<< Borchardt, Karl Wilhelm
Borchers, Eduard August Georg >>
Borchardt, Rudolf
Dichter,
* 9.6.1877 Königsberg (Preußen),
† 10.1.1945 Trins bei Innsbruck. (evangelisch)
Genealogie
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| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Robert Martin (
† 1908), Direktor der Berliner Handelsgesellschaft,
S des Kommerzienrats
Rud., Teegroßhändler, Ältester der Kaufmannschaft in Königsberg, aus alter jüdischer Kaufmannsfamilie;
⚭ 1) London 1906 Clara (
† 1944, jüdisch),
T des Kaufmanns Salomon Ehrmann, 2) Bremen 1921 Marie Luise Voigt,
N des Dichters Rudolf Alexander Schröder (1878–1962); 3
S, 1
T aus 2).
Leben ↑
Borchardt studierte in Berlin, Bonn und Göttingen mit ungewöhnlicher Vielseitigkeit zahlreiche geisteswissenschaftliche Fächer, insbesondere Philologie und Archäologie. Seine bedeutendsten Lehrer waren Wilhelm Dilthey, Hermann Usener und Fr. Leo. Anfänglich ein vorbehaltloser Bewunderer Stefan Georges, in dem er „den zweifellosesten Sieg des individuell Mächtigen über den allgemeinen Zustand" zu erkennen glaubte, und wie jener ein erbitterter Verächter der Moderne, geriet er doch bald in scharfen Gegensatz zu der rituellen Bindung des Georgekreises. Seine heftigsten Angriffe richtete er gegen Friedrich Gundolf. Stetig und lebensbestimmend blieben demgegenüber seine Verehrung für Hugo von Hofmannsthal und seine Freundschaft mit Rudolf Alexander Schröder. Im 1. Weltkrieg bekannte er sich mit Leidenschaft zum Deutschtum. Er lebte zumeist in Italien, lange Zeit in der Nähe von Pisa. Durch glückliche Umstände blieb ihm 1944 ein schlimmes ihm drohendes Schicksal erspart. - Sein gesamtes Werk ist durch eine überragende Sprachbegabung gekennzeichnet. Dem Dichter ging es vornehmlich um die Beherrschung der Form. Gegen den fortschreitenden Kultur- und Sprachverfall kämpfend, unternahm er es, im „Durant" (1920) den Stil Wolframs nachzubilden, in der „Verkündigung" (dramatisches Gedicht, 1920) das mittelalterliche Mysterienspiel, im „Buch Joram“ (1907) das lutherische Bibeldeutsch, wobei es ihm immer nur um Annäherung zwischen dem Archaischen und einer selbstgeschaffenen Kunstsprache zu tun war. An seiner Übersetzungskunst haben der Forscher und der Sprachgestalter gleich hohen Anteil. Die Umdichtung der „Divina commedia“ (1923) ist der Versuch, eine dem Toscanischen Dantes kongeniale oberdeutsche Dichtersprache um 1300 zu konstruieren. Außer Swinburne (1919), in dem er sein eigenes Wollen vorweggenommen finden mußte, übertrug er fast nur Werke des Mittelmeerraums, von den frühgriechischen Hymnen bis zur provenzalischen Lyrik. Seine zumeist in essayistischer Form vorgelegten wissenschaftlichen Studien galten der Begründung einer mittelalterlichen Altertumswissenschaft und der Beweisführung seiner Thesen über die mittelmeerische Kultureinheit.
Werke ↑
Weitere W Dichtungen: Jugendgedichte, 1920; Die Schöpfung aus Liebe, 1923; Poet. Erzählungen. 1923 (darin
u. a. das Buch Joram); Das hoffnungslose Geschlecht, Erzählungen, 1929; Vereinigung durch d. Feind hindurch, Roman, 1937; Gedichte.
Ausw. v. H. U.
v. Balthasar, Basel 1948;
Überss.: Platons Lysis (u. Das Gespräch
üb. Formen), 1912; Dantes Vita Nuova, 1922; W. S. Landors imaginäre Unterhaltungen, 1923; Altion. Götterlieder, 1924; Die Großen Trobadors, 1924; Pindar, 1931;
Reden u. Abhh.: Rede
üb. Hofmannsthal, 1905; Der Krieg u. d.
dt. Selbsteinkehr, 1915; Der Krieg u. d.
dt. Verantwortung, 1916; Prosa I, 1920; Handlungen u.
Abhh., 1928; Pisa,
|Ein Versuch, 1938,
Neuausg. 1948;
Urveröff.: Grundlegung u.
Wiss.-lehre d.
ma. Altertumswiss.;
Unterss. üb. Homer.
Literatur ↑
K. Voßler, Üb.
B.s
dt. Dante, in: Neue
Dt. Btrr., 1923, H. 1;
A. Happ, Üb.
B.s
Schrr., in: Die neue Dichtung,
Jb., 1924, S. 142-68;
G. Caffrey, R.
B., in: New Criterion 5, London 1927;
Soergel,
201928, S. 782-92;
M. Rychner, Erinnerung an R.
B., in: Zeitgenöss.
Lit., Zürich 1947, S. 57 ff.;
H. Uhde-Bernays, R.
B., Ein Versuch, in:
Dt. Btrr., 1947, H. 3;
R. A.
Schröder, R.
B., in: Die Neue Zeitung, 25.1.1948;
Rhdb. I
(P);
Kosch, Lit.-Lex. I
(W, L);
K. A. Kutzbach, Autorenlex. d. Gegenwart I, 1950;
Körner, S. 490
(L).Portraits ↑
in:
Rhdb. I, S. 180.
Autor ↑
Adalbert ElschenbroichEmpfohlene Zitierweise ↑
Elschenbroich, Adalbert, „Borchardt, Rudolf“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
456-457
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118513435.html