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Abt, Karl Friedrich
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Abt (auch
Abbt): Karl
Friedrich
A.
, geb. 1743 in Stuttgart
Korrektur: Nach Weyermann, Ulmer Gelehrtenlex., ist Abt 1733 zu Ulm geboren.
, † 20.
Nov. 1783, interessant als typischer Repräsentant
deutschen Schauspielerthums in der ersten Entwickelungsperiode. Er
ist die verkörperte Wanderlust eines Schauspielprincipals, der
seinen Beruf als ein Apostolat des Schönen auffaßt, bald hier bald
dort seine Tempel baut, heute mit Glück sich eine andächtige
Gemeinde, selbst im Auslande schafft, morgen durch
Theilnahmlosigkeit ins Elend geräth, um übermorgen mit zäher
Rastlosigkeit und nimmer ersterbender Hoffnung wieder neu seine
Thätigkeit zu beginnen. Die Nachrichten über ihn sind vielfach
verworren. Die Mittheilungen bei Ersch und Gruber und im
Allgemeinen Theaterlexikon sind meist falsch. Das Folgende ist
größtentheils Gothaer Theaterkalendern entnommen. (Das
Ausführlichste bringt der vom Jahre 1777. Im Jahrgang 1785 ein
kurzer Nekrolog, in dem von 1784 der Nekrolog seiner Frau.) — Er
ging etwa 1766 zum Theater, spielte anfänglich in Süd- und
Südwestdeutschland, entführte in Biberach seine Frau
Felicitas, welche ihm die angesehene Familie
derselben nicht geben wollte, bildete diese zur Schauspielerin
aus, reiste dann mit seiner Gesellschaft in Sachsen und Thüringen
und faßte 1772 den Entschluß, der Apostel des jungen deutschen
Schauspiels in Holland zu werden. Von dort dachte er sogar nach
England zu gehen. Am 16. Oct. 1772 eröffnete er seine Bühne im
Haag, gefördert vom Hofe und der besten Gesellschaft. Er hat viel
dazu beigetragen, die deutsche dramatische Litteratur in Holland
bekannt zu machen. Weisse's "Romeo und Julie", Lessing's "Emilia
Galotti" etc. wurden in Folge der Anregung seiner Bühne dort
zuerst übersetzt. Nach kurzem Aufenthalte in Düsseldorf finden wir
ihn 1773 wieder in Holland. Er bereist jetzt Leiden und läßt dort
ein großes transportables hölzernes Schauspielhaus bauen, mit dem
er nach Herzogenbusch, Utrecht, Cleve, Nymwegen, endlich wieder
nach dem Haag zieht. Dort richtet ihn ein holländischer Concurrent
zu Grunde. Er geht jetzt nach Haarlem, wo ihn die Amsterdamer
Kunstfreunde hauptsächlich stützen. In Amsterdam selbst verhindert
die Behörde sein Auftreten. Von dort zieht er nach mehreren Orten
Nordhollands, zuletzt nach Diemer-Meer, in der Nähe von Amsterdam.
Er hat hier außerordentlichen Zulauf und sein Glücksstern steht im
Zenith. Schwere Krankheit seiner Familie, ja der ganzen
Gesellschaft stürzt ihn wieder ins Unglück. Er muß die
selbständige Entreprise niederlegen und tritt als artistischer
Leiter in die Dienste einiger Privatleute, die ihn auslösen und
das Theater übernehmen. 1776 geht auch dies Unternehmen zu Grunde.
A.
geht nun mit einer neugeworbenen Truppe nach Münster.
Von dort aus bereist er auch Göttingen, Hannover, Bremen etc. 1780
verliert er die Direction in Münster und mit einer neugeworbenen
Truppe zieht er 1781 wieder als selbständiger Principal nach
Hannover, Göttingen, Bremen. Dort stirbt er. In feierlichem
Begräbniß wird seine Leiche in der Klosterkirche beigesetzt, was
vielfaches Aergerniß erregt. Seine Kinder versorgte die Stadt
Bremen. — Auf einer seiner Reisen war er am 7. Juni 1778 in Böhmen
während des bair. Erbfolgekrieges von croatischen Vorposten
aufgegriffen und als vermeintlicher Spion gefangen gehalten
worden. Er schrieb damals ein Pamphlet: "Abt's unempfindsame und
doch sehr
empfindliche Reise durch die Vorposten der Croaten auf Befehl des
Hrn. Oberst von Winkelmann." — Seine Gattin Felicitas galt als
eine vortreffliche Schauspielerin. Ihr Bild findet sich im Gothaer
Theater-Kalender von 1780. Mehrfache Gedichte auf sie in
verschiedenen Jahrgängen desselben. Sie war 1746 in Biberach
geboren und starb in Göttingen. Sie war auch ihres
persönlichen Charakters halber hochgeachtet. Von einem Engagement
des Abt'schen Ehepaars am Hoftheater in Gotha, welches Ersch und
Gruber wie Robert Blum im Allgemeinen Theaterlexikon erwähnen,
findet sich nirgends eine verläßliche Nachricht. Frau
A.
war die erste deutsche Schauspielerin, welche es
wagte, den Hamlet zu spielen, ein kunstwidriges Experiment,
welches bis in die neueste Zeit mehrfach wiederholt worden
ist.
Autor ↑
Förster.
Empfohlene Zitierweise ↑
Förster, „Abt, Karl Friedrich“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
24-25
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116004827.html?anchor=adb
Abt, Karl Friedrich
Name: Abt, Karl Friedrich
Namensvariante: Abbt, Karl Friedrich
Lebensdaten: 1733 oder 1743 bis 1783
Beruf/Lebensstellung: Schauspieler
Konfession: evangelisch?
Autor ADB:
FörsterPND: 116004827