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NDB-Artikel

<< Kayserling, Meyer     Keck, Johannes >>

Kayßler, Friedrich

Schauspieler, Schriftsteller, * 7.4.1874 Neurode (Grafschaft Glatz), 28.4.1945 Kleinmachnow bei Berlin. (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Martin, Dr. med., Stabsarzt; M Marie Heyer; 1) N. N., 2) 1905 Helene Fehdmer ( 1939), Schauspielerin (s. NDB V); S aus 1) Christian (1898–1944), Schauspieler; E Christine, Schauspielerin.

Leben  
Ein Gastspiel der Meininger (1890) beeindruckte den früh verwaisten Breslauer Gymnasiasten Kayßler derart, daß er beschloß, Schauspieler zu werden. Während seiner Studienzeit in München (1893/94) widmete er seine Kraft weit mehr dem „Akademisch-dramatischen Verein" als dem Universitätsstudium. Anläßlich einer Aufführung von Georg Hirschfelds „Die Mütter“ (1.3.1894) wurde Otto Brahm auf den begabten Dilettanten aufmerksam und verpflichtete ihn für das „Deutsche Theater“ in Berlin. Nach Beendigung der Militärdienstzeit trat Kayßler 1895 sein Engagement an und erhielt seine Ausbildung unter dem Oberspielleiter Emil Lessing. Nach weiteren Lehrjahren in Görlitz (1897), Halle und Breslau (1898) kehrte er 1900 an das „Deutsche Theater“ zurück. Durch die Echtheit seiner Darstellung eroberte sich Kayßler schnell die Gunst des Publikums und die Anerkennung der Kollegen, zu denen unter anderem A. Bassermann, G. Engels, E. Reicher und M. Reinhardt gehörten. Obwohl ihn nun große Aufgaben erwarteten, löste sich Kayßler 1905 von seinem Förderer Brahm und wechselte zu Max Reinhardt über, in dessen|Ensemble er bis 1913 blieb. Er spielte unter anderem den Prinz von Homburg, die Titelrolle in „Gyges und sein Ring“ (1907), Faust I (1909), Faust II (1911) und Peer Gynt (1913). Kurz vor und während des 1. Weltkriegs nahm Kayßler verschiedene Engagements wahr: Am „Deutschen Schauspielhaus" Berlin und zugleich an der „Neuen Wiener Bühne" (1913), am Berliner „Lessing-Theater" (1914), bei der „Deutschen Künstlertheater Sozietät" (1915) und am „Berliner Theater“ (1916-18). 1919 wurde er Direktor der seit 5 Jahren bestehenden „Neuen freien Volksbühne“. Er entdeckte die noch unbekannten Regisseure Ludwig Berger und Jürgen Fehling und verpflichtete unter anderem Veit Harlan, Heinz Hilpert und Lucie Mannheim. 1923 legte Kayßler den verantwortungsvollen Posten nieder und gönnte sich bei den künftigen Engagements (Barnowsky-Bühnen, Deutsches Theater, Saltenburg-Bühnen) auch größere Pausen, um sich seinen schriftstellerischen Neigungen widmen zu können. Seit 1930 übernahm er immer häufiger Rollen in deutschen Spielfilmen. 1933 trat er in das Ensemble des von Gustaf Gründgens geleiteten Preußischen Staatstheaters ein, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Kayßler, dessen Spiel als „zielbewußt, fein abgetönt, maßvoll und frei von jedem unwahren Pathos“ gerühmt wurde, und der zum Ruf Berlins als Theaterstadt beitrug, wurde beim Einmarsch der sowjetischen Truppen 1945 durch eine MP-Garbe getötet|

Auszeichnungen  
Preuß. Staatsschauspieler, 1934; Ehrenmitgl. d. Bühnengenossenschaft.

Werke  
Wichtige Rollen in: Lessings „Nathan d. Weise“ (Tempelherr), „Emilia Galotti“ (Odoardo); Schillers „Maria Stuart" (Leicester), „Wallenstein“ (Wallenstein), „Don Carlos“ (Carlos); Kleists „Käthchen v. Heilbronn“ (W. v. Strahl), „Amphitryon“ (Jupiter); Hebbels „Maria Magdalena“ (Mstr. Anton); Björnsons „Paul Lange u. Tora Parsberg“ (Paul Lange); Strindbergs „Traumspiel“ (Advokat); Shakespeares „Kg. Lear“ (Lear). Mitwirkung in Filmen: 1930: Zwei Welten, Das Flötenkonzert v. Sanssouci, Stürme üb. d. Montblanc; 1931: Der Hptm. v. Köpenick, York, Der Mann, der d. Mord beging, 24 Stunden im Leben e. Frau, Luise, Kgn. v. Preußen, Im Geheimdienst, Täter gesucht, Kadetten; 1932: Das Schiff ohne Hafen, Marschall Vorwärts, Strafsache van Geldern, Goethe lebt …, Unter falscher Flagge, Die elf Schill'schen Offiziere; 1934: Gold, Der ewige Traum, Peer Gynt; 1935: Der höhere Befehl, Der alte u. d. junge König, Das Mädchen v. Moorhof, Mazurka, Friesennot; 1936: Der Hund v. Baskerville, Eine Frau ohne Bedeutung; 1937: Der zerbrochene Krug; 1938: Dreizehn Mann u. e. Kanone, Anna Favetti, Verwehte Spuren, Zwischen d. Eltern; 1939: Der singende Tor; 1940: Frdr. Schiller, Der Fuchs v. Glenarvon, Angelika, Bismarck; 1942: Der Strom; 1944: Träumerei; 1945: Das Leben geht weiter. - Bühnenbearbb.: Goethes Götz v. Berlichingen, 1916; Shakespeares Cybeline, 1923. - Stücke: Simplicius, trag. Märchen, 1905; Jan d. Wunderbare, Ein derbes Lustsp., 1916; Der Brief, Lustsp., 1927. - Ges. Schrr., 3 Bde., 1929; Worte z. Gedächtnis an Josef Kainz, 1910; Von Menschentum zu Menschentum, 1933; Helene Fehdmer z. Gedächtnis, 1942; Wandlung u. Sinn, Künstlerarb. u. Schauspielkunst, 1943; Besinnnungen, 1947.

Literatur  
J. Bab, in: Die Schaubühne, 1907; ders., F. K., o. J. (P); ders., Kränze dem Mimen, 1954; ders. u. W. Handl, Dt. Schauspieler, 1908; H. Land, in: Reclams Universum 27, 1911; F. Düsel, in: Das Theater 2, 1911; W. Turszinsky, in: Bühne u. Welt, 1912; H. Günther, Eine Freundschaft: C. Morgenstern u. F. K., in: Eckart 9, 1933; K. Witte, Kunstwollen u. Kunstforderung F. K.s, Diss. Greifswald 1940; F. Lennartz, in: Die Dichter unserer Zeit, 1941; H. Ihering, Von Josef Kainz bis Paula Wessely, 1942; P. Fechter, Abschied v. e. Generation, F. K. u. a., in: Westermanns Mhh. 3, 1950; Kosch, Theater-Lex., 1960; Friedrichs Theaterlex., 1969; Dt. Bühnen-Jb. 1935, 1940, 1951; Rhdb. (P).

Autor  
Rainer Hartl
Empfohlene Zitierweise  

Hartl, Rainer, „Kayßler, Friedrich“, in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 386 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118721402.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 11 (1977), S. 386 f.
Erwähnungen: 
NDB 5 (1961), S. 46*

PND: 118721402
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Index

Kayssler, Friedrich

Name: Kayssler, Friedrich
Lebensdaten: 1874 bis 1945
Geburtsort: Neurode (Grafschaft Glatz)
Beruf/Lebensstellung: Schauspieler; Schriftsteller
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Hartl, Rainer
PND: 118721402

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Kayssler, Friedrich

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118721402

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Schriftsteller im Rundfunk - Autorenauftritte im Rundfunk der Weimarer Republik 1924-1932

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