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Merkel, Friedrich

Mediziner, * 5.4.1845 Nürnberg, 28.5.1919 Göttingen.


Genealogie | Leben | Werke | Literatur | Portraits | Autor | Zitierweise

Genealogie  
V Sigmund (1806–80), Apotheker (Mohrenapotheke) u. Magistratsrat in N., S d. Paul Wolfgang (s. 1); M Clara (1816–77), T d. Dr. med. Johann Carl Osterhausen (1765–1839), Arzt in N., u. d. Susanna Maria Wilhelmina Krüger; Vt Johannes (s. 3); - 1870 Anna (1850–1923), T d. Jacob Henle (1809–85), Prof. d. Anatomie in G. (s. NDB VIII); 3 S (2 ⚔), 3 T (2 jung †), u. a. Paul (1872–1943), Prof. d. Rechte in Greifswald (s. Kürschner, Gel.-Kal.; Wi. 1935); N Johannes (s. 4).

Leben  
M. studierte seit 1864 Medizin in Erlangen, Greifswald und Göttingen, wurde 1869 in Erlangen mit einer Dissertation „Über die Macula lutea des Menschen und die Ora serrata einiger Wirbeltiere“ promoviert und trat die Stelle eines Prosektors bei Jacob Henle in Göttingen an. 1870 habilitierte er sich mit der Schrift „Die Zonula ciliaris“. 1872 erhielt er fast gleichzeitig Rufe als Ordinarius nach Basel und Rostock. In Rostock verbrachte M. elf wissenschaftlich fruchtbare Jahre und wurde 1881 und 1882 zum Rektor der Universität gewählt. 1883 folgte er einem Ruf nach Königsberg und kehrte 1885 wieder nach Göttingen zurück, wo er nach Henles Tod dessen Nachfolger wurde. 1892/93 war er Prorektor.
Das Schwergewicht von M.s Werk liegt auf der Anatomie. Neben den Untersuchungen über die männliche Keimdrüse und den Bau der quergestreiften Muskelfasern, über die obere Nackenlinie, den Schenkelsporn, einen in die Spongiosa des Femurhalses vorspringenden Kompaktafortsatz und den Bau der Lendenwirbelsäule kommt der Arbeit „Über die Endigungen der sensiblen Nerven in der Haut der Wirbeltiere“ (1880) eine zentrale Bedeutung zu; hier beschreibt M. die von ihm entdeckte einfachste Form der zelligen Nervenendkörperchen, die seitdem als „Merkelsche Tastzellen“ bezeichnet werden. Nicht minder bekannt ist seine Einführung des Xylols in die histologische Technik. In seinen „Bemerkungen über die Gewebe beim Altern“ weist M. nach, daß diejenigen Gewebe die frühesten und stärksten Alterserscheinungen zeigen, die sich vom Typus des embryonalen Gewebes am weitesten entfernt haben. Seine entwicklungsgeschichtliche Forschung erstreckt sich in erster Linie auf die Vorgänge in den späteren Embryonalmonaten und in der postembryonalen Wachstumszeit. Die Studie „Menschliche Embryonen verschiedenen Alters aus Medianschnitten untersucht“ (1894) ist ein wichtiger und häufig zitierter Beitrag zur Mechanik der Entwicklung.
Seine Idee, mit Hilfe einer bestimmt definierten Horizontalebene eine sichere Grundlage zum Vergleich verschiedener Schädel zu gewinnen, wurde als „Deutsche oder Frankfurter Horizontale“ (1884) zum Gemeingut der Anthropologie. Die Rekonstruktion zweier prähistorischer Schädel aus der Gegend um Göttingen, bei der er aufgrund anatomischer Kriterien der Schädelform und des Skeletts auf die zugehörigen Weichteile schloß, stieß gleichfalls auf großes Interesse. Mehr geistesgeschichtlich ausgerichtet sind die Beiträge „Bemerkungen eines Anatomen über die Gruppe des Laokoon“ (1876) und „Bemerkungen über Körperschönheit“ (1888), die Studie über den „Kuß“ (1879) und die einfühlsame Biographie „Jacob Henle, Ein deutsches Gelehrtenleben“ (1891).
M.s glänzende Begabung, schwieriges, in Spezialliteraturen zersplittertes Material zu|sammeln, kritisch zu werten und unter übergreifenden Gesichtspunkten zusammenzufassen, schlug sich in mehreren Lehrbüchern nieder. Neben der 1874 erschienenen Bearbeitung der makroskopischen Anatomie des Auges in Graefe-Saemischs „Handbuch der gesamten Augenheilkunde“ und dem Kapitel über die „Atmungsorgane“ in Bardelebens „Handbuch der Anatomie des Menschen“ (1902) ragen hier sein großes dreibändiges „Handbuch der topographischen Anatomie“ (1885-1907, ital. 1900-09) und der sechsbändige Grundriß „Die Anatomie des Menschen“ (1913-1918, 21927) heraus.

Werke  
Weitere W u. a. Anleitung z. Präparation d. Muskeln u. Körperhöhlen, 1889; Betrachtungen üb. d. Entwicklung d. Bindegewebes, 1909; Das Mikroskop u. seine Anwendung, 1875; Die Linea nuchae suprema, 1871; Dtld.s Ureinwohner, 1873. – Hrsg.: Anatom. Hh., 1892 (mit R. Bonnet).

Literatur  
M. Voit, in: Münchener Med. Wschr. 32, 1919, S. 907 f.; P. Jensen, Gedächtnisrede, in: Nachrr. d. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, 1920, S. 1-11; E. Kallius, in: Anatom. Anz. 54, 1921, S. 40-54 (W-Verz., P); W. Ebel, Catalogus Professorum Gottingensium 1734-1962, 1962; Pagel (P); Fischer.

Portraits  
Bildnisse Göttinger Professoren aus zwei Jhh., hrsg. v. M. Voit, 1937.

Autor  
Volker Zimmermann
Empfohlene Zitierweise  

Zimmermann, Volker, „Merkel, Friedrich“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 145 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116892951.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 17 (1994), S. 145 f.

Erwähnungen: 
NDB 8 (1969), S. 531* (Henle, Friedrich Gustav Jakob)
NDB 17 (1994), S. 144* (Merkel, Paul Wolfgang)
NDB 17 (1994), S. 146* (Merkel, Paul Johannes)
NDB 17 (1994), S. 147* (Merkel, Johannes)


GND: 116892951

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Index

Merkel, Friedrich

Name: Merkel, Friedrich
Lebensdaten: 1845 bis 1919
Geburtsort: Nürnberg
Sterbeort: Göttingen
Beruf/Lebensstellung: Mediziner; Anatom; Professor der Anatomie in Göttingen
Konfession: evangelische Familie
Autor NDB: Zimmermann, Volker
GND: 116892951

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