbahn.
A.
, der sich ein Jahr darauf mit Sophia, Burggräfin und
Gräfin zu Dohna-Lauck (geb. 5. April
1760; † 16. August 1807)
vermählte, widmete sich zunächst der Verwaltung des Gutes Faulen
bei Rosenberg in Ostpreußen, das ihm, nach Aussterben einer
Seitenlinie, 1760 zugefallen. Daun aber trat er, anfangs als
landräthlicher Assistent, 1787 in die Verwaltung ein. Es war
gerade die Zeit, in der über eine Reform der Stände verhandelt
wurde.
A.
erhielt dabei den Auftrag, die westpreußische
Landschaft zu errichten; die Sache wurde ihm durch die Ernennung
zum Landschaftsdirector des besonders schwierig zu behandelnden
Marienwerder'schen Departements bald darauf erleichtert. Er that
sich besonders bei der beabsichtigten Ordnung des Creditwesens
hervor, so daß er 1788, unter Beilegung des Charakters eines
geheimen Raths, auch zum königlichen Einrichtungscommissar des
ostpreußischen Creditwesens ernannt wurde. Bis März 1797 blieb
A.
in dieser Stellung, um sie alsdann mit dem
einflußreicheren Amte eines Präsidenten der westpreußischen Kammer
zu Marienwerder und Bromberg zu vertauschen. Auch hier erwarb er
sich große Verdienste, besonders durch die Ordnung des Finanz- und
Creditwesens, so daß eifrige Verehrer, als er 1802 wiederum nach
Ostpreußen versetzt wurde, ihn durch eine Medaille mit der
Aufschrift ehrten: "Immer gedenkt Westpreußen ewig mit Dank".
A.
aber trat damals als Präsident der ostpreußischen und
littauischen Kammer in Königsberg in das Amt ein, in dem er sich
noch weit größere Verdienste erwerben sollte. Dieselben wurden
1806 durch die Ernennung zum Oberfinanz-, Kriegs- und Domänenrath,
sowie, noch in dem gleichen Jahre, auch zum Curator der
Universität Königsberg anerkannt. In dieser Stellung war
A.
, als die schweren Tage hereinbrachen, in denen das
Ende des preußischen Staates nicht weit zu sein schien. Er
bewährte sich auch "in dieser kritischen Epoche", wie der König
ihm schrieb, als er dem Kammerpräsidenten inmitten der schwersten
Bedrängung am 10. Juni 1807 den rothen Adlerorden zur Anerkennung
für "rühmliche Thätigkeit" übersandte. Als sodann Stein es
unternahm, gesundere Grundlagen für das gesammte Staatsleben zu
schaffen, war es von selbst gegeben, daß er an
A.
einen zuverlässigen Mitarbeiter fand. War doch der
Kammerpräsident dem Staatsdienst gewonnen, weil er sich an
wichtigen Reformen betheiligt, und jetzt mußten allein schon seine
Beziehungen zu Schön, der mit einer seiner Töchter vermählt war,
und der bald einen hervorragenden, oft geradezu entschiedenen
Antheil an Stein's Schöpfungen erhielt,
A.
an das große Werk fesseln. Er zeigte sich dabei vor
allem frei von jedwedem Standesvorurtheil. So ging von ihm, noch
im Spätjahr 1807 der Vorschlag aus, alle Güter von tausend Thalern
Werth in den ostpreußischen Creditverein, der durch den Staat
subventionirt wurde, aufzunehmen, während jener bisher nur den
adligen Gütern zugängig war. Es wurde hierfür die unberechtigte
Bevorzugung, die volkswirthschaftliche Nachtheile zur Folge habe,
geltend gemacht. Der Vorschlag war aber überwiegend politischer
Natur, da durch die Verbindung des Creditvereins mit der
Landschaft dem nichtadligen Gutsbesitzer auch der Zutritt zu
diesem geöffnet werden sollte. Stein stimmte dem Plane, nachdem er
ihn durch die Immediatcommission hatte prüfen lassen, zu, und es
wurden alsbald zu einem Landtage, dessen Verhandlungen
A.
leitete, nun auch Abgeordnete der nichtadligen, sog.
kölnischen Gutsbesitzer zugezogen. Der König sicherte dem
Kammerpräsidenten einen ferneren Einfluß auf seine Schöpfung,
indem er ihn im Februar 1808, unter Belassung seiner übrigen
Aemter, zum General-Landschafts-Präsidenten für Ostpreußen
ernannte. — Wenige Wochen zuvor war der Hof von Memel nach
Königsberg übergesiedelt, um hier nun fast zwei Jahre lang zu
bleiben.
A.
und die Seinigen traten dadurch der königlichen
Familie persönlich nahe. Die Söhne wurden Spielgenossen der
königlichen Prinzen, insbesondere knüpfte sich ein inniges
Verhältniß zwischen dem Prinzen Wilhelm und Rudolf, dem zweiten
Sohne des Kammerpräsidenten an, das für das Leben andauern sollte.
Gewiß waren diese Beziehungen zu dem Hause eines Mannes, der sich
eifrig an den Reformen betheiligte, von nicht ganz geringer
Bedeutung.
A.
hatte sich wiederholt gerichtlich über die wichtigsten
Angelegenheiten zu äußern. Vor allem lag ihm die Reform der
landwirthschaftlichen Verhältnisse am Herzen. Aufgefordert, seine
Ansicht über die Verleihung des Eigenthumsrechts an die
Mediatbauern darzulegen, rieth er, wie der Minister v. Schrötter
u. a., denselben ihren Besitz als Eigenthum, doch mit Einziehung
einzelner Gerechtsame zu überlassen.
Nach dieser Theilnahme an der Neuordnung des Staates, und
seiner praktischen Brauchbarkeit entsprechend, konnte es wol
keinem Zweifel unterliegen, daß
A.
bei der neuen Behörden-Organisation eine hervorragende
Stellung erhalten würde. Als, in Uebereinstimmung mit der
Militärorganisation, drei Oberpräsidial-Bezirke für die Monarchie
gebildet wurden, mochte es daher auch wol von Anfang an bestimmt
sein, daß
A.
Oberpräsident für Ostpreußen, Lithauen und Westpreußen
werden sollte. Die Ernennung erfolgte, gleichzeitig mit der zum
geheimen Staatsrath, am 6. December 1808. Doch trat jetzt ein
Umschwung in der Politik ein. Wenige Tage zuvor war Stein
entlassen. Es folgte das Ministerium Dohna-Altenstein, dessen
rathlosen Schwankungen ein Ende gemacht wurde, als Hardenberg
abermals in die Verwaltung eintrat. Seine Stellung machte eine
Reorganisation der höchsten Behörden des Staates erforderlich, die
nach 1810 die Aufhebung der Oberpräsidentenstellen zur Folge
hatte.
A.
wurde in Folge dessen, neben seinen Aemtern als
General-Landschafts-Präsident und Curator der Universität, wieder
auf seinen früheren, doch stets beibehaltenen Wirkungskreis als
Präsident der ostpreußischen Regierung beschränkt. Im folgenden
Jahr erhielt er die Würde des Landhofmeisters mit dem Prädicate
Excellenz. — Die Jahre der bangen Schwankungen vor dem Ausbruch
des Kriegs gegen Rußland scheint
A.
ganz den besonderen Verwaltungsgeschäften gewidmet zu
haben. Die Durchmärsche der Truppen mochten denn auch Sorge genug
verursachen. Im December 1812 wurde aber plötzlich ruchbar, daß
das große Unternehmen völlig gescheitert. Die kläglichen
Ueberreste der stolzen Armee bestätigten die gern geglaubte Kunde.
Noch suchten freilich die Franzosen durch Quartieransagen für
große Truppenmassen zu täuschen. Doch gelang der Trug nicht. Schon
am 18. December berichtete der Landhofmeister, daß, anstatt
100,000 Mann, für welche zunächst Nachtlager verlangt, überhaupt
wahrscheinlich nicht 10,000 bewaffnet zusammen seien. Er, wie
viele andere, dachten sogleich an Befreiung des Landes. Ehe aber
etwas geschehen, kam plötzlich ein Anstoß, der an den ruhigen,
umsichtigen Verwaltungsbeamten, an den treuesten Diener des Königs
Anforderungen stellte, die weit über das Maß seiner bisherigen,
auch politischen Wirksamkeit hinausgingen. Er brachte für
A.
die härteste Prüfung des Lebens.
Am 5. Januar 1813 räumten die letzten Franzosen Königsberg. Am
8. Abends traf York daselbst ein. Er fand den Landhofmeister, an
den er den Sohn Rudolf (s. d.), der unter ihm diente,
vorausgesandt, mit dem bisher Geschehenen völlig einverstanden,
und offen trat solches hervor, als York am folgenden Tage durch
eine studentische Deputation begrüßt wurde, deren Sprecher Hans
von Auerswald (s. d.), der älteste lebende Sohn des
Oberpräsidenten war. Am 10. aber kamen Nachrichten aus Berlin,
wonach der König das mit Jubel begrüßte
selbständige Verfahren des Generals gemißbilligt, und den Befehl
ertheilte, ihn zu verhaften. Ein Schwanken zwischen Pflichttreue
gegen die Befehle des Königs und dem Aufwallen und heißen
Patriotismus, der zur Selbsthülfe drängte, durchzog alle.
A.
war vor allem bedacht, die Autorität des Staates
aufrecht zu erhalten. Doch geschahen keine entscheidenden
Schritte. Da traf Stein am 22. in Königsberg ein. Der
Landhofmeister empfing ihn mit altbewährtem Vertrauen. Stein
forderte, gestützt auf eine Vollmacht Kaiser Alexanders, von der
bereits Schön nichts hatte wissen wollen, die Berufung eines
"Generallandtages", um "mit den ostpreußischen, lithauischen und
diesseits der Weichsel belegenen Herren Ständen" über die
zweckmäßigste Landesvertheidigung zu beratschlagen.
A.
ging nach einigem Zögern auf die Sache ein, obwol
dieselbe weit über seine Competenz hinausreichte, und obwol die
russische Vollmacht verletzend für das erwachte preußische
Selbstgefühl sein mußte. Am 23. berief er den Generallandtag zum
5. Februar. Kaum war dieses geschehen, als Stein, nur gestützt auf
seine russische Vollmacht, mit dem Ungestüm, der ihm eigen, neue
Forderungen stellte. Er mischte sich in innere Angelegenheiten,
verlangte, daß ihm die Kassenbestände übergeben, und daß Maßregeln
getroffen würden, die, ohne rein militärischer Natur zu sein,
offene Feindschaft gegen Frankreich zeigten. Da nun stieß er auf
heftigen Widerstand, sowol bei
A.
als auch bei York und dem Grafen Dohna-Schlobitten,
dem Präses des ständischen Comites. Gleichzeitig machten die
Regierungspräsidenten von Gumbinnen (Schön) und Marienwerder
Vorstellungen gegen die Zusammenberufung des Generallandtages, die
nur durch den König hätte geschehen können, zumal Westpreußen
diesseits der Weichsel gar keine landständische Verfassung habe.
A.
, stets von der größten Pflichttreue beseelt, mußte
hierdurch in noch heftigere Erregung kommen, besonders da zu
gleicher Zeit die schlimmen Nachrichten aus Berlin eine
entmuthigende Bestätigung erhielten.
Wie mußte alles das
A.
, der bisher sein Amt zu so großer Zufriedenheit seines
heißverehrten Königs verwaltet, kränken und aufregen! Und nun
bestürmte Stein's Ungeduld die Regierung mit noch immer neuen
Forderungen. In jener ständischen Sache hatte er freilich
nachgegeben: die frühere Verfügung wurde am 25. Januar
zurückgenommen, und nun nur von einer "Versammlung der
westpreußischen Stände" gesprochen. Aber alles ging Stein zu
langsam und zu bedächtig. Er nahm, getragen von dem Gedanken der
großen nationalen Sache, keine Rücksicht auf die schwierige Lage
der preußischen Beamten, die auf eigene Hand eine Politik
einschlagen sollten, der gerade in jenen Tagen die Staatsregierung
offen entgegen getreten war. Insbesondere nahm die Regierung von
Ostpreußen mit
A.
an der Spitze, Anstand, den Finanzoperationen Stein's
zuzustimmen. Es geschah schließlich nur zögernd, nur auf
ausdrücklichen Befehl, und auch da nicht in dem von Stein
gewünschten Umfang. Nun kam es zwischen den leitenden
Persönlichkeiten, namentlich aber zwischen
A.
und Stein, zu heftigen Auftritten, die den Unmuth des
letzteren noch erheblich förderten. Er schalt, nach Arndt's
Erzählung, den Oberpräsidenten eine alte Schlafmütze ohne Muth und
Feuer, wo doch jedes deutsche Herz brennen und jeder Nerv zucken
müsse, als sei jede Fiber ein Schwert.
A.
, der nach den Worten desselben Erzählers, nicht so
geschwind und entschlossen als Stein, aber keine Schlafmütze,
sondern ein gescheidter, tüchtiger, treuer Mann war, der wohl zu
führen und zu regieren wußte, wurde nun immer verstimmter und
unsicherer in seinen Entschlüssen. Dazu kam nun, daß
A.
am 29. Januar von einem rheumatischen Leiden befallen
wurde, wie es derzeit viel in Königsberg grassirte. Er versah
dabei freilich noch die Geschäfte, doch hütete er das Zimmer und
benutzte am 1. Februar dieses Unwohlsein gewiß nicht ganz ungern,
um zu erklären: "daß es die
Krankheit ihm für längere Zeit unmöglich mache, außerhalb seines
Zimmers Geschäfte zu betreiben". Damit entzog er sich der Leitung
der ständischen Versammlung, mit der er am gleichen Tage den
geheimen Justizrath Brandt beauftragte. Stein's Zorn brach jetzt
erst recht los. Er meinte,
A.
lege sich aus Furcht vor der Wiederkehr der Franzosen
zu Bett. Auch ließ der Gewaltthätige den an Brandt ertheilten
Auftrag unberücksichtigt. Schön, den er nach Königsberg berief,
sollte die Versammlung leiten. Am 3. kam Schön an. Vergebens
machte er den Versuch,
A.
und Stein mit einander auszusöhnen. Doch gelang es ihm
endlich am 4. den Auftrag für Brandt Stein in die Feder zu
dictiren, wodurch wenigstens die rein gesetzliche Autorität
gewahrt blieb.
Am folgenden Tage, Freitag den 5. Februar, wurde die ständische
Versammlung eröffnet. Ein opferfreudiger, herrlicher Geist belebte
vom ersten Tage an ihre kurzen, folgenreichen Berathungen. Unter
Motivirung von York wurde die Bewaffnung der Provinz, die
Errichtung der Landwehr beschlossen. Stein, einsehend, daß seine
fernere Anwesenheit der guten Sache schaden könne, verließ
hochherzig am 7. Königsberg.
A.
erklärte sich, auf Grund der ihm zugestellten
Berichte, mit den Beschlüssen unter Vorbehalt der königlichen
Bestätigung, völlig einverstanden. Er nahm von seinem Zimmer aus
unausgesetzt den lebhaftesten Antheil an den Verhandlungen. Auf
seinen Betrieb beschloß man, die Absendung einer Deputation an den
König, und als nun für diese sein Schwager, der Graf
Dohna-Schlodien, gewählt werden sollte, veranlaßte der
Landhofmeister selbst davon abzusehen, weil er ihn für die
schwierige Aufgabe nicht geeignet erachtete. In wiederholten
Konferenzen einigte sich darauf
A.
auch mit York über einige Differenzpunkte in dem
Entwurf, die Errichtung der Landwehr betreffend. Alsdann reiste
die Deputation, versehen mit einem befürwortenden Briefe des
Landhofmeisters, am 13. Februar ab.
Das große Werk war nun angebahnt. Selbständig, doch geleitet
durch die höchsten Behörden der Provinz, erhob sich die
Bevölkerung zum Befreiungskampf.
A.
hatte daran einen vollen und ganzen Antheil. Ihm lag
das Ungestüm Stein's fern; er wollte auch ohne Autorisation des
Königs nicht weiter gehen, als die Umstände unbedingt erforderten:
allein innerhalb dieser Schranken förderte er mit Nachdruck das
unternommene Werk. "Durch Sie, schrieb ihm später York, erhielt
ich die Mittel zum handeln". Endlich traf sodann auch die
Zustimmung des Königs ein. Jetzt konnte sich
A.
auch mit leichtem Herzen der großen Sache widmen, und
ihm war es sodann nicht am wenigsten zu danken, was die Provinz
während des ganzen Krieges leistete. Der König erkannte solches
an. Er verlieh von Paris aus im Mai 1814 an
A.
"wegen der für die Sache des Vaterlandes bethätigten
Gesinnung" das eiserne Kreuz am weißen Bande. Auch wurde der
Landhofmeister im folgenden Jahre beauftragt, als Stellvertreter
des Königs bei der Huldigung der von neuem mit Westpreußen
vereinigten Districte zu fungiren. Zu gleicher Zeit wurden die
Oberpräsidien, doch mit wesentlichen Beschränkungen,
wiederhergestellt;
A.
, der bisher schon den früheren Amtstitel fortgeführt,
erhielt von neuem die Würde. Sein Bezirk umfaßte jetzt aber nur
Ostpreußen und Littauen, während Schön die Leitung von Westpreußen
übernahm.
Nun folgten Jahre der Ruhe, wie sie seit Jahrzehnten nicht
vorgekommen. Anfangs freilich dachte man keineswegs die früher
unterbrochene, dann wieder aufgenommene Umordnung des Staates ins
Stocken kommen zu lassen. Mancherlei Reformen, vor allem auch die
verheißene ständische Verfassung sollten ins Leben treten.
A.
betheiligte sich wiederholt an den Berathungen des
Staatsrathes, welche dieserhalb in Berlin stattfanden. Wie früher,
sprach er sich auch jetzt, namentlich als Bayern im Jahre 1817 die
Stimmung der Provinzen
erkundete, mit Entschiedenheit für eine allgemeine Vertretung
aus: "Keine Adelskammern, der große Grundbesitz hat nicht das
Zutrauen der Nation, er ist ärmer an Bildung als der
Mittelstand".
Die Zeiten waren aber schon vorüber, in denen Aussicht
vorhanden, daß solchen Vorschlägen Folge geleistet wurde. Preußen
verfiel der Politik, die zu den Carlsbader Beschlüssen führte.
Auch
A.
wurde durch dieselben betroffen. Die strenge
Beaufsichtigung der Universitäten, die nun statthaben sollte,
gestattete nicht, ihm das seit zwölf Jahren geführte Amt eines
Curators der Universität Königsberg zu lassen. Eine Cabinetsordre
vom 18. November 1819 enthob ihn seiner Verpflichtungen. Die
Universität hatte ihm zwei Jahre zuvor die Doctorwürde verliehen.
Sie trennte sich jetzt nur schwer von einem Manne, der ihr einst
als Zögling angehört, der sich dann als Curator durch
Vervielfältigung des Lehrerpersonals, Erhöhung der Gehalte,
Gründung der wichtigsten Institute, Sternwarte, botanischer Garten
etc., die wichtigsten Verdienste um sie erworben. — Die Geschäfte
des Oberpräsidiums führte
A.
noch bis zum Jahre 1824. In diesem Jahre ließ eine
Abnahme der Kräfte es ihm wünschenswerth erscheinen, der Bürde
ledig zu werden. Der König ertheilte ihm in anerkennenden Worten
des Dankes für seine vieljährigen treuen Dienste am 13. April die
Entlassung: "Ihr Andenken wird fort und fort in diesem Lande
leben" schrieb ihm damals der Minister Graf Dohna.
A.
erhielt, indem Ost- mit Westpreußen zu einem Bezirk
vereinigt wurden, in Schön seinen Nachfolger.
Den Rest seiner Tage verlebte
A.
auf seinem Gute Faulen. Landwirtschaftliche Interessen
sowie eine ausgedehnte Beachtung der neuen Litteratur boten seinem
regen Geist Anlaß genug zur Beschäftigung. Zunehmende
Kränklichkeit veranlaßten ihn im Herbst 1832 nach Königsberg
überzusiedeln, um Aerzte in der Nähe zu haben. Hier ereilte ihn
der Tod.
Literatur ↑
Vgl. über die äußeren Lebensverhältnisse: Voigt, Beiträge zur
Gesch. der Familie von Auerswald; Königsberg 1824. 8. (Nicht im
Buchhandel.)
Autor ↑
Usinger.
Empfohlene Zitierweise ↑
Usinger, „Auerswald, Hans Jakob von“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
645-650
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116212780.html?anchor=adb