<< André
André, Emil >>
André,Christian Karl
Pädagoge und Landwirt,
* 20.3.1763 Hildburghausen,
† 19.7.1831 Stuttgart. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Friedrich Andrä (1737–1820), fürstlicher Bereiter, Reitlehrer,
S des Christian (bis zur Taufe 1732 Simon Lazaurus, 1712–84) Hofagent, Intendant des Wittumshofes und Gasthofbesitzer in Hildburghausen, und der Johanna Dorothea Neumann,
T eines Papiermühlenbesitzers;
M Johanna Rosina Körbitz (
† vor 1796);
Vt Laurenz Hannibal Fischer (
† 1867), Staatsmann (s.
ADB VII);
⚭ Johanna Schnell (1765–1812);
Schwägerin Sophie Schnell (
⚭ Christian Gotthilf Salzmann,
† 1811, Pädagoge).
Leben ↑
André studierte Rechtswissenschaft, Pädagogik und Musik und entwickelte sich zum einflußreichen Förderer der Volkskultur, dem namentlich die geistige und sittliche Hebung des Volkes am Herzen lag. Nach kurzer Tätigkeit als Sekretär und Rat im Fürstentum Waldeck gründete er 1782 nach dem Muster des Schnepfenthaler Salzmannschen Instituts eine Erziehungsanstalt in Arolsen, lehrte ab 1785 selbst in Schnepfenthal und leitete ab 1790 ein Mädcheninstitut in Gotha, ab 1794 in Eisenach. André gründete 1791 mit Hofrat R. Z. Becker den „Allgemeinen Reichsanzeiger“ und wurde 1798 Direktor der evangelischen Schule in Brunn. Später war er ausschließlich in der praktischen Landwirtschaft tätig, zunächst in Brünn als Sekretär der kaiserlich mährischen Gesellschaft zur Förderung des Ackerbaues, 1812 als fürstlich Salmscher Wirtschaftsrat. 1817 als Assessor des Georgicons zu Kaszthely in Ungarn, 1821 als Hofrat in Stuttgart, als Sekretär bei der Zentralstelle des landwirtschaftlichen Vereins für Ausbreitung gemeinnütziger Kenntnisse und als Redakteur der „Landwirtschaftlichen Zeitschrift“ in Stuttgart.
Werke ↑
u. a. Maria
v. Bismark
od. Liebe um Liebe, 2
Bde., Leipzig 1786–88; Felsenburg, ein sittl. unterhaltendes Lesebuch, 3
Bde., Gotha 1788/89: Der Landmann, 1790–95; Gemeinnützige Spaziergänge auf alle Tage im Jahr, 10
Bde., Braunschweig 1790-97 (mit J. M. Bechstein
bzw. B. H. Blasche
bearb.); Anleitung
z. Studium d. Mineralogie, Wien 1804; Patriot. Tagebl., Brunn 1800 bis 1805; Ökonom. Neuigkeiten, Prag 1811-31
(später fortges. v. seinem S Emil); Nat.kal. f. d.
dt. Bundesstaaten, Stuttgart 1823 ff.
Literatur ↑
ADB I;
Goedeke VI, 1898, S. 420, VII, 1906, S. 17/18;
Nagl-Zeidler-Castle II/1, 1914, S. 987;
Wurzbach I;
Pogg. I.
Portraits ↑
Kupf. v. J. C. Erhard nach
A. Richter (Dresden,
Staatl. Kupf.-Kab).
Autor ↑
Wilhelm MeinholdEmpfohlene Zitierweise ↑
Meinhold, Wilhelm, „André,Christian Karl“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
275
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100011152.html
<< Andlern, Franz Friedrich
André, Johann >>
André, Christian Karl
Leben
| Autor
| Werke
| Zitierweise
Leben ↑
André: Christian Karl
A.
, (Andreä nach dem Kirchenbuch und nach der
Schreibweise seiner Eltern und Verwandten), geb. 20. März 1763 zu Hildburghausen, † 19. Juli
1831 zu Stuttgart, auf dem Gebiete der
Volkscultur ein Säemann, dem Wenige an die Seite gestellt werden
können. Wie sein berühmter Namensvetter J. Val. Andreä, so hatte
auch er die geistige und sittliche Hebung des Volkes im Auge,
nicht aber wie jener mit unpraktischen und zum Theil geheimen, auf
die gesammte Menschheit zielenden, sondern mit den verständigsten,
vorzugsweise die mittlern und untern Classen des deutschen Volkes
umfassenden Mitteln. Nach Vollendung seiner der
Rechtswissenschaft, Pädagogik und Musik gewidmeten Studien wurde
A.
fürstlich waldeckischer Secretär und kurz darauf Rath
zu Arolsen, indeß sehr bald gab er, um für das Volk durch
Erziehung und Unterricht zu wirken, die staatliche Laufbahn auf.
Bereits 1782 gründete er zu Arolsen eine Erziehungsanstalt, wurde
1785, wo das Salzmann'sche Institut zu Schnepfenthal ins Wanken
kam, dessen wiederbelebende Stütze, leitete 1790 ein
Mädcheninstitut zu Gotha, das er 1794 nach Eisenach verlegte,
entwarf 1791 den Plan des "Allgemeinen Reichsanzeigers", dessen
Ausführung er mit Hofrath Becker begann, aber diesem nach wenig
Jahren allein überließ, übernahm 1798 das Directorium der
protestantischen Schule zu Brünn in Mähren, wurde hier Secretär
der kaiserl. mährischen Gesellschaft zur Beförderung des
Ackerbaus, der Natur- und Landeskunde und in kurzem die Seele des
Vereines, namentlich als er sein Schulamt aufgegeben hatte,
erlangte 1806 für seine auf das Volkswohl gerichtete
schriftstellerische Thätigkeit exclusive Censurvergünstigungen,
verlor indeß schon 1812, in welchem Jahre er fürstlich Salm'scher
Wirthschaftsrath geworden, dieselben durch das Ministerium
Metternich, trat zufolge der fortdauernden Censurbeschränkung
1821, dem Rufe des Königs von Würtemberg folgend, mit dem Titel
eines Hofraths in würtembergische Dienste und wirkte nun zu
Stuttgart bis zu seinem Tode, einerseits als Secretär bei der
Centralstelle des landwirthschaftlichen Vereines für Ausbreitung
gemeinnütziger Kenntnisse, andererseits als Mitglied von
Privatvereinen für Kunstanstalten, besonders für Musik, anregend
und nachhaltig segensreich.
Seine 45 Jahre andauernde schriftstellerische Thätigkeit,
welche 40 Werke
|theilweise von vielen Bänden und
Heften umfaßt, bezeugt sowol seinen herculisch thätigen Geist als
seinen heiligen Eifer, in das deutsche Volksleben befruchtende
Bildungselemente zu senken, die es zu einer hellern und
sittlichern Anschauung und zur selbständigen Thätigkeit erheben
sollten. Unter seinen Schriften waren besonders wirksam: "Der
Landmann" (4 Hefte, 1790—95): "Gemeinnützige Spaziergänge auf alle
Tage im Jahr", erst mit Bechstein, später mit Blasche bearbeitet
(10 Thle., 1790—97); "Patriotisches Tageblatt" (1800—1805);
"Hesperus" (jährlich 12 Hefte, 1809—21 in Prag, seit 1822 in
Stuttgart); "Oekonomische Neuigkeiten" (von 1811 jährlich 12
Hefte); "Nationalkalender für die deutschen Bundesstaaten"
(Stuttgart seit 1823).
N. Nekrol. IX. (1831) S. 637. —
Bernsdorf, Universallex. d. Tonkunst I.
233.
Brückner.
Rudolf
A.
, Sohn des vorigen, landwirthschaftlicher
Schriftsteller, ist geb. 16. Jan.
1792 in Gotha, † im
Januar 1825 in Tischnowitz. In seinem 17.
Jahre betrat er, ausgerüstet mit den nöthigen Vorkenntnissen, die
praktische Laufbahn in Mähren, später in Böhmen. 1814 kam er in
die Dienste des Fürsten Salm, auf dessen Herrschaften Raiz und
Blansko er von 1820—24 als Wirthschaftsdirector fungirte. 1825
administrirte er noch kurze Zeit die Güter Tischnowitz in Mähren
und Staaz in Niederösterreich. Durch seine Schriften hat er sich
einen geachteten Namen erworben. Namentlich gebührt ihm das
Verdienst, daß er zuerst die Veredelung der Schafe, welche noch
von keinem Schriftsteller ausschließend und genügend behandelt
worden war, gründlich und in seinem ganzen Umfange beschrieb:
"Anleitung zur Veredelung des Schafviehs" 1815 u. öfter;
"Kurzgefaßter Unterricht über die Wartung des Schafviehs" 1818;
ferner "Darstellung der vorzüglichsten landwirthschaftlichen
Verhältnisse" 1815, 4. Aufl. 1848: "Ideen über die Verwaltung
landtäflicher Güter in Böhmen, Mähren und Oesterreich" 1821.
Sein Bruder,
Emil
A.
, Forst- und Wirthschaftsrath, geb. 1. März 1790 in Schnepfenthal, † 26. Febr. 1869 in Kisber in Ungarn, hat sich verdient
gemacht durch Herausgabe der "Oekonomischen Neuigkeiten und
Verhandlungen" und als Forstwirth durch eine neue
Forstwirthschaftsmethode, welche namentlich in Böhmen und Mähren
Eingang gefunden hat. 1807 wurde er fürstl. Salm'scher
Forstmeister. 1809 trat er als Freiwilliger in k. k.
österreichische Dienste, wurde Officier, verließ aber den Dienst
1810 nach hergestelltem Frieden und kehrte auf die Salm'schen
Herrschaften zurück, wo er zuerst im Berg-, dann im Forstamte
fungirte. Von 1812—19 wirkte er als Forstbeamter bei dem Fürsten
Dietrichstein, wurde 1819 Oberförster auf der Salm'schen
Herrschaft Blansko, 1823 Forstinspector über sämmtliche fürstl.
Auersperg'schen Herrschaften. 1825 zog er nach Prag und
beschäftigte sich daselbst mit Forstinspectionen, Schätzungen und
Forsteinrichtungen, begann auch sich der Landwirthschaft,
namentlich der Schafzucht, zu widmen. Zu diesem Behuf kaufte er
1836 ein Gut, um Studien zu machen, nachdem er vorher (1830 und
31) die Administration der fürstl. Lamberg'schen Herrschaft
Schichowitz und der gräfl. Rumerskirchen'schen Herrschaft
Horazdiowitz in Böhmen übernommen und 1832 mehrere Meierhöfe
gepachtet hatte. 1838 übernahm er die Administration der fürstl.
Odescalchi'schen Majoratsherrschaft Illok in Syrmien, der
Herrschaft Szolcsan und der gräfl. Bathyanj'schen Herrschaften
Ikervop, Schleiming, Neuhaus und Toth-Moraz. Hier machte er sich
um die Einführung veredelter Schafe und die Anlagen von
Runkelrübenzuckerfabriken verdient. In seinen letzten Lebensjahren
wohnte er, von den Geschäften zurückgezogen, in Kisber.
Werke ↑
Er schrieb: "Versuch einer zeitgemäßen Forstorganisation" (Prag
1823 2. Aufl. 1830); "Vorzügliche Mittel, den Wäldern einen höhern
Ertrag
abzugewinnen" (Prag 1826); "Einfachste, den höchsten Ertrag und die
Nachhaltigkeit ganz sicher stellende Forstwirthschaftsmethode"
(Prag 1823, 2. Aufl. 1832); "Kubiktabellen" (Wien 1844); setzte
nach dem Tode seines Vaters, im Anfange mit Elsner, die
"Oekonomischen Neuigkeiten und Verhandlungen" fort (Prag 1831—48)
und gründete, nachdem er dieselben aufgegeben hatte, die "Neue
ökonomische Zeitschrift" (Wien 1846 und 47).
Autor ↑
Löbe.
Empfohlene Zitierweise ↑
Brückner, „André, Christian Karl“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
432-433
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100011152.html?anchor=adb