<< Albrecht Achilles
Albrecht V. >>
Albrecht Alkibiades
Markgraf von Brandenburg-Kulmbach,
* 28.3.1522 Ansbach,
† 8.1.1557 Pforzheim.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Casimir, Markgraf von Brandenburg-Kulmbach;
M Susanne,
T Herzog Albrecht IV. von Bayern-München;
Gvv Friedrich, Markgraf von Ansbach.
Leben ↑
Nach einer zügellosen Jugend, von Vormündern mangelhaft erzogen, ohne sittliche Grundlagen und ernsthafte protestantische Gesinnung bildete sich der junge Fürst seit 1543 in kaiserlichen Diensten gegen Frankreich und im Schmalkaldischen Krieg gegen seine eigenen Glaubensgenossen zum rauhen und gefürchteten Söldner- und Reiterführer aus. Bei Rochlitz gefangen (1547), durch den kaiserlichen Sieg bei Mühlberg befreit, dann noch jahrelang für die kaiserliche Sache tätig, glaubte er sich mehr und mehr von Karl V. geschädigt und wandte sich dem antikaiserlichen Fürstenbund des Kurfürsten Moritz von Sachsen zu. Ohne dem Bunde förmlich beizutreten, vermittelte Albrecht Alkibiades den Vertrag von Chambord (1552), der Metz, Toul und Verdun an Frankreich preisgab. Dann aber entfesselte er auf eigene Faust, voll von leidenschaftlichem Ehrgeiz, die Führung in Franken zu erringen, den verheerenden „Markgräfler Krieg", preßte mit roher Gewalt dem Bischof von Bamberg 20 Ämter, dem Bischof von Würzburg und der Reichsstadt Nürnberg große Geldsummen ab und verwüstete aufs grausamste auch die Mainzer und Trierer Stiftslande. Als sich der Kaiser entschieden weigerte, Albrecht Alkibiades' „exorbitante" Gewaltverträge mit den fränkischen Ständen anzuerkennen, verwarf Albrecht Alkibiades seinerseits den Passauer Vertrag, geriet aber dadurch in heftige Gegensätze zu Moritz von Sachsen und seiner Fürstenpartei. Während sich nun der „Fränkische Bund“ gegen Albrecht Alkibiades zusammenschloß, sah sich Karl V., um auf dem Zuge gegen Metz vor Albrecht Alkibiades gesichert zu sein, widerwillig gezwungen, die anfangs kassierten fränkischen Verträge anzuerkennen. Diese zweideutige Haltung des Kaisers verwirrte die deutschen Verhältnisse noch mehr. Die Heidelberger Vermittlungsversuche der neutralen Fürsten blieben erfolglos. An der Spitze eines allgemeinen Fürstenbundes, dem auch König Ferdinand beitrat, siegte Kurfürst Moritz bei Sievershausen über den „fürstlichen Mordbrenner“, verlor jedoch selbst das Leben (1553). In der Acht des Reiches, bald von den fränkischen „Bundständen“ überwältigt, büßte Albrecht Alkibiades seine gesamten fränkischen Lande samt der starken Plassenburg ein (1554). Nach einer letzten Niederlage bei Kitzingen entkam er nach Frankreich, 1556 kehrte er mit neuen Plänen zurück und starb, körperlich entkräftet und politisch völlig gescheitert, im folgenden Jahre bei seinem Schwager, dem Markgrafen von Baden. Albrecht Alkibiades' Lande mußten die Bundstände an seinen Neffen Georg Friedrich zurückgeben, der die zerstörte Plassenburg zu neuem Glänze erhob.
Literatur ↑
ADB I; J. Voigt, Markgraf A.
A. v. Brandenburg-Kulmbach, 2
Bde., 1852; E. Büttner, Der Krieg des Markgrafen A.
A. in Franken, in: Arch. f.
Gesch. u.
Altertumskde. v. Oberfranken,
Bd. 23, 1908; R. Friedrichsdorf, Markgraf A.
A. als Reiterführer, 1919; K.
Schottenloher, Johann Sleidanus u. Markgraf A.
A., in: Arch. f.
Ref. Gesch.,
Jg. 35, 1938, S. 193-202; O. Kneitz, A.
A., Markgraf
v. Brandenburg, 1522–1557,
Diss. Erlangen 1949
(ungedr.).
Portraits ↑
Kupf. v. M. Merian (Dresden,
Staatl. Kupf. Kab);
Gem. in d. Porträtsammlung d. Erzherzogs Ferdinand, Wien Kunsthistorisches Museum.
Autor ↑
Erich Freiherr von Guttenberg Empfohlene Zitierweise ↑
Guttenberg, Erich Freiherr von, „Albrecht Alkibiades“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
163
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118647776.html
<< Albrecht
Albrecht I. >>
Albrecht
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Albrecht, der später den Beinamen
Alcibiades erhalten, war ein Sohn des
hohenzollernschen Markgrafen Kasimir, der gemeinsam mit seinen
Brüdern die fränkischen Lande ob und unter dem Gebirge besaß, und
seiner Frau Susanne, einer Tochter des bairischen Herzogs Albrecht
IV. Er war geboren in Ansbach am 28. März 1522. Sein Vater lebte in sehr
bedrängten und unbequemen Verhältnissen. Nach dessen frühem Tode
(21. Sept. 1527) wurde sein Oheim, Markgraf Georg, Vormund über
ihn. Aber auch ein anderer Vatersbruder, Herzog Albrecht von
Preußen, bewies ihm fortwährend aufmerksames Interesse und
Zuneigung. Da Markgraf Georg ein eifriger Anhänger Luther's war,
ließ er in derselben Richtung seinen Neffen erziehen und
heranbilden; derselbe machte allerdings in wissenschaftlicher
Ausbildung geringe Fortschritte. Die habsburgischen Brüder, Karl
V. sowol als Ferdinand, hatten ihr Auge
schon früh auf den jungen Fürsten geworfen; sie wollten ihn 1530
am Hofe Ferdinands erzogen, also in der Gemeinsamkeit der alten
Kirche erhalten sehen. Markgraf Georg lehnte die Zumuthung ab.
Aber seine eigene Bedürftigkeit, so wie die auf Albrechts Landen
ruhende Schuldenlast verhinderten jeden größeren Aufwand.
A.
lebte meistens auf der Plassenburg bei Kulmbach;
bisweilen nahm ihn auch Georg auf Reisen mit sich. Er hatte ein
lebhaftes, ja wildes Temperament; Reiten und Jagen und Trinken war
seine Lust: zu Excessen hatte er natürliche Begabung und Anlage.
Die Idee, auf der Wittenberger Universität ihn studiren zu lassen,
gab man auf, "weil es mit dem jungen Herrn doch schon so weit
gekommen, daß seines Studirens nicht viel mehr sein wird". In
seinem achtzehnten Lebensjahr 1540 wurde er mündig. Nun stand er
bald mit seinem bisherigen Vormunde in ärgerlichen Händeln und
Zwistigkeiten; er verlangte eine Landestheilung; nach langwierigen
und gereizten Erörterungen fand die Theilung statt, zu Regensburg
23. Juli 1541: Markgraf Georg erhielt das fränkische Land
unterhalb des Gebirges (Ansbach),
A.
das Oberland und Voigtland (Kulmbach, Bayreuth). Die
Theilung wurde darauf durchgeführt und
A.
trat die Regierung seines Gebietes an.
A.
selbst hatte sich um die Gunst des Kaisers bemüht, die
einst sein Oheim ihm nicht hatte zu Theil werden lassen: im
Dienste des Kaisers lag für
|ihn die Aussicht auf eine
Zukunft. So ließ er für das kaiserliche Heer sich anwerben, als
Hauptmann über eine Schaar von 400 bis 500 Reisigen (Bestallung
vom 22. April 1543, von Karl ratificirt 15. Juni). Er machte den
Feldzug Karls im Sommer und Herbst 1543 mit; ohne grade sich
Lorbeeren zu erkämpfen, befestigte er sich doch in der Gunst
Karls: einen persönlichen Freund erwarb er sich in seinem
fürstlichen Kriegsgenossen, dem jungen Herzog Moritz von Sachsen.
Ebenso nahm er Theil 1544 an dem französischen Kriege Karls; in
Begleitung Karls zog er mit nach Luxemburg, Metz, Commercy, Ligny,
S. Dizier, Vitry. Nach dem Friedensschlusse in Crepy ging er nach
Hause. Im Winter 1544 auf 1545 machte er eine Reise nach Preußen
zu seinem Oheim, Herzog Albrecht. Seine kriegerische Thätigkeit
hatte die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt; sich und seinen Freunden
schien er den Anfang zu größerer Bedeutung gelegt zu haben.
Sein Oheim, Markgraf Georg, war 27. Dec. 1543 gestorben, mit
Hinterlassung eines fünfjährigen Erben, Georg Friedrich. Die
Vormundschaft über denselben sprach
A.
für sich an; sie wurde ihm bestritten. Ueber diesen
Anspruch sowol als über die noch nicht ganz erledigten Differenzen
aus der früheren Vormundschaft Georgs über
A.
gerieth er in neue Conflicte: in diesen Händeln wurde
A.
recht mißmuthig gestimmt gegen Kursachsen und Hessen,
welche durch Georgs Testament einen Anspruch auf die
Obervormundschaft erlangt hatten und geltend machten. Lange
schleppte diese Sache sich hin und verwickelte sich mehr und mehr.
Eine Vergleichshandlung in Naumburg im October 1545 wurde
gehalten, aber ein Ausgleich wurde nicht gewonnen. Die anderen
brandenburgischen Fürsten, Kurfürst Joachim, Markgraf Hans, Herzog
Albrecht, legten sich ins Mittel, aber in Markgraf
A.
entstand der Entschluß, aus allen den
Widerwärtigkeiten einen Ausweg durch kaiserliche Gunst sich zu
bahnen. Denn gleichzeitig mit dem Hader auf dieser Seite lockte
ihn unausgesetzt von der anderen Seite die kaiserliche Gunst.
Seine Lage und sein Verhalten bilden ein Seitenstück zu den ganz
ähnlichen Verhältnissen seines Kriegsgenossen Moritz von Sachsen:
durch ihre privaten Angelegenheiten wurden beide von der
Gemeinsamkeit mit den protestantischen Führern entfernt, während
beiden vom Kaiser her Gunst und Vortheil und Erhöhung winkte.
Schon 1545 warb
A.
Truppen; er setzte seine Rüstungen 1546 fort.
Kursachsen und Hessen fragten bei ihm an, was er im Schilde
führte. Man argwöhnte, er beabsichtige einen Handstreich gegen
Ansbach; Andere meinten, alles sei zum Dienste des Kaisers
bestimmt; ja es hieß,
A.
würde sich gebrauchen lassen gegen den damals von
Kaiser und Papst bedrohten Kurfürsten von Köln. Vor den
kaiserlichen Lockungen warnte ihn der preußische Oheim;
A.
meinte dem Dienst des Kaisers sich hingeben und doch
gleichzeitig seinem protestantischen Bekenntniß treu bleiben zu
können; er betheuerte wiederholt seine Ueberzeugung, daß Kaiser
Karl nichts wider die protestantische Religion vorhabe. Anfangs
Mai 1546 ging er zum Kaiser nach Regensburg, am 18. Juni empfing
er seine Bestallung als kaiserlicher Kriegsoberster; im Juli zog
er ins Feld.
Im Schmalkaldener Kriege diente also
A.
auf kaiserlicher Seite, zuerst im Gefolge des Kaisers
selbst während des Feldzuges an der Donau. Dann im Jan. 1547 eilte
er seinem Freunde Moritz zu Hülfe, gegen den sich die
Schmalkaldener mit ganzer Macht gewendet hatten. Ende dieses
Monates vereinigte er sich mit Moritz bei Zwickau und Chemnitz.
Kleine Gefechte folgten ohne Entscheidung. Ende Februar trennte
man sich wieder,
A.
zog nordwärts nach Rochlitz. Hier ließ er sich durch
die Herzogin-Wittwe Elisabeth von Rochlitz in Festlichkeiten und
Gelagen so beschäftigen, daß er von einem kursächsischen Corps am
2. März überfallen und trotz tapferer Gegenwehr persönlich
gefangen wurde.
|Er wurde in Wittenberg, dann auf der
Leuchtenburg bei Kahla, zuletzt in Gotha als Kriegsgefangener
gehalten. Seine Freiheit verdankte er dem Siege des Kaisers über
den Kurfürsten von Sachsen bei Mühlberg: erst in Folge der
Wittenberger Capitulation vom 19. Mai 1547 wurde
A.
wieder frei. Eine Zeit lang war er nun im Gefolge des
siegreichen Kaisers; zuweilen kam er aber auch in sein eigenes
Land. Der Dienst des Kaisers hatte ihm einen kleinen Landgewinn
eingetragen, Schloß und Amt Königsberg (in Franken). Aber er
glaubte auf weiteres in der Zukunft rechnen zu dürfen. Auch seinem
preußischen Oheim machte er Aussicht, durch seine Fürsprache beim
Kaiser ihm die kaiserliche Anerkennung zu verschaffen.
Auf dem Augsburger Reichstage 1547 und 1548 führte
A.
ein recht ungebundenes und liederliches Leben. Die
Wildheit seiner Anlagen hatte sich völlig entwickelt: dem niederen
Volke, besonders auch den Söldnern mochte ein solcher Raufbold und
virtuoser Zecher Gefallen erregen, in den unteren Massen immer
Anhang und Beifall zu finden im Stande sein; unter den maßgebenden
fürstlichen und politischen Personen zählte er wenig. Daß die
Knappheit seiner Mittel und die Verschuldung seines Besitzes bei
dieser Charakterbeschaffenheit ihn gewaltig verdrießen und ärgern
mußte, liegt auf der Hand. Natürlich war er Protestant, aber ohne
Religion und ohne Sittlichkeit. Das protestantische Bekenntniß war
ihm etwas äußerliches, gleichgültiges.
A.
war mit einem Worte ein Kriegsknecht, der für jede
Partei und jede Sache um Lohn zu haben war, der keiner Partei und
keiner Sache zur Zierde gereichte, wenn er auch durch seine
kriegerischen Eigenschaften ab und zu seiner Partei sich nützlich
zu erweisen im Stande war. Es scheint, als ob der Boden beim
Kaiser doch für Albrechts Wünsche nicht so günstig war, als er
gehofft hatte. Er entfremdete sich dieser Richtung. 1549 und 1550
warb er in größerem Umfange Truppen, um mit ihnen den Engländern
im Kriege gegen Frankreich zu dienen. Ehe es dazu gekommen, hatte
sein Freund, der neue Kurfürst Moritz von Sachsen, für seine Pläne
und seine Politik ihn gewonnen.
A.
half Moritz den antikaiserlichen Fürstenbund
zusammenzubringen. Seit den ersten Monaten des Jahres 1550 war
auch
A.
thätig, das herbeizuführen und vorzubereiten, was im
Frühjahr 1552 ans Tageslicht trat.
Die Aufzählung der einzelnen Schritte zu diesem Ziele gehört
mehr in eine Geschichte des sächsischen Moritz als hierhin.
Markgraf
A.
betheiligte 1550 sich persönlich an der Belagerung und
dem Kriege gegen Magdeburg, im Frühling und im Sommer 1551 führte
er als Stellvertreter von Moritz den obersten Befehl im Lager vor
Magdeburg. Als die geheimen Vergleichsverhandlungen mit den
Magdeburgern in Zug kamen, ging er in sein fränkisches Land
zurück. Zuletzt erhielt er von den protestantischen Verbündeten
den Auftrag, die Sache mit Frankreich ins Reine zu bringen.
A.
war nicht sebst Glied des eigentlichen Bündnisses; an
seiner wüsten und unreligiösen Natur hatte man sich vielfach
gestoßen; er war zur Cooperation mit dem Fürstenbunde geneigt,
aber "unverpflichtet". Nichtsdestoweniger war er es, der das
Bündniß mit Frankreich in Chambord am 15. Jan. 1552 zum Abschluß
brachte und im Februar schon mitten in eifrigen Rüstungen und
Werbungen stand.
Wenn der Fürstenbund und sein Haupt, der Kurfürst Moritz, zu
ihrer Erhebung durch allgemeine politische Motive ebensowol als
durch persönliche Verhältnisse geführt waren, so kann man von
A.
nur sagen, daß ihn der eigene Erwerb, die Lust zu
Beute und Eroberung allein angetrieben haben. Von dem zu machenden
Gewinn hatte er von vornherein geredet, die geistlichen Fürsten
ganz besonders bedroht und von ihnen finanzielle und territoriale
Erpressungen ins Auge gefaßt, ebensowol auf Würzburg und Bamberg,
als auf die Reichsstadt
|Nürnberg, "das trutzige
Krämervolk", hatte
A.
es abgesehen. Natürlich verkündigte sein Manifest, das
er am 1. April ausgehen ließ zur Rechtfertigung seiner Erhebung,
nicht diese seine privaten Absichten, sondern vielmehr eine Reihe
allgemeiner Klagepunkte und Beschwerden wider den Kaiser. Eine
Drohung allerdings gegen die Geistlichen unterließ er nicht
seinerseits hinzuzufügen. Sein Verhältniß zum gemeinsamen
Unternehmen des Fürstenbundes war ein loses: er war nicht im
Bunde, aber er half den Absichten des Bundes; er hatte damit freie
Hand, auch seine eigenen Absichten zu verfolgen.
A.
hatte seine Haufen mit den Heeren der anderen Fürsten
vereinigt, war mit denselben am 5. April in Augsburg eingezogen,
hatte mit ihnen vor Ulm sich gelagert; hier hatte er seine Methode
der Kriegführung vor der der anderen ausgezeichnet; er hatte
geplündert und verwüstet, während Kurfürst Moritz sehr bald schon
die militärische durch eine diplomatische Action unterstützt
hatte.
A.
trennte sich bald wieder von den Genossen und zog
durch Franken, brandschatzend und raubend. Es galt den Bisthümern
Würzburg und Bamberg und ganz besonders der Stadt Nürnberg. Es
gelang ihm, von ihnen einiges zu erpressen; er sagte von der
Mäßigung des Fürstenbundes sich los, rücksichtslos und
durchgreifend bestand er auf seinen persönlichen Absichten. Und er
erzwang auch am 19. Mai einen Vertrag mit Bamberg, am 21. Mai mit
Würzburg, am 19. Juni mit Nürnberg, durch welche Urkunden ihm
Landabtretungen nicht unbeträchlichen Umfanges und Geldzahlungen
zugesichert wurden. Ende Juni wendete er sich darauf den Main
hinab ins Gebiet des Kurfürsten von Mainz: ihm drohte ein
ähnliches Loos. Vor Frankfurt gesellte sich aber auch Moritz zu
ihm: da die Friedensverhandlungen in Passau stockten, galt es,
einen neuen Waffengang zu thun. Der Erfolg aber entsprach nicht
den Erwartungen; und so entschloß sich Moritz, auch einen nicht
ganz seinen Ideen entsprechenden Frieden anzunehmen
A.
dagegen wollte von dem Passauer Stillstande nichts
wissen: die von ihm vorgelegten Friedensbedingungen, welche eine
förmliche Garantie der fränkischen Verträge Albrechts vom Mai und
Juni enthielten, erschienen zu "exorbitant", der Kaiser wollte
darüber gar nicht verhandeln. Während nun die anderen
Bundesfürsten ihren Frieden in Passau schlossen, setzte
A.
auf eigene Faust seinen Krieg fort, er fiel über die
rheinischen Bisthümer her, zuerst über Mainz, dann auch über
Trier: er gedachte mit französischer Hülfe seinen Protest gegen
den Passauer Vertrag aufrecht zu erhalten und die errungenen
Vortheile zu schützen, ja noch durch neuen Gewinn zu vermehren.
Von beiden Parteien isolirt und jeder Rücksicht ledig, meinte
A.
mit verwegenem Trotze durch kriegerische Wildheit und
persönliche Tapferkeit seine persönlichen Ziele erreichen zu
sollen. Scharfen Wechsel des Glückes machte er in kurzer Zeit
durch. Kaiser Karl hatte zuerst Albrechts fränkische Verträge
cassirt, den Bischöfen geboten, sie nicht auszuführen und
A.
selbst in die Reichsacht gethan (29. Aug. 1552). Dann
aber, als
A.
der französischen Grenze mit seinen Schaaren sich
genähert und als die Franzosen nicht so schnell wie er wünschte
auf seine Bedingungen zur Regelung des neuen Verhältnisses
eingingen, da wurde er ganz plötzlich bewogen, in kaiserlichen
Dienst zu treten. Nach einem heftigen Zusammenstoß mit den
Franzosen begab im Glanze eines Siegers
A.
(12. Nov.) sich persönlich zum Kaiser. Der Preis, den
Karl zahlte, war die Zurücknahme der Maßregeln gegen
A.
, die Aufhebung der früheren Cassation und die
kaiserliche Confirmation der fränkischen Verträge.
A.
ertheilte sofort die Anweisung, daß nun in Franken
das, was ihm zugestanden, auch wirklich ihm eingeräumt würde. Dort
war das Entsetzen der Betroffenen groß über diese Wendung. Laute
Klage erscholl über den Kaiser; und nicht sich zu fügen entschloß
man sich um so mehr, als die Fürsten, die den Passauer Vertrag
vermittelt und den Frieden zu schützen bereit waren, ihrerseits
diese Dinge
|nicht guthießen. Im Jan. 1553 kehrte
A.
in sein fränkisches Land heim, selbst die Erledigung
seiner Angelegenheit zu betreiben. Vorwaltend war in
Süddeutschland die Neigung, Ruhe und Frieden zu schützen. Die
größeren Territorien vereinigten sich zu diesem Ende im
sogenannten Heidelberger Bunde. Man nahm nun zunächst zwischen
A.
und seinen fränkischen Gegnern eine vermittelnde
Haltung ein; eine Abfindung Albrechts schlug man vor. Er aber
lehnte dies Compromiß ab; und da schlugen sich die Vermittler auf
die Seite der durch ihn Bedrohten. Auch eine gütliche Beilegung,
die Karl darauf seinerseits versuchen ließ, hatte kein Ergebniß.
A.
wollte endlich mit Gewalt sein vermeintliches Recht
sich erzwingen. Im April 1553 brach ein neuer Krieg in Franken
aus. Es war Kurfürst Moritz, sein alter Genosse, der sich seinem
Beginnen in den Weg warf, Moritz als Beschützer des durch ihn
gewonnenen Friedens gegen den neue Unruhen aufregenden
Revolutionär. In dem Treffen bei Sievershausen am 9. Juli 1553
wurde Moritz auf den Tod verwundet, aber
A.
hatte eine gründliche Niederlage erfahren.
Nichtsdestoweniger war er zur Fortsetzung des Krieges
entschlossen. Mochten verwandte und befreundete Füsten sich ins
Mittel zu legen versuchen,
A.
bestand auf voller Erfüllung seiner Forderungen; und
so zerrann jede Aussicht auf friedlichen Austrag. König Ferdinand
auf der anderen Seite war der Ansicht, daß eine wirkliche
Beruhigung des Reiches nur dann zu erreichen, wenn man den
Markgrafen
A.
unschädlich gemacht; er bemühte sich, die anderen
Fürsten zu dieser Auffassung der Lage zu gewinnen. Nachdem
A.
bei Braunschweig am 12. Sept. eine neue Niederlage
erlitten, kam es im Herbst dazu, daß im Norden und im Süden
Deutschlands Albrechts Widersacher sich vereinigten. Er mußte nach
Franken zurückkehren, seine Erblande gegen die Angriffe zu
vertheidigen. Immer bedenklicher wurde in diesem fränkischen
Kriege seine Lage; Kulmbach wurde eingeäschert, die Plassenburg
selbst belagert; am 1. Dec. wurde die Acht über
A.
verhängt. Nun war es so weit gekommen, daß alle
Versuche seiner brandenburgischen Verwandten das Unheil von ihm
nicht mehr abwehrten. Von einer Stadt wurde er zur andern
getrieben. Die Vergleichstage in Rotenburg machten ihm nicht Luft,
seine kriegerischen Versuche hielten ihn nicht aufrecht; einzelne
kleine Erfolge nützten ihm auf die Dauer nicht mehr; am 22. Juni
1554 fiel sogar die Plassenburg in die Hand seiner Feinde und
wurde gründlich zerstört; im Juli wurde sein ganzes Gebiet von den
fränkischen Gegnern occupirt.
A.
selbst, "der Aechter", war flüchtig geworden nach
Frankreich. Es hieß, König Heinrich II.
habe ihn in seinen Dienst genommen, auf Rache sinne
A.
und würde einen neuen Einfall in Deutschland
versuchen. Jetzt hatte
A.
auch wiederholt erklärt, durch unparteiische
Schiedsrichter seine Sache entscheiden zu lassen; aber man war
gewitzigt und ließ sich jetzt nicht mehr darauf ein. Anfangs 1556
kehrte
A.
zurück, über Simmern nach Koburg. Auf dem Regensburger
Reichstage war noch einmal eine Verhandlung angesetzt worden; sie
hatte keinen besseren Erfolg als alle die früheren. Mittlerweile
plante
A.
neue Erhebung, suchte zu einem neuen Bündnisse gegen
den damaligen Zustand Bundesgenossen zu gewinnen. In dieser Zeit
aber war die Gesundheit Albrechts schon ernstlich erschüttert;
bald sah man, daß es mit ihm zu Ende ging. Bei seinem Schwager,
Markgraf Karl von Baden in Pforzheim, verschied er am 8. Jan.
1557.
Das Andenken, das er hinterlassen, ist weder das eines
fürstlichen Politikers, noch eines frommen Beschützers der
Reformation. Eine frische aber wilde realistisch zugreifende Natur
war er, — dem Kriegsvolke ein Abgott, dem ruhigen Bürger ein
Schrecken. Wie ein Gewitter zog er verwüstend und vernichtend
einher; bleibende Spuren seines Daseins ließ er nicht hinter sich
zurück. Unsere Litteratur besitzt über ihn die sorgfältige und
gewissenhafte Monographie
|von Joh. Voigt, Markgraf
Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach. Berlin 1852, in 2
Bänden.
Autor ↑
W. Maurenbrecher.
Empfohlene Zitierweise ↑
Maurenbrecher, W., „Albrecht“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
252-257
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118647776.html?anchor=adb