<< Merkel, Johannes
Merkel, Adolf >>
Merkel, Johannes
Jurist,
* 30.12.1852 Halle/Saale,
† 23.12.1909 Göttingen.
Genealogie
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Genealogie ↑
V Johannes (s. 3);
Ur-Gvv Paul Wolfgang (s. 1);
Ov Friedrich (s. 2); -
⚭ 1881 Käthe (1858–1919),
T d. Karl Friedrich
v. Dollmann (1811–67),
Prof. d. Rechte in München (s.
ADB V), u. d. Pauline
v. Roth;
Ov d. Ehefrau Georg
v. Dollmann (1830–95), Architekt (s.
NDB IV); 2
S, 2
T .
Leben ↑
Nach dem frühen Tod des Vaters fand
M. Aufnahme bei Nürnberger Verwandten, die ihm eine Gymnasialausbildung ermöglichten. Seine rechtswissenschaftlichen Studien an den Universitäten Göttingen, Halle und München schloß er 1874 in Göttingen mit der Promotion ab. 1877 habilitierte er sich in Halle für
röm. Recht; hier wurde er 1881 zum
ao. Professor ernannt. Noch im selben Jahr erhielt er einen Ruf als
o. Professor an die
Univ. Rostock. 1885 wechselte er an die
Univ. Göttingen, der er bis an sein Lebensende angehörte. Hier vertrat er die Fächer
röm., deutsches und bürgerliches Recht. 1899/1900 stand er der Universität als Prorektor vor. Durch die Gründung und musterhafte Verwaltung des Juristischen Seminars hat er sich bedeutende Verdienste um die Fakultät erworben. Wie sein Vater engagierte er sich auch stark in der
ev. Kirche. In Rostock wurde er Mitglied des Konsistoriums, in Göttingen gehörte er dem Landeskonsistorium und der Landessynode an. 1909 starb er nach langer, schwerer Krankheit.
Das Werk
M.s gliedert sich in vier Bereiche. Während er zunächst der Dogmatik des
röm. Rechts verpflichtet war, wandte er sich zwischen 1881 und 1892 der
röm. Rechtsgeschichte zu. Zwischenzeitlich erschienen 1879/80 drei Schriften zur gerade verabschiedeten Zivilprozeßordnung. In seinem letzten Lebensjahrzehnt galt sein Interesse der deutschen Rechtsgeschichte, zu der er den Zugang über die Rezeptionsgeschichte fand. Mit dem sich abzeichnenden Erfolg der
BGB-Gesetzgebung wandte sich
M., wie nahezu die ganze Generation der Romanisten seiner Zeit, von der dogmatisch-systematischen Interpretation des
röm. Rechts ab und der Rechtsgeschichte zu.
Bleibendes Verdienst erwarb sich
M. mit seinen Schriften zur Geschichte der Rezeption des
röm. Rechts in Deutschland. Sie sind weder in ihrem Ansatz noch in der Mehrzahl ihrer Ergebnisse überholt und fanden sogleich die Zustimmung angesehener Rechtshistoriker.
M. legte überwiegend regionale Untersuchungen vor; das gilt auch für die biographische Arbeit über Husanus. Dieses Vorgehen ermöglicht differenzierte Resultate bezüglich der örtlichen Unterschiede und des Grades der tatsächlichen Aufnahme des fremden Rechtes, zeigt auch zeitliche Verzögerungen dabei auf. In seinem letzten Werk legt er methodisch abweichend eine dogmengeschichtliche Arbeit vor, deren Schwerpunkt die deutschen Rezeptionsformen des
röm. Instituts ausmachen.
M.s Interesse richtet sich darauf, „den Rezeptionsprozeß … von der Seite des angewandten materiellen Rechtes her“ zu erfassen. Daher traten seine Arbeiten eine Zeitlang in den Hintergrund, weil das Forschungsinteresse sich dem Prozeßrecht zuwandte oder gar die Rezeption wesentlich als Verwissenschaftlichung des Rechts verstehen wollte. Mit der einsetzenden Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung der Rezeption findet auch
M.s Ansatz wieder mehr Beachtung.
Werke ↑
Die Lehre
v. d. successio graduum unter Intestaterben, 1876;
Über d. Koncurs d. Aktionen nach
röm. Privatrecht, 1877;
Über Arrest u. einstweilige Verfügungen nach d. geltenden
dt. Proceßrecht, 1880;
Abhh. aus d. Gebiete d.
röm. Rechts, H. 1-3, 1881/83/88;
Über Sepulcralmulten, 1892;
Heinrich Husanus (1536–87),
Hzgl. Sächs. Rath,
Meckl. Kanzler, Lüneburg. Syndicus, Eine Lebensbeschreibung, 1898;
Quellen d. Nürnberger Stadtrechts, in: Festgabe f. F. Regelsberger, 1901, S. 57-149;
Der Kampf d. Fremdrechtes mit d. einheim. Recht in Braunschweig-Lüneburg, 1904;
Die Justinian. Enterbungsgründe, 1908.
Literatur ↑
Chronik d.
Univ. Göttingen f. 1909, S. 6 f.,
Dt. Juristenztg. 15, 1910,
Sp. 131 f.;
W. Ebel, Catalogus Professorum Gottingensium 1734-1962, S. 52
(L).
Autor ↑
Bernd-Rüdiger KernEmpfohlene Zitierweise ↑
Kern, Bernd-Rüdiger, „Merkel, Johannes“,
in: Neue Deutsche Biographie
17
(1994), S.
147 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd101129815.html