<< Derleth, Ludwig
Dernburg. >>
Dernath (von der Nath), Gerhard Graf von
holstein-gottorfischer Diplomat,
* 1666 (Sachsen),
† 12.7.1740. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Die
Fam. stammt aus Holland;
V Gerhard
v. der Nath (1622–89), Reichsgraf (1655), kursächsischer
FM,
Geh. u. Kriegsrat, Oberfalkenmeister,
Bes. der holsteinischen Güter Sierhagen, Hasselburg
u. Mühlenkamp,
S des Dietrich
v. der Nath
u. der Johanna van Duyveland;
M Christine (1643–91), kursächsische Oberhofmeisterin,
T des Detlef
v. Ahlefeld (1617–86), dänischer
GR (
s. NDB I),
u. der Ida
v. Pogwisch;
⚭ 1) 1697 Christine Dor. (1676–1717),
T des Hieronymus
v. Rantzau (1614–79) auf Nütschau
u. Hemmelmark
u. der Sophie
Elis. v. Reventlow (1645–1702), 2) Hamburg 1722 Louise
Charl. (1664–1732),
Wwe des Obersten Christoph Bielke,
T des
Gf. Anton
v. Aldenburg (1633–80,
s. NDB I
*)
u. der
Gfn. Augusta von Sayn-Wittgenstein (
† 1704);
S aus 1) Gerhard (1700–49,
⚭ 1728 Sophie
Charl.,
T des Henning
Frdr. Gf. v. Bassewitz,
† 1749, gottorfischer
Min.,
s. NDB I), gottorfischer Kammerpräsident.
Leben ↑
|Dernath begab sich nach sorgfältiger Erziehung in gottorfische Dienste, wurde 1695 Oberst der Dragonergarde, kommandierte später das gottorfische Truppenkontingent in den Niederlanden und wurde 1706 Generalleutnant und Oberbefehlshaber des gottorfischen Heeres, gleichzeitig auch Kriegsrat und Mitglied der herzoglichen Regierung. In dem bald folgenden Machtkampf zwischen Magnus von Wedderkop und Georg Heinrich Freiherr von Schlitz genannt von Görtz stellte sich Dernath auf des letzteren Seite. Bei den Verhandlungen mit Dänemark, die im Januar 1711 zu einem Vergleich führten, war er maßgeblich beteiligt. Nachdem Holstein-Gottorf die Neutralität gebrochen und schwedische Truppen in die Festung Tönning aufgenommen hatte, bemühte sich Dernath in Holland und England um Unterstützung, doch gelang der geplante Entsatz Tönnings nicht. Nach der Kapitulation der Festung suchte Dernath vergeblich das Vertrauen der schwedischen Ratsregierung in die Görtzsche Politik wieder herzustellen, ja diese verwies ihn, als sie von Bassewitz' Verhandlungen in Petersburg und der dahinter stehenden Görtzschen Heiratspolitik erfuhr, im August 1714 vom schwedischen Hof. Weiterhin in der Gunst des Administrators Christian August, wurde Dernath zusammen mit Görtz 1715 von Karl XII. in Stralsund gnädig aufgenommen. 1716 anstelle von Arvid Horn zum Erzieher Herzog Karl Friedrichs ernannt, wurde er gleichzeitig Mitglied der im Rahmen der schwedischen Kriegswirtschaft wichtigen „Aufhandlungsdeputation“, die er während der langen Abwesenheit von Görtz leitete. Nach dem Tod Karls XII. verhaftet, blieb ihm wohl das Schicksal Görtz' erspart, doch erhielt er erst im September 1721 die Erlaubnis Schweden zu verlassen. Eine weitere Karriere am gottorfischen Hof wurde ihm durch die Gegnerschaft des einflußreicheren Bassewitz versperrt. Über die letzten Jahre Dernaths ist wenig bekannt. Sein Wohnsitz war zunächst Hamburg, wo er seit 1713 ein Haus besaß. Von seinen Gläubigern bedrängt, bemühte sich Dernath beim Kaiser um ein Moratorium. Nachdem er von diesem 1722 zum General der Kavallerie ernannt worden war, bestand in der Folgezeit seine Haupttätigkeit darin, seine hohen Forderungen an den gottorfischen Herzog einzutreiben. Er erzielte mit diesem auch einen Vergleich, der in Sankt Petersburg vollzogen wurde, ohne daß er damit endgültig aus diesen Mißhelligkeiten herausgekommen wäre. Von weltmännischer Art und diplomatisch begabt, temperamentvoll und ehrgeizig, wurde Dernath zur wichtigsten Begleitfigur des abenteuerlichen Görtz. Sein repräsentatives Auftreten wird gekennzeichnet durch das stattliche Palais, das er sich in Schleswig erbauen ließ.
Literatur ↑
Bidrag til den store nordiske Krigs Historie,
hrsg. v. Generalstab, I-VI, Kopenhagen 1899-1920;
H. Almquist, Holsten-Gottorp, Sverige och den nordiska ligan i den politiska krisen 1713-14, Uppsala 1918;
P.
v. Hedemann-Heespen, Die Herzogtümer Schleswig-Holstein
u. d. Neuzeit, 1926;
Ch. Kock, Schleswig-Holsteiner unter gottorf. Fahne im Span. Erbfolgekrieg, in:
Zs. d.
Ges. f. schleswig-holst.
Gesch. 64, 1936;
S. Jägersköld, Sverige och Europa 1716-18, Ekenäs 1937;
G. Lindeberg, Greve
v. D. och hans „ostensibla“ brev, in: Karolinska Förbundet' s Årsbok, Stockholm 1934;
ders., Några politiska visor mot Görtz,
ebd. 1936;
ders., Svensk ekonomisk politik under den görtzka perioden, Lund 1941;
Sønderjyllands Historie fremstillet for det danske Folk III, Kopenhagen
o. J.;
F.
v. Jessen, En slesvigsk Statsmand III,
ebd. 1941;
Holland-Danmark II,
ebd. 1945;
R. Pries, Das
Geh. Regierungs-Conseil in Holstein-Gottorf 1716-73, 1955;
Dansk Leks. V
(L);
Svenskt
Biogr. Lex. XI
(L);
Dipl. Vertr. I.
Autor ↑
Hermann KellenbenzEmpfohlene Zitierweise ↑
Kellenbenz, Hermann, „Dernath, Gerhard Graf von“,
in: Neue Deutsche Biographie
3
(1957), S.
606 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd136192041.html
Dernath, Gerhard Graf von
Name: Dernath, Gerhard Graf von
Namensvariante: Nath, Gerhard Graf von der
Lebensdaten: 1666 bis 1740
Geburtsort: (Sachsen)
Beruf/Lebensstellung: holstein-gottorfischer Staatsmann
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Kellenbenz, HermannPND: 136192041