<< Löcker, Hermann
Löffelhardt, Heinrich >>
Loefen (Loefenius), Michael von (kurpfälzischer Adel 1604)
kurpfälzischer Geheimer Rat,
* um 1550 Trier,
† 30.4.1620 Heimhof (Oberpfalz). (reformiert)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V N. N.,
vermutl. kurtrier. Schultheiß in Leiwen/Mosel („Lovaniae scultetus“);
M N. N.;
⚭ 1) Straßburg 1575 Agnes,
T d. Lubertus Est,
Dr. med., Arzt in Straßburg, u. d. Agnes Hedio (
T d.
ev. Theol. Kaspar Hedio,
† 1552, s.
NDB VIII), 2) Heidelberg 1614-1615 Emilia Susanna (
Wwe d. Dr. Karl Lucas Stoeckley,
⚭ 3] Dr. Alexander zum Lamb,
kurpfälz. Hofgerichtsrat),
T d. Heinrich de Smet (Smetius) (1537–1614),
Prof. d. Med. in Heidelberg u.
kurpfälz. Hofarzt (s.
ADB 34), u. d. Hester van den Corput;
Verwandter Kaspar Olevian,
kurpfälz. Kirchenrat, dann
Prof. a. d.
Univ. Herborn, führender
ref. Theologe); 5
S, 6
T aus 1),
u. a. Hans-Michael (1578–1638),
kurpfälz. Richter zu Gnadenberg, Otto (
† 1663/64),
kurpfälz. Richter zu Kemnath, Felicitas (
⚭ Michael Schreyer,
kurpfälz. Richter zu Ensdorf), Agnes (
⚭ Georg Michael Lingelsheim,
† 1636,
kurpfälz. Geh. Rat, s.
NDB 14), Margarete (
⚭ Matthäus Mieg, 1567–1626,
kurpfälz. Hofgerichtsrat), Renate (
⚭ Hartmann Flach,
kurpfälz. Amtskeller zu Neckarelz);
E Katharina Elisabeth (
⚭ Adam Lorenz Böheim,
kurbayer. Kanzler d. Oberpfalz);
E Joh. Ludwig Mieg (1609–71),
kurpfälz. GR u. Kanzler.
Leben ↑
Der Trierer Exulant, der 1570 in der Heidelberger Antitrinitarier-Affäre als Zeuge für den Kirchenrat aufgetreten war, wurde nach Studien in Basel und Heidelberg am 24.6.1576
kurpfälz. Hofgerichtsrat. Beim Regierungsantritt des
luth. Kurfürsten Ludwig VI. mußte er jedoch als Reformierter bereits 1576/77 den Pfälzer Dienst quittieren. In Straßburg scheint er als Privatdozent Jura gelehrt zu haben; von Johann Sturm betriebene Pläne zur Berufung auf Rechtsprofessuren in Straßburg und Altdorf scheiterten 1580. Dafür trat
L. im Straßburger Kapitelstreit in die Dienste des
ev. Domkapitels, für das er mehrere Gesandtschaftsreisen unternahm.
Sein gutes Verhältnis zu den Wetterauischen Grafen, vor allem zu Graf Ludwig von Wittgenstein, führte
L. 1592 in der Vormundschaftskrise der Kurpfalz nach dem Tode des Administrators Johann Casimir in den Heidelberger Oberrat, wo er den Kanzler unterstützen und sich um die auswärtigen Angelegenheiten kümmern sollte.
L. gehörte mit seinen Kollegen Georg Michael Lingelsheim und Volrad
v. Plessen zu den entschiedensten Verfechtern des
ref. Bekenntnisses in diesem Heidelberger Regierungsgremium. Der Aufstieg zum wichtigsten Reichs- und Außenpolitiker der Heidelberger Regierung hing mit der Oberpfalzreise Kurfürst Friedrichs IV. 1596-98 zusammen, als
L. enge Kontakte zum Amberger Statthalter Fürst Christian I. von Anhalt-Bernburg knüpfte, dessen Vertrauensmann in Heidelberg er wurde. Wegen seines Gegensatzes zu den Exponenten einer vorsichtigeren Heidelberger Reichspolitik kam es zu Konflikten; deshalb fürchtete
L. 1601 das Schicksal des
kursächs. Kanzlers Krell und dachte an ein Ausscheiden. Aber mit der Sicherung des
ref. Bekenntnisses in der Kurpfalz nach 1602 war seine Stellung unangefochten; seither war er auf zahlreichen Gesandtschaftsreisen und durch Gutachten unermüdlich für die Pfälzer Reichs- und Bündnispolitik tätig.
L. erwies sich als entschiedener Verfechter der reichsfürstlichen Libertät, geprägt durch eine kompromißlos antikaiserliche und anti
|kath. Haltung, aber auch von Furcht vor einem
kath. Angriff. Dadurch wurde er zum Exponenten einer weit ausgreifenden
ev. Koalitionspolitik, ja sogar
ev. Kaiserprojekte.
L. plädierte für das Richteramt des Pfalzgrafen über den Kaiser und für die rückhaltlose Ausnutzung des Reichsvikariats. Seine publizistischen Auseinandersetzungen mit den Jesuiten machten ihn bekannt. Im Jülicher Krieg 1610 trat
L. für eine Ausnutzung der vermeintlich günstigen
europ. Konstellation zu einer kriegerischen Auseinandersetzung ein. Als dann aber 1610 nach dem Tod des schwachen Kurfürsten Friedrich IV. die von
L. u. a. vorbereitete Administration des
ref. Pfalzgrafen Johann II. von Zweibrücken zustande kam, verlor der engagierte Reformierte bei dem vorsichtigen Pfalzgrafen rasch an Einfluß. Seit 1612 zog er sich aus dem Heidelberger Rat zurück und beschränkte sich auf eine Gutachtertätigkeit für diesen und für Fürst Christian von Anhalt.
L. hielt sich nun zunehmend auf seinen Oberpfälzer Gütern auf, mit deren Kauf er 1598 begonnen hatte; seine wichtigsten Erwerbungen waren die Hofmarken Ebermannsdorf (1602) und Heimhof (1604); 1604 beteiligte er sich (
u. a. mit Christian von Anhalt) an einem Bergwerksunternehmen im Fichtelgebirge. Bereits 1599 hatte
L. die Landsassenfreiheit für die Oberpfalz erhalten. Da er 1598
ev. Administrator des Stifts Kastl wurde, rückte er auch als Exponent der Regierung in die Prälatenbank des Oberpfälzer Landtags ein, an deren Spitze er 1617 als Landschaftskommissarius der Prälaten trat.
Werke ↑
Epithalamion in nuptias Caroli IX Gall.regis et Isabellae, Maximiliani II. R. I. filiae, 1570;
Drey Jesuiter latein, 1607 (?);
Antiphilippica,
od. Rettung u. fernere Beweisung d. Anno 1606 beschehener Warnung … wider dess Regenspurg. Jesuit. Theologi, Jacobi Sylvani, alias Jakob Kellers aussgangene Philippicam, 1608;
Wolmeinende Warnung an alle
Christl. Potentaten u. Oberkeiten wider deß Bapsts u. seiner Jesuiten hochgefehrl. Lehr u. Practicken (
ca. 1608) (mehrere
Aufll.);
Defensio testamentariae tutelae, 1611 (mit M. Freher);
Gründl. Underricht
v. d. Frage ob d. Kayserl. Hoffrath neben d. Kayserl. Cammer Gericht zu Speyer concurrentem jurisdictionem in allen u. jeden Sachen habe?, 1613.
Literatur ↑
A. Reifferscheid (
Hrsg.), Briefe G. M. Lingelsheims, M. Berneggers u. ihrer Freunde, 1889;
Briefe u. Akten
z. Gesch. d. Dreißigj. Krieges, 11
Bde., 1870-1909;
M. Ritter,
Gesch. d.
Dt. Union
v. d. Vorbereitungen d. Bundes bis
z. Tode Kaiser Rudolphs II., 2
Bde., 1867/73;
ders.,
Dt. Gesch. im
Za. d. Gegenref. u. d. Dreißigj. Krieges II, 1895;
F. H. Schubert, Ludwig Camerarius 1573-1651, 1955;
V. Press, Calvinismus u. Territorialstaat, Regierung u. Zentralbehörden d. Kurpfalz 1559-1619, 1970;
A. Schindlung, Humanist. Hochschule u. freie Reichsstadt, Gymnasium u.
Ak. in Straßburg 1538-1621, 1977. -
L.
Gf. Oberndorff, in:
Bll. d.
Bayer. Landesver. f.
Fam.kde. 9, 1931, S. 53-61;
Rudolf
v. Loefen, Chronik d.
Fam. v. Loefen, 1942 (
ungedr.,
Ex. im Staatsarchiv Amberg,
Mss. Nr. 162 a). -
Eigene Archivstud.
Autor ↑
Volker PressEmpfohlene Zitierweise ↑
Press, Volker, „Loefen, Michael von“,
in: Neue Deutsche Biographie
15
(1987), S.
27 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11538913X.html