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NDB-Artikel

<< Grünberg, Martin     Gründler, Johann Ernst >>

Gründgens, Gustaf Heinrich Arnold

Schauspieler, Regisseur (Bühne und Film), Theaterleiter, * 22.12.1899 Düsseldorf, 7.10.1963 Manila (Philippinen) (auf Weltreise), Hamburg, Ohlsdorfer Waldfriedhof. (katholisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Arnold, Fabr. in D., S d. Arnold (1794–1875), Kaufm. u. Eisengroßhändler in Aachen, u. d. Lucia Urlichs; M Emmy, T d. Joh. Heinr. Ropohl, Uhren- u. Werkzeug-Großhändler in Köln, u. d. Juweliers-T Therese Brauweiler aus Köln; Schw Marita, Sängerin; Tante-v Antoinette ( Carl Guilleaume, 1887, Industrieller, s. NDB VII); 1) 1925 ( 1929) Erika (1905-69), T d. Schriftstellers Thomas Mann ( 1955) u. d. Katja Pringsheim, 2) 1936 ( 1946) Marianne (* 1911), Schauspielerin, T d. Rittergutsbes. Gustav Hoppe u. d. Margarethe Krüger; kinderlos; 1 Adoptiv-S .

Leben  
Nach dem Besuch des Gymnasiums, seinem Debut als Philipp (in „Jugendfreunde“ von L. Fulda) und einer schauspielerischen Tätigkeit am Fronttheater Friedrichsort bei Saarbrücken 1918 erhielt Gründgens seine berufliche Ausbildung auf der Schauspielschule Düsseldorf (Louise Dumont) 1919–20. Über seine ersten Engagements als Schauspieler am Stadttheater Halberstadt 1920-21 und am Stadttheater Kiel 1921-22 kam er zu Erich Ziegel an die Kammerspiele Hamburg 1922–28. Dort übernahm er auch Regieaufgaben (1926 erstes Gastspiel im Theater in der Josefstadt, Wien). Dann eroberte sich Gründgens Berlin. Neben seiner Tätigkeit am Deutschen Theater 1928-32 war er Regisseur an der Krolloper, der Staatsoper Unter den Linden und der Städtischen Oper mit gelegentlichen Abstechern an das Theater am Kurfürstendamm, das Theater am Schiffbauerdamm und das Lessingtheater (auch als Darsteller und Regisseur in Operette und Revue). 1932 spielte Gründgens am Staatlichen Schauspielhaus Berlin den Mephisto, war 1934-37 Intendant und bis 1945 Generalintendant der Preußischen Staatstheater (Theater am Gendarmenmarkt, Kleines Haus, Lustspielhaus). Vor der offiziellen Schließung der Theater in Deutschland bat Gründgens seinen unmittelbaren Vorgesetzten Hermann Göring, ihn von seinen Pflichten als Generalintendant zu entbinden. Er wurde 1943 als Gefreiter zum Dienst bei der Luftwaffe in Holland eingezogen. Nach mehrmonatiger Haft in russischen Lagern spielte er 1946-47 am Deutschen Theater in Berlin, um 1947-51 die Generalintendanz der Städtischen Bühnen seiner Heimatstadt Düsseldorf zu übernehmen. Da die Be|triebsform eines Kommunaltheaters mit drei Kunstgattungen der künstlerischen und wirtschaftlichen Struktur der Zeit nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr entsprach, gründete Gründgens die Düsseldorfer Schauspielhaus-Gesellschaft mit beschränkter Haftung, deren Geschäftsführer und künstlerischer Leiter er 1951-55 war. Die Gefahren eines Theaters mit vielen Gastspielverpflichtungen in der näheren und weiteren Umgebung (ungefähr 150 jährlich) erkennend, folgte er 1955 dem Ruf an das Deutsche Schauspielhaus Hamburg. Hier wirkte er bis 1963, um dann freiwillig sein Amt Jüngeren zur Verfügung zu stellen.
Die Möglichkeiten seiner Rollengestaltung reichen von Dr. Jura in „Das Konzert" (Bahr), Bolingbroke in „Das Glas Wasser" (Scribe), Dubedat in „Der Arzt am Scheidewege" (Shaw), Prinz in „Emilia Galotti" (Lessing) bis zum Marquis von Keith (Wedekind); von Trigorin in „Die Möve" (Tschechov), Josef K in „Der Prozeß" (Kafka), Sir Henry in „Die Coctailparty" (Eliot), Heinrich IV. (Pirandello) bis zum Kardinal Zampi in „Bacchus" (Cocteau); von Franz Moor in „Die Räuber" (Schiller), Richard II. (Shakespeare), Fiesko (Schiller), Orest in „Iphigenie" (Goethe), Oedipus (Sophokles), General Ramsay in „Das Herrenhaus" (Th. Wolfe), Wallenstein in „Wallensteins Tod“ (Schiller) bis zu König Philipp in „Don Carlos“ (Schiller). Die beiden Pole seiner Tätigkeit als Schauspieler und Regisseur waren Hamlet und Mephisto. So wurde er vom anfänglichen Darsteller interessanter Charaktere zum Charakterdarsteller interessanter Persönlichkeiten, dessen Schauspielkunst stets ein Dialog zwischen seiner Persönlichkeit und den von den Dichtern geschaffenen Charakteren war.
Als Theaterleiter war er ein vorbildlicher Prinzipal. Sein Spielplan – weltoffen – basierte auf den Werken der europäischen Klassiker. Gründgens setzte für viele Jahrzehnte gültige Maßstäbe, nicht nur für das deutsche, sondern für das europäische Theater. Während der Zeit des Nationalsozialismus blieb sein Theater eine Insel freiheitlicher Kunstübung. Sein Grundsatz bei der Arbeit als Regisseur war absolute Werktreue. Gründgens wurde aus Verantwortung gegenüber der Kunst zum disziplinierten, souveränen Darsteller und richtungweisenden Theaterleiter seiner Zeit.
Ein Puritaner in seinen persönlichen Ansprüchen – stets elegant-korrekt gekleidet –, forderte er für seinen Beruf den unbedingten Einsatz der physischen und psychischen Kräfte aller. Die Distanz zu seiner Umwelt wurde durch ihre Verhaltensweise bestimmt; die Distanz zu seinen Mitarbeitern durch ihr Können. Sein Leben gehörte ausschließlich dem Theater in allen seinen Erscheinungsformen. Gründgens gastierte mit seinen Schauspielerinnen und Schauspielern unter anderem in Edinburgh, Moskau und New York. Sein Ensemble vereinigte die profiliertesten deutschen Darsteller, die richtungweisenden Regisseure wie Jürgen Fehling, Lothar Müthel, Willi Schmidt, Karl Heinz Stroux und szenischen Bühnenbauer Rochus Gliese, Traugott Müller, Caspar Neher, Teo Otto und Robert Pudlich. Gründgens arbeitete als Schauspieler und Regisseur in wichtigen Rundfunksendungen im In- und Ausland|

Auszeichnungen  
Preuß. Staatsrat (1936), Präs. d. Dt. Bühnen-Ver. (1948–52), Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern (1953).

Werke  
Ein Treuloser bekennt sich zu Berlin, in; Theaterstadt Berlin, Alm. hrsg. v. H. Jhering, 1948; Wirklichkeit d. Theaters, 1953 (P); G. G. - Jürgen Fehling, Zwei Reden, 1963.

Literatur  
A. Mühr, G. G., aus d. Tagewerk d. Schauspielers, 1943; ders., Großes Theater, Begegnungen mit G. G., 1950 (P); L. Strelow u. G. Vielhaber, G., Sieben J. Düsseldorf, 1954; F. Luft, G. G., 1958; R. Clausen, G. inszeniert, 1960; ders., G. G., 12 Fotos, 1963 (P); G.-Schauspieler-Regisseur-Theaterleiter, 1963 (Verz. d. Rollen, Inszenierungen u. Filme); Enc. dello Spettacolo V, Rom 1958, S. 1814 ff.; Nachspiel auf d. Theater, Für G. G., Reden u. Texte d. Gedenkfeier am 20.10.1963 im Dt. Schauspielhaus in Hamburg, 1963; S. Melchinger, G. G.: Faust, 1959; C. Riess, G. G., 1965. - Schallplatten u. a. Dt. Grammophon-Ges.

Portraits  
Zeichnung v. R. Pudlich (im Bes. v. Frau Pudlich).

Autor  
Rolf Badenhausen
Empfohlene Zitierweise  

Badenhausen, Rolf, „Gründgens, Gustaf Heinrich Arnold“, in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 188-189 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118542850.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 7 (1966), S. 188-189
Erwähnungen: 
NDB 7 (1966), S.  298*
NDB 15 (1987), S. XV Korrektur
NDB 16 (1990), S. 50*
NDB 22 (2005), S. 552 in Artikel Schalla, Hans
NDB 22 (2005), S.  658 in Artikel Schellow, Erich
NDB 24 (2010), S. 528 in Artikel Söhnker, Hans

PND: 118542850
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Index

Gründgens, Gustaf

Name: Gründgens, Gustaf
Namensvariante: Gründgens, Gustaf Heinrich Arnold
Lebensdaten: 1899 bis 1963
Geburtsort: Düsseldorf
Sterbeort: Manila (Philippinen) (auf Weltreise)
Beruf/Lebensstellung: Schauspieler; Regisseur; Theaterleiter
Konfession: katholisch
Autor NDB: Badenhausen, Rolf
PND: 118542850

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Gründgens, Gustaf

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118542850

Normdaten
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