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Bruns, Paul Eduard >>
Bruns, Nikolaus (Bruhns)
Violinist und Kirchenkomponist,
* Adventszeit 1665 Schwabstedt,
† 29.3.1697 Husum. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Paul (1640–89),
S des Paul, Lautenist und Ratsmusikus, und der Anna,
T des
Nik. Bleyer (1591–1658), Mitbegründer der Lübecker Geigerschule;
M Clelia,
T des Georg Volckmann, Organist in Schwabstedt;
Ov Friedrich Nicolaus (1637–1718), Direktor der Lübecker Rats- und Dommusik, Peter (1641–98), Violinist der Lübecker Ratsmusik und Mitarbeiter Dietrich Buxtehudes, dessen
Stief-V Nathanael Schnittelbach, Virtuose und im ganzen Norden bekannter Geigenlehrer;
⚭ Anna
Dor.,
T des Beamten Johann Hesse; 5
K; E Paul Jakob (1743–1814,
Gvv von Karl Georg s. 1).
Leben ↑
Den ersten Unterricht erhielt Bruns bei seinem Vater, der ihn mit 16 Jahren zu seinem Bruder Peter in die Lehre gab. Zugleich wurde Bruns in Lübeck von Dietrich Buxtehude in Orgel (Klavier) und Komposition unterrichtet. Die Bewunderung der Zeitgenossen galt weniger dem Komponisten als dem Virtuosen. Besonders rühmen die Zeitgenossen die unerhörte Meisterschaft im mehrgriffigen Spiel, mit der er sein polyphones Violinspiel selbst auf dem Orgelpedal begleitete und in Solokantaten mit obligater Violine vielleicht auch noch die Singstimme dazu sang. Nach einigen Wanderjahren als reisender Geigen- und Orgelvirtuose erhielt Bruns am 30.3.1689 das Organistenamt an der Husumer Stadtkirche. Noch im gleichen Jahr erging an ihn ein Ruf an die Kieler Nicolai-Kirche, aber es gelang, ihn durch eine großzügige Erhöhung
|seines Salariums in Husum zu halten. Er starb jedoch im Alter von 32 Jahren.
Da sich von Bruns Violin- und Gambenkompositionen, auch von seiner Klaviermusik, an der (nach Johann Nicolaus Forkel) noch der junge Bach „gelernt", nichts erhalten hat, beschränkt sich sein überlieferter Werkbestand auf 4 Orgelstücke und 12 Kirchenkantaten. Wie die Orgelwerke deutlich Stil und toccatenhafte Faktur seines Lübecker Lehrmeisters verraten, zeigt auch sein Vokalschaffen unverkennbar Buxtehudes Vorbild, steht aber wie dieser noch im Bannkreis des größeren H. Schütz. Im Rahmen des Schützschen durchkomponierten „großen Vokalkonzerts“ gelangte aber Bruns bereits zu musikalischen Einzelformen (Chorpartien, Arien, Instrumentalritornelle), also zur architektonisch gegliederten „Frühkantate“, der Vorläuferin der Neumeister-Bachschen Kirchenkantate. Doch beruht Bruns Bedeutung weniger auf dieser seiner Weiterentwicklung der Kantatenform, an der auch zahlreiche andere Kleinmeister beteiligt waren, als vielmehr auf seiner kraftvollen eigenschöpferischen Persönlichkeit. Den groß und leidenschaftlich empfindenden Ausdrucksmusiker trieb eine elementar-musikantische Begabung in impulsiver Lebens- und Schaffensfreude immer wieder zu konzertierendem Gestalten und zur Entfaltung naiv-virtuoser Mittel, andererseits führte sein von starker Erlebniskraft durchglühtes Menschentum den offenbar von schwerer Krankheit Heimgesuchten zu mystischer Versunkenheit und ließ ihn Töne von erschütterndem Lebensernst und fromm-ergebener Todesbereitschaft finden. Die herbe Schönheit und unmittelbar ergreifende Seelenhaftigkeit seines kleinen, aber um so kostbareren Werkschatzes verbürgen diesem großen, Buxtehude ebenbürtigen Meister des norddeutschen Barock seine Lebenskraft und Dauer.
Werke ↑
12 Kirchenkantaten (geistl. Konzerte), 3 Präludien u. Fugen f. Orgel in G, e, e u. d. Choralvorspiel „Nun komm d. Heiden Heiland“; Gesamtausg., 2
Bde.,
hrsg. v. F. Stein, in: Erbe
dt. Musik, Landschaftsdenkmale Schleswig-Holstein u. Hansestädte, 1937 u. 1939; ebenda f. d.
prakt. Gebrauch
v. F. Stein einzeln
hrsg.: Kantaten „Die Zeit meines Abschieds ist vorhanden", „Ich liege u. schlafe", „Jauchzet d. Herrn alle Welt“, „Mein Herz ist bereit“, u. d. Orgelwerke; Der 100. Psalm,
hrsg. v. G. A. Walter, 1919; Orgelwerke,
hrsg. v. Fr. Commer, M. Seiffert, K. Straube, 1925.
Literatur ↑
Ph. Spitta, J. S. Bach I, 1873, S. 254 f.;
H. Kölsch, N.
B.,
Diss. Kiel 1938
(ungedr.);
ders., in:
MGG (W, L);
J. Mattheson, Ehrenpforte, Hamburg 1740;
E. L. Gerber,
Lex. d. Tonkünstler, 1812;
Eitner.
Autor ↑
Fritz SteinEmpfohlene Zitierweise ↑
Stein, Fritz, „Bruns, Nikolaus“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
685 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118674714.html
Bruns, Nikolaus
Name: Bruns, Nikolaus
Namensvariante: Bruhns, Nikolaus
Lebensdaten: 1665 bis 1697
Geburtsort: Schwabstedt
Sterbeort: Husum
Beruf/Lebensstellung: Violinist; Kirchenkomponist
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Stein, FritzPND: 118674714