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André, Johann Anton >>
André, Johann
Komponist und Musikverleger,
* 28.3.1741 Offenbach/Main,
† 18.6.1799 Offenbach/Main. (calvinistisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
1699 von
St. Gilles bei Nîmes eingewanderte Hugenottenfamilie;
V Marc-André André, Seidenfabrikant in Offenbach;
M Marie Juliane Pfaltz,
T eines Tuchfabrikanten aus Mannheim;
⚭ Catharina Elisabeth,
T des Bankiers Schmaltz in Mannheim;
S Johann Anton André (s. 2).
Leben ↑
André, der nach Goethe ein „Mann von angeborenem lebhaftem Talente" war und als Autodidakt „zwischen dem Kapellmeister und Dilettanten" schwebte, übernahm nicht die väterliche Fabrik, sondern wandte sich dem Theater zu. Dem 1773 aufgeführten Singspiel „Der Töpfer“ folgte 1775 die Vertonung von Goethes „Erwin und Elmire“. Von K. Th. Döbbelin an dessen Berliner Theater in der Behrenstraße geholt, entfaltete André eine umfangreiche Tätigkeit als Komponist von Singspielen, die in ihrer urwüchsigen Melodik und Situationsschilderung zeitgenössische Werke weit übertrafen und als Übergang zur komischen Oper gelten dürfen. Als einer der ersten deutschen Komponisten schrieb er 1778 Bühnenmusiken zu Shakespeares „König Lear" und „Macbeth". Seine der Berliner Schule nahestehenden Lieder und Balladen, darunter Claudius' „Rheinweinlied" und Bürgers „Leonore“, zeigen würdige, volkstümliche Haltung. 1784 Markgräflich Schwedtscher Kapellmeister ehrenhalber, widmete André die letzten Jahre dem Ausbau seiner 1774 gegründeten Notendruckerei mit angeschlossenem Verlag und beschloß seine Kompositionstätigkeit 1796 mit dem Singspiel „Der Bräutigam in der Klemme“.
Werke ↑
Weitere W Hzg. Michel, Lustspiel, 1775; Harlekin Friseur, Pantomime, 1778; Laura Rosetti, Singspiel, Berlin 1778; Claudine
v. Villa Bella, Singspiel, 1778; Die Entführung aus d. Serail (auch Belmonte u. Constanze). Singspiel, Berlin 1781; Der Barbier
v. Bagdad, Singspiel, ebenda 1783;
s.a. MGG.
Portraits ↑
Ölgem. v. G. O. May (Offenbach,
Slg. K.
A. J. André).
Autor ↑
Helmut WirthEmpfohlene Zitierweise ↑
Wirth, Helmut, „André, Johann“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
276
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11601198X.html
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André, Johann Anton >>
André, Johann
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
André: Johann
A.
, Componist, Capellmeister und Musikverleger, Sohn
eines Seidenfabrikanten zu Offenbach, geb. daselbst 28. März 1741, † 18.
Juni 1799. Für die Handlung und Fortsetzung des
elterlichen Geschäftes bestimmt, trieb er doch schon seit früher
Jugend mit Vorliebe Musik, und zwar, in Ermangelung eines
tüchtigen Lehrers, meist auf eigene Hand. Sein ganzes Leben
hindurch kämpften in ihm der Drang zur Tonkunst und die Neigung zu
technischem und geschäftlichem Betriebe, oder sie gingen vielmehr
friedlich neben einander her, denn sie störten sich gegenseitig
nicht und in beiden Fächern hat er für seine Zeit Tüchtiges
geleistet. Nachdem er zwar schon in Liedern, Sonaten etc. sich
versucht hatte, doch immer noch halber Dilettant war, machte er
sich zu Frankfurt an seine erste Operette "der Töpfer", welche so
großen Beifall fand, daß Goethe, zu dem er, wie wir aus Wahrheit
und Dichtung wissen, in freundschaftlichen Beziehungen stand, ihn
zur Composition von "Erwin und Elmire" anregte. Inzwischen legte
A.
1774 zu Offenbach eine kleine Notendruckerei an, als
aber sein "Töpfer" und "der alte Freier" 1775 in Berlin auf dem
Döbbelin'schen deutschen Theater gegeben wurden und guten Erfolg
hatten, folgte er 1777 einem Rufe dorthin als Musikdirector. Hier
trat er zu Marpurg, der auf seine musikalische Fortbildung guten
Einfluß übte, in ein vertrautes Verhältniß und componirte fleißig
Operetten. Zur Aufführung kamen dort: 1777 "die Bezauberten"; 1778
"der Alchymist"; 1779 "das tartarische Gesetz"; 1780 "das wüthende
Heer"; 1781 "Belmonte und Constanze" (der Text von Bretzner für
A.
gedichtet und derselbe, den, wiewol von Stephanie
abgeändert und erweitert, bald darauf, 1781—82, auch Mozart
componirt hat); 1782 "Eins wird doch helfen", "der Liebhaber als
Automat" und "Elmine"; 1783 "der Barbier von Bagdad" (s.
Schneider, Berl. Oper 207 ff.). Seine Stücke wurden gut
aufgenommen, "André war in Berlin das für
die Operette, was Hiller für sie in Leipzig war" (Allg. Mus. Ztg.
XVI. 869), sein "Erwin und Elmire" wurde
1782 nicht weniger als 22 mal gegeben. Doch war die damalige
Stellung der deutschen Operette in Berlin, den Italienern und
Franzosen gegenüber, nur sehr untergeordnet; außerdem lag
A.
seine Musikdruckerei am Herzen, der Plan einer
Ueberführung derselben nach Berlin blieb aber undurchführbar.
Daher legte er 1784 den Musikdirector wieder beiseite und kehrte,
mit dem Titel eines Capellmeisters des Markgrafen
Brandenburg-Schwedt, nach Offenbach zurück, wo er bis an das Ende
seines thätigen Lebens, mit Composition und Betrieb seines
Musikverlages beschäftigt, verblieb. Sein Verlagskatalog von 1797
wies bereits über 1050 Nummern auf, und er hinterließ bei seinem
Tode das Geschäft seinem Sohne
Johann Anton
in voller Blüthe. Wenngleich
A.
in der Musik den Dilettanten nie ganz überwunden hat,
so besaß er doch ein gesundes, frisches Talent, seine
Compositionen hatten Fluß, guten Gesang und lebhaften, angeregten
Ausdruck. Operetten und andere Bühnenmusiken hat er ungefähr 30
hinterlassen (s. Gerber), auch einige Texte dazu selbst gemacht
oder zugerichtet; verschiedene ("er Töpfer", "Erwin und Elmire",
"Arien zum Barbier von Sevilla", "Laura Rosetti", "Elmine") sind
im Druck erschienen. Ferner schrieb er Instrumentalsachen,
Gesänge, Duette, besonders aber eine große Menge Lieder, welche
zum Theil sehr populär waren, wie denn seine Melodie zu Claudius'
"Bekränzt mit Laub" noch heute unter uns fortlebt. Seine Leonore,
in der damals beliebt
|werdenden cantatenmäßig
durchcomponirten Form, hat 5 oder noch mehr Auflagen erlebt.
Autor ↑
v. Dommer.
Empfohlene Zitierweise ↑
Dommer, Arrey von, „André, Johann“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
434-435
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11601198X.html?anchor=adb
André, Johann
Name: André, Johann
Lebensdaten: 1741 bis 1799
Geburtsort: Offenbach/Main
Sterbeort: Offenbach/Main
Beruf/Lebensstellung: Musiker; Komponist; Musikverleger; Kapellmeister
Konfession: calvinistisch
Autor NDB:
Wirth, HelmutAutor ADB:
Dommer, Arrey vonPND: 11601198X