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NDB-Artikel

<< Abramson, Abraham     Abt, Ephraim Ludwig Gottfried >>

Abschatz, Hans Aßmann (eigentlich Johann Erasmus) Freiherr von (seit 26.8.1695)

Dichter, * 4.2.1646 Breslau, 22.4.1699 Liegnitz. (lutherisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
Aus seit 1294 urkundlich belegtem Ministerialenadel; V Johann Eraßmus von Abschatz auf Koiskau, Poselwitz und Zobel, Landesbestellter des Fürstentums Liegnitz; M Margarete von Kanitz; 3.12.1609 Anna ( 1699). T des Landesältesten des Fürstentums Liegnitz, Wolf Caspar von Hund und Alten-Grottkau; 4 S, u.a. Wolf Aßmann von Abschatz ( 1711); 2 T; E Hans Aßmann von Abschatz ( 1722), letzter des Geschlechts.

Leben  
Abschatz erhielt nach dem frühen Tod der Eltern eine sorgfältige Erziehung im Haus des Oheims Georg Friedrich von Abschatz, besuchte das Liegnitzer Gymnasium, studierte in Straßburg (1664) und Leiden (1666) Jurisprudenz und bereiste Holland, Frankreich und Italien. Zurückgekehrt, übernahm Abschatz 1669 die Bewirtschaftung seiner durch Erbschaft erweiterten Güter Wirrwitz, Lederhose, Zobel, Petschkendorf und Nieder-Göllschau. 1679 wurde er Landesbestellter des Herzogtums Liegnitz und Abgeordneter bei den Breslauer Fürstentagen. Er wußte erfolgreich für die verbrieften Rechte seiner Heimat einzutreten und stand in hohem Ansehen. Abschatz war eng befreundet mit Daniel Casper von Lohenstein. Sein Dichterruhm beruht auf der Übersetzung von Giovanni Battista Guarinis „Pastor fido“ (1590) als „Teutsch redender treuer Schäffer“ (1672). Wahre Empfindung bei zeitgebunde|ner Einkleidung zeigen seine jugendlichen Liebesgedichte (1664–68) „Anemons und Adonis Blumen“. Schlichte Frömmigkeit erfüllt seine geistlichen Gedichte. Eine leise melancholische Gehaltenheit bewahrt ihn vor der Spielerei spätbarocker Galanterie (abgesehen von der Übertragung von Alexander Adimaris Sonetten). Abschatz gehört als selbständiges Talent ohne kennbare Wirkung zur zweiten Generation des Mittelbarocks (wie Herzog Anton Ulrich von Braunschweig und D. C. von Lohenstein), obwohl die Gesamtausgabe seiner Gedichte erst 1704 erschien.

Werke  
Weitere W Poet. Überss. u. Gedichte, hrsg. v. Ch. Gryphius, 4 Bde., Breslau u. Leipzig 1704: Werke (Ausw.), hrsg. v. T. Bobertag, in: Kürschners Dt. Nationallit., Bd. 36, 1885; Anemons u. Adonis Blumen, hrsg. v. G. Müller, in: Neudrucke dt. Lit. werke d. 16. u. 17. Jh., Nr. 274-77, 1929; Ausw. in: Dt. Lit. in Enwicklungsreihen, 18a (Barocklyrik), Bd. 2, hrsg. v. H. Cysarz, 1937, S. 232-42.

Literatur  
ADB I; Goedeke III, 1887, S. 271; G. H. Wegener, H. A. Frhr. v. A., Ein Btr. z. Gesch. d. dt. Lit. im 17. Jh., 1910; H. Heckel, Gesch. d. dt. Lit. in Schlesien I, 1929, S.316-19: A. H. Meyer, Die Himmel-Schlüssel des A., 1939; R. A. Schröder, Beständigkeit u. reine Treu (H. A. A.), in: Frankfurter Ztg., 1943, Nr. 298/99, S. 4; Newald, 1951.

Autor  
Willi Flemming
Empfohlene Zitierweise  

Flemming, Willi, „Abschatz, Hans Aßmann Freiherr von“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 24-25 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118500279.html

ADB-Artikel

<< Abs, Johann Christian Josef     Abt, Karl Friedrich >>

Abschatz, Hans Erasmus

 LebenAutorZitierweise

Leben  
Abschatz: Hans Erasmus (Aßmann) Frhr. v. A. , Dichter aus der zweiten schlesischen Schule, geb. zu Würbitz, einem Abschatzischen Familiengut in Schlesien, 4. Febr. 1646, † 22. April 1699 zu Liegnitz. Früh verwaist, aber sorgfältig erzogen, studirte er, nachdem er das Liegnitzer Gymnasium besucht|hatte, zu Straßburg und Leiden die Rechte und machte darauf eine dreijährige Reise durch Belgien, Frankreich und Italien. Im Alter von 23 Jahren heimgekehrt, übernahm er die Bewirtschaftung seiner Güter und verheirathete sich 1669 mit Anna v. Hund. Seine Vermögensumstände, wenn auch mitunter durch die Zeitläufte gedrückt, waren im Ganzen günstig; sein Familienleben, nur durch den Tod lieber Verwandter mehrfach getrübt, im Uebrigen sehr glücklich. Das Verwaltungstalent, welches er in eigenen und fremden Angelegenheiten bekundete, gab den Anlaß, daß er, als 1675 nach dem Tode des letzten Piasten, Herzog Georg Wilhelms, Schlesien ganz an Oesterreich kam, in die öffentlichen Geschäfte gezogen ward. Zweimal ging er, erst als Syndicus des Liegnitzischen Fürstenthums, dann als Gesandter der gesammten schlesischen Stände, an den kaiserlichen Hof, wurde von Kaiser Leopold baronisirt und 1679 zum Landesbestallten im genannten Fürstenthume und zum ständigen Deputirten bei den schlesischen Fürstentagen zu Breslau gewählt. Durch seine in diesen und anderen öffentlichen Aemtern entfaltete Thätigkeit erwarb er sich die dankbarste Achtung seiner Landsleute, in der ihm zu Theil ward, was er sich in einem seinen 50jährigen Lebenslauf überschauenden Gedichte als schönsten Lohn wünscht: "Das ist der beste Ruhm, auf einer Grabschrift lesen: der ist im Vaterland ein ehrlich Mann gewesen." — Als Dichter schließt er sich zunächst an Lohenstein an, mit dem er persönlich befreundet war. Obwol er selbst von seinen Arbeiten nur die Ubersetzung des Guarini'schen "Pastor fido" in wenig Exemplaren für Freunde drucken ließ, so genoß er doch schon bei Lebzeiten als Dichter einen großen Ruf. Vor Allem priesen seine Zeitgenossen ihn für seine Ubersetzungen, und in dem Umstande, daß ein Adliger eine solche Stellung zur Poesie einnahm, sahen sie einen günstigen Umschwung der Litteraturverhältnisse, durch den nun Deutschland dem Auslande, vor Allem Frankreich und England, nacheifern werde. Auch er selbst deutet wiederholt an, daß er in diesem Sinne auf seine Standesgenossen einwirken möchte: der Adel ohne persönliches Verdienst sei ein leeres Haus auf fremden Grund gebaut, und wenn auch Staatsdienst und Waffenhandwerk ihm zunächst als sein Theil zufalle, so sei es doch nur seine Blüthe des Geistes, durch die er sich den höchsten eigenen Ruhm erwerben könne. In der That ist A. selbst ein schönes Beispiel hierfür, denn was ihn kennzeichnet, ist die Verbindung eines achtungswerthen Talentes, welches sich schon sehr früh kundgab, mit dem ehrbaren Sinn des patriotischen Geschäftsmannes und dem feinen Maaß des Weltmannes. Beides bewahrte ihn im Ganzen vor dem Schwulst und der Ueberschwenglichkeit, denen gerade die reicheren Geister seiner Zeit verfallen sind. In der Jugend zeigt er einen fröhlichen Lebensmuth, ohne sich irgendwo der damals modischen Schlüpfrigkeit schuldig zu machen; im Mannesalter einen reinen, kräftigen, mit ernster Gedankenarbeit beschäftigten Geist; nur zuletzt klingt uns unter dem Drucke körperlicher Leiden und öffentlicher, durch den Türken- und Franzosenkrieg veranlaßter Sorgen aus seinen Gedichten ein wehmüthiger Ton von Müdigkeit nnd Sterbesehnsucht entgegen. Doch fügt er, wenn er in einem, vielleicht an seinem letzten Geburtstage gedichteten, Gebet um den Tod bittet, wackeren Sinnes hinzu: "Wofern noch Kind und Land mein Leben nützen kann, So friste dies und laß mich's nützlich legen an." Seine schlichte Frömmigkeit ruht auf kindlichem Bibelglauben, gleich fern von Engherzigkeit und Ueberspanntheit. Eine Gesammtausgabe seiner Gedichte, wol von Christian Gryphius besorgt, erschien erst 1704: "Herrn Hannß Aßmanns Freyherrn von Abschatz ... Poetische Ubersetzungen und Gedichte." Sie enthält den "Teutsch-redenden treuen Schäffer" des Guarini, eine Sammlung Adimarischer "Scherzsonnette" (z. Th. in Terzinen; auch Sextinen und andere italienische Formen wendet A. an), "Anemo's und Adonis' "Blumen"|(Liebesgedichte), "Himmelsschlüssel" (d. i. primulae veris: geistl. Gedichte,) "Gelegenheitsdichtungen" und "Vermischte Gedichte", unter denen sich die körnigen Epigramme auszeichnen. Eine Auswahl gab Müller im 6. Bande der Bibl. deutscher Dichter des 17. Jahrh. Zahlreiche poetische und prosaische Nachrufe seiner Freunde dienen theils als Zeugnisse für die Bedeutung des Dichters unter seinen Zeitgenossen, theils als Quellen für seine Biographie. Dahin gehören Chr. Gryphius (im 2. Theil von dessen Gedichten S. 99), Martin Hanke (Monumentum biographicum), Thebesius u. A.

Autor  
v. Liliencron.
Empfohlene Zitierweise  

Liliencron, Rochus Freiherr von, „Abschatz, Hans Erasmus“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 22-24 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118500279.html?anchor=adb

Quelle/Vorlage: 
NDB 1 (1953), S. 24-25
ADB 1 (1875), S. 22-24

PND: 118500279
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Index

Abschatz, Hans Aßmann Freiherr von

Name: Abschatz, Hans Aßmann Freiherr von
Namensvariante: Abschatz, Johann Erasmus Freiherr von
Namensvariante: Aßmann, Hans Erasmus
Lebensdaten: 1646 bis 1699
Geburtsort: Breslau
Sterbeort: Liegnitz
Beruf/Lebensstellung: Dichter
Konfession: lutherisch
Autor NDB: Flemming, Willi
Autor ADB: Liliencron, Rochus Freiherr von
PND: 118500279

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Abschatz, Hans Aßmann Freiherr von

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