<< Schneegans, Heinrich Alfred
Schneider, Albert >>
Schneemelcher, Wilhelm Viktor Gustav Adolf
evangelischer Theologe und Kirchenhistoriker,
* 21.8.1914 Berlin,
† 6.8.2003 Bonn,
⚰ Bad Honnef, Neuer Friedhof.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Wilhelm (1872–1928),
Dr. theol. 1897, 1902-14 Pfarrer am Friedrichs-Waisenhaus in Berlin-Rummelsburg, 1914-28 an d. Dorotheenstädt. Kirche in Berlin, 1902-22
Gen.sekr. d.
Ev.-
soz. Kongresses (s.
BBKL 20;
RGG4),
S d.
N. N. (
† 1914), Buchbindermeister in Berlin, seit 1908 mit eigener
Fa.;
M Paula (1874–1951), Lehrerin,
T d.
N. N. Sachse (
† 1901),
Kaufm., Prokurist,
Untern.;
⚭ Berlin 1940 Eva Ackermann (1915–99),
Angest. in d. Reichszentrale f.
wiss. Ber.erstattung; 3
S, 1
T .
Leben ↑
Nach dem Besuch der Vorschule des
Franz. Gymnasiums seit 1921 und des Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin seit 1923 studierte
S. 1933-38 Theologie an der
Univ. Berlin,
u. a. bei dem Praktischen Theologen Leonhard Fendt, dem Kirchenrechtler Ulrich Stutz und
v. a. bei dem Neutestamentler und Kirchenhistoriker Hans Lietzmann (1875–1942). 1938 legte er sein erstes
theol. Examen ab und wurde gleichzeitig bei Lietzmann mit der Arbeit „Eine
griech. Agende der
jüd.-hellenist. Diaspora im VII. und VIII. Buch der Apostolischen Konstitutionen“ (
ungedr.) zum
Lic. theol. promoviert. Eine 1936 begonnene Tätigkeit als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter bei der Kirchenväterkommission der
Preuß. Akademie der Wissenschaften endete 1939 wohl aus politischen Gründen (
Mitgl. d. Bekennenden Kirche), so daß
S. 1939-41 – mit Unterbrechung durch Kriegsdienst 1940 – eine Buchhändlerlehre absolvierte. 1942-45 nahm er erneut als Soldat am Krieg teil und geriet 1945 kurzzeitig in Gefangenschaft. 1947 bestand
S. sein zweites
theol. Examen in Hannover und nahm eine Tätigkeit als Hilfsprediger in Stöckheim bei Northeim auf. Zudem erhielt er seit 1946 Lehraufträge an der
Univ. Göttingen, wo er sich 1949 mit einer Arbeit über „Urkunden zur Geschichte des arian. Streites“ (
unveröff.) habilitierte und danach eine Assistentenstelle annahm (
apl. Prof. 1953). 1954 wechselte er als
ao. Professor, seit 1956 als Ordinarius für Kirchengeschichte (später
NT u.
Gesch. d. Alten Kirche) nach Bonn (Rektor 1967/68,
em. 1979).
In Bonn legte
S. Arbeiten zur Entwicklung der
theol. Grundlehren in der Zeit der Alten Kirche vor. Einen
internat. Ruf als Patristiker erwarb er sich
v. a. durch die „Neutestamentlichen Apokryphen in
dt. Übersetzung“ (2
Bde.), die er im Anschluß an eine ältere Sammlung Edgar Henneckes (1865–1951) zweimal völlig neu bearbeitete. Die von ihm erstmals verantwortete 3. Auflage des ersten Bands (1959;
Bd. II, 1964) avancierte als „Hennecke-Schneemelcher“ zum Standardwerk und wurde ebenso wie die 5. Auflage (1987/89) ins Englische übersetzt. Auch als Wissenschaftsorganisator übte
S. großen Einfluß aus: Er wirkte als Präsident des Fakultätentags und als Vorsitzender der Theologentage in Berlin 1958/60 und war maßgeblich beteiligt an der Gründung der Patristischen Kommission der Akademien der Wissenschaften (1961/62). 1957 rief er die „Bibliographia Patristica" ins Leben und führte die kritische Ausgabe der Werke des Athanasius von Alexandrien weiter. Seit 1963 gab er mit Kurt Aland die „Patristischen Texte und Studien“ heraus; daneben war er Mitherausgeber der „Zeitschrift für Kirchengeschichte“ (seit 1956) und des „
Ev. Staatslexikons“ (1966;
31987). Dem Wissenschaftsrat gehörte er 1963-67 an. 1986-95 fungierte
S. als Vorsitzender des Arbeitskreises gesellschaftlicher Gruppen des „Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“
|in Bonn. Darüber hinaus setzte er sich für die ökumenische Verständigung ein und pflegte seit den 1960er Jahren
v. a. zur
griech. Orthodoxie intensive Kontakte.
Auszeichnungen ↑
Mitgl. d. Rhein.-Westfäl. (später Nordrhein-Westfäl.)
Ak. d. Wiss. (1973,
Sekr. d.
Kl. f.
Geisteswiss. 1978–81,
Präs. 1982–85); Dr.
h. c. (Göttingen 1954, Straßburg 1966); Gr.
BVK (1976) mit Stern (1984); Verdienstorden u. Staatspreis d. Landes
NRW (1986
bzw. 1995).
Werke ↑
Weitere W
Ges. Aufss. z. NT u.
z. Patristik, 1974;
Das Urchristentum, 1981;
Reden u.
Aufss., 1991; Rückblicke, Erinnerungen u. Betrachtungen, in: Dietrich Meyer (
Hg.),
KGesch. als
Autobiogr., Ein Blick in d. Werkstatt zeitgenöss. Kirchenhist., II, 2002, S. 257-326
(P);|Nachlass ↑
Nachlaß: Univ.archiv Bonn.
Literatur ↑
W. A. Bienert (
Hg.), Von Konstantin zu Theodosius,
FS W.
S., 1979;
D. Papandreou
u. a. (
Hg.), Oecumenica et Patristica,
FS W.
S., 1989
(W, P);
W. Kinzig, in:
Theol. Lit.ztg. 128, 2003,
Sp. 1118 f.;
ders. u. a., In memoriam W.
S., 2004;
K. Schäferdiek, in:
Zs. f. KGesch. 114, 2003, S. 147 f.;
M. Honecker, in:
Jb. d. Nordrhein-Westfäl.
Ak. d. Wiss. 2004, S. 119-22
(P);
LThK3, Erg.bd.;
BBKL 27
(W, L);
RGG4.
Autor ↑
Wolfram KinzigEmpfohlene Zitierweise ↑
Kinzig, Wolfram, „Schneemelcher, Wilhelm Viktor Gustav Adolf“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
283-284
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11888557X.html