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NDB-Artikel

<< Schoeck, Helmut Max     Schöffel, Johann Simon >>

Schoeck, Othmar Gottfried

Komponist, * 1.9.1886 Brunnen/Vierwaldstättersee (Kanton Schwyz), 8.3.1957 Zürich, Zürich. (reformiert)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturPortraitsNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
V Alfred (1841–1931), Landschaftsmaler in B., ließ 1881 d. Villa Ruhheim über d. Vierwaldstättersee erbauen (s. HBLS; ThB), S d. Jakob Christof (1801–67) u. d. Maria Margaretha Hindermann (1813–1900); M Agathe (1855–1927), T d. Fridolin Fassbind (1821–93) u. d. Nanette Steinauer (1827–1917), beide Hoteliers, führten zunächst d. Hotel „Rössli“. später d. Hotel „Waldstätterhof“ in B.; Ur-Gvv Johann Samuel Wilhelm (1776–1822), aus Hoffenheim (Baden), Musiker in Basel; B Paul (1882–1962), Architekt, Dialektschriftst. in München u. B., Vf. d. „Teil“ in Schwyzer Mundart, UA Zürich 1920 (s. L), Ralph (1884–1969), Ing., Prof. f. Maschinenbau am Technikum Winterthur, Walter (1885–1953), Hotelier, führte das Hotel „Eden“ in B. weiter, Musiker (Cellist) u. Schriftst.; – Zürich 1925 Hilde Bartscher (1898–1990), Sängerin aus Frankfurt/M.; 1 T Gisela (* 1932), Pianistin in Z.

Leben  
Aufgewachsen am Vierwaldstättersee, kam S. mit 14 Jahren nach Zürich, wo er sein weiteres Leben verbrachte. Nach vorzeitigem Schulabgang von der technisch orientierten Industrieschule in Zürich begann er zunächst Malerei zu studieren, wechselte aber rasch zur Musik. Seit 1904 studierte er am Zürcher Konservatorium bei Friedrich Hegar (Komposition), Lothar Kempter (Theorie), Carl Attenhofer (Dirigieren) und Robert Freund (Klavier). 1907/08 verbrachte er ein Studienjahr in Leipzig als Schüler Max Regers. Zurück in der Schweiz, schuf er sich rasch einen Namen als Komponist von Klavierliedern, Chorwerken und einem Violinkonzert, und konnte sich nach dem 1. Weltkrieg auch als Opernkomponist etablieren. Mit Ausnahme der formal unkonventionellen „Szene und Pantomime“ „Das Wandbild“ (nach e. Text v. Ferruccio Busoni, UA 1921), wurden seine ersten Opern – „Erwin und Elmire“ (UA 1916), „Don Ranudo“ (UA 1919) und „Venus“ (UA 1922) – von Publikum und Presse gut aufgenommen. Außerhalb der Schweiz geriet er allerdings in den 20er Jahren zunehmend in Gegensatz zur musikalischen Avantgarde, der er zunächst durchaus zugehören wollte, die er aber später ablehnte. Gerade seinem avanciertesten Werk, dem Einakter „Penthesilea“ (UA 1927 in Dresden), war ein geringer Erfolg beschieden. So fand S. Ende der 20er Jahre zu einer spätromantischen Tonsprache, die sich an der Neudt. Schule orientierte, aber durchaus eigene Charakterzüge trägt, wie in der Vertonung des Märchens „Vom Fischer un syner Frau“ (UA 1930) und der düsteren Liederfolge „Notturno“ (UA 1933). Auch einige der großen Liederzyklen mit Klavierbegleitung stammen aus dieser Zeit. Seine beiden letz|ten Opern – „Massimilla Demi“ (UA 1937 in Dresden) und v. a. „Das Schloss Dürande“ (UA 1943 in Berlin) – stehen, ohne daß S. dies direkt beabsichtigt hätte, in der Linie der von den Nationalsozialisten bevorzugten Ästhetik. Die Tatsache, daß er von dem erzwungenen Exil dt. Komponisten profitiert hatte, indem seine Opern an den großen dt. Häusern gespielt werden konnten, sowie die Wahl des dt.nationalen Dichters Hermann Burte (1879–1960) als Librettist seiner letzten Oper oder die Annahme des „Erwin-von-Steinbach-Preises“ (den ihm die betont regimetreue Univ. Freiburg 1937 verliehen hatte), trugen ihm in der Schweiz die Kritik der politischen Linken ein. 1944 mußte S. nach einer Herzattacke seine Tätigkeit als Dirigent der Sinfoniekonzerte St. Gallen, die er seit 1917 geleitet hatte, und als Klavierbegleiter aufgeben und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Die wachsende künstlerische Isolierung nach dem 2. Weltkrieg stürzte ihn in Verbitterung und Depression. Zwar erhielt er offizielle Ehrungen und Auszeichnungen, und seine Kompositionen aus dem letzten Lebensjahrzehnt, darunter prestigeträchtige Aufträge wie die symphonischen Werke „Sommernacht", „Suite in As-Dur“ oder der für die Zürcher Regierung komponierte „Festliche Hymnus“, fanden innerhalb der Schweiz wohlwollende Beachtung. Doch war die Distanz zur jüngeren Generation unüberbrückbar geworden; daran änderte auch der von S. versuchte Einbezug neoklassizistischer Stilelemente, etwa im Hornkonzert (UA 1952), nichts.
S. ist ohne Zweifel der wichtigste Komponist der Deutschschweiz im 20. Jh., allerdings blieb seine Wirkung in verschiedener Hinsicht beschränkt. Einerseits war dafür die ästhetische und ideologische Konstellation nach dem 2. Weltkrieg verantwortlich, v. a. der Serialismus und Adornos musikhistorisches Konzept. Zum anderen erschwerten auch S.s überwiegend sprachgebundene Kompositionen eine Rezeption außerhalb des dt. Sprachraums – das späte Interesse des engl. Publikums konzentrierte sich beispielsweise v. a. auf die wenigen Instrumentalwerke, von denen einige stilistisch Benjamin Britten nahe stehen. Das fast völlige Verschwinden seiner Opern nach dem Krieg bewirkte, daß S. einseitig als Komponist von Klavierliedern wahrgenommen wurde. Schließlich hatte S. auch keine Schüler, und seine Musik wirkte in keiner Weise schulbildend. Wenn sich auch in jüngerer Zeit wieder ein gewisses Interesse für diese schwierige Musik erkennen läßt. bleibt sie dennoch einem kleinen Kreis von Liebhabern vorbehalten. – Die 1959 gegründete „Othmar Schoeck-Gesellschaft“ mit Sitz in Zürich gibt seit 1995 eine Kritische Gesamtausgabe seiner Kompositionen heraus (Verlag Hug & Co., Zürich).

Auszeichnungen  
Dr. h. c. (Univ. Zürich 1928); Musikpreis d. Stadt Zürich (1943); Komponistenpreis d. Schweizer. Tonkünstlerver. 1945; korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (1953); Gr. BVK (1956); Hans-Georg-Nägeli-Medaille d. Stadt Zürich (1956).

Werke  
Weitere W u. a. Lieder f. Singstimme u. Klavier: über 200 Einzellieder, ferner mehrere größere Liederzyklen, u. a. Unter Sternen (G. Keller), op. 55; Das stille Leuchten (C. F. Meyer), op. 60; Das holde Bescheiden (E. Mörike), op. 62; – Gesänge f. Singstimme u. Instrumente bzw. Orchester: Elegie (Lenau, Eichendorff), op. 36; Lebendig begraben (G. Keller), op. 40; Nachhall (Lenau, M. Claudius), op. 70; – Chorwerke: Der Postillon (Lenau), op. 18; Dithyrambe (Goethe), op. 22; Trommelschläge (Walt Whitman), op. 26; Vision (G. Keller), op. 63; – Kammermusik: Klaviermusik, u. a. Consolation u. Toccata, op. 29; Ritornelle u. Fughetten, op. 68 u. op. 46; 2 Streichquartette, op. 23 u. op. 37; – W-Verz.: W. Schuh, Verz. sämtl. Werke. Bearbb. u. Ausgg., 1936 (mit Ergg. in: Schweizer Musikztg. 83, 1943, S. 91 f., u. 88, 1948, S. 204-08); W. Vogel, Themat. Verz. d. Werke v. O. S., 1956; Werkverz., hg. v. Schweizer. Musik-Archiv, 1972; C. Walton, O. S., Eine Biogr., 1994; B. A. Föllmi, Prakt. Verz. d. Werke O. S.s, 1997: |

Nachlass  
Nachlaß: Zentralbibl. Zürich; Archiv d. Othmar Schoeck-Ges. (Depositum in d. Zentralbibl. Zürich); Depositum d. Rychenberg-Stiftung in d. Stadtbibl. Winterthur; StadtA d. Kt. Zürich; StA d. Kt. Schwyz; Firmenarchiv d. Verlags Hug & Co., Zürich.

Literatur  
W. Schuh (Hg.), O. S., Festgabe d. Freunde z. 50. Geb.tag, 1936; W. Vogel, Wesenszüge v. O. S.s Liedkunst, Diss. Zürich 1949 (gedr. 1950); H. Corrodi, O. S., Bild e. Schaffens, 1956; W. Vogel, O. S. im Gespräch, 1965; ders., O. S., Leben u. Schaffen in Selbstzeugnissen u. Zeitgenossenberr., 1976; D. Puffett, The Song Cycles of O. S., Diss. Oxford 1976, Bern 1982; W. Vogel (Hg.), Euer dankbarer Sohn, O. S.s Briefe an die Eltern aus Leipzig 1907/08, 1985; Georg Schoeck, Die Welt d. jungen O. S., 1986 (P); St. Kunze u. H. J. Lüthi (Hg.), Auseinandersetzung mit O. S., Internat. O. S.-Symposion Bern, 22.-24. Okt. 1986, Zürich 1987; Elisabeth Schoeck-Grüebler (Hg.), Post nach Brunnen, Briefe an d. Fam. 1908-1922, 1991; C. Walton, O. S., Eine Biogr., 1994; Zur Gesamtausg. d. Werke O. S.s (= Schrr.reihe d. O. S.-Ges., 1), 1996; B. A. Föllmi (Hg.), Die Worte vergrössern, S.s Opern im Spiegel d. Kulturwiss., Ber. über d. zweite Internat. Symposium O. S. in Luzern, 13. u. 14. Aug. 1999, 2000; ders. (Hg). Das Streichquartett in d. zweiten Hälfte d. 20. Jh., Ber. üb. d. dritte Internat. Symposium O. S. in Zürich, 19. u. 20. Okt. 2001, 2004; Riemann mit Erg.bd.; MGG (P) mit Suppl.bd.; MGG2; New Grove (P); New Grove2 (P); Schweizer Lex. (P); – zu Paul: P. S. 1882-1952, Eine Dok., in: Schwyzer Hh. 23, 1982; Schweizer Lex.

Portraits  
Bleistift- u. Kohlezeichnung v. F. Wiegele, 1918 (Mus. Bischofszell, Schweiz); Terrakottabüste v. H. Haller, um 1919; 7 Bleistiftzeichnungen v, H. Burte, 1941 (Hermann Burte Ges., Lörrach); Bleistiftzeichnung v. H. Hubacher, 1956 (Mus. Bischofszell); Bronzebüste dess., 1956, 2 Abgüsse (Zürich, Foyer d. Tonhalle u. Musikwiss. Inst. d. Univ.); zahlr. Fotos im Nachlaß (Zentralbibl. Zürich).

Autor  
Beat A. Föllmi
Empfohlene Zitierweise  

Föllmi, Beat A., „Schoeck, Othmar Gottfried“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 356-358 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118609920.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 23 (2007), S. 356-358

PND: 118609920
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Index

Schoeck, Othmar

Name: Schoeck, Othmar
Namensvariante: Schoeck, Othmar Gottfried
Lebensdaten: 1886 bis 1957
Geburtsort: Brunnen/Vierwaldstättersee (Kanton Schwyz)
Sterbeort: Zürich
Beruf/Lebensstellung: Komponist
Konfession: reformiert
Autor NDB: Föllmi, Beat A.
PND: 118609920

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Schoeck, Othmar

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