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<< Kisch, Wilhelm     Kisling, Martin >>

Kisker, August Wilhelm

Textilindustrieller, * 19.9.1812 Halle (Westfalen), 17.2.1881 Bielefeld. (evangelisch)


GenealogieLebenLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
Aus Leinenhändlerfam.; V Christoph Wilhelm (1781–1856), KR, Flachs- u. Leinenhändler in H., S e. Leinenkaufm. in H.; M Wilhelmine Dorothea, T d. Kaufm. Schwarze in Enger; 1) 1840 Wilhelmine (1821–43), T d. Leinenhändlers Krönig in B., 2) 1853 Emmeli (1828–1920), T d. Kreissekr. Consbruch; 8 K , u. a. Wilhelm (1855–1930), Georg, beide Mitinh. d. Fa. seit 1881 bzw. 1887.

Leben  
Kisker erhielt seine Schulbildung seit 1822 im Salzmannschen Institut zu Schnepfenthal in Thüringen. In Antwerpen erlernte er 1827-31 den Kaufmannsberuf. 4 Wanderjahre führten ihn nach England, Irland und Schottland, wobei er zwei Jahre lang als Kaufmann in Liverpool tätig war. Mit Ferdinand Lueder, Damastfabrikant in Gadderbaum bei Bielefeld, gründete Kisker nach seiner Rückkehr 1837 die Firma „Ferdinand Lueder & Kisker, Fabrikgeschäft in Leinen, Taschentüchern und Tischzeug“ unter Einbringung von 24 000 Talern, die er von seinem Vater als Darlehen erhielt. In der von Lueder vorher allein betriebenen Weberei vor den Toren Bielefelds liefen 29, in den Wohnungen einzelner Weber weitere 54 Webstühle. Kisker und Lueder führten die in Lyon entwickelte Jacquardweberei in größerem Umfange ein. Sie stellten als erste in Bielefeld Leinen, Tischzeug und Damastwaren fabrikmäßig her mit Maschinen, deren Kettfädensteuerung durch gelochte Pappkartons erfolgte. Kisker bemühte sich ständig um Einführung neuer Techniken. Für das erstmals in Bielefeld Fabrikation und Handel verbindende Unternehmen erzielte er Erfolge in der Ausweitung des Leinenhandels aufgrund ausgedehnter Reisen durch Frankreich, Belgien und Holland. Seine Reiseerfahrungen, unter anderem den Besuch einer neuartigen Jacquardfabrik in Brüssel, hielt er in zahlreichen Berichten fest.
1843 zum Hoflieferanten für Damast-Tafelzeuge ernannt, hatte die Firma Kunden in Moskau, Kapstadt, Rio, Mexiko und zahlreichen westeuropäischen Städten. 1844 erfolgte die Verlegung des Geschäftes nach Bielefeld; 1848 beteiligte sich Kisker an der Gründung der Friedrich-Wilhelm-Bleiche; 1851 erwarb er eine eigene Bleiche bei Brackwede, richtete sie nach neuen irischen Verfahren ein und nannte sie „Wilhelm Kiskers Bleiche“. Um die gleiche Zeit begannen Kisker und Lueder als erste in Bielefeld mit der Verarbeitung maschinengesponnenen englischen Garns, was den heimischen Spinnern Schwierigkeiten, der Firma jedoch gegenüber anderen Bielefelder Leinenfabrikanten einen Vorsprung brachte. 1859 trennte sich Kisker von Lueder und führte seinen Firmenteil von da an weiter als „A. W. Kisker, Fabrik für Leinen- und Tischzeuge“. Er ergänzte den Betrieb um zwei Webstuben und ein Lagerhaus. 1862 beteiligte er sich mit Erfolg an der Londoner Weltausstellung.
Frühzeitig überzeugt von der Bedeutung der Spinnmaschine, beteiligte sich Kisker 1854 mit Hermann Delius an der Gründung der „Ravensberger Spinnerei Aktiengesellschaft“ und wurde stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates. Der Betrieb sollte zur Ausschaltung der englischen Konkurrenz und gleichzeitigen Beschäftigung der bisherigen Heimarbeiter dienen.
Wiederum mit Delius und anderen gehörte Kisker 1862 zu den Gründern der ersten mechanischen Leinenweberei in Bielefeld, der „Bielefelder Aktiengesellschaft für Mechanische Weberei“, und war 1862-80 Mitglied ihres Verwaltungsrates.
1864 erkrankte Kisker; völlige Erblindung und Lähmung der Beine zwangen ihn, sich 1865 aus der unmittelbaren Leitung des Betriebes zurückzuziehen. Die Fäden auch weiterhin in der Hand haltend, nahm er 1871 Hermann Potthoff als Teilhaber in die Geschäftsleitung auf, sah sich allerdings 1872 gezwungen, nach 20jähriger Leitung die Bleiche in der Senne an Johann Wilhelm Hermann Windel (Windelsbleiche) zu veräußern. Die Erzeugnisse der Firma Kisker wurden weiter dort veredelt. Als Ausgleich gelang es Kisker, die Webereibetriebe zu erweitern. Söhne und Enkel führten das Unternehmen erfolgreich weiter. Kisker war als Stadtverordneter und Presbyter tätig und sorgte für den Bau eines Krankenhauses in Bielefeld.

Literatur  
100 J. Arbeit, Windelsbleiche Detmold, 1933, S. 20; 75 J. Bielefelder AG f. Mechan. Weberei 1864-1939, 1939, S. 35 ff.; 100 J. Bielefelder Leinen, Fa. A. W. K., 1939; 100 J. Ravensberger Spinnerei AG, 1954, S. 63 ff.; G. Schrader, in: Rhein. Westfäl. Wirtsch.biogrr. IV, 1941, S. 71-81 (P).

Autor  
Barbara Gerstein
Empfohlene Zitierweise  

Gerstein, Barbara, „Kisker, August Wilhelm“, in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 683 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd13596248X.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 11 (1977), S. 683 f.

PND: 13596248X
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Index

Kisker, August Wilhelm

Name: Kisker, August Wilhelm
Lebensdaten: 1812 bis 1881
Geburtsort: Halle (Westfalen)
Sterbeort: Bielefeld
Beruf/Lebensstellung: Textilindustrieller
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Gerstein, Barbara
PND: 13596248X

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Kisker, August Wilhelm

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