<< Schmidt, Karl
Schmidt, Kurt Dietrich >>
Schmidt, Karl Ludwig
evangelischer Theologe,
* 5.2.1891 Frankfurt/Main,
† 10.1.1956 Basel,
⚰ Basel, Friedhof Hörnli.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Anton Friedrich (
† 1925), Schuhmacher;
M Dorothea Stranz (
† 1945), Bäuerin; 2
Schw u. a. Anna Margaretha (Aenne) (1892–1975,
⚭ Georg Aßmus, 1886–1953,
Kaufm. in
F.);–
⚭ Wernburg
b. Pössneck 1918 Ursula (1893–1987),
T d. Martin
v. Wegnern (1855–97), aus Königsberg (Pr.),
WGR,
Staatsmin. in Bückeburg (s.
BJ IV,
Tl.); 3
S Martin Anton (
* 1919).
o. Prof. f.
KGesch. (s.
Kürschner, Gel.-Kal. 2005), Andreas (
* 1923), Tierarzt, Christopher (
* 1927),
Doz. an e. Musikhochschule, 2
T Dorothea (
* 1921), Krankenpflegerin, Veronika (
* 1925), Krankenhausoberin.
Leben ↑
S. besuchte 1900-09 das Lessing-Gymnasium in Frankfurt/M. und begann anschließend ein Studium der klassischen Philologie, seit 1910 der
ev. Theologie zunächst in Marburg, dann in Berlin. Martin Rade, Adolf
v. Harnack, Karl Holl und
v. a. Adolf Deißmann (1866–1937) wurden prägende Lehrer. 1912 erhielt
S. den
Kgl. Preis der
Univ. Berlin für seine Studie „Das Problem der Einheitlichkeit des Johannes-Evangeliums“. 1913 wurde er mit einer erweiterten Fassung dieser Arbeit (
ungedr.) zum
Lic. Theol. promoviert und erhielt eine Anstellung als Assistent Deißmanns am Neutestamentlichen Seminar. Seine Teilnahme am 1. Weltkrieg endete nach einer schweren Verwundung im
Sept. 1915. Dem ersten
theol. Examen 1916 folgte 1917/18 ein Stadtvikariat in Berlin, wo er sich 1918 habilitierte. Mit seiner Habilitationsschrift „Der Rahmen der Geschichte Jesu“ (1919,
Nachdrr. 1964, 1969) begründete er neben Martin Dibelius und Rudolf Bultmann die Formgeschichte als Methode neutestamentlicher Forschung. 1921 folgte
S. dem nach Marburg wechselnden Bultmann als
o. Professor für Neues Testament nach Gießen. 1925 wechselte er nach Jena und 1929, befördert durch Gustav Hölscher, nach Bonn. 1918-20 Mitglied der
DDP, trat er 1924 der
SPD bei. 1933 aus politischen Gründen aus dem Hochschuldienst entlassen, emigrierte
S. in die Schweiz, wo er nach Vertretungstätigkeit als Pfarrverweser in Zürich-Seesteig und Lichtenstein (Toggenburg) 1935/36 eine
o. Professur in Basel erhielt (
em. 1953).
Als Herausgeber der „Theologischen Blätter“ 1922-37 und in Ausrichtung auf die Dialektische Theologie engagierte sich
S. in allen wesentlichen
theol. Debatten samt ihrer (universitäts-)politischen Implikationen. So unterstützte er 1934/35 seinen engen Freund Paul Tillich (1886–1965), in dessen religiössozialistischem Berliner „Kairos-Kreis“ er schon 1920/21 Mitglied gewesen war, in sei
|nem literarischen Kampf gegen Emanuel Hirsch und dessen der
NS-Ideologie verschriebene Theologie. Schon 1931 hatte er sich gegen Paul Althaus' und Hirschs Erklärung „
Ev. Kirche und Völkerverständigung“ gewandt, in der sich, wie auch im „Fall Dehn“, die zunehmende Militarisierungs- und Nationalisierungstendenz der ausgehenden Weimarer Republik spiegelte. Theologen der Bekennenden Kirche warf
S. Schwächen
v. a. auf exegetischem Gebiet vor, denn „
theol. Simplizismus“ ohne tiefgehende philologische Verankerung habe desaströse Folgen für die Theologie als Wissenschaft. Unerbittlich übte
S. Kritik an nationalsozialistisch geprägten Kollegen und der Weiterbeschäftigung dieser Eliten nach 1945.
1945 begründete
S. in Basel die „Theologische Zeitschrift“ und gab sie bis 1952 heraus. Seine Arbeiten zum Verhältnis von Kirche und Israel, Juden- und Christentum in gemeinsamer heilsgeschichtlicher Verbindung erweisen sich auch gegenwärtig immer wieder als anschlußfähig.
Auszeichnungen ↑
E. K. II (1915);
D. theol. (Berlin 1921).
Werke ↑
Weitere W
Eschatol. u. Mystik im Urchristentum, in:
Zs. f. d. neutestamentl.
Wiss. 21, 1922, S. 277-91;
Die Stellung d. Evangelien in d.
allg. Lit.gesch., in: Eucharisterion (
FS H. Gunkel) II, 1923, S. 50-134 (wieder in: Zur
Formgesch. d. Evangeliums,
hg. v. F. Hahn, 1985, S. 126-228;
(
Hg.)
FS A. Deißmann, 1927,
21932 (darin: Die Kirche d. Urchristentums, S. 258-319);
Kirche, Staat, Volk, Judentum, Zwiegespräch im
jüd. Lehrhaus in Stuttgart am 14.
Jan. 1933, in:
Theol. Bll. 12, 1933,
Sp. 257-74 (mit Martin Buber);
Die Polis in Kirche u. Welt, 1939;
Die Judenfrage im Lichte d.
Kap. 9-11 d. Römerbriefes, 1943,
21946;
Kanon. u. apokryphe Evangelien u.
Apostelgesch., 1944;
NT, Judentum, Kirche,
Kl. Schrr.,
hg. v. G. Sauter, 1981 (
Bibliogr. S. 307-21);
K. L.
S. [eigenhändiger Eintrag], in: H. Faulenbach, Album Professorum d.
Ev.-
Theol. Fak. d.
Univ. Bonn, 1995, S. 270-72
(P);
-
zahlr. Art. in:
Theol. Wb. z. NT,
hg. v. G. Kittel, 1933 ff.;
|Nachlass ↑
Nachlaß: Privatbes., Frenkendorf (Schweiz).
Literatur ↑
O. Cullmann, in:
Theol. Zs. 12, 1956, S. 1-9
(W);
A. Staehelin,
Prof. d.
Univ. Basel, 1960, S. 386 f.
(P);
E. Schweizer, K. L.
S., Abschied
v. Illusionen über Jesus u. d. Kirche,
ebd. 47, 1991, S. 193-207;
R. Smend, Basels
Theol. Zs.,
ebd. 51, 1995, S. 95-105;
Ph. Vielhauer, in: Bonner
Gel., 1968, S. 190-214;
F. W. Kantzenbach, „
Theol. Bll.“, Kampf, Krisis u. Ende e.
theol. Zs. im Dritten Reich, in: Zur
Gesch. d. Kirchenkampfes,
Ges. Aufss. II,
hg. v. H. Brunotte, 1971, S. 79-104;
W. G. Kümmel, Das
NT,
Gesch. d. Erforsch. seiner Probleme,
21970, S. 413-23
u. ö.;
E. W. Stegemann, Auf d. Weg zu e. bibl. Freundschaft, Das Zwiegespräch
zw. Martin Buber u. K. L.
S., Das
jüd.-
christl. Rel.gespräch, in:
Stud. z. Geistesgesch. 9, 1988, S. 131-49;
A. Mühling, K. L.
S., „Und
Wiss. ist Leben“, 1997
(W, L, P);
ders., in: W.-F. Schäufele u. M. Vinzent (
Hg.), Theologen im Exil, Theologie d. Exils, 2001, S. 49-56;
A. Christophersen, Rudolf Bultmann (1884–1976) u. Paul Tillich (1886–1965), in: F. W. Graf (
Hg.), Klassiker d.
Theol., II, 2005, S. 190-222
(W, L);
RGG3+4;
LThK3;
BBKL (W, L);
TRE;
Dict. of Biblical Interpretation;
Kosch, Lit.-Lex.3;
BHdE II;
Munzinger.
Autor ↑
Alf ChristophersenEmpfohlene Zitierweise ↑
Christophersen, Alf, „Schmidt, Karl Ludwig“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
203-204
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118608851.html