Name
Erchanger
Namensvarianten
Erchanger
Lebensdaten
gestorben 917
Geburtsort
-
Sterbeort
-
Beruf/Lebensstellung
Pfalzgraf; alemannischer Graf; Kammerbote; Graf im Elsaß und Breisgau
Konfession
katholisch
Autor NDB
Karl Schmid
Autor ADB
P. Stälin.
GND
135973988

Erchanger

alemannischer Graf, Pfalzgraf, beansprucht die Herzogsgewalt in Alemannien, hingerichtet 21.1.917 „Adinga“ (Öthlingen bei Kirchheim unter Teck ?).

  • Genealogie

    Seine Herkunft ist im einzelnen ungewiß, doch weist der Name E. auf Abkunft v. Erchanger hin, dem bekannten Grafen im Elsaß u. Breisgau, dessen T Richardis Karl III. († 887) zur Gemahlin nahm. Der Name s. B Berthold hingegen läßt einen Zusammenhang mit der Fam. der sog. Bertholde erkennen, die unter Karl d. Gr. u. Ludwig dem Frommen sehr einflußreich war u. bes. im Baarenraum über reiche Besitzungen verfügte; V unsicher (möglicherweise Pfalzgraf Berthold); B Gf. Berthold (hingerichtet 21.1.917); Schw Kunigunde (⚭ 1] bayerischer Mgf. Liutpold, 2] Kg. Konrad I., 918); Bertha; N Liutfrid (hingerichtet 21.1.917), Hzg. Arnulf „der Böse“ v. Bayern († 937, s. NDB I).

  • Leben

    Erchanger ist im Vergleich zu seinem Bruder Berthold zweifellos die tatkräftigere Persönlichkeit gewesen. Wenn trotzdem das gemeinsame Wirken des Brüderpaares hervorgehoben wird, so geht diese Sicht vornehmlich auf Ekkehard IV. von Sankt Gallen zurück, der Erchanger und Berthold meistens zusammen handelnd schildert und sie „Kammerboten“ (nuntii camerae) nennt. In der Regierungszeit Ludwigs des Kindes war zunächst allerdings Markgraf Burkhard der starke Mann in Alemannien. Erst nach seinem und seines|Bruders Adalbert unglücklichem Ende (beide 911 ermordet) vermochten sich Erchanger und Berthold zielbewußt in den Vordergrund zu schieben. Ein bedeutender Abwehrerfolg über die Ungarn (913) und die Vermählung ihrer Schwester Kunigunde mit König Konrad I. vermehrten ihr Ansehen erheblich. Jedoch die folgenschwere Auseinandersetzung mit dem die Politik des Königs verfechtenden Konstanzer Bischof Salomon III. – der Anlaß war ein Burgenbau auf dem Stammheimer Königsgut – brachte die beiden Brüder und ihren Neffen Liutfrid endgültig in schroffen Gegensatz zu Konrad I., nachdem schon früher Zwistigkeiten entstanden waren. Auf die Gefangennahme des Bischofs durch Erchanger entgegnete der König mit der Verbannung des Täters. Als Erchanger 915 wieder in Alemannien auftauchte, gelang es ihm, zusammen mit dem jüngeren Burkhard, der in der Zwischenzeit aus dem Exil zurückgekehrt war und sich seinerseits gegen den König aufgelehnt hatte, sowie mit anderen Großen, einen Sieg gegen die Anhänger des Königs bei Wahlwies im Hegau (915) zu erringen. Die Großen machten Erchanger zu ihrem Herzog. Dann aber leisteten Erchanger, Berthold und Liutfrid der Ladung zur Synode von Hohenaltheim (September 916) Folge. Zur Klosterhaft verurteilt, wurden sie wider alles Erwarten kurze Zeit später auf Geheiß des Königs, ihres Verwandten, 917 hingerichtet. Wie der ältere Burkhard, so ist auch Erchanger beim Versuch, die Herzogsgewalt in Alemannien aufzurichten, nach vorübergehendem Erfolg gescheitert.

    • Literatur

        ADB VI;  Ekkeharti cas. s. Galli, in: Mitt. z. vaterländ. Gesch. St. Gallen, NF 5/6, 1877;  Ann. Alam., ebd., NF 9, 1884;  MG Const. 1, S. 618 ff.;  F. L. Baumann, Zur Schwäb. Grafengesch., Über d. Abstammung d. sog. Kammerboten E. u. Berthold, in: Württ. Jb. f. Stat. u. Landeskde. 1, 1878, S. 25 ff.;  U. Zeller, Bischof Salomon III. v.von Konstanz, Abt v. St. Gallen, = Btrr. z. Kulturgesch. d. MA u. d. Renaissance 10, 1910;  G. Tellenbach, Königtum u. Stämme in d. Werdezeit d. Dt. Reiches, 1939, S. 53, 87 f.;  ders., Die Entstehung d. Dt. Reiches, 31946, S. 166 f.;  K. Weller, Gesch. d. schwäb. Stammes bis z. Untergang d. Staufer, 1944, S. 148 ff.;  E. Kimpen, Zur Geneal. d. bayer. Herzöge v. 908-1070, in: Jb. f. fränk. LandesF 13, 1953, S. 55 ff.;  M. Hellmann, Die Synode v. Hohenaltheim (916), in: HJ 73, 1953, S. 127 ff.;  K. Reindel, Hzg. Arnulf u. d. Regnum Bavariae, in: ZBLG 17, 1954, S. 226 ff.;  H. Decker-Hauff, Die Ottonen u. Schwaben, in: ZWLG 14, 1955, S. 273 ff.;  G. Tellenbach, Krit. Stud. z. großfränk. u. alemann. Adelsgesch., ebd. 15, 1956, S. 172 f.;  Die Entstehung d. Dt. Reiches, Dtld. um 900, Wege d. Forschung I, 1956 (mit mehreren z. T. schon zit. Btrr);  O. Feger, Gesch. d. Bodenseeraumes I, 1956, S. 170 ff.;  Theod. Mayer, Das Schwäb. Hzgt. u. d. Hohentwiel, in: Hohentwiel, 1957, S. 88 ff.

  • Autor

    Karl Schmid
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmid, Karl , "Erchanger" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 566-567 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn135973988.html

Erchanger

  • Leben

    Erchanger, Prätendent des schwäbischen Herzogstuhls, † 917. Als sich in den Zeiten der späteren Karolinger bei den einzelnen deutschen Stämmen die herzogliche Gewalt entwickelte, fehlte es auch in Schwaben nicht an derartigen Bestrebungen. Sogleich nach dem unglücklichen Ende Burchards, Markgrafen von Rhätien und Grafen in der Baar, tritt das Gebrüderpaar E. und Bertold mit ähnlichen Versuchen auf, allein ihre, wie es scheint, dereinst in Liedern und Sagen verherrlichte Geschichte ist im einzelnen mannigfach dunkel. Ihrer Abkunft nach werden sie am wahrscheinlichsten für Enkel des Grafen Erchanger vom Nordgau und Breisgau gehalten; ihr Amt — der freilich für ihre Geschichte nur mit Vorsicht zu benutzende ausführlichste Darsteller ihrer Geschicke, Ekkehard II., nennt sie nuntii camerae, Kammerboten — wird wol am richtigsten|als ein Uebergang von den karolingischen Königsboten zu den späteren Pfalzgrafen aufgefaßt. Im I. 913 erfochten beide in Verbindung mit dem Argengaugrafen Ulrich und dem Herzog Arnulf von Baiern am Inn einen glänzenden Sieg über die damalige große Plage Deutschlands, die Ungarn. Zwar waren sie zur Zeit bereits mit König Konrad I. in Zwist gerathen, allein es erfolgte jetzt eine Aussöhnung, welche die Vermählung Konrads mit ihrer Schwester Kunigunde, Wittwe des Grafen Luitpold und Mutter des Herzog Arnulf von Baiern, bekräftigen sollte. Allein im J. 914 kam E. mit dem ehrgeizigen und vielvermögenden Bischof Salomo von Constanz, Abt von St. Gallen in Conflict und nahm ihn gefangen, worauf er selbst in die Hände König Konrads fiel und mit Landesverweisung bestraft wurde. Nach einer vergeblichen Erhebung Herzog Arnulfs für seinen Oheim steckte nun aber der Sohn des genannten Burchard, Burkhard der Jüngere, die Fahne der Empörung in Schwaben auf, mit ihm verband sich der zurückgekehrte E. sammt seinem Bruder, und sie siegten im I. 915 bei Wahlwies unfern Stockach über die Anhänger des Königs, worauf E. in Schwaben als Herzog anerkannt wurde und auch der vertriebene Arnulf nach Baiern zurückkehrte. Vor die im September 916 zu Hohenaltheim im Ries tagende Synode der deutschen Bischöfe wurden alle diese Aufrührer vorgeladen: E. insbesondere erschien in der Hoffnung gütlicher Ausgleichung der Sache und wurde wegen Versündigung am König und am Bischof Salomo zur Niederlegung der Waffen und zu lebenslänglicher Buße im Kloster verurtheilt. Allein vier Monate nachher wurde er mit seinem Bruder, dessen Verhalten zu obiger Synode nicht ganz klar ist, und seinem Neffen Luitfried den 21. Jan. 917 auf Befehl König Konrads, gegen welchen deshalb schon von alter Zeit her schwere Anklage wegen Arglist und Treubruchs erhoben worden, zu "Adingen" (einem nicht sicher zu ermittelnden Ort) durch das Schwert gerichtet, während es dem Genossen seiner Empörung, obigem Burchard, alsbald gelang, sich für die Dauer zum Herzog von Schwaben zu erheben.

    • Literatur

      Vgl. Christoph Friedrich v. Stälin, Wirtemberg. Geschichte I. 266—272. K. H. Frhr. Roth v. Schreckenstein in Forschungen zur deutschen Geschichte 6, 131—146. Ernst Dümmler, Gesch. des ostfränkischen Reichs, Bd. II, öfters (s. das Register).

  • Autor

    P. Stälin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stälin, P., "Erchanger" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 186-187 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn135973988.html?anchor=adb

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Quellen(nachweise)
Literatur(nachweise)

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